Gastbeitrag von Marion Koppitz PowerPoint: Kann man ruhig mal drauf verzichten!

Wer hat eigentlich gesagt, dass es zu jedem Vortrag eine Präsentation geben muss? Ein guter Redner braucht keine Präsentation, um Aufmerksamkeit zu bekommen – ganz im Gegenteil: Oft lenkt das leuchtende Rechteck des Beamers nur vom Wesentlichen ab.
PowerPoint: Kann man ruhig mal drauf verzichten!

Es gibt viele Anlässe, bei denen Startups mit einer gut vorbereiteten PowerPoint-Präsentation glänzen können: Pitches, Vorträge und Konferenzen kann man sich schließlich nicht mehr ohne Beamer vorstellen. Doch mindestens genauso viele Gelegenheiten gibt es im Arbeitsalltag, bei denen Sie mit einer PowerPoint-Präsentation total daneben liegen. Wer konstruktive und kreative Gespräche führen will, ist oft ohne besser beraten. Bei den folgenden Anlässen sollten Sie lieber ohne Präsentation erscheinen.

1. Zur Ideenfindung
Wo bekommen wir bloß die nächste große Idee her? – Klar, ein Brainstorming wird einberufen, Mitarbeiter verschiedenster Aufgabenbereiche setzten sich an den Konferenztisch und schon geht es los, das große Chaos. Die Idee, das Brainstorming mit einer PowerPoint-Präsentation zu gliedern, liegt nahe, doch führt meist nicht zum gewünschten Erfolg. Ein fester Rahmen und die gezeigten Bilder behindern nur den Gedankenfluss. Recherchieren Sie daher lieber im Vorfeld nach geeigneten Kreativitätstechniken und probieren Sie diese im Meeting aus.

2. Bei Verhandlungen
Sie wollen Ihren Chef beim nächsten Personalgespräch so richtig beeindrucken, sammeln wochenlang Argumente für Ihre Beförderung oder Gehaltserhöhung und schalten als erstes den Beamer an, wenn das Gespräch beginnt? Keine gute Idee, denn Ihr Gesprächspartner kann sich schnell überrumpelt und bevormundet fühlen. Natürlich sollten Sie sich und Ihre Argumente gründlich vorbereiten, doch im Endeffekt hat ein Gespräch auf Augenhöhe größere Erfolgsaussichten als ein Vortrag. Sie können ja gerne im Anschluss Ihre guten Argumente in Form einer Präsentation „zum Nachlesen“ hinterlassen.

3. Bei Mitarbeitergesprächen
Genau das gleiche gilt umgekehrt – Feedbackgespräche mit Ihren Teammitgliedern sollten Sie als wirklichen Dialog gestalten und nicht mit einer Präsentation aufwarten. Ihr Mitarbeiter freut sich auf ehrliches, konstruktives Feedback und nicht auf einen Vortrag. Der würde eher dazu führen, dass der Mitarbeiter sich nicht traut, ehrlich und offen zu sprechen. Gut vorbereitet sein – das heißt: sich Gedanken und auch Notizen zum Mitarbeiter machen, aber sicher keine PowerPoint-Präsentation.

4. Unter Zeitdruck
Schnell, schnell noch ein paar Folien zusammenbauen, damit man beim Termin etwas vorzuweisen hat? Besser nicht. Wenn Ihre Präsentation keinen roten Faden hat, nicht professionell aufbereitet und eigentlich nur eine Gedankensammlung in PowerPoint ist, sollten Sie sich die Mühe sparen und sich die verbleibende Zeit bis zur Besprechung lieber inhaltlich vorbereiten. Eine gute Präsentation holt alle Zuhörer ab und ist optimal auf den Vortragenden und das Zielpublikum angepasst – eine schlechte dagegen langweilt die Zuhörer und wirkt unprofessionell.

5. Auf Familienfeiern
Jeder von uns hat es sicherlich schon mehrmals erlebt: Auf Feiern zu Geburtstagen oder Hochzeiten – und zuletzt haben wir es sogar auf einer Beerdigung erlebt – werden von lieben Menschen, die es eigentlich nur gut meinen, die vermeintlich „lustigen“ Präsentationen mit Schnappschüssen vorgeführt. Leider sind diese Folienwerke nur in den seltensten Fällen für alle Gäste amüsant oder von Interesse für die gesamte Feiergesellschaft.

Welche Alternativen gibt es zur PowerPoint-Präsentation?

Erzählen Sie!
Wer hat eigentlich gesagt, dass es zu jedem Vortrag eine Präsentation geben muss? Ein guter Redner braucht keine Präsentation, um die gesamte Aufmerksamkeit seines Publikums zu bekommen – ganz im Gegenteil: Oft lenkt das leuchtende Rechteck des Beamers nur vom Wesentlichen ab. Menschen mögen Geschichten, also erzählen Sie welche! Oder hat Ihr Großvater im Lehnstuhl seine Märchen mit Hilfe von PowerPoint-Folien erzählt?

Graphic Recording
Sie möchten schon, dass Ihr Vortrag in irgendeiner Form visualisiert wird und der Inhalt im Nachhinein anderen zur Verfügung gestellt werden kann? Dann engagieren Sie doch einen Live-Zeichner – auch Graphic Recorder genannt – der die Inhalte Ihres Vortrags live und in Echtzeit auf der Bühne visualisiert und mit anschaulichen Grafiken, Zeichnungen, Begriffen darstellt und Zusammenhänge aufzeigt.

Bewegtbild
Überraschen Sie Ihre Zuhörer doch mal mit einem kurzen Video! Das ist besonders für Menschen mit großem Lampenfieber eine gute Möglichkeit, den Vortrag vor Publikum zu vermeiden. Ein Video mag zwar in der Produktion etwas aufwändiger sein, dafür ist es kurzweilig und eine Abwechslung zu Bullet-Points und Balkendiagrammen.

Über die Autorin
Marion Koppitz ist Gründerin, Gesellschafterin und CEO von i-pointing, Deutschlands Premium-Anbieter für Präsentationserstellung. Die in Passau geborene Betriebswirtin war mehrere Jahre bei Siemens Management Consulting als Präsentationsdesignerin tätig, bevor sie dort als Kommunikationsberaterin Turnaround-Projekte unterstützte. 2001 gründete sie die Firma i-pointing mit der Idee, professionelles Präsentationsdesign rund um die Uhr anzubieten. Ihr Credo: Rettet die Welt vor überflüssigen PowerPoint-Folien!

Kennen Sie schon unseren #StartupTicker? Der #StartupTicker berichtet tagtäglich blitzschnell über die deutsche Start-up-Szene. Schneller geht nicht!

Foto (oben): Shutterstock