“Macht die Kalkulationen für alle Teammitglieder sichtbar” – 15 Fragen an Jeshurun Devendraraj von Clevoo

Jeden Freitag beantwortet ein Gründer oder eine Gründerin unseren standardisierten Fragebogen, den es inzwischen auch in gedruckter Form und als eBook gibt – siehe “Hinter den Kulissen deutscher Start-ups“. Der kurze Fragenkatalog lebt […]
“Macht die Kalkulationen für alle Teammitglieder sichtbar” – 15 Fragen an Jeshurun Devendraraj von Clevoo

Jeden Freitag beantwortet ein Gründer oder eine Gründerin unseren standardisierten Fragebogen, den es inzwischen auch in gedruckter Form und als eBook gibt – siehe “Hinter den Kulissen deutscher Start-ups“. Der kurze Fragenkatalog lebt von der Vergleichbarkeit der unterschiedlichen Fragen, die alle Gründerinnen und Gründer beantworten müssen – diesmal antwortet Jeshurun Devendraraj von Clevoo.

Was bedeutet es Ihnen, Ihr eigener Chef zu sein?
Vor allem steht man der Herausforderung gegenüber die Zeichen der Zeit und Veränderungen auf dem Markt selbst erkennen und interpretieren zu müssen. Daraus muss ich dann die nächsten Schritte selbst herauslesen – die Anweisungen kommen somit direkt vom Markt, nicht vom Vorgesetzten.

Bei welcher Gelegenheit kam Ihnen die Idee zu Ihrem Start-up?
Ideengeber ist unser Geschäftsführer Mehmet Dereli, welcher selbst über 10 Jahre als Übersetzer gearbeitet hat. Sein Innovationsdrang zwang ihn sich zu fragen, ob man Geschäftsprozesse der Sprachdienstleistungen nicht irgendwie mithilfe moderner Technik optimieren könnte. Dies war der Anfang von Clevoo.

Woher stammte das Kapital für Ihr Unternehmen?
Wir arbeiten mit 100% Eigenkapital. Geldgeber sind also wir, die Gründer, sowie Freunde und Verwandte.

Was waren bei der Gründung Ihres Start-ups die größten Stolpersteine?
Im Gegensatz zu unseren Mitbewerbern sind wir nicht nur Übersetzungsdienstleister sondern bieten darüber hinaus auch Lektorat und Redaktion an – das ist für ein Start-up natürlich ein sehr breites Spektrum an Dienstleistungen, zumal wir für all diese Dienstleistungen hochqualifiziertes, zertifiziertes Personal zur Verfügung stellen müssen. Herausforderung Nummer eins war es also den Fokus nicht zu verlieren und trotz Breite auch beste Qualität zu bieten. Im Nachhinein sind wir aber einerseits froh, dass wir von Anfang mehrere Dienstleistungen angeboten und somit eine Mehrzahl an Kunden beglücken konnten und andererseits dieser Stolperstein uns nicht zum Stürzen gebracht hat.

Was würden Sie rückblickend in der Gründungsphase andersmachen?
Zwei Dinge: Ich würde früher gründen und ich würde eine klarere Rollenverteilung festlegen. Früher gründen bedeutet, dass der Notar so schnell wie möglich aufgesucht werden sollte, um zu firmieren und somit den Gründern ein höheres Verantwortungsbewusstsein zu geben. Man weiß dann, dass man tatsächlich Inhaber einer Firma ist und nicht nur einem Hobbyprojekt nachgeht. Eine zu späte Rollenverteilung kritisierend meine ich, dass am Anfang jeder genau dort einspringt, wo er am meisten benötigt wird. Das ist zwar nicht grundsätzlich verkehrt, besser wäre es meiner Meinung nach aber wenn sich jeder Gründer zum Experten EINES Aspekts entwickelt. Wer worin Experte sein wird, sollte man in einer sehr frühen Phase festhalten.

Jedes Start-up muss bekannt werden. Welche Marketingspielart ist für Sie besonders wichtig?
Als Online Plattform ist uns das Marketing im Internet natürlich ganz besonders wichtig. Dafür optimieren wir uns auf Suchbegriffe die auch langfristig bei unseren potenziellen Kunden eine Rolle spielen werden. Aber gerade in Sachen Marketing haben auch wir so unsere Geheimzutaten.

Welche Person hat Sie bei der Gründung besonders unterstützt?
Eine ganz besondere Unterstützung waren für uns die Gründer der Startups, mit denen wir einst Co-Working Büros genutzt haben. Das sind namentlich MK Payment Solutions GmbH, swabr GmbH und Sofatutor GmbH. Jene Startups stecken voller guter Ideen und deren Gründer sind stets hilfsbereit und wir schöpften gemeinsam große Synergiepotenziale aus. Darüber hinaus halfen uns natürlich noch etliche Personen, die zufällig zur rechten Zeit am rechten Ort waren.

Welchen Tipp geben Sie anderen Gründern mit auf den Weg?
Zwei Tipps habe ich ja oben schon gegeben: früher gründen und klarere Rollenverteilungen vornehmen. Darüber hinaus empfehle ich Ressourcen des Unternehmens effektiv zu nutzen: Schreibt stets auf, wie viel Geld ihr habt und wofür was ausgegeben werden soll bzw. ausgegeben wurde. Macht die Kalkulationen für alle Teammitglieder sichtbar – Finanzen gehen alle Mitgründer etwas an (nicht nur den CEO oder CFO)! Dies ermöglicht mit dem Mehr-Augen-Prinzip zu checken, ob gewisse Investitionen wirklich notwendig sind, oder eher ein „nice to have“. Beispielsweise muss nicht immer ein Add-On entwickelt werden, bevor man nicht herausgefunden hat, wie sich das Basisprodukt verkaufen lässt.

Neben der Ressource Geld, sollten Gründer auch die Ressource Zeit wertschätzen: Manchmal ist es eben doch besser eine teure Dienstleistung einzukaufen, als sie noch teurer selbst zu entwickeln. Aber auch hier gilt, dass es im Team besprochen werden muss. Zuletzt die Ressource Informationen: Unabhängig davon, welche Plattform zur Aufbewahrung von Informationen genutzt wird, sollte Ordnung vorherrschen, sodass Redundanzen sowie Datenverluste vermieden werden und Notwendiges schnell gefunden werden kann. Auch empfehle ich alle Team-Mitglieder bei E-Mails nach außen ins CC zu setzen – dies hat nicht nur den Vorteil, dass alle im Team informiert sind, sondern zeigt auch dem Kommunikationspartner, dass das Team zusammenhält. Optional kann man das noch weiter treiben mit wöchentlichen Newsletter mit Zusammenfassungen, einem internen Blog oder einem privaten Social Network wie swabr.com.

Sie treffen den Bundeswirtschaftsminister – was würden Sie sich für den Gründungsstandort Deutschland von ihm wünschen?
Ich würde Herrn Rösler bitten, dass Ministerien und anderen politischen Institutionen Start-ups unterstützen, indem sie deren Dienstleistungen nutzen. Wir beispielsweise haben schon für viele öffentliche Einrichtungen Übersetzung und Lektorat gemacht. Man muss den Start-ups nur eine Chance geben sich zu beweisen: Ich bin fest davon überzeugt, dass viele Start-ups qualitativ den großen und „eingerosteten“ Unternehmen weitaus überlegen sind.

Was würden Sie beruflich machen, wenn Sie kein Start-up gegründet hätten?
Ob als Gründer oder nicht, ich würde mich nach dem akademischen Curriculum in der freien Wirtschaft selbstständig machen. Mich reizt es einfach leistungsbezogen vergütet zu werden, anstatt seine Zeit für einen fixen Stundenlohn zu verkaufen. Gerade in einem Land wie Deutschland kann man gar nicht unter das Existenzminimum fallen; daher würde ich jedem empfehlen es einfach mal wagen.

Bei welchem deutschen Start-up würden Sie gerne mal Mäuschen spielen?
Eindeutig bei Rocket Internet (falls man es denn noch als Start-up bezeichnen kann). Mich interessiert, wie besonders erfolgreiche Gründer denken – und bei „Rocket“ könnte ich mir abschauen, wie man erfolgreiches Gründen sogar in Serie zustande bringt.

Sie dürften eine Zeitreise unternehmen: In welche Epoche reisen Sie?
Mit den Gründern von Google würde ich schon gerne tauschen :) Oder auch mit Mark Zuckerberg. Die Zeiten, in denen es noch, um Maschinen und Hardware ging, reizt mich weniger. Aber was das Internet-Zeitalter anbelangt, wäre ich gerne von Anfang an dabei gewesen.

Sie haben eine Million Euro zur persönlichen Verfügung: Was machen Sie mit dem ganzen Geld?
Ich würde es sinnvoll anlegen! Klingt zwar langweilig und spießig, ich bin aber nicht gerade der „Big Spender“. Was Geld betrifft denke ich sehr langfristig, daher würde ich bevorzugt in Sachwerte wie etwa in Aktien von jungen Unternehmen oder Berliner Immobilien investieren.

Wie verbringen Sie einen schönen Sonntag?
Gerade jetzt im Sommer, versuche ich möglichst viel vom guten Wetter mitzunehmen und da ich einen Großteil meiner Freizeit mit Lesen verbringe, setze ich mich gerne raus in den schönen Schlosspark und lese. Dafür eignet sich ein schöner Sonntag bestens.

Mit wem würden Sie sich gerne einmal auf einen Kaffee oder ein Bier verabreden?
Da gäbe es so viele. Aber jetzt wo wir über Start-ups und über das Gründen reden, würde es mich reizen einen Kaffee mit jemanden trinken zu gehen, der als Gründer und Investor Erfolg hat: Peter Thiel oder Oliver Samwer wären da meine Favoriten.

Im Fokus: Weitere Fragebögen in unserem großen Themenschwerpunkt 15 Fragen an

Zur Person:
Jeshurun Devendraraj kam 1997 aus Sri Lanka nach Deutschland ist in Rostock zur Schule gegangen. Er studierte zunächst Informatik an der TU Berlin studiert und ist seit Mai 2012 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fachgebiet Service-centric Networking bei den Telekom Innovation Laboratories. Zeitgleich gründete er Clevoo.

15 Fragen als eBook und in gedruckter Form

“Hinter den Kulissen deutscher Start-ups: 45 Gründer über den Aufbau ihres Unternehmens”, heißt der erste Titel der neuen Buchreihe von deutsche-startups.de. Unser erstes Buch, ein Best-of der Rubrik 15 Fragen an, steht unter dem Motto: Von Gründern lernen, sich von deutschen Unternehmern inspirieren lassen. 45 Gründer berichten von Ihren eigenen Erfahrungen, geben wertvolle Tipps und teilen ihre Inspirationen mit den Lesern. Weitere Infos über “Hinter den Kulissen”. Unser erstes Buch jetzt bei Amazon bestellen.

Christina Cassala, Redakteurin bei deutsche-startups.de, war schon zu ihren besten Uni- Zeiten in den 90er Jahren journalistisch tätig. Gleich nach dem Volontariat arbeitete sie bei einem Branchenfachverlag in Hamburg, ehe sie 2007 zu deutsche-startups.de stieß und seither die Entwicklungen der Start-up Szene in Deutschland mit großer Neugierde beobachtet.