Trieb ImmobilienScout You Is Now-Start-up Deskwanted “vorsätzlich” in die Insolvenz?

Wie bereits Anfang Juli berichtet, ist das Berliner Start-up Deskwanted (www.deskwanted.com), eine Plattform, mit der Nutzer “kollaborative Arbeitsplätze auf der ganzen Welt” finden können, insolvent. Gründer und Geschäftsführer Carsten Foertsch erhebt nun schwere […]
Trieb ImmobilienScout You Is Now-Start-up Deskwanted “vorsätzlich” in die Insolvenz?

Wie bereits Anfang Juli berichtet, ist das Berliner Start-up Deskwanted (www.deskwanted.com), eine Plattform, mit der Nutzer “kollaborative Arbeitsplätze auf der ganzen Welt” finden können, insolvent. Gründer und Geschäftsführer Carsten Foertsch erhebt nun schwere Vorwürfe gegen den Immobilienscout-Inkubator You Is Now, von dem Deskwanted seit 2011 unterstützt wurde. Wir dokumentieren die Vorwürfe im Wortlaut.

Zunächst einmal schrieb sich Foertsch in einem langen Blogbaitrag den Frust von der Seele: “Deskwanted beantragte vergangene Woche die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens. Bereits seit Januar weigerte sich der Investor Immobilien Scout vereinbarte Budgets bereitzustellen – drei Monate nachdem ein neuer Kooperationsvertrag geschlossen wurde”. Dann folgte eine weitere ausführliche Erklärung per Pressemitteilung, die wir an dieser Stelle im vollständigen Wortlaut dokumentieren möchten. Warum, weil der ganze Vorgang, die vielen Vorwürfe extrem wild und verwegen klingen. Eines Vorweg: ImmobilienScout bestreitet die Vorwürfe.

Immobilien Scout treibt gefördertes Start-­up in die Insolvenz: Strafantrag gegen Geschäftsführer von Immobilien Scout gestellt

Gegen die Geschäftsführer von Immobilien Scout wurde diese Woche Strafantrag gestellt. Sie trieben ein von Immobilien Scout gefördertes Start-­up vorsätzlich in die Insolvenz.

Immobilien Scout, die zum Verkauf stehende Tochter der Deutschen Telekom, gründete im Jahr 2011 den Inkubator You Is Now. Das erste geförderte Start-­up
war Deskwanted, eine weltweit führende Plattform für kollaborative Büroräume, insbesondere für Coworking Spaces. Im Oktober 2012 wurde die Kooperation langfristig verlängert. Letzte Woche stellte Deskwanted einen Insolvenzantrag.

Seit Januar 2013 weigert sich die “Nr. 1 rund um Immobilien” vereinbarte Leistungen bereitzustellen. Stattdessen versuchte sie die Deskwanted GmbH regelmäßig zu verschulden. Eine Planungssicherheit war für das Start-­up nicht mehr gegeben. Nachdem fehlende Beträge durch Deskwanted angemahnt wurden, kündigte Immobilien Scout die Kooperation fristlos. Außerdem weigerte sich die Telekom-­Tochter einen Teil des Eigentums von Deskwanted herauszugeben -­
und erschwerte so den weiteren Geschäftsbetrieb. Letzte Woche scheiterten auch die außergerichtlichen Verhandlungen, danach blieb nur noch der Gang zum Insolvenzgericht.

Die Immobilien Scout GmbH schuldet Deskwanted sechsstellige Euro-­Beträge, ohne die Deskwanted seine Zahlungsverpflichtungen im Rahmen der eingegangenen Kooperation nicht ausgleichen kann. Die finanziellen Engpässe bedrohten seit Januar wiederholt die Existenz von Deskwanted und deren Geschäftsführer. Auf diese Weise erhofften sich die Geschäftsführer der Immobilien Scout GmbH vermutlich einen kontrollierenden Einfluss auf die Unternehmensführung von Deskwanted.

Die Forderungen von Immobilien Scout richteten sich gegen die Interessen des Start-­ups sowie seine wirtschaftliche Tragfähigkeit. Die geförderten
Unternehmer sollten weisungsabhängig wie Angestellte der Immobilien Scout GmbH arbeiten, jedoch das Unternehmensrisiko persönlich tragen. Zusammen mit
den ausstehenden Beträgen und der drohenden Insolvenz katalysierte die Immobilien Scout GmbH so Konflikte innerhalb der Geschäftsführung von Deskwanted.

Hausverbot und fristlose Kündigung

Hintergrund: Im April mahnte der Geschäftsführer der Deskwanted GmbH, Carsten Foertsch, die seit Januar ausstehenden Beträge an und wurde anschließend des Hauses verwiesen. Die Gründe für Hausverbot besitzen verleumdenden Charakter. Belege für diese Gründe blieb die Immobilien Scout GmbH trotz mehrmaliger Nachfrage schuldig. Einige Tage später kündigte Immobilien Scout die Kooperation mit Deskwanted fristlos. Innerhalb weniger Stunden musste das Berliner Start-­up seine Schreibtische bei Immobilien Scout räumen, ohne einen Umzug organisieren zu können. Die Kündigung selbst erfolgte rechtswidrig. Der Geschäftsführer Joel Dullroy legte anschließend sein Amt nieder und kündigte sämtliche Angestellte binnen Wochenfrist.

Unterschlagung des Eigentums der Deskwanted GmbH

Nach der Kündigung verweigerte Immobilien Scout das in der kurzen Frist zurückgebliebene Eigentum von Deskwanted herauszugeben. Wegen der
ausstehenden Leistungen und der Unterschlagung wurden gegen die Geschäftsführer von Immobilien Scout, Marc Stilke und Dirk Hoffmann, Strafantrag gestellt.

Letzte Woche willigte Immobilien Scout erstmals in eine (fast) bedingungslose Herausgabe ein – nachdem Deskwanted GmbH einen Insolvenzantrag
stellte und über ihr Vermögen und die Geschäftstätigkeit nicht mehr verfügen konnte. Eine Rückgabe macht den Tatbestand nicht ungeschehen. Ein Teil des Eigentums von Deskwanted wird weiterhin zurückbehalten oder bleibt verschollen. Die Start-up-­Förderung von Immobilien Scout und seinem Inkubator You Is Now selbst führte zum Ende des Start-­ups.

Während der Förderphase traf das Team von Deskwanted viele Mitarbeiter von Immobilien Scout, die sie bei der Entwicklung des Geschäftsmodells
unterstützten. Diesen Leuten möchte die Deskwanted GmbH ihren herzlichen Dank aussprechen. Mit dem Strafantrag hofft Deskwanted ebenfalls, ihnen Platz für bessere Geschäftsführer zu ermöglichen. Außerdem verbindet sich mit dem Antrag die Hoffnung, die Berliner Start-­up Bewegung von unseriösen Fördermodellen zu bereinigen”.

So weit die Sichtweise von Deskwanted. Die Kollegen von Gründerszene haben bereits ein Statement von ImmobilienScout eingeholt, in denen das Unternehmen die Vorwürfe bestreitet: “ImmobilienScout24 betreibt seit 2010 mit über zehn Teams erfolgreich den You-Is-Now-Inkubator. Eine Vielzahl der Teams arbeitet auch nach der Inkubation sehr erfolgreich mit ImmobilienScout24 langfristig zusammen. Mit Deskwanted haben wir im vergangenen April die Zusammenarbeit leider beenden müssen. Die jetzt erfolgte öffentliche Reaktion eines einzelnen Teammitglieds halten wir in allen Punkten für haltlos. Wir sehen deshalb derzeit auch keine Veranlassung, uns weiter in dieser Sache zu äußern.” Mal sehen, wie es in dieser Sache weitergeht.

Foto: Road sign with roundabout directions pointing towards liquidation bankrupt and insolvent from Shutterstock

  1. Teilweise klingen die Vorwürfe und Zusammenhänge doch recht abenteuerlich. Andererseits ist das im Großen und Ganzen doch schon der Weg, auf dem solche Dinge ablaufen.



  2. SocialG

    Wer sich mit der Telekom ins Bett legt, wacht mit Flöhen auf. Basta.



  3. Florian

    Das klingt doch ganz nach der üblichen Vorgangsweise – und ist vor allem beim Einstieg von großen Verlagshäusern in StartUps eher die Regel als eine Ausnahme. Kann aber mit jedem VC so ablaufen… Diese schmerzliche Erfahrung haben die Deskwanted Jungs jetzt auch machen dürfen. Insofern: Daraus lernen und nächstes mal besser / anders machen!



  4. hannes

    Empfinde die Reaktion von IS24 als ziemlich arrogant, noch dazu dass Sie weiterhin mit / für deskwanted werben.

    Dafür, dass es sich hierbei um Vorwürfe gegen den Geschäftskern eines “Inkubators” (Vertrauen!) handelt, zeugt eine Antwort mit 10 Teams seit 2010 (= bis heute 3,3 / Jahr -> nicht üppig!) ehr von unbegründeter Überheblickeit und mangelder Weitsicht über die Reichweite solcher auch nur potenziell begründeter Anschuldigungen.

    Hoffe auf weitere detailierte Berichtserstattung. Danke

  5. Wenn man sich in Berlin umhört, dann war der Ruf von YouISnow als Inkubator an sich auch vorher nicht sonderlich gut – die Leute die dort auf unteren Ebenen, mit direktem Kontakt zu den Leuten von “ausserhalb”, arbeiten bzw arbeiteten sind dagegen sehr sympathisch und dadurch bei vielen auch sehr beliebt (z.B. Holger und Steffi). In sofern weiß ich garnicht, in wieweit das jetzt eine Reputation kaputt macht.

    Freunde von mir, mit einem sehr aussichtsreichen Startup (immerhin redet gerade ein internationaler VC mit ihnen…), haben mir z.B. auch erzählt, dass man bei YouISnow einfach mal vergessen hat ihnen auf Emails zu antworten. Auch unglaublich unprofessionell, für so einen “Konzernteil”, noch nicht mal eine Standardabsage zu schicken… und dementsprechend sieht jetzt auch nach der Erfahrung deren Meinung zu YouISnow aus! ;)

    Meine ganz persönliche Erfahrung, nicht mit YouISnow, sondern mit Scout24 und einer Bewerbung dort war auch keine sonderlich gute. Vielleicht ein Anzeichen, dass da allgemein was falsch läuft, aber mit dem Thema hat’s weniger zu tun, also egal…



  6. Nico Sudolski

    Von den zehn erfolgreichen Start-ups kann man bereits zwei streichen. Sie wurden vor dem Inkubator-Programm von Immobilienscout aufgekauft und als Werbematerial für den (noch nicht) existierenden Inkubator benutzt. Dabei handelt es sich um Umzugeasy (gegründet 2004) und DotProperty (2009 übernommen von Immobilien Scout: http://news.immobilienscout24.de/rund-um-die-immobilie/dotpropertyde,11517.html). Drei derzeitige Start-ups laufen derzeit nur drei Monate auf Bewährung: http://news.immobilienscout24.de/tipps-der-redaktion/you-is-now-berlin-startet-accelerator-modell–drei-startup-teams-in-neues-programm-aufgenommen,101002.html). Dies ist lediglich eine noch extremere Variante des unseriösen YouIsNow-Programms.

    Bisher wurde nur ein Startup während des Inkubator-Programms von Immobilien Scout übernommen: bwl24 (bauenwohnenleben). Der Gründer (durchaus sympathisch) arbeitet heute als Angestellter für Immobilien Scout – nicht mehr für die eigene Firma.



  7. Karsten

    Inkubatoren sind für Greenhorns! Und wenn bei geförderten Startups sich dann mal die KPIs über einen längeren Zeitraum nicht so entwickeln wie sie sollen, kann es schon passieren, dass der Inkubator den Hahn zudreht. Dann ggf. noch wiederwillige Worte der Gründer und schon ist es vorbei und man geht getrennte Wege.

    Abgesehen davon ist YIN mit seiner non-exit Taktig (man entwickelt als angestellter GF für Scout24 und alle Rechte liegen ab Deal closing bei denen) vollkommen uninteressant und mehr als denkwürdig für jeden Unternehmer.

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