Gastbeitrag von Eric Eitel Im Silicon Valley gibt es kein Silizium mehr

Die spannenden Technologie-Unternehmen von heute entwickeln vernetzte Hardware oder neuartige Anwendungsbereiche für das Internet der Dinge. Um dies in Deutschland erfolgreich realisieren zu können, sind sie aber auf Partner mit Erfahrungen angewiesen. Solche Partner sitzen heute meist in Asien.
Im Silicon Valley gibt es kein Silizium mehr

Mit dem Bonmot, im Silicon Valley gäbe es heutzutage schließlich kaum noch Silizium, begrüßte Acer-Gründer Stan Shih höchstpersönlich die Teilnehmer des ExA-Summit, der letzte Woche in Taiwans Hauptstadt Taipeh stattfand.

Geladen hatte die deutsch-taiwanesische Wangdao Alliance, die seit 2014 das Ziel verfolgt, europäische und asiatische IoT-Unternehmen und Hardware-Produzenten zu vernetzten. Themenklammer der dritten Ausgabe des abwechselnd in Europa und Asien abgehaltenen Kongresses war „Die Zukunft der Mobilität als Treiber des Internet of Things“. Aus diesem Grund reisten neben ausgewiesenen Mobilitätsexperten wie Dr. Ilja Radusch, dem Leiter Automotive Services des Fraunhofer-Instituts FOKUS, oder dem ehemaligen CTO der Ford Motor Company, Dr. Gerhard Schmidt, auch eine Reihe von Mobility-Startups sowie Investoren als Teil einer etwa dreißigköpfigen europäischen Delegation nach Taipeh.

„Die Zukunft der Mobilität inspiriert derzeit besonders viele schlaue Köpfe – nicht mehr nur im Silicon Valley – sondern verstärkt in Europa und Asien“, weiß Armin G. Schmidt, einer der Initiatoren des ExA-Summit und selbst Gründer und CEO des Berliner Technologieunternehmens ATS Advanced Telematic Systems, das Softwarelösungen für Connected Cars entwickelt. „Die Zeiten, in denen Technologie-Startups fast ausschließlich im E-Commerce-Bereich entstanden sind, gehören der Vergangenheit an.“

Die spannenden Technologie-Unternehmen von heute entwickeln vernetzte Hardware oder neuartige Anwendungsbereiche für das Internet der Dinge. Um dies in Deutschland oder anderswo in Europa erfolgreich realisieren zu können, sind sie aber auf Partner mit Erfahrungen in der Hardwareproduktion angewiesen. Solche Partner sitzen heute meist in Asien. Speziell Taiwan mit seinem großen IT-Sektor und engen Verbindungen zum chinesischen Festland ist ein idealer Ort, um diese Partner zu finden. Parallel zum ExA-Summit fand Asiens größte IT-Messe, die Computex, in Taipeh statt. „Die Computex wirkte wie ein Multiplikator; quasi alle, mit denen wir gerne reden wollten, waren hier vor Ort, und mit allen konnten wir Meetings vereinbaren“, berichtet Robert Schulze, CEO von Vilgard Motor. Das Berliner Startup-Unternehmen entwickelt derzeit ein hybrides Leichtfahrzeug, das per Pedale und Elektromotor betrieben werden kann. „Was viele nicht wissen: Taiwan ist nicht nur ein IT-Land, sondern auch der weltgrößte Hersteller von Fahrrädern“.

Darauf, dass die Mobilität der Zukunft weit über die Entwicklung vernetzter oder auch autonom fahrender Autos hinausweist, stellte auch Dr. Gerhard Schmidt, Ex-CTO der Ford Motor Company, gleich in seiner Eröffnungskeynote klar. Intermodalität, also die grundsätzliche Möglichkeit, verschiedene Verkehrsmittel zum Erreichen eines Zielpunkts zu nutzen, sowie die Kommunikation von Fahrzeugen untereinander und mit der Verkehrsinfrastruktur, ist dabei eine der größten Herausforderungen. Gregor A. Erkel, Geschäftsführer der Beratungs- und Beteiligungsfirma be ventures, wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass Mobilitätsdienstleistungen und vertikale, IoT-basierte Services, die im Rahmen des autonomen Fahrens möglich seien, hoch attraktive Nutzungs- und Monetarisierungsszenarien zuließen, „auch wenn zukünftig nicht mehr jeder ein eigenes Auto in der Garage stehen hat“. Simon Wang von TSMC, einem der weltweit größten Chip-Hersteller, der jährlich über 10 Milliarden US-Dollar in R&D investiert, erklärte, dass die technologischen Grundlagen für das Internet der Dinge zur Zeit geschaffen würden. Wang wies aber, ebenso wie Josef Brunner, CEO des IoT-Plattform-Dienstleisters Relayr, darauf hin, dass einheitliche internationale Standards für die Weiterentwicklung des Internets der Dinge unentbehrlich seien, und mahnte Handlungsbedarf seitens der Regulierungsbehörden an.

Aus Sicht der mitgereisten Startups stimmte der Rahmen ebenso wie die Ergebnisse der Reise. „Wir konnten hervorragende Kontakte quer durch das ganze Ökosystem knüpfen. Investoren, Vertreter von Regierungshandelsorganisationen, Hersteller und die Kollegen von anderen Startups – also das gesamte Spektrum an spannenden Leuten,“ berichtet Misha Gopaul, CEO des Outdoor 3D-Kartendienstes FATMAP. Das persönliche Kennenlernen neuer, potentieller Märkte und deren Akteure war für Andreas Schneider, Geschäftsführer des Berliner Mobilitäts-Startups Vimcar ein positives Ergebnis des Taipeh-Trips: „Wir sind mit Vimcar in einem IoT-Vertical zuhause und vernetzen normalerweise Firmenfahrzeuge. Da ist es hin und wieder wichtig, über den Tellerrand zu schauen – sowohl was die Industrie als auch die geographischen Märkt anbelangt.“ Für coModule-Mitgründer Teet Praks war die Offenheit und Ansprechbarkeit der taiwanesischen Hersteller ein positive Überraschung: „Wir konnten direkt auf der Veranstaltung Meetings mit wirklich großen Playern aus der IT- und Automotive-Welt realisieren, das spricht sehr für die Qualität der Teilnehmer und den Rahmen des Events.“

Das Resümee der Initiatoren fällt entsprechend positiv aus: „Das Konzept, einen Themenschwerpunkt innerhalb der IoT-Thematik zu setzen, hat greifbarere Ergebnisse für alle Beteiligten erbracht. Eine Idee, die auf dem Mobilitäts-Panel skizziert wurde – die Einrichtung eines Testfelds für autonomes Fahren in Taiwan – wurde direkt im Anschluss an die Konferenz auf höchster Ebene aufgegriffen und wird jetzt weiter diskutiert,“ erklärt Armin G. Schmidt. „Wir werden für die nächste Ausgabe sicherlich wieder einen Call for Startups ausrufen.“ Über 80 internationale Einreichungen gingen im Vorfeld des ExA-Summit ein, für die angenommen fünf Startups aus Europa übernahm die Wangdao Alliance die Reisekosten. Im nächsten Jahr sollen zwei ExA-Summits stattfinden – einer in Berlin und einer in Taipeh.

Über den Autor
Eric Eitel kuratiert Technologie-, Kunst- und Kulturprojekte, ist Vorstand des Berliner Kultur-Think-Tank all2gethernow und Mit-Initiator der Wangdao Alliance. Neben seiner kuratorischen Arbeit publiziert Eric Eitel Beiträge in Technologie- und Musikfachmedien und berät Unternehmen und Organisationen bei der inhaltlichen Positionierung und strategischen Kommunikation.

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