Warum ‘Geld verdienen’ der falsche Grund ist, ein Unternehmen zu gründen

Warum „Geld verdienen“ der falsche Grund ist, ein Unternehmen zu gründen – Gastbeitrag von Karin Wess, Online-Entrepreneurin und Unternehmensberaterin. Wenn du den Schritt in die Selbständigkeit wagst, einzig und alleine, um ‘Geld zu […]
Warum ‘Geld verdienen’ der falsche Grund ist, ein Unternehmen zu gründen

Warum „Geld verdienen“ der falsche Grund ist, ein Unternehmen zu gründen – Gastbeitrag von Karin Wess, Online-Entrepreneurin und Unternehmensberaterin. Wenn du den Schritt in die Selbständigkeit wagst, einzig und alleine, um ‘Geld zu verdienen’, bist du meist schon von vornherein zum Scheitern verurteilt. Laut dem Kreditschutzverband sind rund 80 % der Firmenpleiten hausgemacht.

Im Gegensatz zum KSV sehe ich die Ursachen dafür nicht nur im fehlenden Weitblick und in wirtschaftlichen Umständen, sondern vielmehr in der eigentlichen Intention der Unternehmensgründung. Wenn du dein Unternehmen gründest, weil du in erster Linie, schnell viel Geld verdienen willst, bringst du in der Regel nicht die nötige Motivation mit, um Durststrecken und Stolpersteine zu überstehen. Das sehe ich zumindest immer wieder in meiner Arbeit mit Unternehmern.

Auch die Idee, „nebenbei“ ein Unternehmen zu gründen um mehr Geld zu verdienen, damit man – eines Tages – endlich das tun kann, von dem man schon immer träumt, ist beinhart. Der Fun-Faktor bleibt da schon vor vornherein auf der Strecke. Die wenigsten halten das wirklich lange genug durch, um tatsächlich eines Tages ihren Traum zu realisieren.

Der Aufbau eines erfolgreichen und gesunden Unternehmens braucht Zeit, Energie und viel, viel Motivation.

Wer hingegen die Selbständigkeit wählt, um seinen Traum und seine Passion zu leben und die wahre Leidenschaft zum Beruf macht, dem schreibe ich gute Erfolgschancen zu.

Keine Frage, wir allen wollen Geld verdienen. Wenn aber die Intention – mit meinem Wissen, mit meiner Leistung, mit meinem Produkt oder Angebot anderen zu helfen, deren Probleme zu lösen, im Vordergrund steht, kommt das Geld quasi als Bonus dazu. Keine Sorge, ich rede hier nicht von NPO’s oder der Caritas. Ich rede hier nur von der Grundmotivation der Unternehmensgründung.

Wenn du dir bewusst bist, dass du dir mit der richtigen Idee und aus den richtigen Gründen ein Unternehmen aufbaust, hast du große Chancen, zu den Erfolgreichen zu gehören.

Wie wählt man die richtige Geschäftsidee aus, die auch langfristig gewinnbringend sein wird?
1. Zuerst solltest du dir darüber im Klaren sein, weshalb du ein Unternehmen gründen möchtest, wo genau ist die Passion oder die Leidenschaft.

2. Gibt es zu diesem Geschäftsbereich bereits erfolgreiche Unternehmen? Falls ja, ist das der beste Hinweis, dass es auch Menschen gibt, die bereit sind, dafür Geld auszugeben.

3. Habe von Beginn an die Zukunft deines Unternehmens im Blick. Soll das Unternehmen wachsen, eines Tages hunderte von Mitarbeitern beschäftigen oder ein Home-Office sein und bleiben, welches du von überall nur mittels Laptop betreiben kannst?

Es gibt gewiss noch gefühlte tausende anderer Fragen, die geklärt werden müssen. Doch für angehende Unternehmer ist es essentiell, Entscheidungen zu treffen. Daher ist diese erste Fragenauswahl meiner Meinung nach mit die wichtigste.

Hast du diese grundlegenden Fragen geklärt, bist du bereits großes Stück weiter, deinen Traum von der Selbständigkeit zu leben. Der Kurs kann später noch immer geändert werden. Erfahrungsgemäß tun sich vor allem Frauen eher mit Entscheidungen schwer. Daher ist es wichtig, schon die allerersten Fragestellungen bewusst zu treffen und dann zielstrebig voranzugehen.

Bleibst du jedoch schon bei diesen ersten Fragen stecken oder landest in Sackgassen und meinst „das entscheide oder kläre ich dann später“, wirst du nie richtig in die Gänge kommen – oder erst sehr viel später als eigentlich möglich.

Warum die Wahl des Geschäftsmodells so wichtig ist

Wenn die ersten Fragen geklärt sind, geht es um die Wahl des Geschäftsmodells. Welches Modell passt zu deiner Geschäftsidee? Selbst wenn Inline-Skaten deine absolute Leidenschaft ist, wird es wohl nur einen sehr eingeschränkten Markt für ein lukratives Geschäftsmodell geben, wenn du dazu einen Membership-Bereich aufbauen willst.

Überlege dir deshalb genau, welches Geschäftsmodell zu deiner Geschäftsidee passt. Die gängigsten sind:
– Personal Service
– Produkte
– Infoprodukte
– Memership-Bereiche
– Wiederverkäufer

Hast du zudem vor, dein Unternehmen eines Tages gewinnbringend zu verkaufen, solltest du die Weichen dafür ebenfalls schon von Anfang an legen – vor allem in der Wahl des Firmennamens.

Nun geht’s ans Eingemachte. Jetzt sind intensive Arbeit gefragt und Einsatz.

Wenn du weißt, wie dein Businessmodell aussieht, geht es ans Recherchieren. Wer sind die Marktführer, wie haben sie es geschafft, das zu werden? Google bietet dazu ausreichend Recherchemöglichkeiten. Du könntest zum Beispiel konkret nach Interviews der Firmengründer suchen oder deren Biographien lesen. Daraus geht oft hervor, welche Stolpersteine es gibt, wie viel Startkapital du brauchst und wie viel Know How du benötigst, um aus der Masse der Anbieter herauszustechen.

Und was kommt dann?

Dann kommen noch mehr Fragen:
– Kannst du ehrlich von dir behaupten, dass du dir alle Fähigkeiten bereits angeeignet hast um zu starten? Bist du 100%-ig bereit, dieses Wissen ständig weiter auszubauen?
– Bist du bereit, den Großteil deiner Zeit nur auf dieses eine Thema – dein Unternehmen – zu fokussieren und dies mindestens 24 Monate intensivst zu tun?
– Passt deine Geschäftsidee zu deiner Vorstellung deiner geplanten Unternehmensgröße? Du wirst nämlich kaum der weltgrößte Buchhändler werden und Amazon Konkurrenz machen, wenn du planst, immer als Ein-Personen-Unternehmen zu agieren.
– Kannst du einen klaren Markt erkennen, in dem Menschen Geld für diese Leistungen ausgeben oder ist deine Produktinnovation tatsächlich für tausende von Menschen von großartigem Nutzen – oder glaubst du das nur?

Wenn du auch diese Fragen mit „JA“ beantworten kannst, dann hast du meiner Meinung nach sehr gute Chancen, zu jenen Firmengründern zu gehören, von denen wir auch in etlichen Jahren noch tolle Erfolgsgeschichten hören werden!

Zur Person
Karin Wess war Marketingleiterin eines internationalen Konzerns, ist erfolgreiche Online-Entrepreneurin, berät Unternehmerinnen (und jene, die es werden wollen) von der Gründungsphase bis zur Weiterentwicklung mit Business-Tipps abseits des Mainstreams für mehr Spaß und Erfolg im Business. Wess, gebürtige Wienerin, lebt seit 2005 in Linz. Auf ihrem Blog schreibt Wess regelmäßig über jene Soft-Skills, die Gründerinnen und Gründer im weiteren Lauf deines erfolgreichen Geschäftslebens als Ergänzung brauchen, um dauerhaft mehr Spaß und Erfolg zu haben.

Foto: Euro coins on banknote money background from Shutterstock