Gastbeitrag 8 hartnäckige Bitcoin-Mythen, die einfach falsch sind

Miner sind hochgezüchtete Computer, die in der Lage sind, sehr komplexe mathematische Aufgaben zu lösen! Falsch. Miner sind dumme Chips, die darauf spezialisiert sind eine einzige Formel zu berechnen, die zudem noch sehr einfach zu berechnen ist.
8 hartnäckige Bitcoin-Mythen, die einfach falsch sind

Immer und immer wieder erscheinen die gleichen falschen und teilweise dummen Aussagen über Bitcoin und die Blockchain. Es wird Zeit diese zu entlarven.

Der Bitcoin Irrtum rund um Miner

Irrtum #1: Miner sind hochgezüchtete Computer, die in der Lage sind, sehr komplexe mathematische Aufgaben zu lösen.
Falsch. Miner sind dumme Chips, die darauf spezialisiert sind eine einzige Formel zu berechnen, die zudem noch sehr einfach zu berechnen ist. Das kann jeder Computer, ja jede Smart-Watch. Die Aufgabe der Miner ist, nur in die Formel eine Variable einzusetzen, damit ein bestimmter Endwert entsteht. Hier liegt die Crux. Da diese Formel eine sogenannte Hash-Funktion ist und damit keine lineare, mathematische Formel, kann der gesuchte Wert nur erraten werden. Wenn der gesuchte Wert zu hoch ist, dann könnte man bei einer linearen Formel einfach einen kleineren Wert einsetzen, damit der Endwert kleiner wird. Bei einer Hash-Funktion ist das Ergebnis jedoch nicht vorhersehbar und deshalb bleibt den kleinen Rechensklaven tatsächlich nichts anderes übrig als beliebig viele Zahlen einfach auszuprobieren. Es ist ein reines, stumpfes Herumraten. Das können die Chips wie die Weltmeister und zwar Milliarden mal pro Sekunde. Damit schlagen sie zwar jede Smart-Watch, sind aber bei weitem nicht so “schlau” wie eine Smart-Watch. Irgendwann werden sie fündig und finden den richtigen Wert. Dann ist ein Block der Bitcoin Blockchain erraten und sie fangen gleich an den nächsten zu raten.

Irrtum #2: Miner validieren Transaktionen und sorgen dafür, dass die Regeln des Bitcoin-Netzwerkes respektiert werden.
Falsch. Miner validieren gar nichts, sondern rechnen nur dumm rum. Sie erhalten von den Bitcoin Full-Nodes Transaktionen, die diese validiert haben. Die Full-Nodes sorgen dafür, dass die Regeln eingehalten werden, da sie Transaktionen, die nicht den Regeln entsprechen einfach ablehnen. Gleiches gilt übrigens auch für Blöcke, die sie von Minern bekommen und nicht den Regeln entsprechen. Diese werden auch abgelehnt. Deshalb haben Miner auch sehr viel weniger Einfluss im Netzwerk als man gemeinhin hört. Als die Miner versucht haben SegWit2x durchzusetzen, gab es 70 % Miner, aber nur 18 % der Full-Nodes, die 2x akzeptiert hatten. In der Folge wurde der 2x Teil abgesagt, weil es nicht zum Laufen gekommen wäre. Die Full-Nodes hätten die 2x Blocks der Miner einfach abgelehnt.

Die sogenannte 51 % Attacke

Irrtum #3: Wenn jemand über 51 % der Miner verfügt, kontrolliert er Bitcoin.
Auch falsch. Selbst wenn jemand 100 % der Miner kontrollieren würde, kann er keine verbotenen Transaktionen einstellen, denn die Full-Nodes würden diese einfach ablehnen. Wenn der 100 % Miner-Besitzer die Transaktionen, die die Nutzer einstellen nicht bearbeiten würde, dann kämen keine Transaktionen mehr bei den Full-Nodes an und das Netzwerk kommt zum erliegen. Aber wem wäre damit geholfen? Im Falle einer sogenannten 51 % Attacke kann der Miner-Besitzer nur Transaktionen zensieren, aber er kontrolliert nicht das Netzwerk. Dazu müsste er alle Full-Nodes und die Miner kontrollieren. Er kann entscheiden, welche Transaktionen in die Blöcke kommen und welche nicht. Dadurch kann es zu Manipulationen innerhalb der Transaktionsreihenfolge kommen. Der Bösewicht könnte dann natürlich seine eigenen Transaktionen bevorzugen und so allen möglichen Unfug anstellen. Das ist natürlich sehr dramatisch und schlecht für Bitcoin. Wer also behauptet, dass die Unternehmen, die die Mining-Farmen betreiben Bitcoin kontrollieren, der hat einfach keine Ahnung.

Irrtümer rund um Blockchain Systeme

Irrtum #4: Blockchains sind schneller und effizienter als andere Systeme. Ganz falsch. Blockchains sind wesentlich langsamer als herkömmliche Systeme. Schon deshalb, weil die Datenbestände viele Tausend mal repliziert werden müssen und nicht nur ein paar mal auf gespiegelte Festplatten als Backup. Alleine die Anzahl der Kopien und deren Verteilung kostet Zeit. Dazu kommt noch die Anwendung des sogenannten Konsensus-Mechanismus, der dafür sorgen muss, dass alle Teilnehmer die gleichen Daten speichern und alles abgestimmt ist. Das ist der Vorgang, der unter dem Namen Mining bekannt ist. Nur so kann in einer Blockchain dafür gesorgt werden, dass das sogenannte “Double Spending Problem”, also die doppelte Verbuchung eines Guthabens, nicht stattfinden kann.Diesen Konsens zu erzeugen dauert in der Bitcoin Blockchain im Durchschnitt 10 Minuten. Andere Blockchain Systems können das zwar schneller, aber auch die brauchen zumindest ein paar Sekunden. In Summe sind Blockchains zwar nicht schneller oder effektiver, aber dafür 100 % sicher, was ein herkömmliches System nie sein kann.

Irrtum #5: Blockchains sind sicher, weil die Daten verschlüsselt sind.
Eine typische Fehlannahme. In einer Public Blockchain sind die Daten in der Regel öffentlich im Klartext, also unverschlüsselt, gespeichert. Deshalb ist Bitcoin auch nicht anonym, sondern pseudonym. In der Blockchain sind allerdings keine Echtnamen gespeichert, sondern die Wallet-Adressen der User, also so etwas wie eine Kontonummer. Da diese Wallet-Adressen aber über die verschiedenen Transaktionen in Verbindung stehen, kann man diese Zusammenhänge nutzen, um die Akteure hinter den Transaktionen zu identifizieren. Das ist den US Behörden zum Beispiel bei der Schliessung der Silk-Road ausgezeichnet gelungen. Blockchains sind sicher, weil das System angewandte Kryptographie verwendet, um Blöcke zu verketten und damit jede Art der Manipulation nach gewisser Zeit, bei Bitcoin ca. 60 Minuten, für immer zu 100 % auszuschliessen. Zudem werden kryptographische Verschlüsselungen genutzt um die Wallets zu schützen und Transaktionen zu veranlassen, wie beim Online-Banking. Dabei sind die Aufbewahrung der Bitcoins und die Transaktionen an sich sehr viel sicherer, als das sicherste Online-Banking-System. Im Gegensatz zum normalen Bankensystem ist Bitcoin nicht manipulierbar und nicht hackbar. Die Daten sind also zu 100 % sicher.

Typische Bitcoin Irrtümer

Irrtum #6: Bitcoin wird nur von Verbrechern genutzt.
Die Fehlannahme schlechthin. Verbrecher sind in der Tat eher schlecht beraten Bitcoin zu nutzen, um kriminelle Aktivitäten zu verschleiern, da die Daten öffentlich sind und sich die Transaktionen nachvollziehen lassen. Tatsächlich wird Bitcoin eher entweder von Spekulanten genutzt oder von Menschen, deren Wirtschaftssysteme nicht funktionieren. Tausende von Menschen in diktatorischen oder korrupten Systemen, wie zum Beispiel in Venezuela und anderen Ländern in Südafrika und Afrika, nutzen Bitcoin, um Lebensmittel und Medikamente zu kaufen. Ohne Bitcoin würden Menschen in diesen Ländern hungern oder sogar sterben. In diesen Ländern sind andere Währungen typischer Weise verboten, die Landeswährung entweder schon wertlos und unterliegt oft der Hyperinflation. Dadurch, dass das Bitcoin-Netzwerk nicht gestoppt werden kann, ist Bitcoin die Rettung für viele Menschen in diesen Ländern.

Irrtum #7: Bitcoin ist veraltet und wird abgelöst – so wie MySpace von Facebook abgelöst wurde.
Das ist ein sehr weit verbreiteter Irrtum. In der Tat ist Bitcoin das älteste, aber auch das bei Weitem stabilste System. Deshalb ist es nicht veraltet, sondern tatsächlich das einzige, welches über eine stabile und ungeknackte Historie verfügt. Die Bitcoin Blockchain wurde noch nie geknackt und ist die bewährte Plattform schlechthin, um weitere Services und Systeme darauf aufzubauen. Dadurch wird Bitcoin zu dem zukunftsfähigsten System, welches derzeit existiert.
Die meisten, und anerkanntermaßen besten Programmierer der Welt entwickeln Bitcoin Tag für Tag weiter. Zudem arbeiten die bei weitem größte Anzahl von Minern für die Bitcoin Blockchain und sichern damit das System in einem Maße ab, von dem andere Blockchains nur träumen können. Andere Systeme sind in der Regel weder ausreichend getestet noch verfügen sie über die Sicherheit und Stabilität, die die Bitcoin Blockchain inzwischen auszeichnet.

Irrtum #8: Neue Coins und Blockchain-Systeme können Sachen, die Bitcoin nicht kann.
Stimmt, aber die Frage ist doch, ob diese Coins und neuen Blockchain-Systeme das auch sicher und zuverlässig können. Das ist bisher nicht bewiesen und die Zukunft wird erst zeigen, ob diese angekündigten Systeme überhaupt technisch realisiert werden können. Wenn sie dann laufen bleibt immer noch abzuwarten, ob sie dann auch unter der Last vieler Millionen Nutzer stabil laufen. Viele Funktionen in diesen neuen Systemen sind zudem alles andere als neu und nur deshalb nicht in Bitcoin, weil sie den Sicherheitsstandards von Bitcoin einfach nicht genügen. Bitcoin erlaubt in Sachen Sicherheit absolut keine Kompromisse, während alle anderen Coins nicht auf diese Grundregel aufbauen. Was nutzt es denn, wenn eine Blockchain schneller ist, aber die Transaktionen nicht sicher sind oder das System an sich erfolgreich angegriffen, manipuliert oder abgeschaltet werden kann? Es ist immer wichtig, dass man Äpfel mit Birnen vergleicht, sonst unterliegt man leicht einem typischen Bitcoin Irrtum.

Über den Autor
11_BuchCover_Joachim copy 3Joe Martin ist ein Kind des Computerzeitalters und von Bitcoin, der Blockchain und Co. fasziniert. Als Journalist mit über 25 Jahren Berufserfahrung in der Welt der Technologie verfügt er über die idealen Voraussetzungen, um dem Leser auf eine leicht verständliche und nachvollziehbare Art die faszinierende Welt der Krypton-Währungen nahe zu bringen. Bitcoin und Co., die Blockchain und deren Bedeutung werden in seinem Buch “Bitcoin, Blockchain & Co.” für jedermann nachvollziehbar und gleichzeitig unterhaltsam erklärt.

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