Gründeralltag “Das Geschäftsmodell lässt sich schwer in Excel abbilden”

Ein Businessplan ist vor allem am Anfang wichtig für die initiale Planung. Aber er ändert sich natürlich im Laufe der Zeit und passt sich den Zielen und Möglichkeiten an, die sich häufig erst ergeben, nachdem man losgelegt hat", sagt Sven Hock von Service Partner One.
“Das Geschäftsmodell lässt sich schwer in Excel abbilden”

Wer ein Unternehmen aufziehen möchte, erstellt meist einen Businessplan – siehe auch “6 kostenlose Excel-Finanzplanvorlagen im Vergleichstest“. Doch, wie wichtig und bindend ist eigentlich so ein Businessplan? Wir haben fünf Gründerinnen und Gründer genau danach gefragt. Danke an für die ehrlichen Antworten an Sven Hock, Service Partner One, Christine Kiefer, Pair Finance, Daria Mai, Paleo Jerky, Philipp Man, Chronext, und Steffen Wicker, Homeday.

Wie wichtig und bindend ist ein Businessplan?

Eine gute Richtlinie, bis die Annahmen getestet und für ungültig erklärt wurden. Irgendeinen roten Faden braucht es aber und es hilft, immer wieder mal den Businessplan anzusehen und sich daran zu orientieren, was man sich mal Schlaues überlegt hat. Meistens stecken mehr gute Ideen in so einem Plan als man denkt und in der Retrospektive wundert man sich, was für gute Einfälle man beim Schreiben des Plans damals doch hatte.
Daria Mai, Paleo Jerky

Es ist extrem wichtig, dass man sich einige Marko Ziele für das Jahr und die nächsten 5 Jahre setzt. Das Budget für die nächsten 12 Monate sollte schon realistisch sein und vor allem so gut es geht eingehalten werden. Darüber hinaus also die weiteren 4 Jahre ist eine Laufrichtung – Annahmen und Parameter ändern sich natürlich.
Philipp Man, Chronext

Wenn man noch ganz am Anfang steht, ist es am wichtigsten, ein MVP zu bauen, um schnell zu zeigen, dass die Idee funktioniert, und einen groben Business Case gerechnet zu haben, um zu zeigen, dass daraus ein profitables Business werden kann. Da finde ich einen detaillierten 5-Jahre Plan noch nicht so wichtig. In dieser Phase kann es ja sein, dass das Geschäftsmodell noch angepasst werden muss. Sobald das Modell und die Strategie klar sind und erste Erfahrungen gesammelt wurden, muss ein Businessplan her, und dieser sollte dann auch von allen Mitarbeitern mitgetragen werden. Bei Pair Finance entscheiden wir gemeinsam über unsere Jahresziele.
Christine Kiefer, Pair Finance

Ein Businessplan ist vor allem am Anfang wichtig für die initiale Planung. Aber er ändert sich natürlich im Laufe der Zeit und passt sich den Zielen und Möglichkeiten an, die sich häufig erst ergeben, nachdem man losgelegt hat.
Sven Hock, Service Partner One

Das hängt ab von der Phase in der man sich befindet. Gerade am Anfang lässt sich das eigene Geschäftsmodell nur schwer in Excel abbilden, da viele Metriken und Zusammenhänge schlicht unbekannt oder noch sehr unklar sind. In der Phase macht ein Business Plan wenig Sinn. In dieser Zeit reicht es aus seine monatlichen Kosten zu kennen und zu wissen wie lange das Geld noch reicht. Je reifer und validierter das Geschäftsmodell wird, desto wichtiger ist und wird der Businessplan. Dann wird er immer stärker zur Planungs- und Steuerungsgrundlage. Ein guter Businessplan hilft vor allem auch zu simulieren, wie sich Veränderungen einzelner Metriken (z.B. steigende Akquisitionskosten, höheres Marketingbudget etc.) auf Umsatz und Kosten auswirken. Wir verwenden unseren Businessplan vor allem dafür um unser eigenes Verständnis für unser Geschäftsmodell und die dafür wesentlichen Metriken zu schärfen. Auch wenn die Meinungen bei diesem Thema teilweise auseinander gehen, bin ich für eine ambitionierte aber „realistische“ Planung. Denn größere Abweichungen (nach unten) kommen meiner Erfahrung nach selten gut an.
Steffen Wicker, Homeday

Die befragten Gründer im Kurz-Portrait: Sven Hock gründete den B2B-Dienstleister Service Partner One. Christine Kiefer gründete den digitalen Inkassoanbieter Pair Finance. Daria Mai gründete mit Paleo Jerky einen Powersnacks aus Fleisch. Philipp Man gründete den millionenschweren Uhrenshop Chronext. Steffen Wicker gründete das PropTech-Start-up Homeday.

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Foto (oben): Shutterstock

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.