Gastbeitrag 70 % der Weltmarktführer haben ihren Sitz in der Pampa

Keine Angst vorm platten Land! Natürlich bieten längst nicht alle ländlichen Regionen die richtige Basis für Gründer, ebenso wenig wie Berlin für jedes Startup die einzige Alternative darstellt. Es gibt überall Vor- und Nachteile; wichtig ist es, sie zu kennen.
70 % der Weltmarktführer haben ihren Sitz in der Pampa

Es muss nicht immer die Großstadt sein: Manche Startups sind auch in der Provinz sehr erfolgreich. Wichtig sind das Umfeld, die Nähe zum Kunden und relevante Kontakte

Startups und Berlin gehören zusammen wie Smartphone und Touchscreen. Doch das bedeutet nicht, dass Gründer nicht auch woanders erfolgreich sein können, im Gegenteil: Zwar ist Deutschlands Hauptstadt ein Startup-Hotspot, nur bei weitem nicht die einzige Gründer-Oase. Das zeigt der Startup-Monitor des Bundesverbands Deutsche Startups e.V. (BVDS) und der Unternehmensberatung KPMG: 17 Prozent gründeten im vergangenen Jahr in Berlin. Die übrigen 83 Prozent der Startups verteilten sich auf den Rest der Republik wie die Metropol-Region Rhein-Ruhr (14,1 %), den Raum Stuttgart/Karlsruhe (8,9 %), München und sein wirtschaftlich so starkes Umland (7 %) oder Hamburg (6,4 %).

Was die Provinz attraktiv macht

Als Startup-Beauftragte begegne ich regelmäßig jungen Gründern, die mit ihren Startups zeigen, dass ein Standort in einer Großstadt jedoch keine Grundvoraussetzung für Erfolg sein muss. Dazu zählt der promovierte Bioinformatiker Josef Scheiber. Mit seinem Startup BioVariance scheiterte er in München am Fachkräftemangel und teuren Büroflächen. Daher zog es ihn zurück in die alte Heimat. Und im oberpfälzischen Waldsassen fand Scheiber, was er in München vergeblich suchte: qualifizierte Mitarbeiter von den umliegenden Fachhoch- und EDV-Schulen sowie adäquate Büroflächen.

Ebenfalls in der Provinz sitzt das Startup 5Analytics. Die Gründer Stefan Soehnle und Sebastian Klenk haben eine Software entwickelt, die künstliche Intelligenz in Unternehmensprozesse integriert. Zum Beispiel für die vorausschauende Wartung, zur aktiven Prozessteuerung oder dynamisches Preismanagement. Sie gründeten in Köngen, einem kleinen Städtchen nahe Esslingen. Hauptgrund für ihre Standortwahl: Soehnle und Klenk verfügen im Umfeld von Köngen über gute Kontakte, die bis ins 25 Kilometer entfernten Stuttgart reichen, wo beide studiert haben.

Nur zwei Beispiele, die zeigen, dass es nicht immer die Großstadt sein muss. Manche meiden Metropolen sogar bewusst, weil sie dort schnell mit hunderten Unternehmen in unmittelbarer Nähe konkurrieren, was die Gehälter besonders für Firmen in der Startphase schnell in unbezahlbare Höhen treibt. Weshalb einige ihr Personal lieber in ländlichen Gebieten suchen und finden – zum Beispiel dort, wo Hochschulen mit relevanten Studienfächern in der Nähe sind, deren Absolventen ambitioniert, gut ausgebildet und noch dazu in ihrem regionalen Umfeld verwurzelt sind.

Auf das Netzwerk kommt es an

Natürlich bieten längst nicht alle ländlichen Regionen die richtige Basis für Gründer, ebenso wenig wie Berlin für jedes Startup die einzige Alternative darstellt. Es gibt überall Vor- und Nachteile; wichtig ist es, sie zu kennen. Das Land kann zum Beispiel näher an potentiellen Kunden sein sowie günstigere Fachkräfte und Büroflächen bieten. Doch das alleine genügt nicht: Startups brauchen unabhängig vom Standort einen guten Draht zu Kapitalgebern sowie ein Netzwerk aus Kontakten und erfahrenen Partnern, die Startups beispielsweise bei Vertrieb und Marketing unterstützen.

Wie erfolgreich Unternehmen in der Provinz grundsätzlich sein können, zeigt ein Blick in die Statistik: 70 Prozent der deutschen Weltmarktführer haben ihren Sitz in der Pampa. Nicht wenige davon werden als so genannte Hidden Champions gehandelt; Unternehmen, die außerhalb ihrer Branche kaum jemand kennt, aber in dem, was sie tun, die besten der Welt sind.

Ich bin davon überzeugt, dass Startups die Möglichkeit haben, es den Hidden Champions gleichzutun, die von der grünen Wiese aus die ganze Welt eroberten.

Tipp: Gründergeist – vom urbanen Phänomen zum Mainstream

Zu Autorin
Miriam Merten ist Telekom Startup-Expertin

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