Crowdfunding: Das optimale Lean Start-up-Tool

Crowdfunding: Das optimale Lean Start-up-Tool – Gastbeitrag von Thomas Jakel ist Mitgründer des IdeaCamp, Geschäftsführer von Strandschicht. Die Essenz der Lean Start-up-Methodologie ist es schnell zu starten, schnell zu scheitern, schnell zu lernen, […]
Crowdfunding: Das optimale Lean Start-up-Tool

Crowdfunding: Das optimale Lean Start-up-Tool – Gastbeitrag von Thomas Jakel ist Mitgründer des IdeaCamp, Geschäftsführer von Strandschicht. Die Essenz der Lean Start-up-Methodologie ist es schnell zu starten, schnell zu scheitern, schnell zu lernen, wenn nötig schnell den Kurs zu ändern und als Folge dessen erfolgreich zu werden. Viele, inzwischen riesige, StartUps sind mit diesem Prinzip gestartet und groß geworden.

Ein Tool, das in Zukunft immer mehr Gründern helfen könnte, die Lean Start-up-Methodologie anzuwenden, ist Crowdfunding. Wie und warum sich Crowdfunding optimal zum Starten eines Lean Start-ups einsetzen lässt, beschreibt dieser Artikel.

Die Funktion des Crowdfunding

Beim Crowdfunding wird eine Idee bzw. ein Projekt online gestellt, um Geld bei Unterstützern einzusammeln. Diese erhalten in der Regel ein Dankeschön und Anerkennung von den Machern des Projektes, das sie unterstützt haben. Wird das Projekt innerhalb eines gewissen Zeitraumes voll finanziert, also wird der gewünschte Betrag eingesammelt, wird das Projekt umgesetzt und die Verantwortlichen hinter dem Projekt bekommen die von den Unterstützern bereitgestellte Summe. Wird der Betrag nicht voll eingesammelt, geht das Geld an die Unterstützer zurück.

Warum Crowdfunding das optimale Lean Start-up Tool ist

Viele Gründer sehen Crowdfunding lediglich als eine Möglichkeit um kreative Projekte zu finanzieren. Beispielsweise Filmproduktionen oder für das Schreiben eines Buches. Und tatsächlich ist Crowdfunding hierfür gut geeignet. Mit einem unserer Projekte habe ich 2012 selbst einen Dokumentarfilm über Crowdfunding finanziert. Der Film war für uns ein voller Erfolg. Ein weiteres Mal habe ich ein Buch in einer Crowdfunding Aktion finanziert. Auch das war eine interessante Erfahrung.

Aber ich sehe mehr und mehr, dass Crowdfunding auch für Start-ups eine interessante Möglichkeit sein kann ein Business nach der Lean Start-ups-Methodologie aufzubauen. Immer mehr reguläre Start-ups, die wir betreuen, nutzen Crowdfunding, um ihre Produkte zu testen, schnelles Feedback zu erhalten, erste Kunden zu erreichen und früh zu lernen. Warum und wie sie das machen, lässt sich mit folgenden Punkten am besten verstehen:

  1. 1.      Der Zwang zur Kommunikation

Crowdfunding zwingt ein Start-up-Team früh mit der anvisierten Zielgruppe zu kommunizieren. Während sich viele Gründer vermutlich immer noch viel zu lange einschließen, um an ihrer Idee zu arbeiten, ohne ernsthaft ihre Annahmen in der Interaktion mit der Zielgruppe zu überprüfen, kommen Start-ups die auf Crowdfunding setzen nicht um den Dialog mit ihrer Zielgruppe herum.

Denn um im Crowdfunding auch ein Funding zu erhalten, muss kommuniziert werden. Und zwar mehr als man denkt. Wer glaubt ein Projekt würde sich allein deswegen finanzieren, weil es auf einer der großen Crowdfunding Plattformen gelistet ist, täuscht sich. Es erfordert Arbeit, Kreativität und gute Kommunikation. Diese Tatsache wirkt dem Drang entgegen, den viele Start-ups-Teams haben, sich einzuschließen und nur zu hacken.

  1. 2.      Marktannahmen testen

Ein weiterer wichtiger, mit der Kommunikation verbundener Punkt, ist die Möglichkeit Marktannahmen früh zu testen. Und das im besten Fall, bevor man viel Geld investieren musste.

Fragen, die mit einer Crowdfunding Kampagne in nicht zu unterschätzendem Maße überprüft werden können, sind:

  • Schaffen wir es unsere Zielgruppe zu erreichen?
  • Sprechen wir unsere Zielgruppe ideal an und wird der Nutzen von der Zielgruppe wahrgenommen?
  •  Ist jemand bereit so ein Produkt, Service oder Projekt finanziell zu unterstützen?

Dies sind essentielle Fragen, die man sich so früh wie möglich stellen und beantworten sollte. Das kann viel Zeit und viel Geld sparen. Da die Crowdfunding Kampagne einen festen Zeitabschnitt umspannt, hat man die Chance in diesem Zeitfenster in einem kontrollierten Rahmen zu experimentieren.

  1. 3.Feedback Early Adopter

Die Crowdfunding Kampagne ist auch ein idealer Rahmen, um mit early adoptern früh ins Gespräch zu kommen und Feedback zur Idee zu erhalten. Das bietet riesige Chancen. Über das Feedback hat man die Möglichkeit diese Gruppe an potentiellen Nutzern an sich zu binden und darüber zu lernen, was diese Nutzer tatsächlich brauchen. So kann man von Anfang an ein Produkt oder Service für die Bedürfnisse der Nutzer entwickeln und reduziert das Risiko am Markt vorbei zu entwickeln.

  1. 4. Perfekte Pre-Launch Umgebung um erste Kunden zu akquirieren

Eine Crowdfunding Kampagne bietet eine gute Umgebung um von Anfang an Momentum bei der Kundenakquise aufzubauen. Die meisten Crowdfunding Kampagnen sind zeitlich begrenzt, so dass man unter einem gewissen ‚positiven‘ Zeitdruck steht, um die Kampagne voll zu finanzieren. Allein das kann schon viel kreative Energie bei der Akquise von Unterstützern und ersten Kunden freisetzen. Wenn man sieht, wie die Kampagne langsam aber sicher immer mehr finanziert wird, ruft das wiederum weitere Motivation hervor, sich ins Zeug zu legen, um die Kampagne ‚voll zu machen‘. Wer seine Crowdfunding Kampagne voll finanziert bekommt, kann davon ausgehen, dass er für das Projekt einige eingefleischte Unterstützer gefunden hat, die vermutlich auch bereit sind, das Projekt in der Zukunft zu unterstützen. Eine solche Fangemeinde und potentielle ‚Stammkundschaft‘ ist für jedes Unternehmen ein wertvolles Asset und sollte so schnell wie möglich aufgebaut werden. Eine Crowdfunding Kampagne ist dabei sehr hilfreich.

  1. 5.      Finanzielle Unterstützung und Startkapital

Zu guter Letzt ist das Crowdfunding natürlich auch deshalb ein gutes Werkzeug, weil es die finanzierten Unternehmen mit Startkapital ausstattet. Im Vergleich zum Crowdinvesting geben die Unternehmen und Projekte, die auf den gängigen Crowdfunding Seiten finanziert werden, keine Unternehmensanteile an die Unterstützer ab.

Welche Fragen muss man sich für seine Crowdfunding Kampagne stellen?

Bevor man mit dem Testen einer Idee über eine Crowdfunding Kampagne beginnt, gilt es einige essentielle Fragen zu klären.

Die erste Frage wäre, ob ich meine eigene Crowdfunding Kampagne hosten möchte, oder dies lieber über eine existierende Plattform wie Kickstarter oder startnext tun möchte. Wenn ich meine eigene Crowdfunding Kampagne hosten möchte, dann lässt sich diese beispielsweise recht einfach über entsprechende WordPress Plugins lösen.

Eine weitere Frage, die ich mir stellen würde, ist wie ich an meine Zielgruppe herankomme. Denn selbst wenn man seine Crowdfunding Kampagne auf einer bereits existierenden Plattform einstellt, kann man nicht davon ausgehen, dass diese sich von allein finanziert. Wie überall, ist auch hier Vermarktung notwendig.

Und schließlich sollte man sich fragen, wie man sich präsentieren möchte. Ein Video ist meist eine gute Idee, um seine Crowdfunding Idee entsprechend zu präsentieren. Neben der Darstellungsform ist natürlich auch der Inhalt entscheidend. Wie bringe ich meine Vision für das Projekt rüber? Wie inspiriere ich meine Zielgruppe dazu, mich zu unterstützen? Welchen Wert liefere ich meiner Zielgruppe dafür, dass sie mich unterstützt? Dies sind nur einige der Fragen, die man sich stellen sollte, wenn man seine Crowdfunding Kampagne startet.

Noch ein Tipp: Wer eine interessante englischsprachige Fallstudie zu einem sehr erfolgreich via Crowdfunding getesteten Produkt sucht, dem sei der Artikel “Hacking Kickstarter” auf dem Blog von Tim Ferriss ans Herz gelegt.

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Zur Person
Thomas Jakel ist Mitgründer des IdeaCamp, Geschäftsführer von Strandschicht und bloggt auf OneDayProfits (www.onedayprofits.de). Mit seinem Projekt Wonderpress (www.wonderpress.de) geht es darum, Menschen zu zeigen, wie sie selbst professionelle Webseiten mit WordPress erstellen können und ihre Visionen, Projekte und Ideen online testen und verbreiten.

Foto: Computer keyboard with word Crowd Funding from Shutterstock

  1. Zitat: “Im Vergleich zum Crowdinvesting geben die Unternehmen und Projekte, die auf den gängigen Crowdfunding Seiten finanziert werden, keine Unternehmensanteile an die Unterstützer ab.”

    Crowdinvesting ist als Teilmenge von Crowdfunding zu begreifen, nicht als etwas völlig anderes!

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