Fünfzehn Fragen an Frank Schleimer von Coupies

Was bedeutet es Ihnen, Ihr eigener Chef zu sein? Vor allem Unabhängigkeit bei der Entscheidungsfindung; nach Jahren im Konzern, wo Entscheidungen oft Tage und Wochen der Vorbereitung und Abstimmung bedürfen und strengen Prozessen […]

Was bedeutet es Ihnen, Ihr eigener Chef zu sein?
Vor allem Unabhängigkeit bei der Entscheidungsfindung; nach Jahren im Konzern, wo Entscheidungen oft Tage und Wochen der Vorbereitung und Abstimmung bedürfen und strengen Prozessen folgen, ist es sehr motivierend, Entscheidungen schnell zu treffen und hinterher auch selbst umzusetzen.

Bei welcher Gelegenheit kam Ihnen die Idee zu Ihrem Start-up?
In der Unternehmensberatung sieht man über Jahre hinweg viele Teams, Konzepte und Projekte, und man bekommt ein Gespür dafür, welche Ansätze und welche Köpfe erfolgsversprechend sind. Die Idee zu Coupies stammt von meinen beiden Gründerkollegen Felix Schul und Felix Gillen und hat mich sofort begeistert. Anfang 2009 schien alles zu passen – der breitenwirksame Durchbruch von Smartphones für jedermann, neue Werbemodelle mittels LBS, Apps als Basis für neue Geschäftsmodelle, kurzum eine Aufbruchsstimmung in der mobilen Welt. Heute wissen wir, dass der Markt damals noch nicht so weit war wie wir das in der Anfangseuphorie gesehen haben, aber es war dennoch die richtige Entscheidung für das richtige Modell – zwar hat alles etwas länger gedauert als anfangs erhofft, doch der Schritt war der richtige.

Woher stammte das Kapital für Ihr Unternehmen?
Das erste Jahr war Bootstrap, ergänzt um einige Fördermittel und Gründerpreisgelder. Im zweiten Jahr konnten wir eine Seed-Finanzierung mit dw capital abschließen, daneben haben wir bereits relevante Umsätze realisiert. Das dritte Jahr haben wir komplett aus Umsätzen bestritten, und zu Beginn des vierten Jahres – vor zwei Monaten – kam eine Wachstumsfinanzierung durch CologneInvest hinzu.

Was waren bei der Gründung Ihres Start-ups die größten Stolpersteine?
Stolpersteine gab es eigentlich überall: bei der Produktdefinition, beim Pricing, beim Aufbau des Teams, beim Rundschleifen des Geschäftsmodells oder bei der Finanzierung. Am kritischsten ist aber die präzise Definition des Produktes. Man bekommt jede Menge Tipps und Input aus allen Richtungen, wohin sich das Unternehmen entwickeln sollte, und das extrem dynamische Umfeld trägt zusätzlich dazu bei, dass ständig neue Aspekte im Markt auftreten. Man muss sich täglich neu zwingen, aus den zahlreichen Varianten und Möglichkeiten der Ausgestaltung des Geschäftsmodells die richtige heraus zu filtern und nicht kurzfristigen Trends zu folgen.

Was würden Sie rückblickend in der Gründungsphase anders machen?
Wir würden uns von Anfang an stärker auf die finanziellen Aspekte konzentrieren – einerseits mit einer früheren Finanzierung, andererseits mit einem besseren Marktcheck der Zahlungsbereitschaft der Kunden.

Jedes Start-up muss bekannt werden. Welche Marketingspielart ist für Sie besonders wichtig?
Mobile Couponing spielt sich auf dem Smartphone ab, daher ist das Smartphone unser bevorzugtes Werbemedium. Das geht von mobilen Bannern bis zu Social Media. Hier schlagen wir zum Beispiel mit QR-Codes die Brücke zwischen den klassischen Medien und dem Handydisplay – so wie es auch unsere Coupons machen, die zwar digital angeboten, aber nur im stationären Einzelhandel einlösbar sind.

Welche Person hat Sie bei der Gründung besonders unterstützt?
Für mich persönlich war das meine Freundin, für Coupies war es das Team von dw capital, unserem Seed-Investor.

Welchen Tipp geben Sie anderen Gründern mit auf den Weg?
Als Start-up steht man mit seiner Idee am Anfang immer alleine da, egal wie toll sie ist. Daher ist es sehr wichtig, frühzeitig mit Partnern zu kooperieren. Man kann sich meistens recht einfach mit anderen Start-ups im Rahmen von Barter-Deals gegenseitig unterstützen, und man kann großen Unternehmen, die eine solche Technologie nicht schnell genug selbst entwickeln können, eine Form der Partnerschaft anbieten, bei denen man selbst als Junior-Partner die Rolle des Experten einnimmt. Eine solche Aufteilung kann am Markt sehr erfolgreich sein. Auf keinen Fall sollte man mit seiner Idee zu lange im eigenen Häuschen sitzen und versuchen, jedes Problem alleine zu lösen – dafür hat man weder genug Zeit noch Ressourcen.

Sie treffen den Bundeswirtschaftsminister – was würden Sie sich für den Gründungsstandort Deutschland von ihm wünschen?
Ich wünsche mir eine Institution, die gründenden Unternehmen diejenigen 80 Prozent der quasi-administrativen Arbeiten abnimmt, die bei jedem Start-up unvermeidlich anstehen: juristische Beratung für Gründung sowie Ausgestaltung der wichtigsten Verträge und AGBs, Unterstützung bei Programmierung und Design, Stellung von Büroräumen, Hilfe bei Personalsuche, Finanzierungsberatung usw. Es gibt zwar zahlreiche Förderinstitutionen, die in einzelnen Aspekten beratend zur Seite stehen, wenn es aber um eine konkrete Unterstützung geht, wird meistens an eine Kanzlei oder eine Bank oder einen Makler oder eine Designagentur verwiesen.

Was würden Sie beruflich machen, wenn Sie kein Start-up gegründet hätten?
Vielleicht wäre ich immer noch in der Beratung, aber das kann ich mir eigentlich beim besten Willen heute nicht mehr vorstellen. Wahrscheinlich wäre ich irgendwie anders in der Selbständigkeit gelandet.

Bei welchem deutschen Start-up würden Sie gerne mal Mäuschen spielen?
Bei Xing – dort bin ich seit 2004 Heavy-User und würde gerne mal die Innenseite kennen lernen.

Sie dürften eine Zeitreise unternehmen: In welche Epoche reisen Sie?
Ich würde gerne jemanden wie Isaac Newton oder Johannes Kepler kennen lernen, die zur Grundsteinlegung der modernen Wissenschaften beigetragen haben. Wenn man sich vorstellt, wie diese Menschen ohne jedes heute verwendete Hilfsmittel die Naturgesetze und die Astronomie erforscht haben, rein und alleine mit aus heutiger Sicht einfachsten Mitteln, und die ganze Zeit waren sie im Wesentlichen auf ihren Geist und ihre Aufzeichnungen angewiesen. Sie haben Ihre visionären Forschungsergebnisse immer nur theoretisch bewiesen gesehen. Diesen Menschen würde ich gerne Bilder des Hubble-Teleskopes zur Verfügung stellen, um Ihnen zu zeigen, dass sie auf dem richtigen Weg waren.

Sie haben eine Million Euro zur persönlichen Verfügung: Was machen Sie mit dem ganzen Geld?
Einen größeren Teil würde ich ganz pragmatisch zur eigenen Existenzsicherung sicher anlegen, den kleineren Teil würde ich vermutlich wieder in ein Start-up investieren.

Wie verbringen Sie einen schönen Sonntag?
Mit einem Ausflug oder einem Picknick im Grünen, abends wird ein neues Rezept ausprobiert und gekocht.

Mit wem würden Sie sich gerne einmal auf einen Kaffee oder ein Bier verabreden?
Mit dem Erfinder des Beamens – seine Arbeit würde mich brennend interessieren!

Zur Person
Frank Schleimer war mehr als 12 Jahre als Unternehmensberater bei Accenture tätig, zuletzt als Senior Manager in Bereich Customer Relationship Management. 2009 gründete er Coupies (www.coupies.de), eine Plattform für mobile Coupons. Er ist dort als CEO sowie CFO tätig und leitet das Sales-Team.

Seit Mai 2009 schreibt Yvonne für deutsche-startups.de Gründerportraits, Start-up-Geschichten und mehr – ihre besondere Begeisterung gilt Geschäftsideen mit gesellschaftlich-sozialer Relevanz. Sie tummelt sich auch im Ausland – immer auf der Suche nach spannenden Gründerpersönlichkeiten und Geschäftsideen.

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