Gastbeitrag von Jan van Ahrens Gründen in der Provinz – Vor- und Nachteile für Start-ups

Jan van Ahrens vom Oldenburger Start-Up sharemagazines erörtert in seinem Gastbeitrag die Vor- und Nachteile außerhalb der Start-Up-Hotspots wie Berlin, Hamburg oder München ein Unternehmen zu gründen. Für die Rekrutierung neuer Mitarbeiter etwa ist die Nähe zur Uni Oldenburg Gold wert.
Gründen in der Provinz – Vor- und Nachteile für Start-ups

2014 haben wir sharemagazines im niedersächsischen Oldenburg gegründet mit dem Ziel die fortschreitende Digitalisierung auch im Bereich der Lesezirkel voranzutreiben. Wahl des Gründungsorts war zunächst schlichtweg durch unsere Herkunft begründet. Oliver Krause und ich haben uns an der Carl von Ossietzky Universität in Oldenburg kennengelernt und an unserer Idee gearbeitet.

Was ist positiv daran in der Provinz zu gründen?

1. Anders als oft angenommen gibt es auch hier eine florierende StartUp-Szene, die immer weiter wächst. Die Nähe zur Nordsee hat vor allem im Bereich Green-IT mit Fokus auf Solarkraft- und Windkraft-Technik zu einigen interessanten Erfolgsgeschichten geführt. Durch die große Gründerschar gibt es natürlich auch häufige Netzwerkveranstaltungen, die auch oft durch die Universität und das sehr engagierte Team vom GIZ (Gründungs- und Innovationszentrum) organisiert werden. Dazu gehören unter anderem Themenabende, Prototypen-Partys oder lockere Grill-Events.
2. Das Thema Kosten hat uns auch dazu bewogen, außerhalb der StartUp-Hauptstädte zu gründen. Für 6,35 Euro Miete pro Quadrameter konnten wir gleich zu Beginn ein erschwingliches Büro im Oldenburger Technologie- und Gründerzentrum (TGO) bekommen. Neben der geringen Grundmiete waren Leistungen wie Telefonzentrale, Postservice oder kostenlose Weiterbildungsevents bereits inbegriffen.
3. Der große Kostenfaktor unserer Gründung war die Entwicklung unserer App. Nach Prüfung zahlreicher Angebote aus der Region, aber auch aus Großstädten haben wir uns vor allem aus preislichen Gründen für eine Entwicklung aus Bremen entschieden. Die monetären Angebote gingen hierbei sehr weit auseinander. Unsere Entwickler von 28Apps haben eine großartige App auf die Beine gestellt, die die Basis für einen erfolgreichen Start gelegt hat.
4. Oldenburg ist eine starke Wirtschaftsregion, die einige überregionale Erfolgsgeschichten hervorgebracht hat. Da sind zum Beispiel Unternehmen wie Norddeutschlands größter Energieversorger EWE oder das Fotoentwicklungsunternehmen Cewe, die Ihre Geschäfte aus Oldenburg steuern. Beide Unternehmen zeigen sich sehr engagiert und interessiert, in neue Technologien und Ideen zu investieren. Wer also mit guten Ideen hier vorstellig wird, hat sicher große Chancen zu kooperieren. Durch die familiäre Szene sind Termine mit Entscheidern in großen Firmen schnell zu bekommen. Die geringere Konkurrenz mit anderen StartUps ist bei der Investorensuche demnach in meinen Augen sehr förderlich.
5. Für die Rekrutierung neuer und hochqualifizierter Mitarbeiter ist die Nähe zur Uni Oldenburg „Gold wert“ gewesen. Ob in den Bereichen Accounting, Vertrieb oder Entwicklung – gute Arbeitskräfte haben wir hier immer schnell finden können.

Neben den zahlreichen positiven Aspekten einer „provinziellen“ Gründung gibt es auch einige wenige Nachteile, die hier nicht unerwähnt bleiben sollen:

1. Speziell für unsere Gründungsidee stellte sich die Entfernung zu den großen Verlagen als Nachteil heraus. Um mit Medienhäusern wie Funke, Bauer oder Axel Springer in Kontakt zu treten, mussten wir oft große Umwege gehen und uns auf Messen oder Tagungen an die Entscheider wenden. Das hat uns sicherlich etwas Zeit gekostet. Jetzt nach 2 Jahren kennen uns alle großen Verlage und kooperieren mit uns. Ein Sitz in medialen Hochburgen wie Hamburg oder Berlin wäre da vermutlich förderlich gewesen.
2. Trotz erwähnter großer Firmen im Wirtschaftsraum Oldenburg, ist nur ein sehr begrenzter Zugang zu Investoren oder Firmen möglich. Große VC’s tummeln sich eher in den Metropolen und haben die Gründungen in kleineren Städten nicht auf dem Radar. Auch hier mussten wir oft ganz andere Wege gehen, um an neues Kapital zu kommen. Es ist uns immer gelungen, aber auch hier auf Umwegen.
3. Starkes Wachstum hat auch mit großer Aufmerksamkeit zu tun. Die erreicht man ganz oft durch gute Pressebeiträge in großen Publikationen. Die großen überregionalen Büros bei Zeitungen und Magazinen stürzen sich oft mit zunächst mehr Wohlwollen auf die Gründungen in den großen Metropolen. Auch war es für uns oft ein Nachteil und wir hatten große Schwierigkeiten, unseren Service über PR bekannt zu machen.

Abschließend möchte ich betonen, dass wir jederzeit wieder in Oldenburg gründen würden. Die Vorteile überwiegen nach wie vor. Durch unser starkes Wachstum haben wir uns jetzt aber auch dazu entschieden ein Büro in Hamburg in den Gründeretagen „große freiheit“ zu eröffnen und die Vorteile einer Gründergroßstadt und die Nähe zu großen Verlagen und Investoren zu nutzen.

Passend zum Thema: Gründen in der Provinz: Personalstrategien für Start-ups

Über den Autor
Jan van Ahrens ist Gründer und CEO beim StartUp sharemagazines. Über eine App für iOS & Android Geräte bietet der digitale Lesezirkel Zugriff auf über 150 Publikationen (unter anderem Business Punk, Capital oder Stern). Die App ist für Gastronomien, Hotels, Frisöre, Kliniken oder Arztpraxen verfügbar. Van Ahrens ist zudem bei weiteren Unternehmen wie bspw. Freigeist beteiligt.

Kennen Sie schon unseren #StartupTicker? Der #StartupTicker berichtet tagtäglich blitzschnell über die deutsche Start-up-Szene. Schneller geht nicht!