15 Fragen an Peter Stiller von Bonnyprints “Ich konnte Bücher von Karl May nicht aus der Hand legen”

Jeden Freitag beantwortet ein Gründer oder eine Gründerin unseren standardisierten Fragebogen. Der Fragenkatalog lebt von der Vergleichbarkeit der unterschiedlichen Fragen, die alle Gründerinnen und Gründer beantworten müssen – diesmal antwortet Peter Stiller von Bonnyprints.
“Ich konnte Bücher von Karl May nicht aus der Hand legen”

Was bedeutet es Ihnen, Ihr eigener Chef zu sein?
So richtig bin ich nicht mein eigener Chef, schließlich führen mein Bruder Tomas und ich die Geschäfte bei Bonnyprints zusammen und tragen die Verantwortung für unsere tollen Teams. Aber genau das ist das Großartige und wir sind sehr dankbar, dass wir die Gelegenheit dazu bekommen haben. Ich würde sagen, dass wir dadurch beide mit viel mehr Herzblut bei der Sache sind.

Bei welcher Gelegenheit kam Ihnen die Idee zu Ihrem Start-up?
Eine bestimmte Gelegenheit oder einen genauen Zeitpunkt gab es nicht. Wir sind bei der Ideenfindung unseren Interessen nachgegangen, haben uns mit vielen Leuten ausgetauscht und mehrere Sachen getestet. Im Bereich Web-to-Print haben wir schließlich das größte Potential gesehen.

Woher stammte das Kapital für Ihr Unternehmen?
Wir sind ein Rocket Internet Venture, daher stammt auch ein Großteil des Kapitals von Rocket.

Was waren bei der Gründung Ihres Start-ups die größten Stolpersteine?
Auch wenn es zunächst etwas abwegig klingt: Wir hatten keine Ahnung von Online Marketing. Diese Art der Vermarktung war jedoch essenziell, um Wunderkarten bekannt zu machen. Uns war sehr schnell klar, dass wir mit den Mechanismen vertraut sein müssen, wenn wir erfolgreich sein wollen. Hierbei haben wir sehr stark vom Know-how von Rocket Internet profitiert.

Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, wie ich damals eine Art Einweisung in Google AdWords bekommen habe und dann jeden Montag als allererstes hunderte Suchanfragen zu Karten selbst ausgewertet habe. Somit würde ich es vielleicht nicht als Stolperstein bezeichnen, sondern eher als Hürde, die wir zunächst überwinden mussten.

Was würden Sie rückblickend in der Gründungsphase anders machen?
Es gibt keine konkreten Entscheidungen, die wir im Nachhinein bereuen. Vielleicht hätten wir schon von Anfang an auf fundierte Daten setzen sollen, anstatt uns bei der Gestaltung unseres Online-Shops auf unsere Intuition zu verlassen. Mit A/B-Tests hätten wir schon viel früher herausfinden können, welches Webseiten-Design sich positiver auf die Conversion-Rate auswirkt.

Was ich hingegen immer wieder genauso machen würde, ist Berlin als Gründungsstandort zu wählen. Berlin bietet mit der vorhandenen Gründerszene, der vergleichsweise günstigen Kostenstruktur und den verfügbaren Fachkräften viele Vorteile für Gründer.

Jedes Start-up muss bekannt werden. Welche Marketingspielart ist für Sie besonders wichtig?
Für uns war und ist Google AdWords von elementarer Bedeutung, da kein eCommerce Shop ohne Google leben kann. Wir sind in der Lage, per AdWords sofort potentielle Kunden zu erreichen, die genau nach den Produkten suchen, die wir anbieten. Aufgrund von Reichweite, Genauigkeit und Optimierungspotential war es perfekt für den Einstieg und Ausbau in unserem Marktsegment geeignet. Darüber hinaus setzen wir inzwischen stark auf ein konsistentes Brand-Marketing, um auch auf internationaler Ebene als starke Marke aufzutreten.

Welche Person hat Sie bei der Gründung besonders unterstützt?
Alexander Samwer von Rocket Internet stand uns immer mit Rat und Rat zur Seite.

Welchen Tipp geben Sie anderen Gründern mit auf den Weg?
Drei Dinge – Erstens: Machen, machen, machen. Zweitens: Schnell live gehen, um wertvolles Kundenfeedback zu erhalten. Und drittens: Auf die eigene Gesundheit achten.

Sie treffen den Bundeswirtschaftsminister – was würden Sie sich für den Gründungsstandort Deutschland von ihm wünschen?
Ganz persönlich würde ich mir wünschen, dass er 2014 seine Weihnachtskarten bei uns bestellt. Für den Gründungsstandort Deutschland wären es hingegen verbesserte Rahmenbedingungen. Dazu zählt meiner Meinung nach die Einführung der haftungsbeschränkten Unternehmergesellschaft und die Bestätigung, dass Veräußerungsgewinne ungeachtet der Beteiligungshöhe weiterhin zu 95% von der Körperschaftsteuer befreit bleiben.

Zudem brauchen wir einen kulturellen Wandel: ein Gründer der scheitert, sollte dadurch keinen Makel angehaftet bekommen. Hauptsache ist, dass er es probiert hat, dabei etwas lernen konnte und weiter macht bzw. etwas Neues ausprobiert. Gründen muss sexy werden.

Was würden Sie beruflich machen, wenn Sie kein Start-up gegründet hätten?
Ehrlich gesagt, weiß ich das gar nicht. Für Tomas und mich war immer klar, dass wir zusammen ein Unternehmen gründen wollen. Also ging es eigentlich eher um das „Was“ als um das „Ob“.

Bei welchem deutschen Start-up würden Sie gerne mal Mäuschen spielen?
Definitiv bei Wooga. Es ist einfach toll zu sehen, was die sich aufgebaut haben.

Sie dürften eine Zeitreise unternehmen: In welche Epoche reisen Sie?
Ich würde Karl May Ende des 19. Jahrhunderts einen Besuch abstatten. In meiner Jugend konnte ich seine Bücher kaum aus der Hand legen. Es wäre toll, wenn er mir die Geschichten von Winnetou und Old Shatterhand persönlich erzählen könnte.

Sie haben eine Million Euro zur persönlichen Verfügung: Was machen Sie mit dem ganzen Geld?
Natürlich würde ein großer Teil in Bonnyprints fließen. Ein wenig würden wir zurücklegen und mit dem Rest würden wir unserer Familie etwas Gutes tun.

Wie verbringen Sie einen schönen Sonntag?
Ich mache mit meiner Verlobten einen Ausflug ins Grüne.

Mit wem würden Sie sich gerne einmal auf einen Kaffee oder ein Bier verabreden?
Larry Page, er ist einfach eine faszinierende Persönlichkeit. Ich glaube zwar nicht, dass er das Geheimnis, das hinter dem Google PageRank steckt, lüften würde. Allerdings wäre ein Gespräch mit ihm trotzdem eine tolle Erfahrung.

Im Fokus: Weitere Fragebögen in unserem großen Themenschwerpunkt 15 Fragen an

Zur Person:
Dr. Peter Stiller ist Geschäftsführer der Bonnyprints GmbH. Der Diplom-Betriebswirt promovierte nach seinem Studium an der Katholischen Universität Eichstädt an der European Business School.

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Christina Cassala, Redakteurin bei deutsche-startups.de, war schon zu ihren besten Uni- Zeiten in den 90er Jahren journalistisch tätig. Gleich nach dem Volontariat arbeitete sie bei einem Branchenfachverlag in Hamburg, ehe sie 2007 zu deutsche-startups.de stieß und seither die Entwicklungen der Start-up Szene in Deutschland mit großer Neugierde beobachtet.