“Wir stellen Beteiligungen in der Höhe von bis fünf Millionen Euro bereit” – Philipp Schröder von Active Venture Partners

Viele Start-up brauchen Geld! Kapitalgeber wie der spanische Früh- und Expansionsphasen-Investor Active Venture Partners, der derzeit ein großes Auge auf Deutschland und deutsche Start-ups geworfen hat, haben reichlich davon. Im Interview mit Julian […]

Viele Start-up brauchen Geld! Kapitalgeber wie der spanische Früh- und Expansionsphasen-Investor Active Venture Partners, der derzeit ein großes Auge auf Deutschland und deutsche Start-ups geworfen hat, haben reichlich davon. Im Interview mit Julian Riedlbauer von der internationalen Investmentbank GP Bullhound spricht Philipp Schröder von Active Venture Partners über Teamzusammenhalt, spanische Start-ups und Ausdauer.

Gratulation zu Eurem großen Erfolg, den zweiten Fonds mit Euro 54 Millionen erfolgreich platziert zu haben. Das ist im aktuellen Umfeld eine sensationelle Leistung. Was ist das Geheimnis Eures Erfolgs?
Vielen Dank. Ja, das aktuelle Umfeld ist nicht gerade einfach. Besonders nicht in Spanien. Ich denke, das Geheimnis unseres Erfolges beruht auf drei Faktoren: Unser Team, die richtige Vertriebsstrategie und eine Menge Ausdauer.Wie man sieht, bestehen hier sehr viele Parallelen zu Start-ups. So wie wir die besten Teams für die Verwirklichung einer Geschäftsidee suchen, schauen auch unsere Investoren auf die Zusammensetzung des Teams. Wir sind komplementär, sehr international aufgestellt und arbeiten seit mehr als 10 Jahren erfolgreich zusammen. Zudem konnten wir die Investoren auch mit unserem Track Record aus dem ersten Fond und durch unser Standing im europäischen Unternehmerbereich überzeugen.

Wie bei jedem Unternehmen, muss man sich die Frage stellen: Wer ist mein Kunde? Und warum soll er mein Produkt kaufen? Wie komme ich an den Kunden ran? Dies gilt für ein B2B-Konzept genauso wie für einen Unternehmer, der eine Finanzierungsrunde durchführt oder uns, die einen Fond aufsetzen. Man muss wissen, was den Kunden bewegt, in unserem Fall der Investor. Ist es nur Rendite, der Spaß an dem Sektor, die Nähe zu den Startups, strategischer Vorteil, etc.? Zu guter Letzt ist Ausdauer wichtig: Uns ergeht es nicht anders als den Gründern. Man braucht sehr viel Ausdauer und muss immer wieder an sich und seine Idee glauben, damit man Erfolg hat. Wir mussten unzählige Nackenschläge hinnehmen, von 2008, als die Finanzkrise anfing, bis zu Investorenzusagen, die in der letzten Sekunde wieder zurückgezogen wurden. Wir mussten uns gegen über 50 Wettbewerber in einem Selektionsprozess durchsetzen. Da braucht man einfach eine Menge Ausdauer und einen guten Teamzusammenhalt.

Spanien ist leider häufig in den Schlagzeilen. Wie ist Dein Blick “als Insider” auf die spanische Wirtschaft und besonders die Branchen, in die Ihr investiert?
Die spanische Wirtschaft befindet sich in einer sehr starken Krise. Das Land hat es versäumt, während seiner Boomphase den Strukturwandel von einer Industriewirtschaft zu einer service- und wissensbasierten Wirtschaft voranzutreiben. Durch das Platzen der Immobilienblase wird dieses Land nun besonders hart getroffen. Der Vorteil am Venture Capital-Geschäft ist jedoch, dass wir in Branchen investieren, die relativ unabhängig von den makroökonomischen Bedingungen des Landes sind. Die für uns relevanten Industrien profitieren eher vom strukturellen Wandel innerhalb einer Branche. Das Wachstum in den Bereichen eCommerce, Internetbasierte Geschäftsmodelle und Telekommunikation ist sicherlich leicht abgeschwächt, aber wir reden immer noch von jährlichen Wachstumsraten, die oberhalb von vielen nordeuropäischen Ländern liegt.

Aufgrund des hohen Lebensstandards bietet das Land zudem einen großen Pool an national und international erfahrenen Unternehmern, ähnlich wie z.B. in Deutschland und UK, jedoch auf einem vollkommen unterschiedlichen Kostenniveau. Das Durchschnittgehalt liegt circa 40 % unter dem Deutschlands! Dies ist ein wichtiger Wettbewerbsvorteil für spanische Start-ups, die international aufgestellt sind. Spanien ist im Technologiebereich bereits gut aufgestellt und wir sehen, dass sich Barcelona zu einem der wichtigsten Unternehmer-Hubs Europas entwickelt.

Ich weiß, dass Ihr Euch auch in Deutschland aktiv nach Investitionsmöglichkeiten umseht. Wie wird der Fonds investieren, besonders in Deutschland?
Wie in Spanien und Skandinavien konzentrieren wir uns in Deutschland auf Investitionen im Internet-, Telekommunikations- und Softwarebereich. Zudem liegt der Schwerpunkt auf A- und B-Finanzierungsrunden von Gründern, die eine internationale Expansion anstreben und mindestens 50.000 Euro im Monat umsetzen. Dabei stellen wir Beteiligungen in der Höhe von 500.000 Euro bis fünf Millionen Euro bereit.

Welchen besonderen Mehrwert könnt Ihr Euren Portfoliofirmen liefern, Ihr seid ja als spanischer Investor mit teilweise deutschem Team ungewöhnlich aufgestellt?
Der Hauptsitz unseres Unternehmens ist zwar in Barcelona, was generell auch nicht so unangenehm ist, jedoch sind wir ein internationales Team. Unsere Portfoliounternehmen profitieren davon, dass wir konsequent international aufgestellt sind und somit unsere Unternehmer sowohl in ihren Internationalisierungsbemühungen unterstützen können als auch im Aufbau des nationalen Marktes. Unsere internationale Ausrichtung basiert auf der Zusammensetzung unseres Teams, das aus 5 Nationen besteht – Deutschland, Spanien, Schweden, Schottland und Polen -, unseren Investoren und dem internationalen Serial Entrepreneur Netzwerk „Venturepreneurs Organisation“, das wir vor vielen Jahren ins Leben gerufen haben.

Zuletzt hat sich auch noch Telefonica Digital – über ihr Fondnetzwerk Amérigo – an unserem Fond beteiligt. Unser Amérigo Fond ist der erste Fond eines Netzwerkes an unabhängigen Venture Capital Fonds, die Telefonica Digital als einen ihrer Investoren haben. Das Netzwerk wird aus Venture Capital-Firmen in Spanien und Lateinamerika bestehen und ein Co-investitionsvolumen von 300 Millionen Euro haben. Somit wird unsere strategische Positionierung als europäischer VC mit Gateway nach Lateinamerika zusätzlich verstärkt.

Lieber Philipp, vielen Dank für das spannende Interview. Ich wünsche Euch viel Erfolg bei der Auswahl der richtigen Investments und dann – nach einigen Jahren – sehr profitable Firmenverkäufe.

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Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.