Gastbeitrag von Andreas Nelskamp

Carsharing: Eine Chance für Start-ups im doppelten Sinne

In den meisten deutschen Unternehmen verursacht die Fahrzeugflotte nach dem Personal die größten Ausgaben, d.h. auch das Einsparpotential ist enorm. Für junge Unternehmen und Start-ups kann die Lösung dabei so einfach sein: Carsharing als Bestandteil „vernetzter Mobilität“.
Carsharing: Eine Chance für Start-ups im doppelten Sinne
Donnerstag, 18. Dezember 2014Vonds-Team

Zugegeben, Berlin ist nicht das Silicon Valley und Hamburg nicht Tel Aviv. Dennoch kann auch in Deutschland von einem Startup-Boom gesprochen werden: Nach Schätzung des Deutschen Start-up-Monitors (DSM) gibt es hierzulande aktuell zwischen 4.000 und 5.000 Startups. Und der Trend hält an – allein in der Hauptstadt wird alle 20 Stunden ein neues Unternehmen gegründet.

Start-ups müssen Kosten gering halten

Die Mehrzahl der Gründer ist jedoch gerade am Anfang mit den immer gleichen Problemen konfrontiert und meist fehlt schlicht das Kapital für den ganz großen Wurf. Viele Jungunternehmer sind daher gezwungen, sich zu fragen: Welche Kosten kann man verringern oder sich gleich ganz sparen? Eine wichtige Stellschraube, die oft übersehen wird, ist der Kostenfaktor „Mobilität“. In den meisten deutschen Unternehmen verursacht die Fahrzeugflotte nach dem Personal die größten Ausgaben, d.h. auch das Einsparpotential ist enorm. Dabei kann die Lösung so einfach sein: Carsharing als Bestandteil „vernetzter Mobilität“.

Ein Auto zu teilen, macht für Unternehmen natürlich nicht immer Sinn: Niemand wird auf die Idee kommen, einem Außendienstmitarbeiter, der jährlich mehrere zehntausend Kilometer beruflich unterwegs ist, das Firmenauto streitig zu machen und durch Carsharing zu ersetzen. Sind die Firmenwagen jedoch relativ wenig ausgelastet oder müssen sich mehrere Mitarbeiter um ein gemeinsames Fahrzeug zanken, lohnt es sich, Carsharing als Alternative zu prüfen. Startups haben ohnehin in der Regel nicht das Kapital oder das Kreditranking um ein Fahrzeug zu finanzieren.

Carsharing hilft, Ausgaben in Unternehmem zu senken

Carsharing ist die naheliegende Lösung für alle Unternehmen, die für Dienstfahrten oder Geschäftsreisen eine kostengünstige und dennoch verlässliche Alternative suchen. Startups und andere Kleinunternehmen verfügen so auch ohne eigenen Fuhrpark über mobile Flexibilität. Große Unternehmen können mit Hilfe des Carsharings ihre Flotten effizienter nutzen und Platz sparen.

Jungunternehmer profitieren deutlich reduzierten Fixkosten und finanzieller Planungssicherheit. Eine Abrechnung ist entweder über ein „Firmen-Account“ (mit Sammelrechnung und einer Art Fahrtenbuch) möglich oder über die Reisekostenabrechnung, wenn der Mitarbeiter „privat“ registriert ist. Auf diese Weise wird der Verwaltungsaufwand für Unternehmen auf ein Minimum reduziert und die Buchhaltung entlastet, was Zeit und Geld spart.

Bei Free-Floating-Anbietern wie DriveNow oder Car2Go wird die Nutzung sogar minütlich abgerechnet – eine gute Alternative, für kleine Erledigungen oder Kurztripps. Die Carsharing-Angebote der Autohersteller BMW und Daimler können ab 31 Cent pro Minute genutzt werden. Im Unterschied zu den stationsbasierten Anbietern wird die Parkzeit beim Free-Floating extra abgerechnet.

Buchungen sind flexibel

Doch nicht nur geringe Kosten sprechen für Carsharing; auch die Flexibilität bei der Nutzung ist ein Pluspunkt beim Auto teilen. Die Fahrzeuge können meist spontan oder bis zu einigen Monaten im Voraus verbindlich gebucht werden – per App, Website oder Telefon. In Abhängigkeit vom Anbieter ist die Nutzung im ganzen Land ortsungebunden möglich. Free-Floating Fahrzeuge können jederzeit vom Fleck weg gebucht werden und müssen im Anschluss an die Fahrt nicht wieder an den Ausgangspunkt zurückgebracht werden.

Bei DriveNow und Co. stehen die Fahrzeuge demnach frei im Stadtgebiet verteilt und können auch auf einem beliebigen Stellplatz wieder abgestellt werden. Mit bundesweit mehr als 2.000 bzw. 3.000 Carsharing-Fahrzeugen sind DriveNow und car2go in einigen deutschen Großstädten nahezu an jeder Ecke zu finden. Auch bei CiteeCar ist der nächste Wagen in der Regel nicht weit entfernt – in 11 Städten stehen bundesweit 800 Fahrzeuge zur Verfügung. Darüber hinaus haben Unternehmen genau wie Privatpersonen die Möglichkeit, „Host“ bei CiteeCar zu werden. Die Firmen stellen den Parkplatz für das Fahrzeug und profitieren im Gegenzug nicht nur von von umfangreichen Freikilometern, sondern haben auch ein CiteeCar jederzeit direkt vor der Tür.

Mehrere Carsharing Anbieter agieren am Markt

In fast allen Großstädten können junge Unternehmen und Start-ups zwischen mehreren Carsharing-Anbietern wählen. Für jeden Einsatzzweck ist fast immer ein Fahrzeug verfügbar: Die spontane, kurze Einwegmiete mit einem Free-Floating-Anbieter oder die kostengünstige Stunden- oder Tagesmiete mit Rückgabe zum gleichen Standort. Ein gutes Bus- und Bahnnetz ergänzt die automobile Mobilität und macht somit das eigene Auto mit hohen Fixkosten überflüssig.

Und auf dem Lande? Hier ist Carsharing immer noch eine weiße beziehungsweise graue Landkarte – mit überschaubarem öffentlichen Nahverkehr. Hier bietet das Carsharing von firmeneigenen Fahrzeugen eine gute Möglichkeit ohne eigenes Auto auszukommen. Über firmeninterne Flotten-Management-Plattformen werden die Wagen abends und am Wochenende von Mitarbeitern genutzt. Dieser willkommene Service erhöht nicht nur die Auslastung, sondern stärkt vor allem die Mitarbeiterbindung an das Unternehmen. Zudem kann Carsharing als umweltentlastende Mobilitätsalternative langfristig zu einem positiven Firmen-Image beitragen.

Lohnende Alternative für Start-ups

Carsharing kann für Unternehmen – und Start-ups im Speziellen – eine lohnende Alternative zum Firmenwagen sein. Das Versprechen von hoher Flexibilität zu geringen Kosten wird von vielen Anbietern eingelöst. Gerade in der Gründungsphase können Firmen von der damit verbundenen Entlastung ihres Mobilitätsbudgets enorm profitieren; denn die eingesparten Ressourcen können an anderer Stelle meist weit sinnvoller investiert werden. Ebenso wie bei den Privatpersonen muss sich das Auto Teilen allerdings auch im gewerblichen Bereich erst als funktionale, bedarfsgerechte und gleichwertige Alternative zum eigenen Auto durchsetzen und etablieren. Es ist jedoch davon auszugehen, dass zukünftig mehr Firmen auf Carsharing setzen – insbesondere aus der deutschen Gründerszene.

Darüber hinaus bietet „new mobility“ auch Chancen für neue Geschäftsideen: Ob mit neuen Ideen im Carsharing (luxury vehicle carsharing, motorcycle carsharing, Carsharing in Kleinstädten oder auf dem Land), ob mit neuen Zielgruppen (Urlauber, Geschäftsreisende, Fahranfänger, Senioren) oder neuen Services (Verleih von Helmen beim Bikesharing). Übergeordnet steht zudem die „Smart City“, wo Lösungen zur Reduktion von Umweltbelastungen, Lärm, Parkplatznot und Stau gesucht werden.

ANelskamp

Zur Person:
Andreas Nelskamp ist seit Juli 2014 Commercial Director bei CiteeCar. Er ist für den Aufbau des Firmenkundengeschäfts und die Weiterentwicklung des Carsharing-Konzeptes verantwortlich. Fundierte Erfahrungen in den Bereichen Carsharing und New Mobility sammelte er zuvor beim Freefloating-Anbieter car2go (Daimler). Zuvor arbeitete Nelskamp bei bei der Deutschen Telekom, Media-Saturn und TUI.

Foto: Hands with car keys. Dealer and client from Shutterstock