“Die Verwaltung von Kindergärten ist vielschichtig” – 15 Fragen an Moritz von Bismarck von KigaRoo

Jeden Freitag beantwortet ein Gründer oder eine Gründerin unseren standardisierten Fragebogen, den es inzwischen auch in gedruckter Form und als eBook gibt – siehe “Hinter den Kulissen deutscher Start-ups“. Der kurze Fragenkatalog lebt […]
“Die Verwaltung von Kindergärten ist vielschichtig” – 15 Fragen an Moritz von Bismarck von KigaRoo

Jeden Freitag beantwortet ein Gründer oder eine Gründerin unseren standardisierten Fragebogen, den es inzwischen auch in gedruckter Form und als eBook gibt – siehe “Hinter den Kulissen deutscher Start-ups“. Der kurze Fragenkatalog lebt von der Vergleichbarkeit der unterschiedlichen Fragen, die alle Gründerinnen und Gründer beantworten müssen – diesmal antwortet Moritz von Bismarck von KigaRoo.

Was bedeutet es Ihnen, Ihr eigener Chef zu sein?
Das wichtigste ist wohl die Möglichkeit etwas Neues zu schaffen und zu gestalten. Wer sich der damit einhergehenden Verantwortung für Kunden, Mitarbeiter, Investoren und Partner bewusst ist und diese nicht als zu große Last empfindet, dem kann ich empfehlen, den Schritt zu wagen.

Bei welcher Gelegenheit kam Ihnen die Idee zu Ihrem Start-up?
Der Wunsch, etwas selbst auf die Beine zu stellen, existierte schon lange. Als ich mich mit dem Thema Kindergarten – auch für meine eigenen drei Kinder – beschäftigte, wurde mir klar, wie komplex und vielschichtig inzwischen die Verwaltung von Kinderbetreuungseinrichtungen ist und wie groß die Erleichterung für alle Beteiligten durch eine maßgeschneiderte und einfach zu bedienende Software sein könnte.

Woher stammte das Kapital für Ihr Unternehmen?
Zu Beginn habe ich mit meinen Partnern das Kapital aufgebracht, um die Entwicklung von KigaRoo zu stemmen. Als klar wurde, wie komplex die bundeslandspezifische Verwaltung von Kitas ist und wie aufwändig damit die Entwicklung einer datenschutzkonformen und skalierbaren Kita-Software werden würde, die dazu sämtliche Bedürfnisse für jeden Träger-Typ und jede Größe von Einrichtung abbilden kann, konnten wir die Klett-Verlagsgruppe als Investor gewinnen, die KigaRoo bis heute mit einem großen Teil des erforderlichen Kapitals ausgestattet hat.

Was waren bei der Gründung Ihres Start-ups die größten Stolpersteine?
Um zu wenig Stolpersteine muss man sich ja in der Softwareentwicklung zum Glück keine Gedanken machen. Aber im Ernst: Sicherlich ist hier als elementare Hürde insbesondere das Thema Kapital-Beschaffung zu nennen. Für ein Start-up mit einem kleinen Team ist es sehr problematisch, wenn sich der Geschäftsführer nicht ausschließlich um den Aufbau des Teams, dass Produkt und die Vermarktung kümmern kann. Und erst die Erfahrung lehrt, wie lange sich Vertragsverhandlungen und alles was damit zusammen hängt hinziehen können und wie viel Zeit und Aufmerksamkeit diese letztlich binden. Mit unserem Investor Klett haben wir das sehr partnerschaftlich und fair, sowie vergleichsweise unaufwändig hin bekommen, wie ich auch aus Gesprächen mit anderen Gründern in anderen Konstellationen weiß.

Was würden Sie rückblickend in der Gründungsphase anders machen?
Wahrscheinlich würde ich – notgedrungen – alles wieder genauso machen müssen. Aber natürlich könnte man sich in einer idealen Welt manche Dinge noch reibungsloser und effizienter vorstellen. Im Prinzip gibt es aber keine gravierenden Fehler in der Historie von KigaRoo, die ich mir vorwerfen müsste.

Jedes Start-up muss bekannt werden. Welche Marketingspielart ist für Sie besonders wichtig?
Bei uns geht und ging es in erster Linie darum, die zahlreichen Kita-Leiterinnen und –Leiter, sowie Träger von unserer Existenz zu unterrichten. Dazu gewinnen – neben dem klassischen (und recht teuren Weg) über Anzeigen und Post-Mailings – natürlich die Online Kanäle stark an Bedeutung. Künftig werden wir aber auch verstärkt auf einen Außendienst und Kooperationspartner setzen.

Welche Person hat Sie bei der Gründung besonders unterstützt?
Meine Frau. Ohne den vollständig freigehaltenen Rücken, Ermutigung, Entlastung, fröhliche Kinder und Abends einen gefüllten Kühlschrank würde ich die 6-7 Tage-Woche nicht über so lange Zeit durchgehalten haben.

Welchen Tipp geben Sie anderen Gründern mit auf den Weg?
Durchhalten, an die eigene Überzeugung und das Team glauben und sich nicht von Rückschlägen entmutigen lassen.

Sie treffen den Bundeswirtschaftsminister – was würden Sie sich für den Gründungsstandort Deutschland von ihm wünschen?
Ich bin sicher, dass sich politisch Anreize schaffen ließen, die z.B. den Zugang zu Gründungskapital erleichtern und damit insgesamt die Rahmenbedingungen des Gründungs- und Innovationsstandortes Deutschland verbessern würden. Aber auch neben einer Erleichterung des Kapital-Zugangs könnte der Standort Deutschland wichtige Zukunftsthemen zur Stärkung des Standorts nutzen: Da wäre zum Beispiel der Datenschutz, bei dem Deutschland weltweit zwar eine führende Rolle einnimmt, was aber bisher von Unternehmen eher als Standort-Nachteil gewertet wird, anstatt die Errungenschaften als einzigartig in den Vordergrund zu stellen und gemeinsam dafür und damit zu werben, dass wir in Deutschland -wenn es um den Schutz von persönlichen Daten geht- verbindlich die höchsten Standards anlegen.

Ich persönlich bedauere in diesem Zusammenhang die vor der Bundestagswahl abgewürgte Debatte um den Datenschutz sehr und erwarte, dass z.B. dem Bundesdatenschutzbeauftragten in der kommenden Legislaturperiode deutlich besser zugehört werden wird. Aber zunächst bin ich sehr gespannt, wer sich demnächst als neue(r) Bundeswirtschaftsminister(in) eigentlich auf das Treffen mir freuen wird.

Was würden Sie beruflich machen, wenn Sie kein Start-up gegründet hätten?
Ich hoffe, dass ich z.B. in einem mittelständischen Unternehmen die Gelegenheit haben würde, mein Engagement ebenso gestaltend einzubringen, wie ich das in meiner heutigen Rolle tun darf.

Bei welchem deutschen Start-up würden Sie gerne mal Mäuschen spielen?
Bei dem Team von Wummeliste.de würde ich gerne einmal hinter die Kulissen schauen. Die Kombination aus innovativem Spaß mit einem pädagogischen Hintergrund passt außerdem hervorragend zu KigaRoo.

Sie dürften eine Zeitreise unternehmen: In welche Epoche reisen Sie?
Wahrscheinlich reise ich zurück in die düstere Zeit zwischen 1933 und 1945 um zu überprüfen, ob ich damals die Zivilcourage gehabt hätte, von der ich heute gerne glauben möchte, dass ich sie hoffentlich gehabt haben würde. Und falls was schief läuft, kann man Zeitreisen ja zum Glück schnell wieder abbrechen.

Sie haben eine Million Euro zur persönlichen Verfügung: Was machen Sie mit dem ganzen Geld?
Ich investiere einen Großteil davon in KigaRoo, denn damit können wir die Software noch weiter verbessern und unser Team kann noch mehr Kitas, Krippen und Kindergärten dabei helfen die mühsame Verwaltungsarbeit schneller und mit mehr Spaß zu erledigen um Zeit und Freiraum für mehr Qualität und Freude in der eigentlichen Betreuungs- und Bildungsarbeit zu schaffen. Dann kaufe ich meiner Frau einen riesigen Blumenstrauß und lege den Rest ganz konservativ für die Ausbildung unserer drei Kinder zur Seite.

Wie verbringen Sie einen schönen Sonntag?
Ich bin mit meiner Familie auf dem Land. Vielleicht angele ich mit meinen Söhnen eine Forelle und brate sie über einem Feuer. Vielleicht baue ich irgendwas oder mähe notfalls Brennnesseln ab. In jedem Fall tue ich etwas, wo hinterher ein sichtbares Ergebnis raus kommt, das man essen, anfassen oder zumindest sehen kann. Ich glaube das liegt daran, dass ich so viel Zeit mit der Herstellung einer Software verbringe, die ja irgendwie ziemlich virtuell bleibt, wenngleich immerhin der Kunden-Nutzen von KigaRoo zum Glück sehr greifbar und konkret ist.

Mit wem würden Sie sich gerne einmal auf einen Kaffee oder ein Bier verabreden?
Mit meiner Frau… – ohne Kinder.

Im Fokus: Weitere Fragebögen in unserem großen Themenschwerpunkt 15 Fragen an

Zur Person
Moritz von Bismarck ist drei-facher Vater und somit voll im Thema KiTas. KigaRoo (www.kigaroo.de) gründete er im Jahr 2011, zuvor war Bismarck Director of Sales & Marketing bei Wolters Kluwer Germany. Er hält einen MBA der EADA, Barcelona und studierte Jura in Bonn.

15 Fragen als eBook und in gedruckter Form

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Christina Cassala, Redakteurin bei deutsche-startups.de, war schon zu ihren besten Uni- Zeiten in den 90er Jahren journalistisch tätig. Gleich nach dem Volontariat arbeitete sie bei einem Branchenfachverlag in Hamburg, ehe sie 2007 zu deutsche-startups.de stieß und seither die Entwicklungen der Start-up Szene in Deutschland mit großer Neugierde beobachtet.

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