Offline Das Millionenfiasko ist perfekt: Auctionata macht dicht

Niemand wollte mehr Geld in Auctionata pumpen. Deswegen wird das insolvente Unternehmen nun abgewickelt. Die 100-Millionen-Pleite ist einer der größten Rückschläge für die deutsche Gründerszene seit Jahren. Die rund 170 Mitarbeiter in Berlin wurden bereits über die Abwicklung informiert.
Das Millionenfiasko ist perfekt: Auctionata macht dicht

Unter der Überschrift “Auctionata schließt” verkündet der vorläufige Insolvenzverwalter, Christian Graf von Brockdorff, an diesem Dienstag das Ende von Auctionata. “Die Auctionata Paddle8 AG wird nach dem vorläufigen Insolvenzverfahren den Betrieb der deutschen Muttergesellschaft aufgeben, da kein Investor für eine Fortführung gefunden werden konnte”, teilt er weiter mit. Die Vorbereitungen für eine Betriebsstillegung, die ab 1. März auf den Weg gebracht wird, laufen bereits.

Auctionata, das sich 2016 mit Paddle8 zusammenschloss, ging 2012 an den Start. 2015 erwirtschaftete das Unternehmen einen Umsatz in Höhe von 81 Millionen Euro. Den Großteil erwirtschaftete Auctionata dabei innerhalb Europas. Paddle8 wurde 2010 von Aditya Julka, Alexander Gilkes und Osman Khan gegründet. Das Unternehmen ist im US-amerikanischen und britischen Markt unterwegs. Der Umsatz 2015 lag bei 44 Millionen Euro. 2015 kamen die Unternehmen somit zusammen auf einen Umsatz in Höhe von 125 Millionen Euro. In Auctionata flossen vor der Insolvenz 78 Millionen Euro Venture Capital. Paddle8 sammelte rund 39 Millionen ein. Zusammen genommen sprechen wir bei Auctionata somit von einer 100-Millionen-Pleite.

Anfang dieses Jahres wurde die Mega-Pleite bekannt. Immer wieder gab es zuvor schlechte Nachrichten aus dem Hause Auctionata – etwa Entlassungen und merkwürdige Machenschaften der Firmenmacher. Im Dezember soll das Unternehmen dann die Gehälter nicht gezahlt haben. In den vergangenen Wochen versuchten der Insolvenzverwalter und Sanierungs-Vorstands Thomas Hesse und dessen Team das Unternehmen zu retten. Paddle8 und Value-my-Stuff aus Großbritannien konnte das Team loswerden. Aber auch diese Verkäufe und weitere Entlassungen konnten Auctionata nicht retten.

Investoren wie Groupe Arnault, Bright Capital, e.ventures, Earlybird, German Startups Group, Hearst Ventures, Holtzbrinck Ventures, Kite Ventures und MCI Management investierten in der Vergangenheit in Auctionata. Die rund 170 Mitarbeiter in Berlin wurden bereits über die Abwicklung informiert. 35 Mitarbeiter kümmern sich ab März um die Abwicklung des Unternehmens.

Passend zum Thema: “Start-ups, die zuletzt gescheitert sind“.

Hausbesuch bei Auctionata

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ds-Haus- und Hoffotograf Andreas Lukoschek durfte sich beim Unternehmen kürzlich einmal ganz genau umsehen. Er fand ganz viele Bücher, einige skurrile Kunstwerke und ganz viele Hämmer. Einige Eindrücke unserer kunstvollen Fotogalerie.

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Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.