“Ich bin ein ziemlicher Covermusik-Nerd” – 15 Fragen an Catharina van Delden von innosabi

Jeden Freitag beantwortet ein Gründer oder eine Gründerin unseren standardisierten Fragebogen, den es inzwischen auch in gedruckter Form und als eBook gibt – siehe “Hinter den Kulissen deutscher Start-ups“. Der kurze Fragenkatalog lebt […]
“Ich bin ein ziemlicher Covermusik-Nerd” – 15 Fragen an Catharina van Delden von innosabi

Jeden Freitag beantwortet ein Gründer oder eine Gründerin unseren standardisierten Fragebogen, den es inzwischen auch in gedruckter Form und als eBook gibt – siehe “Hinter den Kulissen deutscher Start-ups“. Der kurze Fragenkatalog lebt von der Vergleichbarkeit der unterschiedlichen Fragen, die alle Gründerinnen und Gründer beantworten müssen – diesmal antwortet Catharina van Delden von innosabi.

Was bedeutet es Ihnen, Ihr eigener Chef zu sein?
Meine Großmutter hat immer gepredigt: „Wem langweilig ist, der stellt sich selbst ein Armutszeugnis aus“ – diese Einstellung hat mich schon früh geprägt. Ich liebe es einfach, Dinge zu schaffen und voran zu treiben; ich habe den Drang, Sinn zu finden, in dem was ich tue. Daher ist die Gründung für mich ein Weg, ein Leben zu leben, in dem ich Dinge bewegen und Werte schaffen kann.

Bei welcher Gelegenheit kam Ihnen die Idee zu Ihrem Start-up?
Innosabi bietet Software und Dienstleistungen für die Umsetzung von Crowdsourcing und Open Innovation Strategien – viele kennen vielleicht eine unserer Plattformen, unserAller.de. Doch der Weg dorthin war nicht von Anfang an klar, wir haben unser Angebot konstant dem Markt angepasst. Der Grundstein wurde schon 2008 gelegt, als ein Wirtschaftsmagazin einen Artikel über bierbrauende Softwareingenieure gebracht hat, die ihren Freunden erklären wollte, wie Open Source funktioniert.

Wir haben uns im Freundeskreis – beim Kaffeetrinken, natürlich – gefragt, wie wir diese Begeisterung für offene Produktentwicklung auch in etablierten Unternehmen realisieren können und wie wir diese Prinzipien zu einem Geschäftsmodell entwickeln können.

Woher stammte das Kapital für Ihr Unternehmen?
Wir haben die Firma per Bootstrapping hochgezogen, zusammen mit verschiedenen Stipendien und Preisen sowie sehr früh generierten Umsätzen konnten wir die Firma stabil wachsen lassen.

Was waren bei der Gründung Ihres Start-ups die größten Stolpersteine?
Anfangs hat man häufig eine so große Begeisterung für das eigene Thema und Produkt, dass man Vertrieb und Marketing nicht so stark im Fokus hat wie die Produktentwicklung. Auch wir mussten hier erst lernen, wie wichtig ein strukturierter und prozessorientierter Vertrieb ist.

Was würden Sie rückblickend in der Gründungsphase anders machen?
Insgesamt bin ich sehr zufrieden mit dem Verlauf unserer Gründung – wir haben uns Zeit gelassen, sehr genau zu lernen, wie unser Markt tickt und was unsere Kunden – meist Innovationsmanager oder Produktmanager – sich von unserer Crowdsourcing-Software erwarten. Wir haben viel davon profitiert, uns zu vernetzen. Man neigt aber dazu, das mit Netzwerken zu tun, in denen man Leute trifft, die ähnliche Probleme haben, wie man selbst.

Wir hätten uns früher mit Netzwerken verknüpfen können, die uns komplett neue Türen öffnen, wie beispielsweise BITKOM. Heute bin ich dort im Präsidium und kann viel bewegen – doch das hätten wir deutlich früher angehen können.

Jedes Start-up muss bekannt werden. Welche Marketingspielart ist für Sie besonders wichtig?
Unsere Themen – Crowdsourcing und Open Innovation – sind erklärungsbedürftig und das Verkaufen der dazugehörigen Software bedarf einiges an Methodenschulung. Daher haben wir mit einer Content-Marketing Strategie viel Erfolg: Wir präsentieren Case Studies und Methodiken durch Vorträge auf Kongressen und veröffentlichen viel rund ums Thema. Das werden wir in den nächsten Wochen und Monaten durch die innosabi Akademie noch deutlich ausbauen.

Welche Person hat Sie bei der Gründung besonders unterstützt?
Unser Beirat spielt eine für uns besonders wichtige Rolle: Barbara Wittmann von Dell, Dr. Stefan Ried von Forrester und Alexander Lang von iMan Solutions begleiten uns nun schon sehr lange und kennen sowohl unseren Markt, unsere Entwicklung und auch uns als Team besonders gut. Unser Beirat ist für uns eine der wichtigsten Anlaufstellen, der uns immer wieder kritisch aufzeigt, an welchen Stellen wir uns noch verbessern können ¬–¬ und dabei 100% an uns glaubt.

Welchen Tipp geben Sie anderen Gründern mit auf den Weg?
Mir ist im Gründungsprozess klar geworden, wie unglaublich wichtig es ist, das eigene Angebot immer wieder an den Wünschen unserer Kunden neu auszurichten – und das heißt nicht selten auch, das Geschäftsmodell gleich mit anzupassen, klassisches „Pivoting“. Das heißt also nicht zu sehr an der eignen Idee festzuhalten; im Umkehrschluss aber auch, dass es viel Fleiß und auch Zeit braucht, bis man mit seinem Unternehmen einen Platz am Markt gefunden hat. Vor allem, wenn man wie wir im B2B-Softwaregeschäft unterwegs ist, dauern die Vertriebs-Zyklen und die Akzeptanz, bis sich Neues durchsetzt, einfach länger. Das darf man nicht unterschätzen.

Sie treffen den Bundeswirtschaftsminister – was würden Sie sich für den Gründungsstandort Deutschland von ihm wünschen?
Ich hatte das Glück Philipp Rösler nicht nur zu treffen, sondern ihn sogar auf der Delegationsreise ins Silicon Valley zu begleiten. Sein Engagement für die deutsche Gründerszene hat mich dabei wirklich überzeugt, ich fühle mich das erste Mal in der Politik mit meinen Bedürfnissen und Wünschen wieder. Auf der Reise haben alle Unternehmer von ihren Schwierigkeiten berichtet, Entwickler zu finden – wir bei innosabi sind da keine Ausnahme. Philipp Rösler hat in diesem Zusammenhang viel von erleichterten Immigrationsbedingungen für hochqualifizierte Arbeitskräfte gesprochen; ich würde mir wünschen, dass er das umsetzen kann und wird.

Was würden Sie beruflich machen, wenn Sie kein Start-up gegründet hätten?
Das geht?

Bei welchem deutschen Start-up würden Sie gerne mal Mäuschen spielen?
Allgemein B2C Start-ups. Mich faszinieren die Kundenbeziehungen in der Masse, die stark durch Prozesse strukturiert werden müssen – im Vergleich zu unseren sehr stark persönlich geprägten Kundenbeziehungen.

Sie dürften eine Zeitreise unternehmen: In welche Epoche reisen Sie?
Die Erfindung, Nahrungsmittel zu kochen hat die Entwicklung der Menschheit extrem beschleunigt. Durch die Zubereitung und den damit reduzierten Kauaufwand wurden Nährmittel leichter zugänglich für den menschlichen Körper, und so hatte der Mensch einerseits mehr Energie zur Verfügung und andererseits mehr Zeit. Dadurch konnte sich homo erectus auf Themen außerhalb der Nahrungsbeschaffung konzentrieren.

Ich frage mich, ob die Menschen damals gespürt haben, was für eine revolutionäre Entdeckung sie gemacht haben und wäre gerne dabei gewesen, als (vielleicht sogar zufällig) das erste Gemüse oder Fleisch im Feuer gelandet ist. Wikipedia sagt mir übrigens, diese Epoche hieße „Pliozän“. Wieder etwas gelernt.

Sie haben eine Million Euro zur persönlichen Verfügung: Was machen Sie mit dem ganzen Geld?
Ich bin glücklich, genau so wie mein Leben jetzt ist; ich würde nicht viel ändern wollen. Daher würde ich wahrscheinlich mehr reisen, denn ich liebe es, in anderen Kulturen neue Inspirationen zu gewinnen und in anderen Ländern die Flohmärkte zu durchstöbern. In Asien und auch in Afrika zum Beispiel würde ich gerne noch viel erleben.

Wie verbringen Sie einen schönen Sonntag?
Ausschlafen, gemütlich Poffertjes frühstücken, Project Runway schauen, Spinning fahren. In genau der Reihenfolge.

Mit wem würden Sie sich gerne einmal auf einen Kaffee oder ein Bier verabreden?
Kaffee spielt in unserer Unternehmenskultur eine ganz besondere Rolle. Und ich spreche von „wir-schrauben-die-Maschine-auseinander,-um-einen Festwasser-Anschluss-einzubauen und wir-haben-eine-firmeneigene-Kaffeeröstung“-Rolle. Daher würde ich so ein Treffen definitiv zum Kaffee vereinbaren wollen und nicht zum Bier.
Ich bin ein ziemlicher Covermusik-Nerd… Und würde daher unglaublich gerne Brian Ibbot vom Podcast Coverville kennenlernen. Aus einer Business-Perspektive ist die „QVC-Queen“ Lori Greiner eine unglaublich spannende Person – sie hat 400 Produkte erfunden und erfolgreich vermarktet. Das beeindruckt mich!

Im Fokus: Weitere Fragebögen in unserem großen Themenschwerpunkt 15 Fragen an

Zur Person:
Catharina van Delden ist CEO und Gründerin der innosabi GmbH (www.innosabi.com) sowie BITKOM-Präsidiumsmitglied. Vor der Gründung war sie bei OSRAM im Marketing aktiv, unter anderem bei OSRAM Indien. Catharina hat einen MBA an der TU München und UC Berkeley absolviert.

15 Fragen als eBook und in gedruckter Form

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Christina Cassala, Redakteurin bei deutsche-startups.de, war schon zu ihren besten Uni- Zeiten in den 90er Jahren journalistisch tätig. Gleich nach dem Volontariat arbeitete sie bei einem Branchenfachverlag in Hamburg, ehe sie 2007 zu deutsche-startups.de stieß und seither die Entwicklungen der Start-up Szene in Deutschland mit großer Neugierde beobachtet.