Offline! „Es gibt keine unverbindlichen Investoren-Gespräche“ – Gabriel Yoran von aka-aki

Gabriel Yoran brachte mit 17 sein erstes Start-up Steganos heraus, danach folgte aka-aki. Der Hype war riesig, das Interesse groß – bis eine Fehlentscheidung das Projekt scheitern ließ. Heute kümmert sich Yoran wieder […]
Offline! „Es gibt keine unverbindlichen Investoren-Gespräche“ – Gabriel Yoran von aka-aki

Gabriel Yoran brachte mit 17 sein erstes Start-up Steganos heraus, danach folgte aka-aki. Der Hype war riesig, das Interesse groß – bis eine Fehlentscheidung das Projekt scheitern ließ. Heute kümmert sich Yoran wieder um sein erstes Start-up, das er aus der Insolvenz zurückgekauft hat, und gibt Gründern als Mentor seinen Erfahrungsschatz weiter. Der deutschen Gründerszene wünscht er weniger betriebswirtschaftliche Kopfgeburten.

Schon allein der Name aka-aki war etwas besonderes, auch wenn sich viele nicht entscheiden konnten, ob sie ihn dämlich oder toll finden sollten. Die Idee zu dem sozialen Netzwerk fürs Handy, mit dem Nutzer interessante Menschen in ihrer Umgebung ausfindig machen konnten, kam Gründer Gabriel Yoran Mitte der Neunziger Jahre, als er mit dem Nokia N80 sein erstes Wlan-fähiges Handy in den Händen hielt und realisierte, dass es nicht mehr nur einfach ein Telefon war. „Da habe ich darüber nachgedacht, welche Anwendungsfälle auf dem Handy mehr Sinn machen als auf dem Computer“, erzählt der 35-Jährige. Mit aka-aki sollten Menschen sehen, wer sich in ihrer direkten Umgebung befindet und welche gemeinsamen Kontakte oder Interessen man hat. Um so eine Grundlage für die Kontaktaufnahme zu haben.

„Die deutsche Frage nach dem Datenschutz ist ein Reflex“

Als Yoran die Idee zu aka-aki kommt, studiert er gerade Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation in Berlin und fragt einige Kommilitonen an, ob sie die Idee als gemeinsames Diplom-Projekt verwirklichen wollen. Zu siebt machen sich die Studenten an die Entwicklung und Umsetzung von aka-aki – zu einer Zeit, als der Begriff „App“ noch nicht existiert und Datentarife unerschwinglich teuer sind. Doch als es dem Team gelingt, mit dem Handy Kommilitonen an der Uni zu orten, kommt der Hype über Nacht. Obwohl es noch kein fertiges Produkt gibt, berichten Medien im In- und Ausland darüber. „Während sich die internationale Presse mit den neuen Möglichkeiten beschäftigte, die aka-aki bot, ging es in Deutschland vor allem um die Frage des Datenschutzes. Das ist bis heute ein Reflex in Deutschland geblieben“, berichtet Yoran.

Das Thema Datenschutz beschäftigte Yoran auch schon bei seinem ersten Start-up Steganos (www.steganos.com/de/), das er mit einem Freund zusammen noch vor dem Abitur gründete: ein Programm zur versteckten Verschlüsselung von Daten, das sie rein interessehalber entwickelten. Der Anwendungsfall kam dann eine Woche, nachdem das Produkt fertig war: Ein deutscher Politiker warf die Frage auf, ob man Daten-Verschlüsselung nicht besser ganz verbieten solle. „Da setzten wir unsere erste Pressemitteilung auf und schrieben, dass wir einem Verbot aufgrund unser Möglichkeit, Daten unsichtbar zu verschlüsseln, gelassen entgegensehen“, lacht der bärtige Gründer mit den raspelkurzen Haaren. Leider hätten er und sein Mitgründer in ihrer Blauäugigkeit dann gleich beim ersten Investor, der sich ihnen anbot, einen Vertrag unterschrieben. Als sie Jahre später kaum noch Einfluss und Anteile an dem florierenden Unternehmen hatten, stieg Yoran aus.

Auch bei aka-aki stehen schnell Investoren auf der Matte, die sich für das Produkt interessieren. Dieses mal geht Joran jedoch selbstbewusster und strategischer an die Gespräche heran. Eine seiner Erkenntnisse im Umgang mit Investoren gibt er gerne an andere Gründer weiter: „Es gibt keine unverbindlichen Investorengespräche.“ Natürlich fühle man sich gebauchpinselt, wenn Investoren anklopfen und sich interessieren. „Aber nicht der Investor soll steuern, wann man als Gründer mit wem redet, sondern man selbst.“ Wer zu frühzeitig mit Investoren über das eigene Produkt spreche, werde später, wenn es tatsächlich um eine Finanzierung geht, auf all die Ziele und Vorhaben festgenagelt, die man im Erstgespräch formuliert habe. Aka-aki entscheidet sich schließlich für Creathor Venture Fund als Investor – laut Yoran auch deshalb, weil der Geldgeber kein Problem damit hatte, dass keiner wusste, wie mit aka-aki einmal Geld verdient werden sollte.

Der nächste Meilenstein ist, als das iPhone herauskommt und sie direkt eine App dafür bauen, obwohl es anfänglich noch als überteuertes Nischenprodukt gilt. Plötzlich explodieren die Nutzerzahlen, das System muss komplett neu programmiert werden. Die Berliner Staatsanwaltschaft will ihre Hilfe bei der Suche nach einem Mordverdächtigen, gleichzeitig interveniert der damalige Berliner Datenschutzbeauftragte: „Beide Behörden wähnten sich im Recht und trugen den Streit auf einem Start-up aus, das eigentlich ganz andere Probleme hatte.“ Schwierig gestaltet sich auch die Vermarktung, immer mehr App-Anbieter verkaufen mobile Werbeplätze verkauften, die Preise fallen.

Aka-akis erstes Handy-Spiel floppt grandios

Am Ende, glaubt Yoran, war es dann vor allem eine strategische Frage, die aka-aki das Genick brach. Das Team kann sich nicht entscheiden, ob es den bisherigen Ansprüchen der Nutzer folgen und eine Dating-App sein soll, oder auf den aufkommenden Social Games-Hype aufsetzen. „Wir haben uns dann für die Spiel-Variante entschieden, und genau das war falsch.“ Alle Ressourcen fließen ab da in die Entwicklung eines Handy-Spiels, das anschließend komplett floppt. „Danach war die Luft raus. Wir hätten wahnsinnig viel Geld in die Hand nehmen müssen, um den Vorsprung unserer Mitbewerber nochmal aufzuholen, und selbst dann hätte es womöglich nicht geklappt.“

Eine Phase der Lethargie oder gar Depression kam für den Wahl-Berliner nach aka-aki aber nicht auf, erzählt Yoran. Die größten Herausforderungen hätten vorher stattgefunden. Er erinnert sich an Unstimmigkeiten im Team und einen Shitstorm, als das Team einen Echtbild-Zwang einführen wollte, weil zu viele User Fake-Bilder hochluden und damit den Sinn der App außer Kraft setzten. Am Ende hätte ihn nicht das Aus von aka-aki frustriert sondern die Tatsache, dass er selbst keine Idee mehr hatte, wie man das Start-up nochmal hätte beleben können, „selbst dann nicht, wenn mir sämtliche günstigen Bedingungen auf einem Silbertablett präsentiert worden wären“.

Mitten in dieser Phase kam dann der Anruf seines ehemaligen Mitgründer, dass Steganos pleite ist. Während der Drops für aka-aki gelutscht war, hatte Yoran zahlreiche Ideen, wie sie aus seinem ersten Unternehmen wieder ein profitables Unternehmen machen könnten. Das Gründerteam setzte sich gegen ein Dutzend Kaufinteressenten durch und holte sich die Firma zurück.

Mit Steganos ist nun manches einfacher als mit aka-aki. Zum Gründerteam gehören nur zwei und nicht sieben, Gesellschafter gibt es drei; bei aka-aki waren es zuletzt dreizehn. „Ich genieße es, ein Unternehmen zu haben, das zwar nicht den Hype von aka-aki ausgelöst hat, aber profitabel ist“, sagt Yoran über seine Plattform für Sicherheitssoftware. Auch hierin steckt eine wertvolle Erkenntnis: „Viele Gründer denken, dass etwas ein großes Geschäft sein muss, wenn es in den Medien groß ist.“ Manchmal stecke aber auch nur eine Story dahinter, die sich gut erzählen lässt – so wie bei aka-aki, das eben viele Paare zusammengebracht hat und für so manche Hochzeit verantwortlich ist. „Bei Steganos bezahlen Menschen ganz einfach für die Produkte, die sie nutzen, das hat auch was für sich.“

Heute hat Yoran als Mentor am Founders Institute und der Berlin Startup Akademie viel mit anderen Gründern zu tun. „Gründer müssen schon irgendwie schizophren sein“, findet er. „Auf der einen Seite enthusiastisch und entgegen aller Wahrscheinlichkeiten, auf der anderen Seite nüchtern und analytisch.“ Wichtig ist für den früheren Frankfurter, dass Gründer in ihrer Idee oder dem Produkt Sinn sehen. Scheitern sei einfacher, wenn man wirklich für sein Produkt gebrannt habe, seit einiger Zeit hat er das Gefühl, dass Gründer ihm immer öfter „betriebswirtschaftliche Kopfgeburten“ präsentieren, hinter denen nicht viel Herzblut steckt. Auf der anderen Seite gebe es eine Fraktion, die Kreativität über alles andere erhebe, obwohl auch dies nur ein Schnipsel im Gründer-Mosaik sei. „Im Letzten“, schließt Yoran, „wird in Deutschland einfach zu wenig über die Umsetzung gesprochen.“

Hausbesuch bei aka-aki

Anfang Oktober 2009 schaute deutsche-startups.de bei aka-aki vorbei. Im damals neuen Büro war auch der obligatorische Elch, das Markenzeichen des Start-ups, immer prominent vertreten. Einige Eindrücke des Büros mit dem Elch in unserer Fotogalerie.

ds_akaaki

Gabriel Yoran über das Scheitern von aka-aki

Im Fokus: Infos über Start-ups, die es nicht mehr gibt, finden Sie in unserem Special Offline

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Seit Mai 2009 schreibt Yvonne für deutsche-startups.de Gründerportraits, Start-up-Geschichten und mehr – ihre besondere Begeisterung gilt Geschäftsideen mit gesellschaftlich-sozialer Relevanz. Sie tummelt sich auch im Ausland – immer auf der Suche nach spannenden Gründerpersönlichkeiten und Geschäftsideen.