Tobias Drews von Tickethelden “Eintrittspreise sind nicht das bestimmende Kriterium”

Im Gründer-Kurzinterview mit deutsche-startups.de spricht Tobias Drews, Gründer von Tickethelden, über vermeintlich ausverkäufte Hallen, Last-Minute-Tickets und Applaus für Künstler. Das Start-up vermittelt Tickets an spontane Nachschwärmer.
“Eintrittspreise sind nicht das bestimmende Kriterium”

Wie oft passiert es, dass man doch noch spontan zu einem Konzert oder ins Theater gehen möchte und dann heißt es “ausverkauft”. So ein Ärger. Aber mit Tickethelden soll das nicht mehr passieren, denn das Gründerteam um den Sportmoderator Tobias Drews vermittelt Karten für eine kuratierte Auswahl von Events. Im Gründer-Kurzinterview mit deutsche-startups.de spricht der Münchner vermeintlich ausverkäufte Hallen, Last-Minute-Tickets und den Applaus für die Künstler.

Welche Idee steckt hinter Ihrem Start-up?
Als RTL-Sportkommentator habe ich oftmals die Situation erlebt, dass kurzfristig wieder Kartenkontingente für Top-Events zur Verfügung standen und das, ob wohl vormals immer von restlos „ausverkauften“ Hallen die Rede war. Da stellte sich mir recht schnell die Frage, welche Ursachen dahinter stehen und wie der Live Event-Markt mit dieser Herausforderung umgeht. Zu dem Zeitpunkt mussten wir feststellen, dass es eben keine Lösung für die Vermarktung von Restkontingenten gab. So ist letztlich dann auch die Idee zu Tickethelden entstanden.

Heute bieten wir mit Tickethelden Last-Minute Tickets für verschiedene Veranstaltungen und Freizeitangebote an. Ganz nach dem Motto „spontan, einfach, erleben“ erhält der Kunde eine feine, kuratierte Auswahl lokaler Events. Ohne lange Planung und große Organisation. Heißt konkret, dass man nicht erst einmal die vielen Eventplaner durchforsten muss, um dann noch nicht einmal zu wissen, ob es an der Abendkasse tatsächlich noch Karten gibt. Wir verlängern im Prinzip die Abendkasse auf das Smartphone und ins Web. Mal zu günstigen Preisen. Mal mit besonderen Aktionen. Und das, ohne lästige Vorverkaufsgebühren oder der Suche nach dem nächsten Drucker. Die Tickets werden einfach im Webshop oder per App gekauft und am Veranstaltungsort eingelöst.

Gleichzeitig lösen wir damit nicht nur die Herausforderungen der Kunden, wenn sie spontan noch etwas erleben wollen, sondern bieten zusätzlich den Veranstaltern die Möglichkeit, die Auslastung ihrer Events zu erhöhen. Damit erzielen sie nicht nur eine Umsatzsteigerung durch Ticketabsatz, sondern auch durch mögliche Absatzpotenziale aus Gastronomie und Merchandising. Und als schöner Nebeneffekt erhalten auch die Künstler mehr Applaus.

Wie sehr bzw. in welchen Punkten hat sich ihr Konzept von der ersten Idee bis zur Gründung verändert?
Ehrlicherweise hat sich bezüglich des Konzeptes nicht wirklich viel verändert. Natürlich haben wir bis heute einen deutlich größeren Einblick in den Markt und dessen Begebenheiten gewinnen können, was zweifelsohne auch wieder Auswirkungen auf verschiedene strategische Entscheidungen hatte, wie der Vertriebsstrategie. Rückblickend können wir jedoch ganz klar sagen, dass wir noch auf den in der Konzeptphase geplanten Pfaden unterwegs sind.

Wer sind Ihre Mitbewerber und wie grenzen Sie sich von ihnen ab?
Interessanterweise werden wir im Zusammenhang mit der Wettbewerberfrage meist auf die etablierten Ticketing-Anbieter, wie Eventim, München Ticket, Köln Ticket und Co. angesprochen. Diese sehen wir jedoch immer als potenzielle Partner, da wir uns mit dem Fokus auf das Last-Minute Geschäft in einer Nische des Ticketingmarktes bewegen und hier komplementär zur deren Service agieren. Glücklicherweise teilen bereits heute viele etablierten Anbieter unsere Einschätzung, was sich durch entsprechende Partnerschaften bestätigt.

Seit Gründung der Tickethelden hat sich einiges im Last-Minute-Veranstaltungsmarkt getan. Mit uns sind einige Mitbewerber in dem Segment gestartet, die aus Berlin heraus aktiv sind. Einige Mitbewerber konzentrieren sich ausschließlich auf den mobilen Case. Da in der Bundesrepublik noch starke Schwankungen in der mobilen Conversion zu beobachten sind, war von Beginn an klar, dass wir unser Angebot neben der App auch über einen Webshop präsentieren wollen.

Wir haben uns auch bewusst dazu entschieden, auch Veranstaltungen mitaufzunehmen, bei denen der Eintritt frei ist. Da wir unseren Kunden die besten, lohnendsten und spannendsten Events präsentieren wollen, ist der Eintrittspreis nicht das bestimmende Kriterium. Die daraus resultierende größere Kundenzufriedenheit ist uns wichtiger als eventuell höherer Umsatz aus reinen Ticketverkäufen.

Was ist der entscheidendste Faktor, damit Ihr Start-up den Durchbruch schafft?
Wie in den meisten Fällen, hängt auch bei uns sehr viel von einem starken Team ab, das es schafft, die Idee auch entsprechend auf die Straße zu bringen. Damit sind natürlich nicht nur wir Gründer gemeint, sondern das gesamte Team, welches in den nächsten Monaten deutlich aufgestockt werden soll.
Ein weiterer sehr wichtiger Faktor sind nachhaltige, strategische Partnerschaften, welche wir in verschiedenen Bereichen bereits erfolgreich etablieren konnten und auch in Zukunft noch stärker Bestandteil unseres Wirkens sein sollen.

Wie wollen Sie Geld verdienen und wann schreiben sie schwarze Zahlen?
Wie auch im klassischen Ticketing üblich, arbeiten auch wir im Last-Minute Segment mit Provisionen für verkaufte Tickets. Daneben gibt es noch weitere Wege der Monetarisierung. Diese sind jedoch bislang nicht im Fokus und werden voraussichtlich im Laufe des nächsten Jahres implementiert.
Natürlich ist es unser Bestreben ein profitables Geschäft aufzubauen, jedoch wird das Jahr 2014 im Zeichen des Wachstums stehen.

Welche Märkte wollen Sie mittel- und langfristig erobern?
Natürlich ist Deutschland erst einmal unser wichtigster Markt. Diesen gilt es flächendeckend zu erobern, was kurz bis mittelfristig oberste Priorität hat. Grundsätzlich ist das Last-Minute-Konzept aber auch in anderen internationalen Märkten denkbar.

Welche Meilensteine wollen Sie in den kommenden zwölf Monaten auf jeden Fall erreichen?
Wir wollen bis Ende 2014 das Tickethelden Angebot in allen deutschen Metropolregionen etablieren, so dass wir eine größtmögliche Marktabdeckung erzielen können. Weiterhin gilt es noch einige technologische Meilensteine zu erreichen, die wir dann auch mit Freude verkünden werden.

Im Fokus: Weitere Interviews mit jungen Gründern gibt es im Special https://www.deutsche-startups.de/tag/gruenderinterview/.

Zur Person:
Tobias Drews lebt und arbeitet seit 1996 in München. Als Journalist für Print und TV kommentiert(e) er für DSF, Premiere, ProSieben, Sport1, Sky und RTL Show-Events wie “Schlag den Raab” bzw. Sporthighlights wie Box-Weltmeisterschaften (u.a. mit den Klitschko-Brüdern). Seit Ende 2012 ist Gründer und Geschäftsführer der Tickethelden GmbH (im Team mit Ahmad Bozjeloye und Heiko Garrelfs).

Christina Cassala, Redakteurin bei deutsche-startups.de, war schon zu ihren besten Uni- Zeiten in den 90er Jahren journalistisch tätig. Gleich nach dem Volontariat arbeitete sie bei einem Branchenfachverlag in Hamburg, ehe sie 2007 zu deutsche-startups.de stieß und seither die Entwicklungen der Start-up Szene in Deutschland mit großer Neugierde beobachtet.