“Ich bin schon seit meiner Kindheit Opernfan” – 15 Fragen an Oliver Nützel von Regiondo

Was bedeutet es Dir, Dein eigener Chef zu sein? Als Kopf eines Unternehmens seine eigene Idee zu verwirklichen bedeutet zunächst einmal viel Freiheit. Man kann seiner Vision freien Lauf lassen und zusehen, wie […]
“Ich bin schon seit meiner Kindheit Opernfan” – 15 Fragen an Oliver Nützel von Regiondo

Was bedeutet es Dir, Dein eigener Chef zu sein?
Als Kopf eines Unternehmens seine eigene Idee zu verwirklichen bedeutet zunächst einmal viel Freiheit. Man kann seiner Vision freien Lauf lassen und zusehen, wie sie wächst und gedeiht. Andererseits ist mit dem Chef-Sein natürlich auch viel Verantwortung verbunden. Gerade, wenn die Mitarbeiterzahl steigt, ist man nicht mehr nur für sich zuständig, sondern auch für das Wohl der Kollegen. Mich spornt diese Situation an und bringt mich jeden Tag dazu, mein Bestes für mich und Regiondo zu geben.

Regiondo ist gerade in einer sehr spannenden Phase, wir haben ein super Team und es macht mir jeden Tag aufs Neue Spaß, mit den Leuten zusammen zu arbeiten. Und auch die Rolle des CEO ist bei 45 Mitarbeitern eine andere, als es mit 10 oder 15 war. Und eins natürlich noch: Ich beschäftige mich den ganzen Tag mit dem Thema Freizeit und Freizeitgestaltung – das ist natürlich auch ein sehr starker Motivator.

Bei welcher Gelegenheit kam Dir die Idee zu Deinem Start-up?
Ich bin schon seit meiner Kindheit begeisterter Opernfan und liebe das Mountainbiken. Leider kommen Hobbys in der Berufswelt oft zu kurz, so dass ich nach fünf Jahren in Beratung und Industrie beschloss, das zu meinen Beruf zu machen, was im Job stets fehlt: Freizeit. Eines war dabei schnell klar: Plattformen wie Yasuu oder Regiondo können nur funktionieren, wenn alle Beteiligten mit Herzblut bei der Sache sind.

Unser Münchner Regiondo Team umfasst deshalb inzwischen mehr als 45 Freizeit-Experten aus Leidenschaft und versammelt von Kite-Surfern über Profi-Ski-Fahrer bis hin zu Yoga-Enthusiasten und begeisterten Hobby-Köchen alles, was die Freizeit-Welt zu bieten hat. Die konkrete Idee einen Marktplatz für Freizeitangebote zu machen, ergab sich einfach aus der Größe des Marktes und der unendlichen Vielzahl an Freizeitangeboten und Freizeitanbietern. Nur ein Marktplatz kann diese „Größe“ und Vielzahl abbilden.

Woher stammte das Kapital für Euer Unternehmen?
Regiondo wird durch Business Angels und einem Venture Capital Fond finanziert, die von Anfang an an das Modell geglaubt haben und uns und unsere Idee vollkommen unterstützen.

Was waren bei der Gründung Deines Start-ups die größten Stolpersteine?
Ich denke, die größte Herausforderung war es, das Konzept, die Freizeitgestaltung online abzuwickeln bei den Verbrauchern bekannt und im nächsten Schritt „gelernt“ zu machen. Bevor wir an den Start gegangen sind, konnte die Freizeitplanung mitunter schon kompliziert sein, man musste händisch verschiedene Angebote vergleichen und Buchungen telefonisch oder sogar persönlich vor Ort durchführen. Den Leuten zu vermitteln, dass all das auch auf einer zentralen Plattform möglich ist, war zunächst gar nicht so einfach.

Mit Regiondo wollen wir der erste Ansprechpartner sowohl für Freizeitanbieter, die sich auf unserer Seite ohne Aufwand vermarkten können, als auch für Endverbraucher, die übersichtlich aus aktuell über 7.000 Freizeitangeboten deutschlandweit das Passende auswählen können, sein. Durch das Feedback unserer Anbieter und Kunden lernen wir auch jeden Tag Neues dazu.

Was würdest Du rückblickend in der Gründungsphase anders machen?
Im Nachhinein ist man natürlich immer schlauer. Ich würde mit dem Wissen von heute wahrscheinlich noch mehr Kunden und Anbieter interviewen, um den Markt gleich von Anfang an noch besser zu verstehen. Darüber hinaus würde ich mir mit der ein oder anderen Entwicklung mehr Zeit lassen. Eine Sache, die wir bei Regiondo auch gelernt haben, ist das Thema IT-Insourcing. Am Anfang hatten wir ein externes Team und waren mit der Qualität nicht immer zufrieden. Das haben wir geändert und arbeiten jetzt mit einer internen IT und kriegen auf diese Weise a) viel mehr PS auf die Straße und sind b) deutlich zufriedener mit der Qualität. Ich kann jedem Start-up, das die Möglichkeit hat, nur raten, so früh wie möglich auf interne Experten & Talente zu setzen. Das ist uns bei Regiondo gut gelungen.

Jedes Start-up muss bekannt werden. Welche Marketingspielart ist für Dich besonders wichtig?
Alle Kanäle im Online-Marketing-Mix sind für uns wichtig. Aus Performance-Sicht funktionieren für uns besonders SEO, Facebook- und E-Mail-Marketing gut. Facebook konvertiert super und passt sehr gut zu unserem Geschäftsmodell, gerade auch in Bezug auf die Vermarktung unserer Bestandskunden. Letztendlich hat jeder Kunde 52 Gründe im Jahr bei Regiondo mal vorbeizuschauen und etwas für seine Freizeit zu buchen.

Welche Person hat Dich bei der Gründung besonders unterstützt?
Es gibt nicht eine einzelne Person, sondern viele, die mich inspiriert bzw. mich auf meinem Weg begleitet haben. Das ist einmal Jürgen Böhm, einer der Gründer von Immobilienscout24, der mittlerweile auch ein guter Freund geworden ist. Dann meine alten O2 Kollegen, die meine erste Start-up-Phase super unterstützt haben und zu denen ich immer noch Kontakt habe. Aktuell gibt es noch Dieter Hähle, der uns bei Regiondo begleitet. Auch mein Vater spielt für mich immer eine wichtige Rolle, da er mich sehr gut kennt, mich mal rausholt, mir einen neuen Blick auf die Sachen gibt und dank seiner Unternehmererfahrung stets den ein oder anderen guten Tipp hat. Bei vielen Dingen hat er damit auch Recht. Da unterscheiden sich Old Economy und Start-up dann einfach doch nicht so sehr.

Welchen Tipp gibst Du anderen Gründern mit auf den Weg?
Ganz wichtig: Am Anfang viel Zeit in die Vorbereitung stecken und im Gründerteam alle Fakten und Ziele genau klären. Zu oft wischt man am Anfang wichtige Entscheidungen zur Seite und vertagt sie auf später. Und später lassen sich manche Dinge einfach nicht mehr so gut lösen und das Kind ist sprichwörtlich schon in den Brunnen gefallen. Gut, wenn es dazu gar nicht erst kommen muss. Eine gewisse Gelassenheit kann ab und an allerdings auch nicht schaden, damit man sich beim Finden der besten Lösung nicht in die Haare kriegt. Da gefällt mir Dennis, unser Conversion-Experte bei Regiondo, sehr gut. Meistens bekomme ich von ihm die Antwort „Das müssen wir testen.“.

Du triffst den Bundeswirtschaftsminister – was würdest Du Dir für den Gründungsstandort Deutschland von ihm wünschen?
Ich weiß nicht, ob ich nicht viel lieber beim Bundesminister für Bildung und Forschung anfangen würde. So viele Talente werden zu spät erkannt und vielleicht nie richtig gefördert, so dass sie niemals auf die Idee kommen, zu gründen oder gar keine Chance dazu bekommen. Ansonsten erwarte ich von der Politik im Allgemeinen klare Rahmenbedingungen und möglichst wenig Regulierung.

Was würdest Du beruflich machen, wenn Du kein Start-up gegründet hättest?
Schwierige Frage. In einem Konzern oder der Beratung könnte ich mir mich eigentlich nicht mehr vorstellen. Wenn es kein Start-up mehr sein soll, dann würde ich wahrscheinlich erstmal verreisen und danach nochmal studieren. Theologie wäre da mein Favorit.

Bei welchem deutschen Start-up würdest Du gerne mal Mäuschen spielen?
Ich weiß nicht, ob man das noch als Start-up bezeichen kann: Bookbridge, zu Deutsch Bücherbrücke, ist eine Initiative, die ein Kommilitone von mir gegründet hat und die englischsprachige Bücher sammelt und in der Mongolei bzw. mittlerweile auch in anderen Ländern Büchereien aufbaut. Da wäre ich gerne mal mit dabei, weil ich die Vision super finde.

Du dürftest eine Zeitreise unternehmen: In welche Epoche reist Du?
Ich würde gerne 2-3 Jahre in die Zukunft reisen, einfach um zu schauen, wie viele Menschen dann ihre Freizeit online bei Regiondo buchen und ob unsere Vision aufgegangen ist.

Du hast eine Million Euro zur persönlichen Verfügung: Was machst Du mit dem ganzen Geld?
Einen Bausparvertrag bei Herrn Kaiser abschließen? Da mein voller Fokus auf Regiondo liegt, würde ich die ein oder andere Idee etwas beschleunigen, einen Teil spenden und was auf die hohe Kante legen für die obligatorische Weltreise danach.

Wie verbringst Du einen schönen Sonntag?
Jetzt kommt ein Geheimtipp: Ich kenne da ein super Portal mit ziemlich vielen coolen Freizeitaktivitäten ;-) Aber Spaß beiseite: Das kann mal ein Brunch mit Freunden sein, das Deutsche Museum steht schon lange auf meiner To Do-Liste und die kulinarische Stadtteilführung durch Haidhausen reizt mich ebenfalls seit einer ganzen Weile. Außerdem habe ich mir für dieses Jahr die zahlreichen Freizeitparks vorgenommen, die wir im Programm haben.

Mit wem würdest Du dich gerne einmal auf einen Kaffee oder ein Bier verabreden?
Auf ein Bier. Mit Reinhold Messner auf einer der schönen DAV Alpenvereinshütten. Neben den vielen Erzählungen und Anekdoten würde ich dann auch gleich versuchen, ihn als Partner für Regiondo zu gewinnen.

Im Fokus: Weitere Fragebögen in unserem großen Themenschwerpunkt 15 Fragen an

Zur Person:
Oliver Nützel schnupperte bereits als Kind erste Unternehmerluft in der Werbeagentur seiner Eltern. Er studierte Business Administration an der WHU Koblenz und arbeitete bei Booz & Company oder Télefonica O2 Germany. 2011 machte Freizeit zu seinem Beruf und gründete mit Yasuu einen Marktplatz für einzigartige Erlebnisse. Nach dem Zusammenschluss mit Regiondo (www.regiondo.de) verantwortet Nützel als Geschäftsführer insbesondere Strategie, Partnerbetreuung und Kooperationen.

15 Fragen als eBook und in gedruckter Form

“Hinter den Kulissen deutscher Start-ups: 45 Gründer über den Aufbau ihres Unternehmens”, heißt der erste Titel der neuen Buchreihe von deutsche-startups.de. Unser erstes Buch, ein Best-of der Rubrik 15 Fragen an, steht unter dem Motto: Von Gründern lernen, sich von deutschen Unternehmern inspirieren lassen. 45 Gründer berichten von Ihren eigenen Erfahrungen, geben wertvolle Tipps und teilen ihre Inspirationen mit den Lesern. Weitere Infos über “Hinter den Kulissen”. Unser erstes Buch jetzt bei Amazon bestellen.

Christina Cassala, Redakteurin bei deutsche-startups.de, war schon zu ihren besten Uni- Zeiten in den 90er Jahren journalistisch tätig. Gleich nach dem Volontariat arbeitete sie bei einem Branchenfachverlag in Hamburg, ehe sie 2007 zu deutsche-startups.de stieß und seither die Entwicklungen der Start-up Szene in Deutschland mit großer Neugierde beobachtet.

Aktuelle Meldungen

Alle