“Wir bleiben weiterhin ein inhabergeführtes Unternehmen” – Lennart Kleuser von Flip4New

Vor wenigen Tagen stieg die Unternehmensgruppe Media-Saturn beim Re-Commerce-Anbieter Flip4New (www.flip4new.de) ein. Im Interview mit deutsche-startups.de spricht Flip4New-Mitgründer Lennart Kleuser über die Partnerschaft mit Media-Saturn, das inStore-Modell und den wunderschönen Blick auf den […]

Vor wenigen Tagen stieg die Unternehmensgruppe Media-Saturn beim Re-Commerce-Anbieter Flip4New (www.flip4new.de) ein. Im Interview mit deutsche-startups.de spricht Flip4New-Mitgründer Lennart Kleuser über die Partnerschaft mit Media-Saturn, das inStore-Modell und den wunderschönen Blick auf den Taunus.

Media-Saturn steigt bei Flip4New ein, sind die wilden Start-up-Zeiten bei Flip4New somit jetzt vorbei?
Da Media- Saturn nur eine Minderheitsbeteiligung erworben hat, bleibt Flip4New weiterhin ein inhabergeführtes Unternehmen. Mein Geschäftspartner Michael Sauer und ich haben nach wie vor die Anteilsmehrheit und agieren in der bisherigen Besetzung weiterhin unabhängig. Natürlich entstehen mit steigendem Wachstum auch neue Strukturen, das Unternehmen will organisiert und verantwortungsbewusst geführt werden. Insofern sind die wilden Start-up-Zeiten, in denen man das Geschäft noch mit einer Handvoll Mitarbeiter aus einem Frankfurter Büro stemmen konnte, definitiv vorbei. Dies ist allerdings auch schon länger der Fall.

Media-Saturn erwirbt zunächst eine Minderheitsbeteiligung an Flip4New. Gibt es schon Absprachen, ob und wann Media-Saturn weitere Anteile erwerben kann?
Media-Saturn hat sich an Flip4New beteiligt, um alle Möglichkeiten von Media-Saturn einzubringen, unser Geschäftsmodell effektiv weiter zu entwickeln. Dadurch ergibt sich für uns die Chance, auch über die Landesgrenzen hinaus erfolgreich zu agieren. Abhängig von dieser Entwicklung wird man zur gegebenen Zeit auch die Beteiligung evaluieren.

Was sind die ersten konkreten Ergebnisse oder gemeinsamen Pläne nach dem Einstieg von Media-Saturn?
Zunächst steht die Weiterentwicklung der bereits seit 2010 bestehenden erfolgreichen Zusammenarbeit im Fokus. Kunden haben die Möglichkeit entweder online oder in ausgewählten Saturn-Märkten vor Ort ihre gebrauchte Unterhaltungselektronik und Medien direkt an uns zu verkaufen. Dieses inStore-Modell wird zuerst in weiteren deutschen Städten, langfristig auch innerhalb der Media-Saturn-Unternehmensgruppe international über alle Vertriebslinien ausgerollt werden.

Flip4New ist in Frankfurt am Main bzw. in Friedrichsdorf nördlich von Frankfurt beheimatet: Wie schwer oder wie leicht ist es ein Unternehmen in der Start-up-Provinz zu führen?
Da wir keinen direkten Publikumsverkehr haben, stand bei der Standortwahl vor allem viel Platz und eine gute Anbindung an das Verkehrsnetz im Vordergrund. Beides bietet uns Friedrichsdorf zu vernünftigen Preisen. Hier haben wir neben den Büroräumen auch große Lagerflächen, so dass wir für weiteres Wachstum genügend Platz haben. Darüber hinaus kann es manchmal auch durchaus Vorteile haben, keinem Hype eines „Start-up-Zentrums“ ausgesetzt zu sein. Und der Blick auf den wunderschönen Taunus ist natürlich auch nicht zu verachten.

Flip4New startete als Ankaufdienst von gebrauchter Unterhaltungselektronik. Inzwischen kaufen Sie auch auch PC- und Konsolenspiele, CDs, DVDs, Blu-Rays sowie Bücher an. Wo soll die Reise noch hingegen?
Wir kaufen als einziger Anbieter das komplette Sortiment der Unterhaltungselektronik und Medien an und sind faktisch der einzige Vollsortimenter am Markt, womit wir schon einen großen Meilenstein erreicht haben. Natürlich bietet der Bereich der Elektronik immer noch sehr viel Potential. Langfristig ist es unser Ziel, unser Geschäftsmodell als neuen Bestandteil des Kaufens in den Köpfen der Verbraucher sowie im Handel zu etablieren. Verbraucher sollten den Wert Ihrer Geräte beim Neukauf eines neuen Produktes berücksichtigen; sehr vergleichbar zur Inzahlungnahme im Autohandel. Dies schont den Geldbeutel und auch die Umwelt.

Was sind die größten Herausforderungen beim Kauf und Verkauf von gebrauchten Waren über das Netz?
Eine große Herausforderung ist natürlich zum einen, die Verbraucher zu erreichen, ihnen das Geschäftskonzept näher zu bringen und von der Idee zu überzeugen. Denn für Konsumenten war es nie einfacher, auf den aktuellen Gebrauchtwert von früheren Käufen zuzugreifen. Re-Commerce ist eine clevere und bequeme Option für Konsumenten, gebrauchte Artikel, also Hardware und Medien, gegen Geld oder Gutscheine einzutauschen und dabei attraktive Werte zu generieren. So sind finanzielle Engpässe leichter zu ertragen, die Neuanschaffung wird deutlich günstiger und bestehende Ressourcen können effizient genutzt werden. Eine weitere Herausforderung ist natürlich die Logistik und der schnelle, reibungslose Ablauf der internen Prozesse, so dass der Kunde schnellstmöglich sein Geld ausbezahlt bekommt. Im Bereich Logistik haben wir mit DHL einen kompetenten Partner gefunden. Zudem sind wir ständig dabei, die internen Prozesse noch effizienter zu gestalten, um unseren Kunden jederzeit einen optimalen Service zu bieten.

Blicken Sie bitte einmal zurück: Was ist in den vergangenen Jahren so richtig schief gegangen?
Wir möchten jedem Kunden ein wiederkehrend positives Verkaufserlebnis bieten. Dies gelingt, wenn wir unsere Prozesse einhalten können. Durch unser starkes Wachstum kam es manchmal zu Sondersituationen in denen wir den einen oder anderen Kunden nicht in dem Maße zufrieden stellen konnten, wie wir dies gerne getan hätten. Hierbei ist zwar nichts „so richtig schief“ gegangen, aber unser Anspruch ist, absolut jeden Kunden zufrieden zu stellen. Daran arbeiten wir beständig.

Und wo haben Sie Ihrer Meinung nach alles richtig gemacht?
Wir haben uns sehr über die Gewinnung unterschiedlichster Kooperationen mit Geschäftspartnern gefreut. Neben Media-Saturn arbeiten wir auch sehr erfolgreich beispielsweise mit eBay, Gravis, Cyberport, Medion u.v.m. zusammen. Mit diesen renommierten Partnern erschließt sich uns die Möglichkeit, unseren Service einer noch breiteren Zielgruppe zugänglich zu machen und spannende Aktionen zu realisieren. Der Erfolg und die positive Resonanz der Kunden sowie Partner zeigen uns, dass dieser Weg der Richtige war.

Mit reBuy.de, Momox.de und WirKaufens.de hat Flip4new mehrere umsatzstarke und mit viel Kapital ausgestattete Wettbewerber: Ist der Markt groß genug für so viele Anbieter?
Trotz steigender Umsatzzahlen ist Re-Commerce immer noch ein Nischenthema. Viele Verbraucher wissen gar nicht um die Möglichkeit, ihre gebrauchten Handys und Laptops zu Geld zu machen. Wenn man bedenkt, dass allein rund 85 Millionen Handys ungenutzt in deutschen Schubladen verstauben, erkennt man, welches Potential noch in diesem Markt steckt. Meines Erachtens ist dieser Markt sehr groß und wird beständig weiter wachsen, insofern ist auch Platz für mehrere Anbieter.

Wo steht Flip4new in einem Jahr?
Wir werden über das kommende Jahr unsere Rolle als führender Hardware-Re-Commerce-Anbieter weiter ausbauen und bestehenden sowie neuen Kunden viele spannende Neuerungen bieten.

Zur Person
Lennart Kleuser gründete Flip4New 2009 gemeinsam mit Michael Sauer. Das Unternehmen machte sich zunächst als Ankaufdienst für gebrauchte Unterhaltungselektronik einen Namen, erweiterte sein Sortiment aber ständig und kauft inzwischen auch PC- und Konsolenspiele, CDs, DVDs sowie Bücher an. Zu den Investoren von Flip4New zählen unter anderem Xing-Gründer Lars Hinrichs und der Kapitalgeber Paua Ventures.

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.

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