15 Fragen an Andreas Jonderko “Fehler gehören dazu und sind auch gar nicht schlimm”

"Wichtig ist, von Anfang an einen guten und offenen Kontakt zu Kunden und Partnern aufzubauen. Denn sie haben das, was am wichtigsten für den Erfolg einer Gründung ist: Feedback aus der Praxis", sagt Andreas Jonderko, Mitgründer von gastronovi.
“Fehler gehören dazu und sind auch gar nicht schlimm”

Jeden Freitag beantwortet ein Gründer oder eine Gründerin unseren standardisierten Fragebogen. Der Fragenkatalog lebt von der Vergleichbarkeit der unterschiedlichen Fragen, die alle Gründerinnen und Gründer beantworten müssen – diesmal antwortet Karl Jonderko (Foto: links), Mitgründer von gastronovi, einer Cloud-Software für Gastronomen.

Was bedeutet es Dir, Dein eigener Chef zu sein?
Es bedeutet mir sehr viel. Ich finde es toll, die Unabhängigkeit genießen zu dürfen, kreativ zu sein und unsere Ideen gemeinsam mit dem Team umsetzen zu können. Auf der anderen Seite bedeutet „Chef sein“ auch viel Verantwortung. Als Führungsteam tragen wir die Verantwortung für 40 Mitarbeiter und deren Familien.

Bei welcher Gelegenheit kam Dir die Idee zu Deinem Start-up?
Ich habe während des Studiums immer mal wieder für Privatpersonen oder kleinere Unternehmen nebenher IT-Projekte betreut oder Probleme mit der Technik gelöst. Letztlich war es dann so, dass wir uns etwas aufbauen wollten und ein Büro angemietet hatten, dass zufällig über einem Restaurant lag. Der Restaurantbesitzer hatte mitbekommen, dass wir uns mit IT gut auskennen und bat uns eine Homepage für ihn zu erstellen. So kam eins zum anderen und uns war schnell klar: Die Gastronomie braucht dringend digitale Unterstützung. Also haben wir angefangen, eine praktikable und digitale Lösung für die alltäglichen Prozesse in der Gastronomie zu entwickeln.

Woher stammte das Kapital für Dein Unternehmen?
Wir haben uns am Anfang selbst finanziert. Uns war es wichtig, unabhängig und flexibel agieren zu können. Nach drei Jahren intensiver Recherche, Entwicklung und Kundentests war gastronovi endlich in der ersten Version fertig. Ab einem gewissen Zeitpunkt war aber klar, dass die Nachfrage riesig ist und wir Unterstützung brauchen. Daher haben wir einen geeigneten Partner gesucht, der uns bei der Skalierung unterstützen kann.

Was waren bei der Gründung Deines Start-ups die größten Stolpersteine?
Natürlich haben wir auch ausprobiert und gerade am Anfang hatten wir so manche Testversionen entwickelt, von denen wir total überzeugt waren. Unsere Kunden waren es allerdings weniger, weil die Lösung einfach im Betriebsalltag nicht praktikabel war. Wir haben zum Beispiel anfänglich gedacht, es wäre ratsam, immer das komplette gastronovi Office Paket zu verkaufen oder wollten mit unseren Kunden Laufzeit-Verträge abschließen. Jedoch hat sich herausgestellt, dass die Cloud keine langen Vertragszeiträume von 24 Monaten benötigt und die Zielgruppe gerne ihre Freiheit behalten möchte. Nach dieser Erkenntnis haben wir die gastronovi Software in einzelne Module unterteilt, die von unseren Kunden je nach Bedarf auf monatlicher Basis gebucht werden können. Davon profitieren nicht nur unsere Kunden, auch wir haben es nun auf vielen Ebenen einfacher: Der Vertrieb sowie das Marketing geht einfacher von der Hand und Schulungen sind weniger zeitintensiv. Wir haben dann angefangen schon bei der Entwicklung intensiv mit Gastronomen zusammenzuarbeiten, um von Anfang an alle Wünsche und Sorgen der Anwender mit aufnehmen zu können. Entscheidend ist ein fester Glaube an das eigene Unternehmen und Produkt und gleichzeitig offen zu sein für Feedback und Kritik.

Was würdest Du rückblickend in der Gründungsphase anders machen?
Ich würde vermutlich nicht viel anders machen. Ich würde mir vielleicht auf einzelnen Gebieten früher Rat von außen holen, denn auf manchen Gebieten ist es besser, einen Experten zur Hand zu haben, bevor man Stunden oder Tage in die Recherche geht. Das spart einfach Zeit. Rückblickend kann ich aber sagen, dass wir uns eine solide Basis aufgebaut haben, mit der wir sehr gut arbeiten und auf der wir aufbauen können. Wir haben von Beginn an den Blick für „das große Ganze“ gehabt und alles auf eine ständige Skalierbarkeit ausgelegt. Das bedeutet, dass unsere Software ein offenes System ist, das wir ständig erweitern können, ohne bestehende Funktionen zu beeinträchtigen.

Jedes Start-up muss bekannt werden. Welche Marketingspielart ist für Euch besonders wichtig?
Wichtig ist, von Anfang an einen guten und offenen Kontakt zu Kunden und Partnern aufzubauen. Denn sie haben das, was am wichtigsten für den Erfolg einer Gründung ist: Feedback aus der Praxis. Eine Idee ist nur dann wirklich gut, wenn sie dem Endkunden wirklich weiterhilft und ihn bei seiner Arbeit unterstützt.

Welche Person hat Dich bei der Gründung besonders unterstützt?
Das waren die drei anderen Gründer Bartek, Christian und mein Bruder Karl. Wir kannten uns alle schon aus der Schule, Karl, meinen Bruder, kannte ich natürlich schon davor! Wir haben gastronovi als Vierer-Gespann gestartet und uns gegenseitig unterstützt. Es war toll, zu wissen, dass es Personen gibt, die genauso für die Idee brennen, mit denen ich neue Ideen spinnen und Konzepte entwickeln kann und auf die ich mich verlassen kann. Das ist heute nicht anders als damals vor neun Jahren bei der Gründung unseres Startups.

Welchen Tipp gibst Du anderen Gründern mit auf den Weg?
Seid mutig und probiert am Anfang so viel wie möglich aus. Fehler gehören dazu und sind auch gar nicht schlimm. Denn sie passieren in der Regel unweigerlich. Es gibt dabei eine Faustregel: Je später diese Fehler gemacht werden, umso teurer werden sie.

Du triffst die Bundeswirtschaftsministerin – was würdest Du Dir für den Gründungsstandort Deutschland von ihr wünschen?
Definitiv bessere und zeitgemäße Ausbildungsplattformen. Die Schulen von heute haben sich kaum verändert und bereiten meines Erachtens die Schülerinnen und Schüler nicht ausreichend auf die vielfältigen Herausforderungen auf dem Arbeitsmarkt vor. Es fehlt vor allem an guten Ideen, aber auch an Geldern, die Modernisierung und Digitalisierung der Bildungseinrichtungen umzusetzen.

Was würdest Du beruflich machen, wenn Du kein Start-up gegründet hättest?
Vermutlich würde ich in einem größeren IT-Unternehmen im Projektmanagement arbeiten oder auch aktiv an der Entwicklung neuer Softwarelösungen beteiligt sein. Als diplomierter Informatiker hat es mir schon immer Spaß gemacht, etwas Neues zu entwickeln, dass es so noch nicht gibt und dass das Leben einfacher macht.

Bei welchem deutschen Start-up würdest Du gerne mal Mäuschenspielen?
Das ist eine schwierige Frage. Letztendlich sind alle Branchen in ihren ganz unterschiedlichen Bereichen interessant und mit einem Blick über den Tellerrand kann man immer auch etwas für die eigene Branche dazulernen. Ich persönlich finde die Digitalisierung und Automatisierung hochspannend wie sie etwa In der Automobilbranche bei Tesla zu sehen ist. Die Branche wechseln würde ich dennoch nicht, denn die Gastronomie ist so vielfältig und spannend: Sie ist mit ihren vielen unterschiedlichen Konzepten so individuell und herausfordernd, dass ich mir nicht vorstellen könnte, in einem anderen Bereich zu arbeiten.

Du darfst eine Zeitreise unternehmen: In welche Epoche reist Du?
Natürlich in die Zukunft! Ich will unbedingt wissen, wohin uns die Digitalisierung führt. Ich glaube, dass wir im Moment erst ganz am Anfang stehen, mit dem was möglich ist. In Zukunft werden wir noch viel mehr der Technik überlassen können. Unliebsame oder zeitraubende Arbeiten entfallen und wir können uns mehr mit den Dingen beschäftigen, die uns am Herzen liegen.

Du hast eine Million Euro zur persönlichen Verfügung: Was machst Du mit dem ganzen Geld?
Ich würde einen Großteil investieren und unser Entwicklungsteam erweitern. Einen Teil würde ich natürlich zurücklegen und auch einen Urlaub würde ich mit meiner Familie buchen. Zwei Wochen irgendwo in den Bergen, einfach nur für uns.

Wie verbringst Du einen schönen Sonntag?
Unsere Arbeitswoche ist so lang und zeitintensiv, dass nur wenig Freizeit bleibt. Der Sonntag gehört daher ganz der Familie.

Mit wem würdest Du Dich gerne einmal auf einen Kaffee oder ein Bier verabreden?
Elon Musk

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Foto (oben): Shutterstock

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.

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