Zwei Gründerinnen auf Erfolgskurs “Als Frau wird man kategorisch unterschätzt”

Zwei Frauen, die sich von Rocket Internet verabschiedet haben, um mit ihrem eigenen Start-up durchstarten. Mit heycater! kommen Donuts, American Cheesecake oder gleich ein ganzer Food-Truck ins Büro. Kleine und große Köstlichkeiten auf Gourmet-Niveau für kleine Teams aber auch für große Firmenfeiern.
“Als Frau wird man kategorisch unterschätzt”

Als sich Therese Köhler und Sophie Radtke kennen lernten, wussten sie zwar nicht, dass sie einmal gemeinsam ein Start-up gründen würden, allerdings fanden sie schnell Übereinstimmungen. ” Wir haben ziemlich schnell fest gestellt das sich unsere Skills sehr gut ergänzen und wir beide die gleichen Vorstellungen hatten”, so Radtke. Von ganz ungefähr kommen diese Skills aber nicht, denn die beiden Betriebswirtinnen haben beide als Ex-Arbeitgeber Rocket Internet (Vaniday und Foodora) in ihrer Vita stehen.

Nur wenige Monate später entschlossen sie sich ihre Skills zu vereinen und ein Start-up zu gründen. Die Jobs wurden gekündigt und heycater! zum Leben erweckt. Seit Juni ist der Catering-Service nun live und hat bereits einige Kunden für sich gewinnen können.”heycater! ist eine Premium-Buchungsplattform für B2B-Catering. Mit unserem Konzept und einer starken Marke disruptieren wir den Cateringmarkt und verbessern maßgeblich Qualität, Vielfalt und Transparenz in diesem Sektor”. Kreativ, Innovativ und auf jeden Fall nicht altbacken, dass ist den Mädels wichtig. Angesagte Food-Trucks und American Cheesecake sind bei dem Catering-Service ganz oben auf der “Like”- Liste. Dabei unterscheidet sich der Service preislich gar nicht so sehr von den “altbackenen” Catering-Diensten.

Bisher verdienen die beiden über eine Vermittlungsgebühr, künftig sollen Kunden aber für ein Premium-Modell mit Extra-Funktionen monatlich zahlen. Deswegen ist auch keine Horde von Mitarbeitern notwendig um den Service zu nutzen: “Von den veganen Donuts am Freitag nachmittag bis hin zur großen Weihnachtsfeier kann alles gebucht werden”, so die Foodbloggerin Radtke. Ganz alleine auf dem Markt sind die mit ihrer Idee aber nicht, immer mehr neumodische Catering-Firmen wollen etwas vom (Cheescake-)Kuchen ab haben, wie zum Beispiel Floris Catering, foodmentalist oder EventInk , die auch Foodtrucks zur Verfügung stellen.

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Die bereits als “heycater!-Girls” bekannten Frauen, sind mit Leib und Seele Gründerinnen. “Als Gründer hat man die Möglichkeit Dinge anders und besser zu machen – man hat alles selbst in der Hand”, so Köhler. Als Vorteile nennt sie: “Kreative, unternehmerische Freiheit, auf eigenen Beinen zu stehen und Unabhängigkeit von starren Unternehmensstrukturen”. Mitgründerin Radke ergänzt mal die Schattenseiten: “Nachteile sind grundsätzlich: enormer Druck, und große Verantwortung, besonders am Anfang gegenüber ersten Mitarbeitern”. Zu den Mitarbeitern gehören natürlich auch Männer, da sind die Frauen ganz liberal. Apropos Männer – wie ist es denn so als Gründerinnen-Duo in einer von Männern hart umkämpften Branche? “Als Frau wird man kategorisch unterschätzt, aber das bedeutet gleichzeitig man kann eigentlich nur überraschen”, ist Radtkes Einschätzung.

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Eine weitere Überraschung waren vielleicht auch die 12 bis 14 Arbeitsstunden täglich, die vom Gründerinnen-Duo täglich in das Start-up fließen. Mittlerweile werden sie aber von einem achtköpfigen Team dabei unterstützt. Rechnet man mit diesen ganzen Schwierigkeiten als Gründer, wie realistisch geht man an so ein “Projekt” ran? “Vor Beginn gibt es augenscheinlich kaum Schwierigkeiten, sondern nur Euphorie. Das holt einen aber sehr schnell ein, sobald es darum geht Struktur in hunderte Ideen zu bringen und diese anschließend fokussiert umzusetzen. Es gibt zahlreiche Hürden bei einer Gründung aber beispielsweise kostet das Thema Fundraising unglaublich viel Zeit und Nerven,” so Radtke. Die Nerven und die Ausdauer hat das Team der Premium-Cateringplattform bereits bewiesen und erfreut sich an einen gelungenen Start. Damit haben sie ein mal mehr bewiesen, das Frauen, erfolgreich gründen können und gründen sollten.

Conny Nolzen, geboren 1989, arbeitet seit September 2015 als Volontärin bei deutsche-startups.de. Die Hamburgerin konnte bereits, neben ihrer Tätigkeit als Pferdewirtin, verschiedene Start-ups mit kreativen Ideen unterstützen. Ihr besonderes Interesse galt hierbei den Gründerinnen der Szene. Erste journalistische Erfahrungen sammelte sie in der Nachrichtenredaktion eines Hamburger Radiosenders. Mit Conny kam auch der erste Bürohund zu ds - welcher (meistens) auf den Namen Emil hört.



  1. Andreas Otterstein

    ich finde es ja toll, dass Frauen immer mehr gründen. Aber “als Frau wird man unterschätzt” und dann doch im Catering/Küchenbereich zu arbeiten ist dann doch wieder ein Klitschee.. aber, mehr Gründerinnen bitte!



  2. TimpiTombi

    Ich weiss nicht, ob die Eröffnung eines Genderthemas bereits im Titel hier die passende Schlussfolgerung ist. Ein Startup erfolgreich zu machen ist für Männer und Frauen gleichermaßen eine Herausforderung. Und es ist für beide Geschlechter etwas komplett anderes als in der Organisation Rocket zu arbeiten. Vielleicht ist es mehr Charakter als Gender, der darüber entscheidet, ob es mit Rocket passt oder eher etwas eigenes, freies sein sollte.



    • Babbelfisk

      3 monatiges “Interim” bei RI, zeichnet wohl gleich Jeden als Experte aus :)?! Frauen, vor allem in der Startup-Szene, werden immer mit “Diskrimierung” konfrontiert. Vielleicht sollte man es einfach mal unterlassen, dass man in jeden Interview, sich gleich darauf bezieht – also auf die Diskriminierung. Merkwürdige Welt.

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