15 Fragen an Kajetan Arno Uhlig Die “unbequemsten Stühle der Welt” als gute Motivation

"Wir haben während der Findungsphase laufend nebenbei gearbeitet. Wir hatten das Glück, dass unsere Expertise gefragt war, und so konnten wir Phasenweise an Projekten arbeiten und hatten damit wieder Geld, um uns wieder auf Userlane konzentrieren zu können", sagt Mitgründer Kajetan Arno Uhlig.
Die “unbequemsten Stühle der Welt” als gute Motivation

Jeden Freitag beantwortet ein Gründer oder eine Gründerin unseren standardisierten Fragebogen. Der Fragenkatalog lebt von der Vergleichbarkeit der unterschiedlichen Fragen, die alle Gründerinnen und Gründer beantworten müssen – diesmal antwortet Kajetan Arno Uhlig, Mitgründer von Userlane. Das Unternehmen stellt seinen Nutzern ein Navigationssystem für Software zur Verfügung, das erlaubt, jede Software ohne Einarbeitungszeit zu bedienen. Capnamic Ventures und die Altinvestoren High-Tech Gründerfonds, main incubator und FTR Ventures investierten kürzlich 4 Millionen in die Münchner Jungfirma.

Was bedeutet es Dir, Dein eigener Chef zu sein?
Wir drei Gründer haben nicht das Gefühl die Chefs zu sein. Vielmehr sind wir uns bewusst, dass wir hier alle zusammen etwas erschaffen: Jeder einzelne Mitarbeiter, unsere Investoren, unsere Board-Member und selbst unsere Kunden, die uns dieses Wachstum ermöglichen. Die flachen Hierarchien in schnell wachsenden Unternehmen kommen ja nicht daher, dass sich jeder kennt, sondern weil es ein gemeinsames Verständnis davon gibt, dass wir alle an einem Strang ziehen. Die größte Motivation für uns drei und auch für unser Team ist es, gestalten zu können. Im großen heißt das für uns, die Zukunft des Lernens sowie den Arbeitsplatz der Zukunft zu gestalten. Dieser Vision kommen wir jeden Tag näher. Gestalten heißt für uns auch ein Umfeld zu konzipieren und umzusetzen, in dem wir selbst gerne arbeiten möchten. Und zuletzt gestalten wir auch unsere Vorstellung von einer idealen Kundenbeziehung am Markt, angefangen von unserem Service bis hin zu jedem einzelnen Kontakt.

Bei welcher Gelegenheit kam Dir die Idee zu Deinem Start-up?
Es gibt sehr viele Dinge, die wir heute lernen müssen. Aber nicht alles entfaltet einen Mehrwert, wenn wir es im Kopf behalten. Vieles ist nur im Moment wichtig, wie beispielsweise der genaue Weg von Hamburg nach München zu unseren Büros. Das muss keiner ständig wissen. Es reicht also, wenn ich ans Ziel komme und anschließend auf dem RAM wieder Platz für wichtigeres schaffe. Jetzt geht es nur noch darum, wie ich dieses Wissen auf dem Weg vermittle, es muss skalierbar sein und intuitiv und es sollte universell einsetzbar sein. Das GPS hat es für die Autoindustrie vorgemacht und wir übernehmen dieses Prinzip für Software. Aufgefallen ist uns das, als wir durch die abgelegensten Straßen immer noch per GPS sicher ans Ziel geführt wurden. Den Weg hätte keiner von uns gekannt und schon nach der Reise kannte den Weg auch schon keiner mehr. Alles was zählte war, dass wir angekommen sind und dieses Wissen wurde uns völlig natürlich und intuitiv für den Moment vermittelt. Zuhause am Rechner hat es dann klick gemacht und wir drei waren uns einig.

Woher stammte das Kapital für Dein Unternehmen?
Wir haben während der Findungsphase laufend nebenbei gearbeitet. Wir hatten das Glück, dass unsere Expertise am Markt gefragt war, und so konnten wir Phasenweise an Projekten arbeiten und hatten damit wieder genügend Geld, um uns wieder auf Userlane konzentrieren zu können. Getroffen haben wir uns in meinem Wohnzimmer und zu Essen gab es Burrrrritos. Ich hatte die unbequemsten Stühle der Welt, das war eine gute Motivation. Nach sehr vielen Gesprächen mit Unternehmen, konnten wir unseren MVP sehr genau auf die Bedürfnisse des Marktes anpassen. Mit ersten zahlenden Kunden verlief das Fundraising für die Seed-Finanzierung nahezu reibungslos.

Was waren bei der Gründung Deines Start-ups die größten Stolpersteine?
Als erfahrenes Team haben wir mit Userlane keine erwähnenswerten Stolpersteine erlebt. Aber das haben wir vielen Erfahrungen aus unserer Vergangenheit zu verdanken, aus denen wir lernen konnten. Man trifft die Entscheidungen zu jeder Zeit nach bestem Wissen und Gewissen mit den Informationen, die man zu der Zeit hat. Das wichtigste ist, dass man eine Entscheidung trifft.

Was würdest Du rückblickend in der Gründungsphase anders machen?
So früh wie möglich damit beginnen, gute Leute für das gemeinsame Vorhaben zu gewinnen. Wir haben mit unserem Team sehr viel Glück gehabt. Aber es ist so wichtig, dass man damit nicht früh genug anfangen kann.

Jedes Start-up muss bekannt werden. Welche Marketingspielart ist für Euch besonders wichtig?
Viele Wege führen nach Rom und zugleich gibt es keinen Standardweg, der für alle gleich ist. Für eine gute Daumenregel halte ich, sich darauf zu konzentrieren, was man am besten kann. Jede Marketingspielart kann zum Erfolg führen, wenn man sie richtig bespielt. Für uns ist das das Influencer-Marketing im B2B, Content und Marketing-Automation. Der berühmte Market-Channel-Fit ist meines Erachtens eher ein Skill-Channel-Fit im eigenen Team.

Welche Person hat Dich bei der Gründung besonders unterstützt?
Meine beiden Mitgründer, sowie unsere Investoren sind nach wie vor meine erste Wahl.

Welchen Tipp gibst Du anderen Gründern mit auf den Weg?
Zuhören lernen. Mitgründern zuhören, Mitarbeitern zuhören, Kunden zuhören, Investoren zuhören, stakeholdern zuhören und dem Markt zuhören. Da steckt schon fast alles drin. Anschließend Entscheidung treffen und sie leben.

Du triffst den Bundeswirtschaftsminister – was würdest Du Dir für den Gründungsstandort Deutschland von ihm wünschen?
Ein Gründercampus oder eine Start-Up-Stadt nach dem Vorbild von Station F. in Paris. Eine kritische Masse an dedizierten Flächen und Räumen werden schnell zu einem internationalen pull-faktor für Kapital und Innovation. Gegenseitiger Austausch mit gleichgesinnten aus verschiedenen Phasen führt schnell zu rapidem Wachstum. Die freie Marktwirtschaft übernimmt dann die Selektion.

Was würdest Du beruflich machen, wenn Du kein Start-up gegründet hätten?
Ein Start-up gründen oder mich einem/einer anderen Gründer/Gründerin anschließen. Ich will die Welt mitgestalten und mit Menschen arbeiten, die für ihr Thema brennen.

Bei welchem deutschen Start-up würdest Du gerne mal Mäuschenspielen?
adjust.com oder N26 haben faszinierende Erfolgsgeschichten geschrieben und sind sicherlich in vielen Bereichen wegweisend.

Du darfst eine Zeitreise unternehmen: In welche Epoche reist Du?
Nicht zu weit: Mein Immunsystem ist ziemlich gut auf die aktuelle Zeit eingestellt. Zu weit in die Vergangenheit und ich könnte mit einmal husten die Menschheit auslöschen. Das wäre fatal. Zu weit in die Zukunft und ich wäre selber überfordert. Ebenfalls nicht optimal. Kommunikation wäre auch schwierig: In der Zukunft wäre ich in der Realität neben den VR-Junkies wohl ziemlich alleine, genauso wie ein antiker Römer der zu uns reist und nicht versteht, dass sich alle auf Instagram schreiben. Ich würde sagen 20 Jahre in die Zukunft, den Sportalmanach und ein paar Nike Schuhe mit Selbstverschluss abstauben, schauen, was Userlane so treibt, ob Musk jetzt der Tech-Pabst ist, und wieder zurück.

Du hat eine Million Euro zur persönlichen Verfügung: Was machst Du mit dem ganzen Geld?
Make it 2 million.

Wie verbringst Du einen schönen Sonntag?
Manchmal in unseren schönen Büros mit lauter Musik und offenen Fenstern. Oft mit Freunden in immer anderen Städten. Meistens mit gutem Essen.

Mit wem würdest Du gerne einmal auf einen Kaffee oder ein Bier verabreden?
Neil DeGrasse Tyson, Sir Ken Robinson und Richard Feynman. Alle drei schaffen es, unendlich komplexe Gedanken verständlich zu machen und Menschen für sie zu begeistern. Weil wir Menschen wie ihnen gerne zuhören, lernen wir ohne es zu merken. Mit Userlane versuchen wir Menschen unbeliebtes aber wichtiges Wissen zu vermitteln, ohne dass sie es lernen müssen. Ich bin davon überzeugt, dass unsere Fähigkeit Wissen zu vermitteln einer der wichtigsten Faktoren einer funktionierenden und sich laufend verändernden Gesellschaft ist.

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Foto (oben): Userlan

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.