Fünfzehn Fragen an Jan Mechtel von KeyRocket

 Was bedeutet es Ihnen, Ihr eigener Chef zu sein?  Vor allem bedeutet es mir, dass ich an etwas Eigenem baue. Aber auch, dass ich die Freiheit habe zu entscheiden, welches der beste Weg […]

 Was bedeutet es Ihnen, Ihr eigener Chef zu sein? 
Vor allem bedeutet es mir, dass ich an etwas Eigenem baue. Aber auch, dass ich die Freiheit habe zu entscheiden, welches der beste Weg ist, um mein Ziel zu erreichen. Diese Freiheit bedeutet aber auch viel Verantwortung, da man nicht nur für sich selbst entscheidet.

Bei welcher Gelegenheit kam Ihnen die Idee zu Ihrem Start-up? 
Bei einer Flasche Wein kam ich mit einem Bekannten darauf zu sprechen, wie effizient und zeitsparend Tastaturkürzel sind. Leider kennen aber die Wenigsten mehr als die Standard-Shortcuts. Daraus ist schnell die Idee entsprungen, KeyRocket zu kreieren, das jedem das Leben einfacher macht.

Woher stammte das Kapital für Ihr Unternehmen? 
Am Anfang haben wir den Gründungszuschuss der Agentur für Arbeit genutzt und dann später ein EXIST Gründerstipendium. Nach ungefähr neun Monaten haben dann der High-Tech Gründerfonds und Michael Brehm (Rebate Networks) eine Seedfinanzierung gestellt.

Was waren bei der Gründung Ihres Start-ups die größten Stolpersteine? 
KeyRocket sollte alles gleichzeitig können: Shortcuts aufzeigen, dem User etwas lehren, sich an das User Verhalten anpassen und gleichzeitig Spaß machen. Die eigenen Ansprüche unter einen Hut zu kriegen, war nicht leicht.

Was würden Sie rückblickend in der Gründungsphase anders machen? 
Ich würde die Gründungsphase klarer in zwei Phasen teilen: Erstens Ideenfindung/Prototyp (Fokus Produkt und möglichst geringe Ausgaben) und zweitens Umsetzung mit solider Finanzierung (Fokus Geschwindigkeit und Momentum). Bei meiner ersten Gründung sind die Phasen fließend ineinander übergegangen, was uns Zeit gekostet hat.

Jedes Start-up muss bekannt werden. Welche Marketingspielart ist für Sie besonders wichtig? 
Da das Konzept von KeyRocket noch sehr neu ist, setzen wir stark auf „Word of Mouth“ und dabei vor allem auf die Weiterempfehlung von unseren Power-Usern. Diese lieben die Produktidee und verbreiten sie leidenschaftlich.

Welche Person hat Sie bei der Gründung besonders unterstützt?
Michael Brehm hat uns vor allem in der Phase der Seedfinanzierung dabei geholfen, KeyRocket mit dem nötigen Weitblick umzusetzen und unsere Möglichkeit nicht durch Bescheidenheit zu begrenzen.

Welchen Tipp geben Sie anderen Gründern mit auf den Weg? 
Ich empfehle jedem Gründer, das Wort „Risiko“ aus seinem Wortschatz zu streichen und es in den Kommentaren von unbeteiligten Verwandten, Kollegen und Freunden zu überhören. Genau genommen besteht für die meisten Gründer kein wirkliches „Risiko“ – also die Gefahr, dass ein Schaden entsteht. Stattdessen sollte man das Wort „Unsicherheit“ verwenden, denn es bringt zum Ausdruck, dass man den Grad des Erfolges noch nicht mit Sicherheit kennt. Als ehemaliger Controller mit der dazugehörigen kaufmännischen Vorsicht habe ich eine Weile gebraucht, um mir diese Sichtweise anzugewöhnen.

Sie treffen den Bundeswirtschaftsminister – was würden Sie sich für den Gründungsstandort Deutschland von ihm wünschen? 
Ich würde ihm erst einmal danken, da wir sowohl durch das EXIST-Gründerstipendium als auch über den Hightech Gründerfonds von Initiativen des BmWi profitiert haben. Wünschen würde ich mir vor allem, dass bei Jugendlichen und Berufseinsteigern die Alternative der Selbstständigkeit intensiver gefördert wird.

Was würden Sie beruflich machen, wenn Sie kein Start-up gegründet hätten? 
Ich wäre wahrscheinlich mit „Business Intelligence“ bei einer Softwarefirma beschäftigt, also „Data Scientist“ mit Fokus auf kommerziellen Erfolg.

Bei welchem deutschen Start-up würden Sie gerne mal Mäuschen spielen? 
Es gibt zur Zeit so viele tolle Start-ups in Berlin, dass ich nicht ein Spezielles aussuchen könnte. Ich denke, wir können alle gegenseitig von einander lernen.

Sie dürften eine Zeitreise unternehmen: In welche Epoche reisen Sie? 
In die Zukunft natürlich, mich würde vor allem interessieren, wie die Welt die großen Probleme unserer Zeit löst und ob wir mit KeyRocket geholfen haben, mehr Verständnis zwischen Usern und Software zu erreichen.

Sie haben eine Million Euro zur persönlichen Verfügung: Was machen Sie mit dem ganzen Geld? 
Ich gehe mal davon aus, dass investieren in die eigene Firma ausgeschlossen ist? Dann würde ich wohl für schlechte Zeiten sparen. Von meinem Vater habe ich die große Sparsamkeit geerbt und habe mehr Freude an der Zukunftssicherheit eines gefüllten Bankkontos und der damit verbundenen Unbeschwertheit als an kurzfristigem Konsum in Form von Kleidung, Autos oder einer tollen Wohnung.

Wie verbringen Sie einen schönen Sonntag? 
Mit meiner Freundin und unserem einjährigen Sohn an einen See fahren, baden und Beachvolleyball spielen.

Mit wem würden Sie sich gerne einmal auf einen Kaffee oder ein Bier verabreden? 
Mit Richard Branson, sein unglaublicher Antrieb, die Kreativität und sein Dauerspagat zwischen schrill (Raumfahrt) und bodenständig (Umgang mit Virgin Mitarbeitern) inspirieren mich sehr. Ich wäre sehr gespannt, das live zu erleben.

Zur Person
Jan Mechtel ist Gründer von KeyRocket (www.veodin.com), das Nutzern dabei hilft, Tastatur-Shortcuts zu lernen. Zuvor studierte er BWL an der ESCP Europe (Paris, London, Berlin), machte mehrere Praktika in multinationalen Unternehmen (Merrill Lynch, McKinsey & Company) und arbeitete drei Jahre lang als personalverantwortlicher Controlling-Team-Manager beim Softwareunternehmen Ableton AG. Parallel dazu war Mechtel als freiberuflicher Programmierer tätig

Seit Mai 2009 schreibt Yvonne für deutsche-startups.de Gründerportraits, Start-up-Geschichten und mehr – ihre besondere Begeisterung gilt Geschäftsideen mit gesellschaftlich-sozialer Relevanz. Sie tummelt sich auch im Ausland – immer auf der Suche nach spannenden Gründerpersönlichkeiten und Geschäftsideen.

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