Yaron Valler im VC-Interview “Geld ist ein Tool – wie der Hammer für einen Handwerker”

"Wir investieren in großartige Teams, die die Welt verändern können. Ich liebe es mit passionierten Unternehmern zu arbeiten, die sich nicht vor Risiken fürchten, dabei aber nicht blauäugig sind", sagt Yaron Valler, General Partner bei Target Global, im VC-Interview mit deutsche-startups.de.
“Geld ist ein Tool – wie der Hammer für einen Handwerker”

Seit dem vergangenen Jahr ist der umtriebige Kapitalgeber Target Global auch in Berlin vertreten. Im Portfolio des Unternehmens befinden sich Start-ups wie Book A Tiger, Clark, Delivery Hero, HeavenHR, Service Partner One und smartfrog. Im VC-Interview mit deutsche-startups.de spricht Yaron Valler, General Partner bei Target Global, über Risiken, Möglichkeiten und Facebook.

Reden wir über Geld. Was genau reizt Dich daran, Geld in Unternehmen zu investieren?
Wir investieren in großartige Teams, die die Welt verändern können. Ich liebe es mit passionierten Unternehmern zu arbeiten, die sich nicht vor Risiken fürchten, dabei aber nicht blauäugig sind.

Wie wird man eigentlich Venture-Capital-Geber – wie bist Du Venture-Capital-Geber geworden?
Für mich war es ein Karriereweg, der mich schon relativ früh begeistert hat. Ich war Ingenieur, gründete dann mein eigenes Unternehmen. Nachdem meine Firma 2003 verkauft wurde, hat einer der Partner des Fonds mir angeboten seinen Platz zu übernehmen, weil er sich aus dem aktiven Geschäft zurückziehen wollte. Es war einfach der natürlichste Weg diese Möglichkeit anzunehmen.

In der VC-Welt wird oftmals mit Millionenbeträgen hantiert, wird Dir da nicht manchmal mulmig zumute – bei diesen Summen?
Nicht im geringsten. Geld ist nur ein Tool – wie der Hammer für einen Handwerker. Es gibt uns die Möglichkeit, Gründern dabei zu helfen ihre Visionen zu verwirklichen und damit etwas zu bewegen.

Was sollte jeder Gründer über Euch – als VC – wissen – wie etwa grenzt Ihr Euch von anderen Investoren ab?
Wir glauben an ein globales Ökosystem und suchen nach Unternehmen, die außerhalb ihres Heimatmarkts skalieren können. Wir setzen auf Partnerschaften mit anderen führenden VCs, die dem Syndikat einen Mehrwert bringen und helfen die Equity Story der Portfolio Unternehmen aufzubauen. Meistens handelt es sich um US-amerikanische Fonds, deren Business Development-Netzwerk sich vorzugsweise nicht mit unserem überlappt, so dass die Partnerschaft unsere Reichweite erweitert und neue Netzwerke schafft.

Welche Unterstützung bietet Ihr – neben Geld?
Einen länderübergreifenden Marktüberblick, unser Netzwerk von Kontakten in den Finanzierungs- und Konzernsektor, unsere Kompetenz in Kapitalbildung und nicht zuletzt unsere Erfahrung bei Transaktionen wie Funding und M&A.

Wie entscheidet Ihr, ob Ihr in ein Start-up investiert: Bauchgefühl, Daten, Beides oder was ganz anderes?
Beides, Bauchgefühl und Deep Diligence des Marktes und der Idee.

Was sollten Gründer vor Investoren niemals sagen oder machen?
Gründer sollten niemals erklären, dass sich ihr Unternehmen zu einem kleinen, feinen Business entwickeln wird. VCs investieren nicht in Unternehmen, die klein- oder mittelständisch bleiben wollen.

Nicht jedes Start-up läuft rund, nicht jedes wird ein Erfolg. Was macht Ihr, wenn eine Eurer Beteiligungen in Schieflage gerät?
In erster Linie versuchen wir natürlich mit Expertise zu helfen und die Probleme zu lösen. Wenn das nicht funktioniert, helfen wir das Management Team so zu komplettieren, das es der neuen Ausgangssituation gewachsen ist.

Und woran merkt Ihr, dass Ihr bei einem Start-up die endgültige Reißleine ziehen müsst?
Wir ziehen die Reißleine erst, wenn wir jede Hoffnung verloren haben. Unsere Strategie ist einfach – nachdem wir den ersten Betrag investiert haben, erhöhen wir kontinuierlich unser Investment, so lange die Company performt.

Gebt Ihr uns einen Einblick in Euer Anti-Portfolio – bei welchen, jetzt erfolgreichen, Firmen seid Ihr leider nicht eingestiegen?
Bei so vielen. Mir wurde angeboten, in Facebook zu investieren, als die Bewertung bei 2,5 Milliarden lag und ich konnte nicht verstehen, warum es so groß werden sollte. Wir wurden auch von Instagram in ihrer Seedrunde angesprochen und verstanden nicht, was sie von den 1.000 anderen Foto-Sharing-Apps unterscheiden würde. C’est la vie.

Kennen Sie schon unseren #StartupTicker? Der #StartupTicker berichtet tagtäglich blitzschnell über die deutsche Start-up-Szene. Schneller geht nicht!

Foto (oben): Target Global

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.

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