Gastbeitrag von Meike Neitz Ein kleines, großes Hoch auf die klassische PR

An klassischer PR-Arbeit misst sich der gute Content, den ihr habt. Hieran erkennt ihr, wie gut ihr darin seid, eure eigene Geschichte zu pitchen. Denn: Schafft ihr die Journalistenhürde, heißt dies doch schon einmal, dass ihr und euer Unternehmen interessant genug seid, Leser mit dem Stoff zu füttern.
Ein kleines, großes Hoch auf die klassische PR

Als ich letztens ein Erstgespräch mit einem gerade an den Start gegangenen Gründerteam hielt, war ich erstaunt, als sie mir ihre initialen Ideen für das geplante weitere Vorgehen vorstellten.

Sie hatten ihr Produkt quasi soeben zur Marktreife gebracht, hatten eine ansehnliche Webseite aus dem Boden gestampft und mussten nun zusehen, dass sie Aufmerksamkeit für ihr junges Unternehmen generierten. Trotz Ressourcenknappheit wollten sie sofort mit einer Google-Adwords-Kampagne loslegen, die dann um gesponserte Facebook-Posts erweitert werden sollte. Da ich nun schon länger keine Hommage mehr auf oder an irgend etwas gehalten habe, denke ich, dies ist eine wunderbare Gelegenheit für ein kleines Plädoyer für die klassische PR-Arbeit. Social Media Kanäle hin oder her, die Kommunikation via Tageszeitungen, Wochen- oder Monatsmagazine, sowie online via Blogs und hochwertigen Infoportalen ist nicht zu unterschätzen und der PR sollte neben (zu bezahlenden!) Maßnahmen in den geselligen Medien im Ranking der Kommunikationsstrategie ein vorderer Platz sicher sein.

Denn- wer redet heutzutage nicht von Storytelling? Wo geht es gerade nicht um Contentaufbereitung?

An klassischer PR-Arbeit misst sich der gute Content, den ihr habt oder kreiert. Hieran erkennt ihr, wie gut ihr darin seid, euch und eure eigene Geschichte zu pitchen. Denn: Schafft ihr die Journalistenhürde, heißt dies doch schon einmal, dass ihr und euer Unternehmen interessant genug seid, Leser mit dem Stoff zu füttern. Es bedeutet ebenfalls, dass eure Art eine Pressemitteilung zu formulieren und mit den Redakteuren zu kommunizieren den richtigen Ton trifft- ich nenne es einmal ein „mini-proof of attractiveness“. Ihr lernt nicht nur, wie ihr die wichtigsten Kernpunkte eurer Gründerstory aufbereitet, sondern auch, früh die wichtigsten Fragen über euch selbst zu beantworten, mit denen ihr in Zukunft immer wieder konfrontiert werdet. Was macht euch besonders? Warum sollte eine Berichterstattung über euch für ein bestimmtes Medieum relevant sein? Was ist neu an euch? Was für ein Problem löst ihr? Was könnte die Leser am meisten an eurem Unternehmen / eurem Werdegang interessieren?

All dies sollte ähnlich dem Szenario eines Elevatorpitches am Telefon oder in Persona kurz, knackig und überzeugend vorgetragen werden können. (PS. Dies dient im Übrigen als ein hervorragendes Übungsterritorium für erste Investorengespräche…)

Zu Beginn ist vor allem „good old print“ ein nachhaltiger und erfüllender Kommunikationsweg: Der Aufbau und die Pflege journalistischer Kontakte lohnt sich – denn man kann bestenfalls in jedem Unternehmensschritt darauf aufbauen. Ich persönlich habe für mich festgestellt, dass letztlich einer der größten Erfüllungen im Berufsleben darin besteht, win-win Situationen herzustellen. Der enge Dialog und Austausch zwischen Unternehmen und Redakteuren ist ein exzellentes Beispiel dafür. Und: Man unterschätze niemals die Reichweite und Aufmerksamkeitsplattform, die Lokalredaktionen bieten. Ob Weser Kurier, Berliner Zeitung oder Hamburger Abendblatt: Sie werden gelesenen und das nicht zu knapp. Obgleich den Vertretern der traditionsreichen Pressehäuser das Thema Digitalisierung nun schon seit Jahren Kopfzerbrechen bereitet, so vorteilhaft ist derzeit doch Parallelität von print und digital, von der Unternehmen vor zwanzig Jahren noch geträumt haben. Ich wage zu konstatieren: Die Leute sind noch immer bereit, für guten Journalismus und um informiert zu sein, Geld zu bezahlen und dafür gedruckte Seiten am Frühstückstisch, auf der Reise oder im Büro fühlen zu dürfen. Da jedoch der produzierte Content in Form von Markt- oder Unternehmensneuigkeiten sogleich im Netz landet, ist klar, wie groß die Multiplikationen-Funktion ist. Auch hier: beidseitig gewinnbringend für Publisher und Inhaltsgeber durch gegenseitiges Empfehlen, Verlinken und Teilen.

Selbstredend befinden wir uns hier nur im A-Bereich des oft zitierten AIDA-Schemas: Attention.

Klar, sind wir hier nicht dabei, potentielle Kunden mit einem konkreten Kaufinteresse vom Markt zu greifen, wie bei einer guten SEO-Optimierung oder Google-Ad Words Kampagne. Auch können wir die Konvertierung nicht messen, wie Online Marketeers das doch liebend gerne tun.

Doch der Weg zum D- zu desire, wenn eine innovative Idee gut erzählt und ein neues Produkt vorgestellt wurde, ist nicht weit. Erwähnungen in Zeitungen und Magazinen sind ein wichtiger Bausteine für eine positive und nachhaltige Unternehmensidentität (und ranken nebenbei auch noch wunderbar gut bei Google). Das Verständnis einer Corporate Identity sollte über Logo und Branding weit hinausgehen- denn es beinhaltet auch die inhaltliche Außenwirkung einer Firma. Wie sympathisch, wie visionär, wie gut organisiert kommt das Management im Interview herüber? Wie gut kann der Gründer seine Gründungsgeschichte erläutern? Wie gut erklärt er das Alleinstellungsmerkmal seines Unternehmens? Und überhaupt: Was hat er sonst noch alles zu erzählen? All dies trägt zur Unternehmenskultur und -bild bei und hat mitunter eine zukunftsweisende Wirkung.

Wie werden diese ganzen Stories transportiert und kommuniziert? Genau, am besten durch gute Journalisten, die wissen kritische und gehaltvolle Fragen zu stellen. Klassische PR eben… Nehmt euch Zeit dafür- es lohnt sich!

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