Freemium: Software als “free-to-use” in der Vollversion kostenlos nutzen

Das Anfang diesen Jahres gestartete Start-up Freemium (www.freemium.com) bietet kostenlose Software nach dem “free to use”-Modell an und folgt damit dem Beispiel der Spieleindustrie, wo kostenlose Vollversionen seit einiger Zeit schon trendig sind. […]
Freemium: Software als “free-to-use” in der Vollversion kostenlos nutzen

Das Anfang diesen Jahres gestartete Start-up Freemium (www.freemium.com) bietet kostenlose Software nach dem “free to use”-Modell an und folgt damit dem Beispiel der Spieleindustrie, wo kostenlose Vollversionen seit einiger Zeit schon trendig sind. Wer mit der Funktionalität zufrienden ist, bezahlt keinen Cent, die Software lässt sich gegen Geld oftmals erweitern. Es scheint sich auch im Softwarebereich eine “Kostenloskultur” zu entwickeln, der sich Freemium mit seiner Philosophie annimmt.

Das “free-to-use”-Modell der Freemium GmbH aus Berlin lehnt sich an die “free-to-play”-Philosophie der Spielebranche an, wo das Thema seit einer Weile hochaktuell ist. Das Prinzip von “free-to-use” ist, dass Software in der Basisvariante komplett kostenlos und nutzbar ist – darf es etwas mehr Funktionalität sein, bezahlt der Kunde dann dafür. Ein Beispiel: bietet eine Software die Aktualisierung von Treibern im System an, legt sie davor lokale Sicherheitskopien an. Wird vom Nutzer eine Speicherung in der Cloud gewünscht, zahlt er dies dann mit 1 Euro pro Monat. Der Freemium-Geschäftsführer Markus Malti erläutert: “Der Softwaremarkt ist im Moment in einer ähnlichen Situation wie der Spielemarkt vor ein paar Jahren. Das Prinzip ist dasselbe, lediglich die Motivation der Nutzer ist etwas anders gelagert.”

Ein Produkt gibt es bereits, weitere sollen folgen

Freemium bietet bislang ein Software-Produkt an, die Freemium TubeBox. Mit ihr können Nutzer von Videoportalen wie YouTube, Vimeo oder Clipfish Videos herunterladen und auf Wunsch in verschiedene Formate konvertieren. Ursprünglich wurde das Programm von Sven Lorik erschaffen, nun arbeitet er als Teil von Freemium in-house an der Weiterentwicklung. Zu finden ist TubeBox auf der Freemium-Website und in den gängigen Downloadportalen. Die Software ist, wie auf der Website angekündigt, in der Tat kostenlos und werbefrei nutzbar, der Installationsassistent empfiehlt im Verlauf des Setups allerdings die optionale Installation einer anderen PC-Tuningsoftware und wird sich das vom anderen Anbieter bezahlen lassen.

In Zukunft will Freemium in den folgenden Software-Kategorien Produkte entwickeln: Social Media, System Utilities, Foto- und Video-Tools sowie Downloader/Konverter. Ein weiteres Produkt, die Freemium System Utilities, ist gerade in Arbeit, mit der Software können Nutzer ihren PC warten und optimieren lassen.

Erfolgreiche Software als Vorbild

Freemium geht nach dem Bedarf der Nutzer und ermittelt, welche Software gerade gefragt und erfolgreich ist. Daraufhin wird in-house entwickelt oder zugekauft. Später ist auch an eine Entwicklung durch Drittanbieter gedacht; letztendliches Ziel ist es, eine Software zu programmieren, die mindestens so gut wie das Vorbild ist oder noch besser.

Die Firma ist, mit Hilfe von Business Angels, komplett eigenfinanziert, eine größere Finanzierungsrunde folgt noch. Mit dem bisherigen Erfolg zeigt sich Malti zufrieden: nach eigenen Angaben wurde die TubeBox bereits 10 Millionen Mal heruntergeladen. Direkte Mitbewerber als Anbieter von Freemium-Software gibt es zurzeit nicht, allerdings steht die Firma mit jedem anderen Entwickler in Konkurrenz, der ähnliche Softwareprodukte anbietet.

Freemium springt mit seinem Modell anscheinend erfolgreich auf den “Kostenloskultur”-Zug auf und hofft darauf, dass Nutzer bereit sind, für etwas mehr Funktionalität Geld zu bezahlen. Die tatsächliche “Konversionsrate” wäre im Laufe der Zeit sicherlich interessant zu wissen.

Update: Das Erscheinen dieses Artikels überschnitt sich mit der Entfernung des Videodownloaders und -konverters TubeBox von der Freemium-Website. Malti äußert sich folgendermaßen: „Wir haben uns dafür entschieden die Tubebox zu verkaufen und generell Downloader aus dem Freemium Produktportfolio zu nehmen. Der Grund hierfür sind die immer stärker werdenden Diskussionen, ob Downloader Urheberrechte verletzen. Obwohl wir mehrere Rechtsgutachten haben, die dies verneinen, möchten wir nicht in diese emotional geführten Auseinandersetzungen involviert werden. Mit dem Erfolg der Tubebox waren wir in der Lage einen Proof-of-Concept für unser Geschäftsmodell zu erbringen, strategische Investoren für Freemium zu begeistern und unsere ersten Ziele zu erreichen. Im Oktober kommen wir bereits mit unserer „Freemium System Utilities“ auf den Markt und bis Jahresende folgen zwei weitere Produkte.”

Kommt beruflich aus den Bereichen der Mediengestaltung und der Betreuung demenziell erkrankter Menschen. Seit Ende 2012 ist er freier Journalist mit dem Schwerpunkt Start-ups, interessiert sich aber auch für E-Reading und Open Source.