"Es war ein recht mühsamer Weg" Vom einem Gründer, der auszog Geld einzusammeln

"Es war ein recht mühsamer Weg durch all die Bürokratie, die uns während der Auseinandersetzung mit Stipendien und Mikromezzaninfinanzierungen begegnete", sagt Giovanni Bruno, Mitgründer von Crowdsell, über seine Suche nach Kapital. Messebesuche waren für ihn dabei "sehr wertvoll".
Vom einem Gründer, der auszog Geld einzusammeln

Auf der Online-Plattform Crowdsell nehmen registrierte Mitglieder an Wettbewerben teil, die von Start-ups sowie größeren Unternehmen ausgeschrieben werden. Zu den Aufgaben gehört zum Beispiel das Ausfüllen einer Umfrage, Fragen zum Unternehmen beantworten oder das Weiterempfehlen von Produkten. Wer am schnellsten reagiert und teilnimmt, gewinnt das ausgeschriebene Produkt. Um ihre Idee voranzutreiben, setzten Rico Harning und Giovanni Bruno, die Gründer der Plattform, von Anfang an auf fremdes Kapital. Im Interview mit deutsche-startups.de spricht Mitgründer Bruno über die intensive Suche nach Kapital, seinen Finanzierungsmix und Start-ups, die mitunter Jahre brauchen, um Venture Capital ins Boot zu holen.

Es heißt immer, dass es in Deutschland schwierig ist, Kapital für sein Start-up zu bekommen. Sie haben schon erfolgreich Geld für ihre Idee eingesammelt. Wie schwierig ist dies in Deutschland tatsächlich?
In Deutschland haben wir einfach zu wenig Venture-Capital-Geber und Business Angels, da will das Risikokapital sorgfältig investiert sein. Wir hatten uns bereits zu Beginn darauf eingestellt und unseren Finanzierungsmix vorrangig aus Business Angels-Kapital, Stipendien und stillen Beteiligungen konstruiert. Anfangs stieg ein Serienunternehmer und Business Angel ein, der unsere Idee begeistert und als äußerst lukrativ aufnahm – trotz Umsätze, die keine Höhensprünge erlaubten. Mit seiner Anfangsinvestition von knapp 30.000 Euro und eigenem Kapital starteten wir so unsere GmbH.

30.000 Euro sind eine gute Summe, aber kein sorgenfreier Riesenberg. Wir lange wollten Sie mit dem Betrag durchhalten?
Einen Teil des Geldes investierten wir zu Beginn ins Marketing, um die Community möglichst schnell aufzubauen. Diese wuchs bereits nach Wochen auf eine vierstellige Nutzerzahl, wodurch wir 25 Pilotkunden gewannen. Kurz darauf flossen die ersten größeren Erlöse, so dass wir den Geldfluss aus der Investitionssumme schmal halten konnten. So hielten wir länger mit der ersten Investition und unserem eigenen Kapital aus. Die zweite Investition kam 2015, welche wir derzeit für das weitere Wachstum der Community und der Entwicklung unserer Plattform investieren. Unsere Nutzerzahl steigt mit einigen Challenges rasant und bereits jetzt pflegen wir Kontakte zu VC-Gebern, um zeitnah Venture Capital ins Boot zu holen. Unser nächster Schritt wird sein, möglichst viele Pitch-Events mitzunehmen, um bereits bekannten oder neuen VC-Gebern einen aktuellen Überblick unserer Zahlen zu verschaffen.

Was war bei der Kapitalsuche besonders anstrengend?
Es war ein recht mühsamer Weg durch all die Bürokratie, die uns während der Auseinandersetzung mit Stipendien und Mikromezzaninfinanzierungen begegnete. In erster Linie wollten wir monatlich wiederkehrende Einnahmen für alle Mitarbeiter sichern, was wir durch die Bewilligung eines Gründerstipendiums bekamen. In diesem Stipendium wird jedem Gründer ein monatliches Stipendium ausgezahlt, insgesamt sind es knapp 65.000 Euro, dies ist allerdings länderspezifisch und kann sich im Bundesland unterscheiden. Bis zur ersten Bewilligung und Auszahlung dauerte es etwa zwei Monate. Kurze Zeit darauf bekamen wir weitere 50.000 Euro als stille Beteiligung der Mitteldeutschen Beteiligungsgesellschaft (MBG).

Wie viel Zeit sollte man für die Kapitalsuche einplanen?
Das hängt fast immer vom Stadium und gewünschten VC- oder Business Angel-Kapital ab. Je ausgereifter das Geschäftsmodell in der Growth-Phase ist – am besten noch mit ersten Proofs, die die Rentabilität belegen -, desto weniger Zeit benötigt die erste Begeisterung eines Business Angels bzw. VC-Gebers. Vom Zeitrahmen sind etwa drei bis sechs Monate anzusetzen. Stille Beteiligungen wie Mikromezzaninfinanzierungen lassen sich innerhalb von vier bis sechs Wochen umsetzen. Das ist zeitlich nicht nur ein Vorteil, sondern auch bilanziell, da die 50.000 Euro dem Eigenkapital zugeschrieben werden, was wiederum attraktiv auf Investoren wirkt. Für die Beantragung der Stipendien sind in etwa vier bis sechs Monate anzusetzen. Es kommt hierbei stark auf das Stipendium an, da man in erster Linie das für sich Passende finden muss.

Wie und wo knüpft man denn am besten Kontakt zu Business Angeln und Venture Capitalgebern?
In erster Linie findet man Business Angels in den bekannten Business-Angels-Netzwerken, wir fanden z. B. den BAND e. V. recht ansprechend. Zudem bot unsere Universität ihren Absolventen einen Gründerservice an, der die ersten Kontakte zu größeren Gründer- und Angels-Treffs vermittelte. Wir nahmen mitunter am Investforum und an diversen Businessplan-Wettbewerben teil, was wiederum für frische Kontakte und Kapital sorgte. Da wir oftmals den ersten und zweiten Platz belegten, konnten wir so schnell Aufmerksamkeit an uns ziehen. Gründerstammtische, die es mittlerweile in nahezu jeder Stadt gibt, nutzen wir auch, da sich dort immer wieder größere Unternehmen vorfinden lassen, die das Interesse einer Angels-Investition mitbringen. Auch die berühmten Wirtschatfsjunioren jeder Stadt bieten uns interessante Netzwerke, in dem jemand wieder jemand anderes kennt, der an einer Investition interessiert sein könnte.

Und wie kommt man auf diesen ganzen Events in Kontakt mit Geldgebern spricht man die einfach forsch von der Seite an und drückt ihnen Visitenkarte und Bussinessplan in die Hand?
Wenn man sich vor und zu Beginn der Unternehmensgründung in die Netzwerke und Veranstaltungen mischt, lernt man ziemlich viele Unternehmer kennen. Mit den meisten steht man in Kontakt, trifft sich und arbeitet gegebenfalls an gemeinsamen Schnittstellen. So entstehen freundschaftliche Netzwerke, die man auch auf VC- und Business Angel-Events wiederfindet. Man kommt locker ins Gespräch und wird einander vorgestellt. So entstehen neue Kontakte, mit denen man gerne die Visitenkarte austauscht und bei Bedarf ein paar Tage später telefoniert. Den Businessplan schickten wir allerdings nur auf Anfrage an die Interessenten, von denen ein starkes Interesse zu vermerken war.

Was empfehlen Sie anderen Gründer noch, die auf Kapitalsuche sind?
Letztendlich finden wir Messebesuche sehr wertvoll, da dort sowohl Kunden als auch Partner schnell und in großer Anzahl gefunden werden. Viele Kontakte konnten wir auch durch unsere Partner Ernst&Young und KPMG gewinnen, da diese öfters Start-ups auf Messen mitnehmen, wie beispielsweise auf die CeBit in Hannover. Womit wir auch gute Erfahrungen gemacht haben, sind die Angels- und VC-Netzwerke aus den Regionen Berlin, Sachsen-Anhalt und Sachsen, so z. B. die der HHL Leipzig Graduate School of Management und die des High Tech Gründer Fonds. Aber alles mit der Zeit, denn jedes Startup sollte erst einmal seine Persönlichkeit entwickeln, die eigenen Vorzüge kennen und sich passend dazu einen Investor suchen. Im Grunde so, als wolle man sich jemanden für eine lange, intensive Beziehung suchen. Da müssen die Eigenschaften von Beginn an passen.

Und was, wenn es nicht passt, besser weitersuchen?
Aus eigener Erfahrung würden wir behaupten, dass man früher oder später durchaus einen Partner finden wird. In unserem Fall ist es leichter gesagt als getan, da wir mit jeder einzelnen Ressource und Manpower an Crowdsell arbeiten und so eher unregelmäßig auf großen Events zu treffen sind. Solange man sich aber die Zeit von Beginn an einplant, regelmäßig Veranstaltungen und Gründertreffs zu besuchen, wird man den Netzwerkaufbau nicht stoppen. Es gibt Start-ups da draußen, die mitunter Jahre brauchen, um Venture Capital ins Boot zu holen. Womit diese Start-ups allerdings nie aufhören, ist die Entwicklung ihres Produkts. Wer weiter dran arbeitet und sich parallel in die Gründerszene mischt, hat gute Chancen auf einen Geldfluss.

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Foto: Antique cash register from Shutterstock

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.