Gastbeitrag von Orlando Mittmann Erfolgreicher gründen mit der richtigen Planung

Recherche, Recherche, Recherche – um sie kommt beim Start in die Selbstständigkeit, der Existenzgründung, niemand herum. Schließlich muss die Idee auf ihre Umsetzbarkeit geprüft werden. Im nächsten Schritt wird es dann mit der Detailplanung - in Form eines Businessplanes konkret.
Erfolgreicher gründen mit der richtigen Planung

Die Recherche und Planung sind nur zwei wichtige Faktoren, die dazu gehören, eine Gründung erfolgreich auf den Weg zu bringen. Dies verlangt Jungunternehmern nicht nur einen Großteil ihrer Zeit ab, sondern erfordert auch Know-how, welches vielen zum Start fehlt. Typische Anfängerfehler lassen sich vermeiden, wenn man die folgenden Punkte berücksichtigt.

Schritt für Schritt in die Selbstständigkeit

Recherche, Recherche und nochmals Recherche – um sie kommt beim Start in die Selbstständigkeit niemand herum. Schließlich muss die Idee auf ihre Umsetzbarkeit geprüft werden. Auch wenn man glaubt, das Ei des Columbus entdeckt zu haben, sollte erst einmal in Erfahrung gebracht werden, ob es möglicherweise bereits Mitbewerber gibt und wenn ja, welchen Schwerpunkt sie setzen. Ist der Markt groß genug für einen weiteren Player? Entscheidend ist in diesem Zusammenhang natürlich auch die Frage, ob sich das Geschäftsmodell überhaupt zur Sicherung der Existenz eignet. Die beste Idee ist nicht viel wert, wenn sie sich nicht monetarisieren lässt. Dabei ist die eigene Begeisterung nicht der beste Berater. Objektivität ist gefragt. Gespräche mit erfahrenen Gründern und kritische Stimmen aus dem eigenen Umfeld bringen hier Licht ins Dunkel. Förderlich kann auch der Besuch eines Existenzgründungskurses sein,  weil man darüber zu Menschen in einer ähnlichen Situation Kontakt aufnehmen kann. Zudem bieten solche Kurse einen Überblick darüber, welche Aufgaben unmittelbar vor und nach der Gründung auf der To do-Liste stehen sollten.

Der Businessplan

Im nächsten Schritt wird es dann mit der Detailplanung der Gründungsidee in Form eines Businessplanes konkret. Auch wenn er in erster Linie dazu dient, private oder staatliche Investoren, wie zum Beispiel Banken, Business Angels, Risikokapitalgeber (Venture Capitalists), Fusionspartner oder unternehmensinterne Finanziers, zu überzeugen, sollten auch Gründer, die nicht auf finanzielle Hilfe angewiesen sind, ein solches Dokument erstellen. Schließlich fordert es dazu auf, sich ausführlich mit der eigenen Gründung auseinanderzusetzen und gibt einen Leitfaden für die operative wie auch strategische Unternehmensplanung vor.

1) Die Grundidee

Am Anfang steht die Idee. Daher sollten sämtliche Informationen rund um die neue Unternehmung den Auftakt des Businessplanes machen. In welchem Geschäftsbereich ist das Produkt oder die Dienstleistung anzusiedeln, um welche Leistungen geht es insgesamt, wie grenzen sich diese von denen der Mitbewerber ab? Ganz wichtig ist auch die Frage, wie das Produkt die Frau  oder an den Mann gebracht werden soll.

Wer steht hinter dem Unternehmen? Das Gründungsteam sollte mit seinen Stärken und auch Schwächen vorgestellt werden. Gibt es Defizite, ist es entscheidend darauf hinzuweisen, wie sich diese ausgleichen lassen. Zudem sollten bereits erworbene Berufserfahrungen, Qualifikationen sowie kaufmännische Kenntnisse aufgeführt werden. Denn je erfahrener die Gründer sind, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie ihre Geschäftsidee zum Erfolg führen.

2) Die Unternehmensdetails

Während eingangs die Geschäftsidee nur sehr vage umrissen wurde, geht es nun um eine detaillierte Beschreibung des Produktes oder der Dienstleistung. Neben den Besonderheiten, die das eigene Business auszeichnen, geht es auch darum, die kurz- sowie langfristigen Unternehmensziele darzulegen. Und auch darum, welche Maßnahmen überhaupt nötig sind, damit diese erreicht werden können. Gibt es gegebenenfalls Genehmigungen die vorher eingeholt werden müssen?

3) Der Markt

Nachdem klar ist, welche Leistungen erbracht werden sollen, gilt es nun zu erklären, wie die aktuelle Marktsituation aussieht. Gibt es überhaupt einen Kundenstamm für das Angebot und wenn ja, wie ist dieser strukturiert? Wenn Konkurrenten mit einem ähnlichen Produkt existieren, ist es sinnvoll, einen Blick auch auf deren Kunden zu werfen. So erfährt man mehr über ihre Vorlieben und Bedürfnisse und kann das Produkt passgenau auf sie zuschneiden. Dies ist auch nötig, um aufzuzeigen, dass es einen Markt für das Produkt gibt.

Die Mitbewerber können nicht nur hilfreich sein, wenn es um die Vermeidung von Fehlern geht, sondern auch, um ein Auge auf die neuesten Entwicklungen zu werfen und sich preislich zu orientieren. Daher ist für den Businessplan, aber auch für die Existenzgründung selbst, eine Konkurrenzanalyse unverzichtbar.

4) Der Unternehmensstandort

Lage, Lage und nochmals Lage. Genau wie bei der privaten Wohnung, ist es auch bei der Geschäftsgründung von großer Bedeutung, wo man seine Zelte aufschlägt. Daher soll sich im Businessplan wiederfinden, warum man sich für einen bestimmten Standort entschieden hat und welche Vorteile wie auch Nachteile dieser mit sich bringt. Die Lage des Unternehmensstandortes ist ein ausschlaggebender Faktor, der im Gesamtzusammenhang betrachtet werden muss. Oft spielen auch persönliche Gründe für die Lage eine große Rolle. Allerdings sollte man bei der Anmietung auch darauf achten, dass das Objekt in eine gute Infrastruktur (Verkehrsanbindungen, urbanes Umfeld, soziale Komponenten etc.) eingebunden ist.

5) Die Marketingstrategie

Um das eigene Angebot zu verbreiten, bedarf es einer ausgeklügelten Marketingstrategie. Wie sieht diese im Einzelnen aus? Gibt es eventuell bereits ein Netzwerk, bestehend aus Vertriebspartnern, auf das zurückgegriffen werden kann? Wenn nicht, sollte man aufzeigen, wie es aufgebaut werden soll und welche Werbemaßnahmen zu diesem Zweck ergriffen werden sollen.

6) Das Personal

In aller Regel genügt es nicht, wenn die Gründer die Geschäftsidee allein vorantreiben. Im besten Fall müssen schnell helfende Hände – sprich Personal – angestellt werden, um die anfallenden Aufgaben zu erledigen. Daher ist es wichtig, sich bereits im Vorfeld Gedanken darüber zu machen, zu welchem Zeitpunkt, welche Kräfte mit welchen Qualifikationen benötigt werden. Idealerweise kann man für den Businessplan bereits ein Organigramm entwerfen. Zudem sollte man unbedingt die Arbeitsmarktsituation im Vorfeld checken – viele Existenzgründer scheitern schlicht und ergreifend daran, dass sie bestimmte Positionen nicht mit qualifiziertem Personal, wie zum Beispiel aus den Bereichen IT, Suchmaschinenoptimierung und Online Marketing, besetzen können.

7) Die Rechtsform

Die Rechtsform definiert die Unternehmensform und gibt die gesetzlichen Rahmenbedingungen vor. Deshalb sollte man sich bereits zur Gründung für die am besten zur Unternehmensorganisation passende Rechtsform entscheiden. Warum wurde sich für eine bestimmte Rechtsform entschieden und berücksichtigt sie auch die Interessen der Gesellschafter?

  • GbR: Durch den Gesellschaftsvertrag verpflichten sich die Gesellschafter gegenseitig, die Erreichung eines gemeinsamen Zweckes in der durch den Vertrag bestimmten Weise zu fördern, insbesondere die vereinbarten Beiträge zu leisten (§ 705 BGB).
  • GmbH & Co. KG: Die GmbH & Co. KG ist eine besondere Kommanditgesellschaft, d.h. der Unternehmer (Komplementär), der bei einer einfachen KG mit seinem Privatvermögen haftet, ist hier eine GmbH. So kann man als Komplementär seine Haftung beschränken. Die GmbH & Co. KG ist ideal, wenn man sich für sein Handelsunternehmen die KG als Rechtsform wünscht, aber das hohe private Haftungsrisiko der KG beschränken will. Die Gesellschafter der GmbH sind meist gleichzeitig die Kommanditisten der KG.
  • OHG: Eine offene Handelsgesellschaft ist in Deutschland eine Personenhandelsgesellschaft, in der sich zwei oder mehr natürliche und/oder juristische Personen zusammengeschlossen haben, um unter einer gemeinsamen Firma ein Handelsgewerbe zu betreiben.
  • Ltd.: Limited ist eine Bezeichnung für eine Kapitalgesellschaft in vielen Ländern, die zum                         Commonwealth oder ehemaligen englischen Kolonien gehören.
  • AG: Eine Aktiengesellschaft ist eine privatrechtliche Vereinigung. Dabei handelt es sich um eine Kapitalgesellschaft, deren Grundkapital in Aktien zerlegt ist. Die Aktiengesellschaft ist die für das internationale Geschäft wohl bedeutsamste Unternehmensform.

8) Die Finanzierung

Die Umsetzung einer Geschäftsidee verheißt aber nicht nur Gutes. Daher sollte man sich auch mit den damit einhergehenden Risiken auseinandersetzen, und diese letztlich aber auch als Chancen wahrnehmen. Jede Unternehmung muss finanziert werden und auch finanzierbar sein. Dementsprechend sollte man im Businessplan auflisten, wie hoch der gesamte Kapitalbedarf ist und möglicherweise direkt in diesem Rahmen einen Investitionsplan erstellen, der darüber Auskunft gibt, wann und wie viel Geld benötigt wird. Kostenvoranschläge von potenziellen Geschäftspartnern oder Dienstleistern können die Preisvorstellungen konkretisieren. Der Liquiditätsplan sollte auf drei Jahre hin ausgerichtet sein und demonstrieren, von welchen monatlichen Einzahlungen, Kosten, nötigen Reserven etc. ausgegangen wird. Und wenn man schon mal bei den Zahlen ist, kann man damit auch gleich weitermachen, wenn es darum geht, die Umsätze, Gewinne und Kosten für die nächsten drei Jahre zu avisieren.

Hilfe zur Selbsthilfe: Mit Förderung(en) in die Selbstständigkeit

Die Guideline für das Geschäftsmodell ist nun fixiert. Jetzt wird es spannend: Die Idee steht kurz vor der Umsetzung. Von großer Bedeutung ist dabei die Finanzierung. Sie stellt laut dem KfW-Gründungsmonitor eines der fünf Hauptprobleme von Existenzgründern in Deutschland dar. Die Bandbreite von Fördermöglichkeiten reicht von vergünstigten Krediten über Bürgschaften und Zuschüsse bis hin zu Venture Capital.

  • Unterstützung vom Arbeitsamt

Auch wenn der Erhalt des Existenzgründerzuschusses inzwischen an eine Vielzahl von Bedingungen geknüpft ist und die Vergabe eher einem Losverfahren ähnelt, gehört diese Form der staatlichen Unterstützung immer noch zu den wichtigsten Förderungen. Der Zuschuss zielt darauf ab, die Kosten für das alltägliche Leben – Miete und Einkauf – abzudecken. Er hat den Zweck, Arbeitnehmern den Schritt aus der Arbeitslosigkeit in die Selbständigkeit zu ermöglichen. Daher hat auch nur derjenige einen Anspruch darauf, der vorher arbeitslos gemeldet war.

  • Förderung durch Kredite und Darlehen

Neben dem Lebensunterhalt will aber auch das Geschäft selbst finanziert sein. Viele Konzepte lassen sich ohne zusätzliches Geld gar nicht erst realisieren, sodass oft kein Weg an einem Existenzgründerkredit herumführt. Ausschlaggebend für seine Höhe ist die Größe des Unternehmens sowie die erforderlichen Mittel. Darüber hinaus bieten einige Banken spezielle Kredite für Selbstständige an. Vorteilhaft wirkt sich dabei aus, dass die Auflagen geringer als bei einem Geschäftskredit sind, der nicht ohne einen Businessplan und ein Gründerkonzept auskommt. Für den Antrag genügt in der Regel eine Einkommenssteuerbescheinigung, die der Bank zeigt, dass genügend Geld erwirtschaftet wird, um den Kredit auch zurückzahlen zu können.

Unter anderen stehen folgende Zuschussoptionen für Existenzgründer zur Verfügung:

  • IBB (Investitionsbank Berlin): Frühphasenfinanzierung PRO FIT: Förderung von Forschung, Innovationen und Technologien, Mikrokredit aus dem KMU-Fonds: schnelle Kreditvergabe bei kleinen Darlehen, Coaching BONUS: betriebswirtschaftliche Hilfestellungen bei der Gründung
  • KfW: bietet verschiedene Kredite und Förderprodukte zum Gründen und Erweitern von Unternehmen an
  • EXIST: Förderprogramm des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi)
  • Die Bundesrepublik Deutschland bietet Existenzgründern spezielle Förderprogramme; Kosten werden bezuschusst, Kreditzinsen subventioniert
  • Die Europäische Union bietet Förderprogramme, die sich an bestimmte Branchen richten
  • Venture Capital Gesellschaften investieren vorwiegend in technologieorientierte Unternehmen, die sich in der Gründungs- und Wachstumsphase befinden; investiert wird dabei in der Regel über einen Venture Capital Fonds
  • Crowdfunding: Mehrere (stille) Kapitalgeber investieren in ein Unternehmen; meist wird auf speziellen Online-Plattformen zum Investment aufgerufen

Welcher Zuschuss für die eigene Gründung der richtige ist, lässt sich auf dieser Webseite herausfinden: www.foerderprogramme-deutschland.de

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser: Coaching, Controlling, Beratung & Behörden

Hierbei stehen nicht die Finanzen, sondern das nötige Gründungs-Know-how im Vordergrund, denn oftmals lässt sich eine erfolgreiche Gründung auf die Unterstützung von Experten zurückführen. Solche Leistungen sollte man rechtzeitig in Anspruch nehmen, denn sie können für die Vorbereitung von Bankgesprächen Gold wert sein. Wer gut informiert in einen solchen Termin geht, erhöht seine Glaubwürdigkeit und damit gleichzeitig die Chance auf einen Kredit. Auch über die Gründungsphase hinaus kann ein Coaching die positive Unternehmensentwicklung prägen. Da der Staat dies bezuschusst (wie zum Beispiel Gründercoaching Deutschland), ist der finanzielle Kostenaufwand gering.

Um bei der Gründung keine unerwarteten, bösen Überraschungen zu erleben, sind je nach Branche spezielle Genehmigungen erforderlich. Daher ist es unumgänglich, diese rechtzeitig bei den zuständigen Ämtern und Behörden zu beantragen. Ebenso unverzichtbar stellt sich der Gang zum Gewerbeamt dar, welches in der Regel automatisch Institutionen und Behörden wie das Finanzamt, die IHK oder HWK, die Berufsgenossenschaft, das Statistische Landesamt und das Handelsregister (beim Amtsgericht) über die Existenz der neuen Unternehmung informiert. Kaufmännische Betriebe sollten einen Notar beauftragen, um in das elektronische Handelsregister aufgenommen zu werden. Bei einer freiberuflichen Tätigkeit genügt die Steuernummer.

Unternehmerschutz: Geschäftsversicherungen zwingend erforderlich

Unverzichtbar zu jeder Gründung gehört auch der Abschluss verschiedener Versicherungen. Dabei sollte man nach dem Motto „so viel wie nötig, so wenig wie möglich“ verfahren, um nicht das für die Gründung geplante Geld komplett für Versicherungen auszugeben. Allerdings gibt es bestimmte betriebliche Gefahren, die unbedingt abgesichert sein müssen, weil sie im Fall der Fälle Schäden in Millionenhöhe nach sich ziehen können, die von einem Gründer kaum aufzubringen sind. Bevor man Angebote von Versicherungen einholt, sollte man die Hauptrisiken kennen – in welchen Bereichen treten die wirklich großen Schadensfälle auf? Beispiel: Betriebsunterbrechung, wenn zum Beispiel durch den Wegfall von Kunden oder durch einen Maschinenschaden die Produktion stillsteht. Nachfolgend ein paar Tipps hierzu:

  • Betriebs-Haftpflichtversicherung: bei Schadenersatzansprüchen Dritter, zum Beispiel von Kunden, Lieferanten, Besuchern und Mitarbeitern
  • Berufs-Haftpflichtversicherung: für Dienstleistungsunternehmen und Freiberufler, schützt vor den finanziellen Folgen eines Berufsversehens, wie beispielsweise falsche Beratung, Begutachtung etc.
  • Betriebs-Unterbrechungsversicherung (BU-Versicherung): für die laufenden Kosten wie Löhne, Gehälter, Miete und Zinsen usw., solange keine Erträge erwirtschaftet werden können
  • Vermögensschadenversicherung für Unternehmensleiter: für die persönliche Haftung insbesondere von GmbH-Geschäftsführern und AG-Vorständen
  • Einbruchdiebstahlversicherung: für Schäden durch Diebstahl, Zerstörung, Beschädigung usw.
  • Elektronikversicherung: z.B. für Kosten zum Wiedereinsatz von Programmen und Wiedereingabe der Daten sowie Aufrechterhaltung des Geschäftsbetriebes nach einem Virenbefall.
  • Feuerversicherung: für Schäden durch Brand, Blitzschlag, Explosion oder Flugzeugabsturz
  • Kfz-Haftpflichtversicherung: für Schäden an Personen, Sachen und Vermögen auf, die der Fahrer gegenüber Dritten verursacht hat.
  • Leitungswasserversicherung: für Schäden durch austretendes Wasser aus Wasserleitungen oder Wasser- bzw. Heizungsanlagen
  • Maschinenversicherung: für Reparaturen an stationären und fahrbaren Maschinen, die durch menschliches Versagen, Bedienungsfehler, Fahrlässigkeit usw. entstehen
  • Produkt-Haftpflichtversicherung: für Schäden, die Dritte durch fehlerhafte Produkte erleiden (vor allem für Hersteller, Lieferanten, Lizenznehmer)
  • Sturmversicherung: für Sturmschäden an Gebäuden und beweglichen Sachen
  • Umwelthaftpflichtversicherung: für Schadenersatzansprüche, wenn durch den Betrieb Boden, Wasser, Luft verunreinigt werden
  • Versicherung für Mitarbeiter: zum Beispiel Unfallversicherungen, betriebliche Altersversicherung oder andere Altersvorsorgemöglichkeiten
  • Vertrauensschadenversicherung: für Kosten, die durch Unterschlagung, Veruntreuung, Diebstahl, Fälschung, Betrug und andere Vermögensdelikte entstehen

Für die persönliche Absicherung sind zudem weitere Versicherungen zu berücksichtigen, die man als Existenzgründer in seiner Finanz- und Liquiditätsplanung berücksichtigen muss. Welche Krankenversicherung und Altersvorsorge kommen für beruflich Selbständige infrage? Folgende Eckpfeiler der persönlichen Absicherung sollten Unternehmer beachten:

  • Altersvorsorge
  • Arbeitslosenversicherung
  • Berufsunfähigkeitsversicherung/Erwerbsminderungsrente
  • Kranken- und Pflegeversicherung
  • Künstlersozialkasse und berufsständische Versorgungswerke
  • Unfallversicherung

Reputation: Die Unternehmenskommunikation und Öffentlichkeitsarbeit

Abschließend fehlt eigentlich nur noch ein ansprechender Außenauftritt. Logo, Visitenkarten, Briefpapier und eine Webseite sorgen für einen professionellen Auftritt gegenüber Kunden und der Öffentlichkeit.

Presse- und Öffentlichkeit sorgen für ein positives Ansehen bei der jeweiligen Zielgruppe. Durch die große Aufmerksamkeit, die sich auf dieser Grundlage ergibt, können neue Kundengruppen angesprochen und gewonnen werden. Die direkte Ansprache relevanter Multiplikatoren erfolgt wesentlich zielgerichteter als es über Werbung möglich wäre und ist zudem kostengünstiger.

Die Zusammenfassung

Egal ob die Gründung aus eigenen oder fremden Mitteln finanziert wird, man sollte sich sein Budget gut einteilen. Insbesondere wer einen Finanzier im Rücken hat, der eine fünf- oder sogar sechsstellige Summe zur Verfügung stellt, darf nicht zu spendabel sein – auch wenn die Verlockung noch so groß ist. Anstatt in einen Konsumrausch zu verfallen, sollte man darauf achten, an welchen Punkten sich Einsparpotenziale ergeben, um schließlich genügend Kapital für die eigentliche Produkt- beziehungsweise Unternehmensentwicklung zur Verfügung zu haben.

Das private Netzwerk ist ein optimaler Pool, um sich – oft genug kostenlos – Anregungen und Ideen zu holen. Entweder befinden sich bereits im eigenen Freundeskreis Grafikdesigner oder Programmierer, die zum Beispiel den Online-Auftritt gestalten können. Diese freuen sich bestenfalls mehr über eine Essenseinladung oder einen schönen Theaterabend als über eine rein finanzielle Vergütung. Oder die Freunde können wiederum andere Freunde für die anfallenden Aufgaben empfehlen, die noch eine Referenz benötigen und dadurch möglicherweise bereit sind, auf einen Teil ihrer Bezahlung zu verzichten.

Auch wenn die Umsatzzahlen vielversprechend sind, bedeutet das nicht gleichzeitig auch, dass letzten Endes viel davon übrig bleibt. So ist man gut beraten, das eigene Gehalt in der finanziell stark beanspruchten Anfangszeit so gering wie möglich zu halten – unter Umständen sollte man sogar ganz darauf verzichten. Wenn bereits Angestellte für das Unternehmen tätig sind, ist es wichtiger, ihnen pünktlich ihren Lohn zu bezahlen.

Je nach Gründung kann es sinnvoll sein, den ersten Geschäftsstandort in der eigenen Wohnung aufzuschlagen. Dadurch lassen sich die monatlichen Mietzahlungen einsparen. Steve Jobs ist das beste Beispiel dafür, wie erfolgreich eine Gründung in der hauseigenen Garage sein kann. Wird die Wohnung aufgrund des Mitarbeiterzuwaches zu klein, sollte man Ausschau nach einem Büro halten. Dabei ist es wichtig, an die Zukunft zu denken: Die Wahl eines räumlich zu knapp bemessenen Büros kann zeitnah einen weiteren Umzug nach sich ziehen, ein zu großes Büro die finanziellen Möglichkeiten sprengen. Zudem sollte der Standort wohl überlegt sein, neben einer zentralen Lage sollte auch auf die Lebenshaltungskosten in der jeweiligen Region geachtet werden. Jeder Umzug ist mit hohen Kosten verbunden, sodass Jungunternehmer die Entscheidung für oder gegen eine Räumlichkeit gründlich abwägen und die Sparpotenziale im Auge behalten sollten. Wie im privaten Bereich ist auch im unternehmerischen Rahmen eine Absicherung des Vermieters in Form einer Gewerbe-Mietkaution vorgesehen. Im Unterschied zur Mietwohnung übersteigt die Höhe der zu hinterlegenden Kaution von Gewerbeimmobilien die von Privaträumen deutlich. Mietkautionen in Höhe von sechs Monatsmieten stellen bei geschäftlichen Immobilien keine Seltenheit dar. Eine stattliche Summe, die sich zum Beispiel durch den Abschluss einer Mietkautionsbürgschaft einsparen lässt. Hierbei bezahlt der Mieter einen geringen jährlichen Beitrag und erhält im Gegenzug eine Bürgschaftsurkunde, die beim Vermieter hinterlegt wird. Das eigentlich verplante Geld kann der Gründer dann zum Beispiel in sein Marketing oder in die Produktentwicklung investieren.

Allerdings sollte der Gründer davon Abstand nehmen, diese Summe bei der Büroeinrichtung in Designerstücke oder teure Markenware zu stecken. Wer auf eine günstige, aber auch gute Einrichtung Wert legt, ist besser beraten. Im Internet gibt es zahlreiche Second-Hand-Angebote, aber auch Discounter bieten beispielsweise solide Computer an, die die Ausgaben gering halten.

Je besser und detaillierter Gründer die Umsetzung ihrer Geschäftsidee planen und im Vorhinein auf Herz und Nieren prüfen, desto stressfreier und erfolgreicher gelingt der Start in die Selbständigkeit. Wenn man sich bereits im Vorfeld die Mühe macht und einzelne Szenarien durchspielt, lassen sich in der Praxis viele Fehler vermeiden und jede Menge Geld sparen.

Zur Person
Orlando Mittmann ist Immobilienexperte aus Berlin und berät Existenzgründer in Sachen Gewerbemietrecht und Gewerbemietkaution.

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