Gastbeitrag von Reza Mehmansefat Start-ups: Menschen, die auf der gleichen Mission sind

Ein guter, selbstbewusster Chef, der in seine eigenen Fähigkeiten vertraut, und wirklich das Beste des Unternehmens im Sinn hat, stellt immer die besten Leute an die er in dem Moment bekommen kann, auch wenn das bedeutet, dass die Bewerber genauso gut oder sogar besser sind als er.
Start-ups: Menschen, die auf der gleichen Mission sind

In den vergangenen Jahren hat sich der Startup-Trend in der Geschäftswelt immer weiter etabliert. Es gibt immer mehr Startups mit guten neuen Ideen von sehr guten und kreativen Gründern. Doch viele dieser Gründer sind in vielen wichtigen Bereichen zu unerfahren und das kann leider, auch bei einer guten Idee dazu führen, dass die Umsetzung nicht klappt und das Startup nicht lange überlebt. Eine der Fragen, die, auf Grund ihrer Wichtigkeit, immer wieder gestellt wird ist wie man denn geeignete Mitarbeiter für das eigene Startup gewinnen kann.

Bevor man sich der Frage zuwendet nach welchen Kriterien man rekrutieren sollte, ist es wichtig sich die Hauptunterschiede zwischen Startups und großen herkömmlichen Firmen vor Augen zu führen. Einer der größten Unterschiede ist meiner Meinung nach wohl die Menge des Kontakts und das „Wir-Gefühl“ zwischen Mitarbeitern und Kollegen. Während sich bei großen Konzernen die Treffen zwischen Kollegen auf kurze Kaffeepausen, kurze Meetings und Konferenzen beschränken können, arbeitet man in Startups ununterbrochen teilweise gefühlt 20 Stunden pro Tag mit seinen Kollegen zusammen. Dies kann zwar an die Substanz gehen, wird aber von vielen als angenehmer empfunden als das übliche 9 to 5 im Unternehmen, da man seinen eigenen Traum verfolgt. Dieser Unterschied zwischen den beiden Unternehmensformen beinflusst natürlich auch das Rekrutierungsverhalten.

Menschen auf der gleichen „Mission“

Es ist weitbekannt, dass große, etablierte Firmen viel Wert auf lückenlose Lebensläufe achten, und eher weniger Spielraum für persönliche Gefühle in der Rekrutierung lassen. Auch wenn diese Taktik für diese Firmen Sinn macht, sollte man als Startup nicht den Fehler machen, dies imitieren zu wollen. Hier sollte man sich Menschen suchen, die auf der gleichen ‚Mission‘ sind wie man selbst, sprich dieselben Interessen, Träume und Visionen haben und auch bereit sind dafür mehr als normal üblich zu arbeiten. Ein Startup braucht Mitarbeiter, die mit vollem Ehrgeiz und Begeisterung ans Werk gehen. Man muss sich von vorneherein im Klaren darüber sein, dass man viele lange Nächte haben wird, um sich an Fristen und Termine zu halten. Das ist natürlich alles leichter, wenn alle gleich motiviert sind, wirklich an die ‚Mission‘ glauben.

Fähigkeiten statt Abschlüsse

Der erste Schritt bei der Rekrutierung sollte sein, dass der Gründen selbstkritisch erkennt, auf welchem Gebiet man Unterstützung benötigt. Man muss also eigene Schwächen zuerst einmal anerkennen, was manchen Gründern schon extrem schwer fallen kann. Brauche ich Unterstützung in der Entwicklung, Marketing oder Finanzen, obwohl ich selbst eigentlich der Experte auf einem dieser Gebiete sein sollte? Nun ist es aber so, dass Startups ähnliche Bewerbungen erhalten, wie große Konzerne. Hier sollte man sich als Gründer nun anders verhalten als große Konzerne, die in der Regel mehr Zeit und Geld in die intensive Schulung ihrer Mitarbeiter investieren können. Bei Startups sind Geld und auch Zeit meistens ein sehr knappes Gut, was für den neuen Mitarbeiter bedeutet, dass er in der Lage sein muss, sich selbstständig neue Dinge anzueignen und sich in neue Sachverhalte einzuarbeiten. Deswegen sollte man als Gründer nicht nur auf die Ausbildung oder akademische Leistung schauen, sondern eher wo sich der Bewerber welche Skills angeeignet hat, an welchen Projekten er beteiligt war und was dort seine Hauptaufgabe war.

“A player hire A players – B player hire C players”ds-buero-blau

Ein guter, selbstbewusster Chef, der in seine eigenen Fähigkeiten vertraut, und wirklich das Beste des Unternehmens im Sinn hat stellt immer die besten Leute an die er in dem Moment bekommen kann, auch wenn das bedeutet, dass die Bewerber genauso gut oder sogar besser sind als er. Wer jetzt denkt, dass das immer nach diesem Schema abläuft, der irrt sich gewaltig. Gerade in großen Konzernen kann es passieren, dass Manager eher Angestellte suchen, die schlechter sind als sie selbst, da sie ihre eigene Position im Unternehmen nicht gefährden wollen. Denn wenn dein Untergeordneter besser in deinem Job ist als man selbst, worin liegt dann noch die eigene Daseinsberechtigung? In einem Startup ist es essenziell sich nicht von den Skills der Kollegen einschüchtern zu lassen oder sich von Ihnen bedroht zu fühlen, sondern sie zu nutzen. Wenn ein Kollege in einem Gebiet mehr Erfahrung hat als man selbst, dann sollte man ihm die Entscheidungsgewalt in diesem Fall zugestehen.

Stelle Leute ein, die dich begeistern

Für mich ist es außerdem wichtig, dass meine Mitarbeiter die Fähigkeit besitzen mich zu begeistern und positiv zu überraschen, was praktisch unmöglich ist, wenn sie sich nicht 100% für eine Sache begeistern. Hier würde ich gerne eine Erfahrung die ich mit meinem Start-Up gemacht habe mit Ihnen teilen. Als ich in meiner Firma die Position des Chef-Designers besetzen musste, hatte ich einige Bewerber, die auch alle die nötigen Qualifikationen mitbrachten. Am Ende traf ich meine Wahl dann aber nicht auf Grund von Qualifikationen. Ich entschied mich für den Kandidaten, der mich am meisten begeistert und fasziniert hat. Das neue Team-Mitglied fertigt nebenbei in seiner Freizeit Illustrationen an, was mir zeigt, dass Design nicht nur ein Beruf für ihn ist, sondern eher eine Berufung.

Externe Hilfe

Ein weiterer wichtiger Tipp an Gründer ist, dass man sich nicht immer gleich auf Dauer an Angestellte binden sollte, sondern sich auch mal auf externe Hilfe von Freelancern oder Coaches verlassen sollte, denen man vertraut und die idealerweise schon ihre eigenen Erfahrungen mit Start Ups gemacht haben. Ein Coach sollte Ratschläge geben, sich wie ein Mentor verhalten und gleichzeitig ist es wünschenswert, dass sich eine gewisse Freundschaft entwickelt.

Eine Kernregel für Gründer ist, dass man so wenig Zeit wie möglich mit etwas verbringen sollte, das nicht das Kernprodukt ist. Also wenn sich die Möglichkeit bietet etwas auszulagern, wie die Buchhaltung, Steuern und andere notwendige Aufgaben, dann sollte man diese Gelegenheit auch nutzen. Der Vorteil von Freelancern in so einem Fall ist, dass man nicht jedes Mal Gehälter, die Anteile am Startup oder ähnliche Formalitäten klären muss, sondern ihn einfach bezahlt, was zwar anfänglich mehr Geld kostet, aber langfristig auch Geld sparen kann. Ein weiterer Vorteil ist, dass man sich jeder Zeit von ihm trennen kann, falls man das Gefühl hat, dass man sich für den falschen entschieden hat, was auch immer mal vorkommen kann. Dieser Schritt wäre bei einem Angestellten natürlich auch um ein Vielfaches komplizierter und mit einigen Problemen verbunden.

Die nächste Möglichkeit sein Netzwerk auszubauen sind Startup Inkubatoren. Diese bieten Unterstützung wie Marketing und Finanzplanung an. Die Frage, die sich jeder Gründer nun stellt: „Hole ich mir externe Hilfe, stelle ich jemanden ein, oder gehe ich zu einem Inkubator?“ Die Antwort hier ist, dass es keine richtige Antwort gibt. Es ist schlicht und einfach situationsabhängig. Jede der Alternativen hat seine Vor- und Nachteile, und Startup Inkubatoren wollen natürlich auch Geld verdienen. In meinem Fall war die Wahl des Inkubators eine gute Alternative, da ich hier praktisch einen weiteren „Mitgründer“ gefunden habe, der viel Erfahrung hat und sich für das Unternehmen einsetzt.

Abschließend kann man sagen, dass auch wenn man das perfekte Team zusammengestellt hat, es gelegentlich zu Meinungsverschiedenheiten und Streitereien kommen kann, was aber nur davon zeugt mit wie viel Leidenschaft alle bei der Arbeit sind. Wichtig ist nur, dass man nach außen hin, vor allem vor potentiellen Kunden immer ein Team bleibt und sich die rational geführten Diskussionen für später aufhebt.

Daher ist mein Tipp an alle Gründer und Startup-CEOs: Stelle Menschen ein, die auf der gleichen Mission sind wie du, die dich begeistern und für die du auch gerne arbeiten würdest!!

Teambuilding in Start-Ups

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Zur Person
Reza Mehmansefat ist Gründer und Geschäftsführer von Full Control, einem Sporttechnologie-Startup aus Walldorf. Nach Stationen bei großen Unternehmen wie der Deutschen Bank, sowie der IT-Beratung Accenture schloss der Diplom-Kaufmann der Universität Mannheim sich dem FinTech-Startup Traxpay an und machte dort bereits erste Erfahrungen im Gründer-Bereich. Mit Full Control arbeitet er an den Themen Sporttechnologien sowie Sports Internet-of-Things.

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