Disruptive Healthcare – mySugr tritt Diabetes in den Hintern

Eigentlich wollte Frank Westermann gar kein eigenes Unternehmen gründen. Eigentlich ist Frank Westermann auch gar kein Diabetiker – zumindest die ersten 18 Jahre seines Lebens nicht. Dann kam alles ganz anders und das […]
Disruptive Healthcare – mySugr tritt Diabetes in den Hintern

Eigentlich wollte Frank Westermann gar kein eigenes Unternehmen gründen. Eigentlich ist Frank Westermann auch gar kein Diabetiker – zumindest die ersten 18 Jahre seines Lebens nicht. Dann kam alles ganz anders und das Start-up mySugr (www.mysugr.com) war geboren. Zuerst bekam Westermann das Pfeiffersche Drüsenfieber. Eine im Grunde harmlose Viruserkrankung, die aber im Fall von Westermann zur Zerstörung der Inselzellen in seiner Bauchspeicheldrüse führte. Die Inselzellen produzieren das wichtige körpereigene Insulin. Und ist der eigene Organismus nicht mehr in der Lage dieses wichtige Insulin zu produzieren, führt dies zu Diabetes mellitus Typ 1.

deutsche-startups.de berichtete bereits über die Volkskrankheit Diabetes, die Kosten für die Behandlung und die Kosten, die durch gravierende Folgeerkrankungen entstehen. Langfristig kann Diabetes zu unterschiedlichen Spätschäden führen. Medizin-netz.de berichtet von jährlich 28.000 Beinamputationen infolge von diabetischen Gefäßveränderungen. Diabetes ist ein „ziemlicher Minuskumpel“ so mySugr und spricht damit aus, was viele Diabetiker bei dieser Krankheit empfinden. Zwei der vier mySugr-Gründer, Frank Westermann und Fredrik Debong, sind Diabetiker und der Umgang mit Diabetes erfordert Disziplin und eine ganze Menge an Equipment, das der Diabetiker bei sich führen muss (siehe Fotogalerie).

Fotogalerie: Umgang mit Diabetes

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Diabetes, insbesondere Diabetes mellitus Typ 1, ist eine Krankheit, die sich nicht einfach heilen lässt. Die Diabetes-Therapie ist daher eher eine Art „Schadenskontrolle“, die das konsequente und kontinuierliche Führen eines Diabetes-Tagebuches erfordert. Diabetes ist eine „Datenkrankenheit“, so Frank Westermann im Gespräch mit deutsche-startups.de. Gemeint ist, dass, um Diabetes in den Griff zu bekommen und um Folgeschäden möglichst zu verhindern, die tägliche Datenerfassung über das eigene Verhalten notwendig und essentiell ist (siehe Fotogalerie). Dabei müssen die Daten im Kontext mit dem eigenen Verhalten gesammelt werden. So ist zum Beispiel Frank Westermann vor Vorträgen und Präsentationen im Stress, was zu einem Absinken seines Blutzuckers führt. Bei seinem Partner Fredrik Debong hingegen führen Stresssituationen zu einem Anstieg des Blutzuckers. Also starteten die beiden in 2010 erste Überlegungen, wie der Umgang mit Diabetes vereinfacht werden und wie das Führen eines Diabetes-Tagebuches mehr Spaß machen könnte. Aus Spaß wurde Ernst und das Unternehmen mySugr wude im April 2011 gegründet. Das erste Release der mySugr-App erschien am 12. April dieses Jahres.

mySugr für alle – gut 366 Millionen Diabetiker weltweit

Das Ziel von mySugr ist es, allen Diabetikern weltweit, das sind laut IDF ca. 366 Millionen Menschen, die mySugr App kostenlos zur Verfügung zu stellen. Denn „Diabetes [ist] ein eher nerviger Störenfried“ und „ganz schön uncool“, weshalb mySugr „der Diabetes Sau mal kräftig in den Hintern treten“ will. Mit der mySugr App soll der Diabetiker konsequent und regelmäßig sein Diabetes-Tagebuch führen. Dies ist notwendig, um das Diabetes-Monster, einen Avatar, in Schach zu halten und zu besiegen. Dieser Serious Games Charakter wird nun durch die Version 1.3 der mySugr App ausgebaut (Screenshots siehe Fotogalerie). Die neueste Version, die heute im Apple AppStore erschienen ist, bietet zusätzlich die Funktion „Health Challenges“ an, bei denen der Nutzer bestimmte Aufgaben erfüllen muss (z.B. 50 mal Blutzucker messen), um die Challenge zu meistern und den nächsten Level bzw. die nächste „Health Challenge“ freizuschalten und zu spielen.

Der Nutzer resp. der Diabetiker soll angespornt werden, regelmäßig die Diabetiker-Daten zu messen und einzutragen (siehe Fotogalerie). Durch den spielerischen Charakter soll die „Therapie nicht mehr lästig sein, sondern einfacher werden und vor allem auch Spaß machen“.

Preismodell?

Die mySugr App ist in der Basisversion kostenlos. Wer zusätzliche Funktionen nutzen will, schließt ein Abonnement ab. Dieses kostet monatlich 3,99 Euro oder jährlich 39,99 Euro. Damit alle Diabetiker weltweit App und Dienst kostenlos nutzen können, sucht mySugr die Zusammenarbeit mit Unternehmen, Krankenkassen und Partnern. So sieht z.B. die Kooperation mit der Telekom Austria vor, dass diese die monatlichen Abo-Gebühren für ihre Mitarbeiter übernimmt, wenn diese den mySugr Dienst in Anspruch nehmen. Das ist für Unternehmen, wie die Telekom Austria sinnvoll und praktisch, denn betriebliches Gesundheitsmanagement ist notwendig für die langfristige Sicherung von Wettbewerbsfähigkeit und Wachstum. Die Kooperation mit Sanofi Aventis Austria sieht vor, dass Sanofi den Gewinnern der „Health Challenges“ mySugr sponsort.

Was ist seit dem Start passiert?

Nach den ersten Gesprächen in 2010 ist mySugr im April 2011 offiziell gestartet. Erst ein Jahr später wurde die mySugr App als zentrales Medium veröffentlicht. Was also dauerte so lange? Im Gespräch mit deutsche-startups.de erklärt Frank Westermann, dass die mySugr App u.a. eine CE-Zertifizierung für Medizinprodukte erhalten habe. Das sei „ein gigantischer Aufwand“ gewesen, so Westermann, obgleich mySugr „nur“ in der Risikoklasse 1 zertifiziert ist. Das Gründerteam besteht heute aus vier Personen. Neben Frank Westermann und Fredrik Debong, auch Gerald Stangl als Creative Director und Michael Forisch, der derzeit nur die Regulierungs- und Zertifizierungsthemen bearbeitet. Für die CE-Zertifizierung sei insbesondere die technische Dokumentation sehr umfangreich. In dieser muss jeder Entwicklungsschritt dokumentiert werden. Zusätzlich sei eine Risiko- und Qualitätskontrolle notwendig, bei der bspw. alle verwendeten Icons von einer Testgruppe auf Funktion, Verständnis usw. geprüft werden müssen. Und last but not least, ist die Diabetes Therapie extrem datenhungrig, was besondere Anforderungen an Datenschutz und -sicherheit stellt. Für die Speicherung der Diabetes-Daten nutzt mySugr Amazon Web Services als Cloud-Lösung. Dies, so Frank Westermann, bietet zwei Vorteile. Erstens stehen die genutzten AWS Server in der EU und zweitens ist AWS „HIPAA compliant“. Letzteres ist für den Schritt in die USA von Vorteil.

Was passiert in der Zukunft?

Nachdem Österreich-Start im April, folgte die Veröffentlichung der mySugr App im Apple AppStore in Deutschland im Juni. Seit August 2012 ist mySugr auch in UK verfügbar. Weitere Expansion ist geplant und dabei ist diese nicht ohne weiteres realisierbar. Denn die CE-Zertifizierung erfordert nicht nur, dass die mySugr App in der entsprechenden, lokalen Sprache, sondern das auch ein entsprechendes Handbuch verfügbar ist. Mit der jetzt erschienen Version 1.3 wird mySugr zusätzlich in französisch, italienisch und schwedisch erhältlich sein. Die größte Herausforderung steht noch bevor: das Wachstum in die USA. Denn es ist zu erwarten, dass die notwendige und wichtige Zulassung durch die FDA anspruchsvoll und zeitintensiv werden wird.

Finanzierung?

Derzeit ist mySugr nicht auf der Suche nach weiterer Finanzierung. Die österreichische Förderlandschaft sei sehr gut, sagt Frank Westermann und mySugr ist momentan durch die Austrian Wirtschaftsservices (AWS) und Johann Hansmann als Business Angel finanziert. MySugr hat den PreSeed-Call 2010 der AWS gewonnen und damit einen nicht rückzahlbaren Zuschuss in Höhe von 150.000 Euro sowie den Start Up Week 2011 Preis mit 30.000 Euro Mediabudget und einer dreiwöchigen Reise ins Silicon Valley.

Die Reise ist für Ende des Jahres geplant und soll die Gründung der mySugr-Tochter in den USA vorbereiten. Diese ist für das erste Quartal 2013 vorgesehen.

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