Julius Bertram von librileo “Wir punkten mit der Auswahl der Bücher”

Im Gründer-Kurzinterview mit deutsche-startups.de spricht Julius Bertram, Gründer von librileo, einem Start-up, das Kinderbücher im Abo verschickt, über Buchpreisbindung, Wachstum und Amazon. Anders als Amazon will das Start-up "mit der Auswahl der Bücher durch Pädagogen punkten".
“Wir punkten mit der Auswahl der Bücher”

Astrid Lindgren, Michael Ende oder Paul Maar – sie alle zählen längst zu den Kinderbuchklassikern, die den meisten bekannt sein werden. Doch welche gute Kinderbuchliteratur gibt es abseits der viel gelesenen Autoren noch? Als Vater von zwei Kindern hat sich genau das auch Gründer Julius Bertram gefragt und hat aus diesem Grund im Herbst dieses Jahres librileo online gebracht. Das Start-up verschickt Kinderbücher in der Abo-Box. Mit Julius Bertram sprach deutsche-startups.de im Gründer-Kurzinterview über die Buchpreisbindung, nachhaltiges Wachstum und Amazon.

Welche Idee steckt hinter Ihrem Start-up?
Ich selber bin Vater von zwei Kindern (2,5 und 1 Jahr alt). Zu Hause lesen wir ziemlich viel. Es ist unglaublich, wie die Kinder ihrer Fantasie freien Lauf lassen, sich mit den Büchern und Geschichten beschäftigen und richtige „Aha – Momente“ haben. Und tatsächlich: Das funktioniert auch schon bei den ganz Kleinen. Während der letzten beiden Jahre habe ich wirklich viel gearbeitet und fand es dann umso schöner, die knappe Zeit mit meinen Kindern zu genießen. Am schönsten war es dann, sich ein Buch anzuschauen. Nur leider hatte ich überhaupt nicht die Zeit, mich mit der Auswahl der Bücher zu beschäftigen. Deswegen haben wir uns häufig die gleichen Bücher angeschaut. Das führt natürlich zu Langeweile bei den Kindern und Frustration beim Vorleser.

Als ich mich mit Freunden unterhalten habe, habe ich festgestellt, wie vielen das Lesen mit Kindern wichtig ist, aber wie wenig Zeit für die Auswahl der Bücher zur Verfügung steht. Librileo schafft genau dort Abhilfe: Wir schicken monatlich bis zu drei Bücher nach Hause, die mit Pädagogen genau auf das Alter der Kinder abgestimmt werden und immer wechselnde Themen behandeln.

Wie sehr bzw. in welchen Punkten hat sich ihr Konzept von der ersten Idee bis zur Gründung verändert?
Im Grund gar nicht. Wir hatten anfänglich Herausforderungen bei der Modellierung unseres Abosystems zu bewältigen. In Deutschland gibt es nach wie vor das Buchpreisbindungsgesetz, welches mit einer Festlegung des Verkaufspreises von Büchern den stationären Einzelhandel vor dem Preisverfall schützt. An diesem Gesetz kommt auch librileo nicht vorbei. Ansonsten sind wir unseren anfänglichen Ideen bei der Umsetzung ziemlich treu geblieben.

Wer sind Ihre Mitbewerber und wie grenzen Sie sich von ihnen ab?
Das Abomodell für Bücher hat keine direkten Mitbewerber in Deutschland. Indirekte Wettbewerber sind natürlich der Einzelhandel, der Versandhandel (inkl. dem Onlinehandel), alle anderen Subscription–Angebote mit der gleichen Zielgruppe und natürlich auch die Bibliotheken. Anders als Amazon können wir mit der Auswahl der Bücher durch studierte Pädagogen punkten. Zudem müssen unsere Kunden nicht mehr recherchieren, welche Bücher gerade aktuell sind. Im Gegensatz zum Einzelhandel liefern wir die Bücher monatlich nach Hause. Es entfällt also der Weg in die Buchhandlung und man kann die Zeit für schönere Dinge nutzen – z.B. Bücher anschauen.

Was ist der entscheidendste Faktor, damit Ihr Start-up den Durchbruch schafft?
Librileo ist nicht darauf ausgelegt, in kurzer Zeit riesige Umsätze zu machen. Um den Markt zu penetrieren, müssten wir große Summen für Marketing, Sales, usw. aufnehmen und würden uns von Investoren und deren Vorstellung abhängig machen. Das wollen und müssen wir auch gar nicht, weil wir ausreichend und komplett privat finanziert sind. Unser Ziel ist es, gesund zu wachsen und die Kunden durch unsere tatsächliche Qualität von librileo zu überzeugen. In der „librileo Definition“ wollen wir keinen Durchbruch für unser Modell, viel eher wollen wir uns schrittweise unseren Kunden nähern und mit unseren Vorteilen überzeugen. Das ist vielleicht der langwierigere Weg, aber wahrscheinlich auch der nachhaltigere.

Wie wollen Sie Geld verdienen und wann schreiben sie schwarze Zahlen?
Wie jeder andere Buchhändler auch erzielt librileo seinen Gewinn aus der Differenz zwischen Einkauf und Verkauf. Wir gehen davon aus, dass wir innerhalb des nächsten halben Jahres schwarze Zahlen schreiben werden. Das hängt natürlich auch von dem Zuwachs unserer Kunden ab.

Welche Märkte wollen Sie mittel- und langfristig erobern?
Wenn man betrachtet, dass ein indirekter Wettbewerber wie Amazon quasi ein Monopol für den Versandhandel für Bücher hat (Schätzungen zufolge besetzt Amazon drei Viertel des Online Buchhandels), wäre es maßlos überzogen und realitätsfern zu behaupten, dass man hier Platzhirsch werden möchte und den Markt „erobern“ will. Mit unserem Angebot wollen wir den Bücherhandel nicht revolutionieren, wir wollen eine sinnvolle Alternative sein. Librileo ist für Eltern gedacht, die wissen, wie wichtig Bildung ist und wie viel wichtiger sie noch werden wird.

Welche Meilensteine wollen Sie in den kommenden zwölf Monaten auf jeden Fall erreichen?
Unsere Meilensteine machen sich an KPIs fest, die wir vorab definiert haben. Dazu zählen natürlich Klassiker wie Kunden, Umsatz, CPC usw., genauso wie spezifische KPIs die unser Modell aufschlüsseln. Die wichtigsten Schritte für uns: schwarze Zahlen in einem halben Jahr und eine Mindestmenge von Kunden in einem Jahr.

Im Fokus: Weitere Interviews mit jungen Gründern gibt es im Special Gründerinterviews

Zur Person:
Der gebürtige Jenaer ist vielen vor allem noch als Gründer von kirondo in Erinnerung. Allerdings hat Bertram zuvor bereits andere Dinge gemacht. Bertram ist studierter Vertriebsingenieur und arbeitete zunächst als Sicherheitsingenieur, ehe er als Area Sales Manager tätig wurde. Seit Oktober dieses Jahres betreibt der zwei-fache Vater librileo (www.librileo.de).

Christina Cassala, Redakteurin bei deutsche-startups.de, war schon zu ihren besten Uni- Zeiten in den 90er Jahren journalistisch tätig. Gleich nach dem Volontariat arbeitete sie bei einem Branchenfachverlag in Hamburg, ehe sie 2007 zu deutsche-startups.de stieß und seither die Entwicklungen der Start-up Szene in Deutschland mit großer Neugierde beobachtet.