Start-ups auf Investorensuche Vor Investoren sollte man sich nicht verstellen oder lügen

Was sollten Gründer vor Investoren niemals sagen oder machen? "Wenn man vor Schwierigkeiten steht, kann man das ruhig offen ansprechen. Selbst bei den erfolgreichsten Unternehmen läuft nicht alles rund", sagt Stefan Peukert, Mitgründer des Jobvermittlers Employour.
Vor Investoren sollte man sich nicht verstellen oder lügen

Wer diese “5 Tipps, wie man man besten einen Investor anspricht” ernst genommen hat, steht nun vor einem potenziellem Geldgeber. Jetzt geht es ans Eingemachte. Dabei ist jedoch Vorsicht geboten! Was sollten Gründer vor Investoren niemals sagen oder machen? Wir haben erneut fünf Gründerinnen und Gründer genau danach gefragt. Danke an Robin Haak (Jobspotting), Thilo Hardt (eWings), Lea Lange (Juniqe), Stefan Peukert (Employour) und Konstantin Urban (windeln.de).

Was sollten Gründer vor Investoren niemals sagen oder machen?

Sich nicht verstellen oder sogar lügen. Letzteres kann ja weit gefasst sein. Ich denke, wenn man einem Investor klar erzählt, wo man steht und was derzeit die Herausforderungen sind, dann baut das Vertraue auf, das im wahrsten Sinne des Wortes Gold wert ist. Geldgeber haben Pferde schon kotzen sehen – warum sollten sie keine Dicke Haut haben? Die Herausforderungen, die man hat, fühlen sich für einen selber stets am schlimmsten an. Man muss lernen damit umzugehen.
Thilo Hardt, eWings

Da fällt mir ne Menge ein. Grundsätzlich sollte man sich mit seinen Mitgründern einig sein und eine Geschichte erzählen. Die Zahlen sollten echt und überprüfbar sein. Man sollte nie den Respekt verlieren und es sollte nie in wilden Diskussionen ausarten. Grundsätzlich “invest in lines not dots” und man sieht sich immer zweimal im Leben. Wenn es nicht dieser Deal ist, ist es vielleicht 20 Jahre später ein anderer.
Robin Haak, Jobspotting

Wenn man vor Schwierigkeiten steht, kann man das ruhig offen ansprechen. Selbst bei den erfolgreichsten Unternehmen läuft nicht alles rund. Investoren wissen auch, dass man nicht für jedes Problem direkt die perfekte Lösung parat hat. Wichtig ist ihnen nur, dass man ihnen Wege zeigt, um die Schwierigkeiten anzupacken.
Stefan Peukert, Employour

Sich als Team widersprechen, ins Wort fallen sowie vorzugeben alles zu wissen und zu können.
Konstantin Urban, windeln.de

Niemals das eigene Produkt, die Vision oder die Marktgröße anzweifeln.
Lea Lange, Juniqe

Die befragten Gründerinnen und Gründer im Kurz-Portrait

ds-robin-haak-200Robin Haak (Jobspotting)
Robin Haak gründete Jobspotting 2013 gemeinsam mit Hessam Lavi, Jan Backes und Manuel Holtz, die vorher bei Google, Axel Springer sowie diversen Start-ups gearbeitet haben. Jobspotting ist ein “datengetriebener Karriere­ Empfehlungsservice, der die neueste Graph-Technologie und semantische Analyse nutzt”. Horizons Ventures, der Kapitalgeber von Li Ka-shing, dem reichsten Mann Asiens und der Axel Springer Plug and Play Accelerator investierten bereits in das sehr junge Unternehmen.

ds-Thilo-Hardt-200Thilo Hardt (eWings)
Thilo Hardt gründete 2007 mit Dirk Graber, Philipp Frenkel und Björn Sykora Mister Spex. Nach Zwischenstationen bei DN Capital in London ist Hardt nun wieder in Berlin und gründete eWings, einen Markt für Flugbuchungen. Seine erste Software verkaufte er bereits mit 17 Jahren nach Taiwan, seine erste Firma im Alter von 21 Jahren.

ds-lea-lange-200Lea Lange (Juniqe)
Lea Lange gründete Juniqe gemeinsam mit Sebastian Hasebrink und Marc Pohl. Zuvor arbeitete sie zunächst bei Ernst & Young und Roland Berger bevor sie Head of Buying bei Casacanda und anschließend Executive Director Strategy & Analytics bei Fab wurde. Das Berliner Start-up verkauft über seine Internetplattform kunstvolle Werke. Vorwerk Ventures, Redalpine, High-Tech Gründerfonds und der Fotoservice CEWE investierten zuletzt “fast 5 Millionen Euro” in das junge Unternehmen.

ds-Stefan-Peukert-200Stefan Peukert (Employour)
Stefan Peukert gründete 2010 gemeinsam mit Daniel Schütt das Unternehmen Employour und bauten zunächst die Plattform meinpraktikum.de auf. Mittlerweile betreibt das Bochumer Start-up auch die Plattformen Ausbildung.de, Karista.de und Trainee.de. Anfangs finanzierte sich die Firma aus privaten Bankkrediten, später stieß dann ein Investor dazu.

ds-konstantin-urban-200Konstantin Urban (windeln.de)
Konstantin Urban ist Gründer und Geschäftsführer von windeln.de, einem Online-Shop für Babyprodukte. Als Verantwortlicher für das Internet-Beteiligungsgeschäft der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck hatte er zuvor bereits bei zahlreichen Internet-Start-ups seine Finger im Spiel. Im Mai 2015 brachte Urban, der das Unternehmen gemeinsam mit Alexander Brand gründete, windeln.de an die Börse.

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Foto: Woman with long nose from Shutterstock

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.



  1. Arne

    Wichtig ist auch, daß man als Gründer nicht jedes 6-Wochen Praktikum als “berufliche Station” verkauft. Die Lebensläufe sollten authentisch sein, denn das Team ist immer Investitionsgrund #1.



  2. Monika

    Transparenz ist das Zauberwort. Keiner kauft gerne die Katze im Sack, daher kommt eine offene und ehrliche Kommunikation am besten an. Verschleiern und Schönreden ist die falsche Taktik. Hier sollte man sich auch immer vor Augen führen, dass man sich einen Investor meist langfristig ins Boot holt.

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