15 Fragen an Michael M. Stephan “Verantwortung treibt mich ziemlich früh aus dem Bett”

Jeden Freitag beantwortet ein Gründer oder eine Gründerin unseren standardisierten Fragebogen. Der Fragenkatalog lebt von der Vergleichbarkeit der unterschiedlichen Fragen, die alle Gründerinnen und Gründer beantworten müssen – diesmal antwortet Michael M. Stephan von iFunded.
“Verantwortung treibt mich ziemlich früh aus dem Bett”

Was bedeutet es Ihnen, Ihr eigener Chef zu sein?
Sein eigener Chef zu sein ist ja ganz schön – aber spannend wird’s erst, wenn man auch Chef eines Teams ist – dann muss man richtig gut sein. Mit meinem Team will ich iFunded zur führenden Finanzierungsplattform aufbauen. Das ist eine Verantwortung, die spüre ich, sie fordert mich jeden Tag aufs Neue. Außerdem treibt sie mich morgens ziemlich früh aus dem Bett.

Bei welcher Gelegenheit kam Ihnen die Idee zu Ihrem Start-up?
Nach meinem letzten Job als CEO eines profitablen eCommerce-Unternehmens wollte ich noch einmal mit einem eigenen Unternehmen durchstarten. Ich habe mir verschiedene Märkte angeschaut und bin auf das Thema Finanzierung gekommen. Ich hatte schon im Banking und auch auf der Venture Capital Seite gearbeitet. Die Idee, große Immobilienprojekte jedermann zugängig zu machen und an den Renditen teilhaben zu lassen, fand ich spannend. Ich fand schnell heraus, dass die Immobilienbranche in diesem Bereich bei der Digitalisierung noch am Anfang stand. Der Realisierung der Idee ging jedoch fast ein Jahr Recherche voraus.

Woher stammte das Kapital für Ihr Unternehmen?
Dies ist mein drittes Start-up. Ich habe selber Geld in die Hand genommen, anschließend konnte ich meine heutigen Immobilienpartner überzeugen, mich bei der Anschubfinanzierung zu unterstützen. Nach dem Launch der Plattform und ersten Erfolgen ist dann Creathor Venture als VC eingestiegen.

Was waren bei der Gründung Ihres Start-ups die größten Stolpersteine?
Das Thema Immobilienfinanzierung sieht augenscheinlich einfach aus, dahinter stecken aber eine Menge Regeln, die in Deutschland einzuhalten sind. Bei dem Thema Geld geht es immer um Vertrauen, aber auch um Pioniergeist. Die Amerikaner und z.B. auch die Skandinavier sind viel offener bei dem Ausprobieren neuer Fintech-Modelle, in Deutschland muss man viel Geduld aufbringen, um ein nachhaltiges Model aufzubauen.

Was würden Sie rückblickend in der Gründungsphase anders machen?
Fehler gehören dazu. Wichtig ist nur, sie rechtzeitig zu erkennen und sie zu beheben.

Jedes Start-up muss bekannt werden. Welche Marketingspielart ist für Sie besonders wichtig?
Bei unserem Modell geht es viel um Vertrauen, Nachhaltigkeit und Transparenz. Wir setzen stark auf Content Marketing und verfolgen den Multichannel-Ansatz. Im Bereich des Brandings, d.h. Markenaufbau, setzen wir u.a. auch auf Printmedien in den einschlägigen Wirtschaftsmedien sowie testweise auf Out-of-home-Kampagnen. Weiter denken wir auch über gezielte TV-Werbung in zielgruppengerechten Spartenkanälen nach.

Welche Person hat Sie bei der Gründung besonders unterstützt?
Es war nicht eine Person, sondern mein Netzwerk aus ehemaligen Kollegen, Partnern und auch Freunden. Sie haben mir geholfen das Geschäftsmodell von unterschiedlichsten Blickwinkeln kritisch zu beleuchten und zu hinterfragen.

Welchen Tipp geben Sie anderen Gründern mit auf den Weg?
Bevor man sich überlegt, eine Idee zu lancieren, muss man bereit sein, durch die harte Schule zu gehen und nicht gleich das Handtuch zu werfen. Egal wie gut man meint, geplant zu haben; es kommt alles anders, als man denkt. Ein sicheres Rezept für den Erfolg ist, wenn man das, was man in Angriff nimmt, auch tatsächlich aus Leidenschaft und Überzeugung tut. Der reine Blick aufs große Geld steht dem eher im Weg.

Sie treffen die Bundeswirtschaftsministerin – was würden Sie sich für den Gründungsstandort Deutschland von ihm wünschen?
Ich würde mir wünschen, dass Investitionen in Startups – wie teils auch im Ausland – steuerlich begünstigt sind. Damit würde die Frühphasenfinanzierung, aber auch die so wichtige Folgefinanzierung, bei Startups deutlich an Aufschwung erfahren. Gründer hätten in Deutschland besseren Zugang zu den so wichtigen finanziellen Mitteln. Gerade im Fintech-Segment gelten andere Spielregeln als im e-commerce-Bereich.

Die Unternehmen brauchen länger und zum Teil deutlich mehr Geld um ihre Modelle nachhaltig zu etablieren. Außerdem ist es Zeit, die rechtlichen Rahmenbedingungen für Fintech-Unternehmen zu überdenken und sie wettbewerbsfähig zu machen. Hier sind wir aber schon auf dem richtigen Weg.

Was würden Sie beruflich machen, wenn Sie kein Start-up gegründet hätten?
Vermutlich würde ich andere spannende Fintech-Startups oder aber auch Proptech-Unternehmen beim Aufbau unterstützen oder meinen Rechtsanwaltsberuf ausüben.

Bei welchem deutschen Start-up würden Sie gerne mal Mäuschen spielen?
Scalable Capital. Der Trend zur digitalen Vermögensverwaltung ist da und gehört zu den interessantesten zurzeit.

Sie dürften eine Zeitreise unternehmen: In welche Epoche reisen Sie?
Ich würde noch einmal gerne an den Anfang der Neunziger nach dem Mauerfall reisen. Die Aufbruchsstimmung und Chancen für neue Geschäfte in dem vereinten Deutschland waren unvergleichlich.

Sie haben eine Million Euro zur persönlichen Verfügung: Was machen Sie mit dem ganzen Geld?
Ich würde einen großen Teil in iFunded investieren, einen weiteren würde ich für den Kauf einer Immobilie in Berlin nutzen. Berlin bietet im Vergleich zu anderen Metropolen noch Potential bei der Preisentwicklung von Wohnungsimmobilien.

Wie verbringen Sie einen schönen Sonntag?
Sonntag? Da ist doch schon fast wieder Montag…

Mit wem würden Sie sich gerne einmal auf einen Kaffee oder ein Bier verabreden?
Tony Hsieh, dem CEO von Zappos

Im Fokus: Weitere Fragebögen in unserem großen Themenschwerpunkt 15 Fragen an

Zur Person:
Michael Stephan ist Gründer von iFunded. Der studierte Jurist arbeite zuvor unter anderem bei Holtzbrinck Venture oder Payback. Außerdem gründete er unter anderem helpster und cooledeals mit.

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Christina Cassala, Redakteurin bei deutsche-startups.de, war schon zu ihren besten Uni- Zeiten in den 90er Jahren journalistisch tätig. Gleich nach dem Volontariat arbeitete sie bei einem Branchenfachverlag in Hamburg, ehe sie 2007 zu deutsche-startups.de stieß und seither die Entwicklungen der Start-up Szene in Deutschland mit großer Neugierde beobachtet.