Gastbeitrag von Theodossios Theodoridis 10 Tipps, wie man die Pressearbeit mal so richtig verhunzt

Während kaum ein Arzt auf die Idee kommen würde, “10 Tipps für eine gelungene Mandel-OP” niederzuschreiben und seinen Patienten als Do-it-yourself-Anleitung in die Hand zu drücken, tun PR-Fachleute das mitunter sehr gern. Gastbeitrag von Theodossios Theodoridis, freier PR-Berater.
10 Tipps, wie man die Pressearbeit mal so richtig verhunzt

Man findet sie überall. Online-Artikel im Stil von “10 Tipps für die perfekte Pressemitteilung”, “10 Tipps für erfolgreiche PR” oder sonstige “10 Tipps für PR-irgendwas”. Auch bei deutsche-startups.de gibt es ganz viele solcher Tipps – siehe PR-Rubrik. Während aber kaum ein seriöser Arzt auf die Idee kommen würde, “10 Tipps für eine gelungene Mandel-OP” niederzuschreiben und seinen Patienten als Do-it-yourself-Anleitung samt Skalpell in die Hand zu drücken, tun PR-Fachleute das mitunter sehr gern. Offensichtlich – schließlich mache ich es auch gerade. Und ähnlich wie der Ausgang einer selbstdurchgeführten Mandel-OP recht ungewiss ist, verhält es sich auch mit diesen PR-Tipps-To-Go. Sie sind meist gut gemeint und inhaltlich durchaus richtig –  sinnvoll und in Eigenregie umsetzbar sind sie deswegen noch lange nicht.

Wenn es aber schon schiefgehen soll, dann bitte richtig und professionell. Hier also die ultimativen 10 Tipps, wie man als Gründer und Unternehmer die Pressearbeit mal so richtig verhunzt:

* Grundregel: PR kann jeder. Also auch Du. Der Begriff “„PR-Profi“ ist nur eine Erfindung der PR-Industrie, die damit Geld machen will. (Außerdem habt Ihr kein Geld. Den Budget-Punkt PR habt ihr in Eurem Business-Plan komplett vergessen – zugunsten eines Kickers und ein paar Team-iPads. Startup eben.)

* Darum gilt: Alle „10 Tipps für PR-irgendwas“-Ratgeber lesen und befolgen. Nicht über ausbleibende Ergebnisse wundern oder in Frage stellen. Niemals. Der stumpfe PR-Tropfen höhlt irgendwann den Stein – und Journalisten.

* Egal, wie die Note im Deutschunterricht war: Presseinformationen & Co. muss man als Gründer immer selbst schreiben (siehe Punkt 1). Das kann in der Regel zwar nur einer von 100.000 auf Anhieb. Aber keine Bange, Du bist der Auserwählte.

Es klappt doch nicht wie gewünscht? Dann wälz das komplette PR-Thema auf irgendjemanden in Deinem Startup ab. Egal wen. Grafiker, Programmierer, Praktikant oder den Co-Working-Space-Pförtner. Verpass der Person den Titel PR-irgendwas – oder gleich Senior Communications Manager. Titel machen Leute. Und Leute mit Titeln sind motiviert für die…

* …Kontaktaufnahme mit den Aliens. Sprich: Journalisten anrufen und anschreiben. Dabei immer schön auf dicke Hose machen. Möglichst oft die Begriffe „revolutionär“, „innovativ“  und „noch die dagewesen“ einwerfen. Superlative und Komparative beeindrucken ebenfalls aufs Enormste. Damit rechnen Journalisten einfach nicht. Dein Unternehmen ist das erste, das sich selbst extrem dufte findet. Grenzenloses Selbstbewusstsein – es gibt hier wirklich kein Zuviel – führt zu Veröffentlichungen. Ausnahmslos. Immer.

* Wenn die Eigen-Lobhudelei wider Erwarten doch nicht wirken sollte, dann muss man nach jeder Pressemitteilung, wirklich jeder, zum Hörer greifen und fragen, ob sie angekommen ist und ob sie denn nun endlich interessant ist. Wenn Journalisten sich davon genervt zeigen, weil das angeblich jedes Unternehmen macht, einfach ignorieren.

* Und nun ein Tipp für knallharte Nachcheck-Profis. Der „Nachcheck Inverse“ – auch bekannt als „Der Vorcheck“: Fünf Minuten VOR dem Versenden der Pressemitteilung anrufen  und ankündigen, dass gleich eine Presseinfo kommt. Das ist Service. Die Dankbarkeit der Journalisten ist einem gewiss. Erst recht, wenn dann noch ein telefonischer Nachcheck folgt.

* „Die Realität ist langweilig. Wir faken das.“- Unbedingt: Nichts lieben Journalisten mehr als Tatsachen und Zahlen, die ordentlich ge- und verfälscht sind. Und sollte Dir ein ganz kritischer Journalist mal auf die Schliche kommen: Glückwunsch! Der nächste Artikel ist Dir und Deinem Unternehmen sicher.

* Und nicht vergessen: „Auch schlechte PR ist gute PR!“ – Auf jeden Fall. Erinnert Ihr Euch noch an das WeTab – den vermeintlichen „deutschen iPad-Killer“? Die Rechnung ging hervorragend auf. Das Unternehmen stürzte grandios öffentlich ab. Es war überall in der Presse – und ist heute komplett vergessen. Das war definitiv eine der besten „schlechten PR-Kampagnen“ ever. Das kannst Du auch! Go for it!

* „Die sollen das mal bringen“ – Richtig so! Immer fordern. Quäl Deinen widerwillig eingespannten, überarbeiteten, unterbezahlten PR-Pförtner oder PR-Grafiker mit diesem Satz. So oft Du kannst. Überhaupt: Je mehr Du den Druck erhöhst, desto mehr nervt er Journalisten. Und die lieben es, wenn fordernde PR-Leute etwas „platzieren“ wollen oder ihnen sagen, worüber sie „gefälligst“ schreiben sollten. Was in totalitären Regimes funktioniert, das sollte auch in der Bundesrepublik Deutschland funktionieren. Pressefreiheit ist auch nur eine Erfindung von Journalisten und der Presseindustrie.

* Halte Dich nie an Versprechen und  Abmachungen. Verlässliche PR-Kontakte sind Journalisten ein Graus. Deswegen gibt es hier 11 Tipps statt der angekündigten 10.

Und nun geht raus und macht PR. Oder Mandel-OPs. Inspiriert von “25 Tipps für erfolgloses SEO“.

Passend zum Thema: “5 Gründe für Start-ups, keine PR zu machen“. Ebenfalls lesenswert: “Die 10 peinlichsten Pressestellen Deutschlands“.

Passend zum Thema: “50 PR-Tipps für Gründer – und alle, die es werden möchten

Zur Person
Theodossios Theodoridis ist freier PR-Berater in Hamburg. Nach Abschluss seines Philosophie-Studiums volontierte er bei einer Hamburger Agentur für Produkt- und Marken-PR. Danach war er acht Jahre PR Manager bei einem führenden Unternehmen der Games-Branche. Seit 2008 ist er selbständig. Er berät neben Kunden aus den Bereichen Lifestyle und Entertainment auch mit Vorliebe Startups. Gelegentlich schreibt er Gastartikel zu diesem Thema.

Foto: Selective focus on the words “public relations” from Shutterstock

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