Axel Springer Ideas

Springer schließt seinen internen Inkubator schon wieder

Springer will intern keine Start-up-Fließbandarbeit mehr umsetzen. Das hauseigene Startup-Ideenlabor Axel Springer Ideas, das vor knapp zwei Jahren gestartet wurde, wird deswegen beerdigt. Das Unternehmen war ein Brutkasten für verlagsnahe Online-Projekte und Start-ups.
Springer schließt seinen internen Inkubator schon wieder
Donnerstag, 13. November 2014VonAlexander Hüsing

Bei der massiven Digitalisierung des Medienhauses Springer war Axel Springer Ideas ein Aspekt unter vielen. Die Ideenschmiede trat im Oktober des vergangenen Jahres erstmals in Erscheinung, wirkte zuvor aber mehrere Monate im Verborgenen. Das Projekt war zum einen eine Art IT-Knotenpunkt für das komplette Medienhaus und zum anderen eine Art Ideenschmiede bzw. Brutkasten für verlagsnahe Online-Projekte und somit Start-ups. Das Thema Ideenschmiede wird nun (leider) beerdigt.

“Der Inhouse-Inkubator Ideas Ventures wird aufgelöst, die bestehenden und auch zwei noch in Planung befindlichen Projekte sollen allerdings weitergeführt werden – im Rahmen des normalen Springer-Beteiligungsmanagements oder der Verlagsmarken”, berichtet Springers Gründerszene. Die zehn Mitarbeiter der Ideas-Ventures-Zentrale, die von Ulrich Machold und Michael Paustian geführt wurde, würden nun auf die Ventures verteilt oder gingen in die Marken zurück, heißt es in dem Bericht weiter.

Axel Springer Ideas brachte in den vergangenen knapp zwei Jahren Projekte wie den Shop The Iconist, PrepaidBild, die Bonus-App shopnow, das Prominenten-Wiki Celepedia Celepedia, die Rabatt-App LastMinute Local.de, das iPad-Geschichtsmagazin Epos und die Nachrichten-App Kompakt auf die Straße. Zudem versuchte die Ideenschmiede TunedIn zum Erfolg zu führen. Die Bilanz dieser ganzen Aktivitäten: PrepaidBild gibt es nicht mehr. LastMinute Local.de wurde ebenfalls abgeschaltet. Das Second-Screen-Start-up TunedIn schlitterte zudem in die Insolvenz. Insgesamt bleibt festzuhalten, dass den Springer-Mannen ein großer Wurf in dieser Zeit nicht gelungen ist. Bei wohl 15 Projekten, die man vorangetrieben hat, war dies auch kaum zu erwarten. Zumal nur acht davon tatsächlich umgesetzt wurden.

Nach dem Aus von Axel Springer Ideas soll es nun wieder gemächlicher beim Medienhaus Springer zugehen, zumindest was das Ausbrüten von Start-ups angeht. “In Zukunft werden wir nicht mehr systematisch und fließbandmäßig neue Sachen entwickeln, sondern opportunistisch aus dem Konzern heraus”, sagt Machold gegenüber Gründerszene. Ideas-Macher Paustian zitieren die lieben Kollegen so: “Wir haben unglaublich viel gelernt, natürlich haben wir an vielen Ecken ganz klar auch Fehler gemacht.” Ein Fehler ist es sicherlich auch, ein solches Projekt nach so kurzer Zeit schon wieder zu beerdigen – auch wenn die großen Erfolge bisher ausgeblieben sind. Konzerne, die wie Start-ups handeln, geben solchen Konzepten leider viel zu oft viel zu wenig Zeit. Plug and Play und der Company Builder Project A, bei dem Springer investiert ist, müssen bei Springer nun die Fahne in Sachen Start-ups hochhalten.

Alexander Hüsing

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.