“Eine Rendite versprechen wir grundsätzlich nicht” – Jens-Uwe Sauer von seedmatch

Viele Start-up brauchen Geld! Crowdinvestingplattformen wie Seedmatch (/www.seedmatch.de) haben reichlich davon. Im Interview mit Ann Marisa Freese von der internationalen Investmentbank GP Bullhound spricht seedmatch-Macher Jens-Uwe Sauer über Speedfunding, Blasenbildung und Leidenschaft. Jens-Uwe, […]
“Eine Rendite versprechen wir grundsätzlich nicht” – Jens-Uwe Sauer von seedmatch

Viele Start-up brauchen Geld! Crowdinvestingplattformen wie Seedmatch (/www.seedmatch.de) haben reichlich davon. Im Interview mit Ann Marisa Freese von der internationalen Investmentbank GP Bullhound spricht seedmatch-Macher Jens-Uwe Sauer über Speedfunding, Blasenbildung und Leidenschaft.

Jens-Uwe, Du bist Gründer von Seedmatch, einer großen deutschen Crowdfunding-Plattformen. Was macht Seedmatch?
Mit Seedmatch wollten wir eine Plattform schaffen, auf der Gründer das für die Umsetzung ihres Unternehmenskonzeptes notwendige Kapital einsammeln können. Anders als bei einer Finanzierung mit Business Angels oder Venture Capital-Fonds präsentieren die Startups ihr Konzept auf der Plattform einer Vielzahl von kleinen Investoren, der Crowd. Jeder registriere User, der von dem Unternehmenskonzept und dem Gründerteam überzeugt ist, kann das Startup mit kleinen Beträgen unterstützen. Bei Seedmatch kann man ab 250 Euro Crowdinvestor werden und eine langfristige Unternehmensbeteiligung an dem Startup erwerben. Als Pionier in diesem Markt konnten wir innerhalb unseres ersten Jahres eine große und vor allem sehr aktive Crowd gewinnen, die bislang schon 18 Startups finanziert hat. Für Startups bietet sich damit die Möglichkeit, ihr Konzept bei derzeit über 7.700 Investoren zu präsentieren und bekannt zu machen. Daraus entstehen Dynamik, die für den maximalen Finanzierungserfolg wichtig ist, als auch wertvolle Reichweite. So haben wir schon mehrere Rekordfinanzierungen – von unserer Crowd gern als Speedfunding bezeichnet – erlebt, wo 100.000 Euro auf Seedmatch.de in nur Spielfilmlänge eingesammelt wurden.

Wie unterscheidet Ihr Euch von anderen Crowdfunding Anbietern?
Als erste Equity-based Crowdfunding-Plattform stellen wir nur Projekte online, an deren Erfolg wir glauben. Das scheint auf anderen Plattformen deutlich anders zu laufen. Für unsere Investoren haben wir einen sehr leicht verständlichen Investmentprozess und vor allem eine hohe Transparenz geschaffen, was ein sehr positives Feedback erzeugt.

Im ersten Halbjahr 2012 wurden in Deutschland rund 1,4 Millionen Euro über Crowdinvestingplattformen in Startups investiert. Welche Rendite versprecht Ihr Euren Anlegern?
Die Rendite ist erfreulicherweise nur eins von mehreren Motiven unserer Crowd, in ein Startup zu investieren.

Welche weitere Faktoren überzeugen die Anleger von einem Investment?
Neben der Rendite sind vor allem Produktinnovation und Geschäftsmodell wichtige Kriterien für ein Seedinvestment. Aber auch die Unabhängigkeit von Banken, die Chance das Kapital sinnvoll zu investieren und der Aufbau eines individuellen Beteiligungsportfolios sind wichtige Motive der Crowdinvestoren. Eine Rendite versprechen wir grundsätzlich nicht. Denn Seedinvestments sind immer einem hohen Risiko ausgesetzt, wenn ein Geschäftsmodell nicht funktioniert, nicht genügend Kunden gewonnen werden usw. Daher sollte man sich im Vorfeld eindringlich mit dem Unternehmenskonzept auseinandersetzen, nur einen Betrag investieren dessen Verlust man zur Not verschmerzen könnte und vor allem zur Risikostreuung ein kleines Beteiligungsportfolio mit sehr verschiedenen Investments aufbauen. Auf der anderen Seite kann ein Seedinvestment auch sehr lohnend sein, wenn die Annahmen des Gründerteams aus dem Businessplan realisiert werden können und sich aus dem Startup ein erfolgreiches Unternehmen entwickelt.

Als Gamechanger brecht Ihr die Intransparenz des Finanz- und Investmentmarktes auf und vereinfacht den Zugang zu Kapital. Wie groß ist das Potential von Crowdinvesting und wo seht Ihr Eure Grenzen?
Crowdfunding für Startups gibt es in Deutschland erst seit dem Start von Seedmatch, also seit August 2011. Der Umstand, dass wir nicht jedes Startup auf unsere Plattform lassen, sondern nur ausgewählte tragfähige und erfolgversprechende Unternehmenskonzepte mit starken Gründerteams auf der Plattform präsentieren, ruft zurecht Nachahmer auf den Plan. Wie zahlreich diese Plattformen gerade entstehen, ist aber auch ein Ausdruck für den – im Vergleich mit anderen Industriestaaten – unterentwickelten deutschen Seedfinanzierungsmarkt. Wenn alle Equity-based Crowdfunding-Plattformen in Deutschland zusammen eine Summe von 100 Millionen Euro im Jahr matchen sollten, führt das noch nicht zu einer Überschwemmung des Marktes mit Seed Money oder – wie von einzelnen ehemaligen Telekom-Aktionäre orakelt – zu einer Blasenbildung. Im Gegenteil, dieses Fundingvolumen würde uns eher mit anderen Märkten aufschließen lassen und zu mehr Innovationen und volkswirtschaftlicher Dynamik führen. Von daher sehe ich die genannte Summe als ein realistisches Ziel für den deutschen Crowdfunding-Markt.

Ihr als Equity-based Crowdfundingplattform und wir als Corporate Finance-Beratung unterstützen beide Kapitalsuchende bei Fundraisingprozessen. Wo siehst Du die Abgrenzung zwischen Euch und uns?
Equity-based Crowdfunding und Corporate Finance-Beratung sehe ich als zwei sehr komplementäre Dienstleistungsbausteine bei der Finanzierung von Unternehmen. Während Seedmatch auf frühere Unternehmensphasen, Seed und Series A, fokussiert ist, leistet Pure Equity Advisors wertvolle Arbeit bei größeren Finanzierungsrunden in eher späteren Unternehmensphasen, Series B usw. Außerdem ist der Verkauf von Unternehmen, also der Exit des Gründerteams, ein sehr anspruchsvoller Bereich, in dem wir uns gar nicht bewegen. Die Beratung von Exit-Mandaten überlassen wir daher auch Euch.
Generisch aus Unternehmenssicht betrachtet sind wir zu völlig unterschiedlichen Zeitpunkten in die Finanzierung involviert.

Erzähl noch etwas zu Deiner Person: Wie bist Du zum Thema crowdfunding gekommen und was gefällt Dir an Deiner Arbeit bei Seedmatch?
Als vor drei Jahren mit dem Niedergang von Lehman Brothers der Finanzmarkt kriselte, viele der zu Zeiten des „Neuen Marktes“ entstandenen VC-Fonds nicht mehr investieren konnten und den Business Angels die schlechte Marktstimmung auf den Magen geschlagen hatte, war es nicht sehr rosig um die Finanzierung von Startups bestellt. Irgendwie musste der Gordische Knoten durchschlagen werden. Aber wie? Zu jener Zeit machte Smava schon einen exzellenten Job und Kickstarter kam wie Phönix aus der Asche. Ein Kickstarter-Projekt, welches innerhalb kürzester Zeit ein Vielfaches von dem was es brauchte über die amerikanische Crowdfunding-Plattform einsammeln konnte, führte mich zur Erleuchtung und ich begriff damals das Potential von Crowdfunding. Die Übertragung dieses Modells auf die Finanzierung von Startup war nicht ganz trivial, weil wir sehr viele Gesetze in Deutschland haben, die es zu berücksichtigen oder umschiffen galt. Heute haben wir das Privileg, uns sehr intensiv mit Innovationen beschäftigen und fördern zu dürfen. Die Zusammenarbeit mit Gründern, die große Ziele haben, ungestüm sind und mit Herzblut die Welt verbessern wollen, macht einfach Spaß. Zudem hat mich irgendwer mit einer Leidenschaft für Entrepreneurship ausgestattet, die ich jetzt bei Seedmatch vollends ausleben kann. So habe ich mir meinen Traumjob selbst kreiert. Und ich finde, das sollte jeder tun dürfen.

Im Fokus: Weitere Interviews mit Kapitalgebern finden Sie im unserem Special VC-Interviews

Zur Gastautorin
Unsere Gast-Interviewerin Ann Marisa Freese
arbeitet als Head of Business Development bei der internationalen Investmentbank GP Bullhound (www.gpbullhound.com). Nach ihrem Studium der Betriebswirtschaftslehre in München arbeitete Marisa Freese als Analystin bei Expedia und Axel Springer. In dieser Zeit beschäftigte sie sich intensiv mit Finanzkennzahlen, Unternehmensbewertungen und Online-Geschäftsmodellen. Vom Unternehmerfieber gepackt, gründete sie 2009 ihr eigenes Start-up, eine E-Commerce-Lösung für Marktplätze mit dem eigenen Projekt Kisju und einer White-Label Lösung für externe Partner. Nach dem Verkauf der Firma 2011 fand sie sich zusammen mit Julian Riedlbauer, um gemeinsam andere Firmen bei Unternehmensverkäufen und bei der Beschaffung von Wachstumskapital zu unterstützen.