15 Fragen an Jan Neubauer “Alle müssen an die gemeinsame Mission glauben”

"Als größte Challenge würde ich das „eingrooven“ als Gründerteam bezeichnen. Es ist essentiell, hier eine Grundlage zu schaffen, in der man sich vertraut, die gegenseitigen Stärken und Schwächen genau kennt und sich optimal ergänzt", sagt Jan Neubauer von ClaraVital.
“Alle müssen an die gemeinsame Mission glauben”

Jeden Freitag beantwortet ein Gründer oder eine Gründerin unseren standardisierten Fragebogen. Der Fragenkatalog lebt von der Vergleichbarkeit der unterschiedlichen Fragen, die alle Gründerinnen und Gründer beantworten müssen – diesmal antwortet Jan Neubauer (Foto: rechts). Im Jahre 2013 gründete Neubauer gemeinsam mit Jan Burk das Online-Sanitätshaus ClaraVital. NKB, eine Tochter der NBank Niedersachsen, und ein nicht genanntes Hamburger Family Office investierten kürzlich einen einstelligen Millionenbetrag in das junge Unternehmen. Anfangs packten die Gründer die ClaraVital-Pakete in einem unbeheizten Schweinestall. Inzwischen arbeiten 27 Mitarbeiter für ClaraVital, das unter anderem Fitness- und Wellnessartikel, Mobilitäts- und Alltagshilfen sowie Pflege- und Inkontinenzhilfen verkauft.

Was bedeutet es Dir, Dein eigener Chef zu sein?
Ich bin sehr dankbar! Es bedeutet mehr Gestaltungsspielraum und Flexibilität, aber auch ein gehöriges Stück Verantwortung.

Bei welcher Gelegenheit kam Dir die Idee zu Deinem Start-up?
Dies war ein langer Prozess. Der Hilfsmittel- und Pflegemarkt war unter anderem durch meine Arbeit bei pflege.de schon länger auf der Agenda. Als ich dann meinen Mitgründer Jan Burk traf, der das Thema auch seit langem auf dem Schirm hatte, war die Gelegenheit und Zeit gekommen, das Business zu starten.

Woher stammte das Kapital für Dein Unternehmen?
Das erste Geld war eigenes Geld aus der Familie. Nach einem Jahr konnten wir dann mit Stefan Bülow den ersten Business Angel überzeugen. Kürzlich haben wir noch die NKB und ein Hamburger Familiy Office mit aufgenommen.

Was waren bei der Gründung Deines Start-ups die größten Stolpersteine?
Es gab vom Start weg unzählige Herausforderungen. Als größte Challenge würde ich das „eingrooven“ als Gründerteam bezeichnen. Es ist essentiell, hier eine Grundlage zu schaffen, in der man sich vertraut, die gegenseitigen Stärken und Schwächen genau kennt und sich optimal ergänzt.

Was würdest Du rückblickend in der Gründungsphase anders machen?
Ich würde weniger zurückhaltend bei der Geldakquise agieren und nicht erst nach knapp eineinhalb Jahren den ersten Business Angel mit aufnehmen.

Jedes Start-up muss bekannt werden. Welche Marketingspielart ist für Euch besonders wichtig?
Neben den bekannten Performance Marketing Spielarten ist unser Kundenservice – also der persönliche Kontakt zu unseren Kunden – unser wichtigstes Marketingtool.

Welche Person hat Dich bei der Gründung besonders unterstützt?
Meine Familie stand voll hinter mir.

Welchen Tipp gibst Du anderen Gründern mit auf den Weg?
Ich habe erst nach der Gründung für mich festgestellt, dass „Purpose“ für mich sehr wichtig ist. Konkurrenz- und Marktanalysen haben mich zu diesem Thema geführt. Jetzt im Nachhinein bin ich froh, dazu beitragen zu können, den Sanitätshausmarkt transparenter und fairer zu gestalten. Ich würde also raten, sich auch diese Frage zu stellen. Darüber hinaus ist es essentiell, sich die richtigen Mitgründer und die richtigen ersten Mitarbeiter zu suchen – hier darf es keine Kompromisse geben. Alle müssen an die gemeinsame Mission glauben und alle brauchen vor allem Durchhaltevermögen.

Du triffst die Bundeswirtschaftsministerin – was würdest Du Dir für den Gründungsstandort Deutschland von ihr wünschen?
Sie sollte Ihre Kollegin, die Bundesbildungsministerin dazu drängen, das Thema Wirtschaft im Allgemeinen und auch die Themen Gründung & Digitalisierung im Speziellen schon als Abiturinhalte zu etablieren. Darüber hinaus sollte es für Privatpersonen und institutionelle Investoren deutlich attraktiver sein in Startups zu investieren. Hier sollte vor allem Bürokratie abgebaut und steuerliche Anreize gesetzt werden. So haben wir etwa einen Teil unseres Verlustvortrags bei der Aufnahme neuer Investoren verloren.

Was würdest Du beruflich machen, wenn Du kein Start-up gegründet hätten?
Ich würde mich als DJ über Wasser halten, während ich mit meinem Mitgründer Jan an der nächsten Idee pfeile.

Bei welchem deutschen Start-up würdest Du gerne mal Mäuschenspielen?
Bei Zooplus.

Du darfst eine Zeitreise unternehmen: In welche Epoche reist Du?
Ins Jahr 2500.

Du hast eine Million Euro zur persönlichen Verfügung: Was machst Du mit dem ganzen Geld?
Ein Teil kommt unters Kopfkissen, um besser schlafen zu können. Darüber hinaus gilt es, Top-Teams zu finden und diese mit einer Starthilfe zu unterstützen.

Wie verbringst Du einen schönen Sonntag?
Astra-Picknick mit Friends & Familiy am Elbstrand

Mit wem würdest Du gerne einmal auf einen Kaffee oder ein Bier verabreden?
Mit Tony Hsieh, um mit ihm über Unternehmenskultur und den Marketingkanal Kundenservice zu sprechen.

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Foto (oben): Shutterstock

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.

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