topdeals.de und die Biet-Roboter – Auktionsseite manipuliert(e) ganz offensichtlich Versteigerungen

Die Auktionsseite topdeals.de (www.topdeals.de) steht weiter am Pranger – und dies offenbar zu recht! In einem erneuten Bericht kam Spiegel TV bereits am Sonntag zu dem Fazit, dass die Jungfirma “offensichtlich eine Software […]
topdeals.de und die Biet-Roboter – Auktionsseite manipuliert(e) ganz offensichtlich Versteigerungen

Die Auktionsseite topdeals.de (www.topdeals.de) steht weiter am Pranger – und dies offenbar zu recht! In einem erneuten Bericht kam Spiegel TV bereits am Sonntag zu dem Fazit, dass die Jungfirma “offensichtlich eine Software einsetzt, um Gebote in die Höhe zu treiben”. Der Sicherheitsberater Florian Strankowski hat sich aufgrund dieser Berichterstattung die Auktionsseite ganz genau angesehen und das Bietverhalten auf der Plattform äußerst akribisch analysiert. Bei der Datenauswertung fiel ihm zunächst einmal auf, dass Gebote bei topdeals.de immer gehäuft auftreten: “Es gibt auf der Seite keine homogene Verteilung der Gebote! Man erkennt deutlich, dass zu festen Zeitpunken, sekundengenau 4, 5 oder bis zu 11 Gebote gleichzeitig abgegeben werden, danach gehen keine Gebote mehr ein”.

Der Verdacht, dass im Hintergrund bei topdeals.de eine Biet-Software läuft, die die Preise in die Höhe treibt, liegt somit sehr, sehr nahe. Anders lassen sich die vielen zeitgleichen Gebote gar nicht mehr erklären – so wahnsinnige Schnäppchenjäger und so viele Spaßbieter kann es gar nicht geben. Wie der akribische Datensammler, der die Auktionen bei topdeals.de mehrere Tage beobachtet hat, berichtet, bieten die Bietroboter “alle 20 bis 26 Sekunden auf mehrere Produkte gleichzeitig”. Sämtliche Daten, die zu diesen Erkenntnissen geführt haben, stellt Strankowski auf seiner Website zum Download bereit. So kann sich jeder selbst ein Bild von den Machenschaften bei topdeals.de machen.

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Schon in der Vergangenheit berichteten topdeals.de-Nutzer immer wieder von wiederkehrenden Bietern, die mit ihren Geboten nichts weiter machten, als die Preise in die Höhe zu treiben. Auch die Reporter von Spiegel TV wurden bei ihren Recherchen immer um wenige Cent überboten: “Seltsamerweise scheinen auch immer dieselben Personen zu bieten. Mal heißen sie DirkJ10, mal MariaG59 und dann wieder KurtO371″. Der Sinn und Zweck dieser Biet-Automaten ist eindeutig: So will topdeals.de verhindern, dass Waren unter einem bestimmten Mindestpreis, den das Unternehmen an die Anbieter der Ware zahlen muss, versteigert werden. Das Geschäft soll sich für die Betreiber schließlich lohnen!

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Dass es für jede Auktion ganz offensichtlich einen festgelegten Mindestpreis gibt, bringt die gigantische Datensammlung ebenfalls an den Tag: So ging der “Full-HD Fun: Protec LCD Full HD Fernseher (32 Zoll)” in den vergangenen Tagen – abgesehen von zwei Spaßbietern – im Durchschnitt für rund 322 Euro über die virtuelle Ladentheke (siehe Screenshot oben). Das “4-Gänge-Champagner-Menü für 2 Personen im Zlatá Praha in Berlin” endete im Schnitt bei 29 Euro (siehe Screenshot oben). Ein “20 Euro-Gutschein für Butlers” ging für rund 13 Euro weg (siehe unten). Und dies sind nur drei Beispiele von vielen – alle Auktionspreise pendeln mehr oder weniger um einen bestimmten Preis. Jedem mit gesundem Menschenverstand muss klar sein, dass es nicht mit rechten Dingen zu gehen kann, wenn eine Auktion zu jeder Tageszeit – abgesehen von wenigen Ausreißern – einen nahezu identischen Preis erzielt. Und es geht um hunderte Auktionen mit diesem Muster!

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Die topdeals.de-Mannschaft versicherte in den vergangenen Tagen mehrmals, das man keine Preise manipuliere und keine automatische Biet-Software einsetze. Nachdem topdeals.de in der Kritik stand, fiel dem Datensammler Strankowski aber eine große Änderung bei der Auktionsseite auf: Die Bietroboter boten plötzlich nicht mehr zu Dutzenden. Stattdessen gaben die automatischen Bietmaschinen “lediglich ein Gebot auf ein Produkt ab”. Das Ziel dabei war erneut:, “den gewünschten Mindestpreis zu erreichen”. Inzwischen ist alles anders bei topdeals.de: Auktionen starten nun zum überwiegenden Teil nicht mehr bei einem Euro, sondern bei einem vorher vom Anbieter festgelegtem Startpreis und einem Startgebot. Beim Protec-Fernseher startet die Auktion bei 297,50 Euro, das 4-Gänge-Champagner-Menü beginnt bei 28,75 Euro und der Butlers-Gutschein bei 12,00 Euro.

Auffällig dabei: Der festgelegte Startpreis ist verdammt nah an den vorherigen Durchschnittspreisen. Das wilde Wettbieten bei topdeals.de ist seitdem vorbei: Am Dienstagabend endeten zahlreiche Auktionen ohne irgendein Gebot. Die unzähligen, angeblichen realen Nutzer liefern sich somit plötzlich keine Bietschlachten mehr. Skurrilerweise tauchte ausgerechnet zu dem Zeitpunkt, als auf der Plattform nach außen hin kaum etwas los war, dieser Hinweis auf: “Aufgrund des starken Interesses an unserem Angebot sind unsere Server im Moment überlastet. Wir sind in wenigen Minuten wieder für Sie da. Bitte versuchen Sie es später noch einmal”.

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Inzwischen läuft das offensichtlich komplett erneuerte topdeals.de-Konzept mit Startgeboten und Einstiegspreisen wieder rund. Am frühen Mittwochmorgen gab es wieder zahlreiche Auktionen ohne Gebote, aber auch Angebote, die für wenige Euro und teilweise auch wenige Cent über dem Einstiegspreis weggingen. Nur bei den wenigen Ein-Euro-Auktionen gab es deutlich mehr Gebote. Aber auch diese Auktionen endeten mit einstelligen Eurobeträgen und somit weit unter den vorher üblichen Durchschnittspreisen. Ob es sich bei den Höchstbietern tatsächlich um echte Menschen handelt, sei einmal dahingestellt. Zumindest ist es mehr als eindeutig, dass die topdeals.de-Macher ihr vorher umstrittenes und ganz offensichtlich manipuliertes Konzept im Zuge der großen öffentlichen Diskussion nun grundlegend geändert haben.

Ende Mai 2011 ging topdeals.de an den Start. Der bekannte Medienunternehmer Dirk Ströer und Szeneberühmtheit Jens Kunath positionierten ihre Plattform zum Start als angeblich brandneue Mischung aus Groupon und eBay. “Mit topdeals.de bündeln wir die Vorteile der Geschäftsmodelle von Groupon und eBay auf eine vollkommen neue Weise. Für Verbraucher bedeutet dies Schnäppchenpreise in Kombination mit spannenden Auktionen. Unternehmen bieten wir die Möglichkeit, Restkapazitäten ohne finanzielles Risiko und Marketingaufwand zu veräußern“, sagte Ströer damals. Das Vorbild für topdeals.de stammt aus den Niederlanden: Bereits 2007 startete VakantieVeilingen.nl (www.vakantieveilingen.nl), eine Plattform auf der Nutzer Reisen ersteigern können. Das Konzept ist in den Niederlanden ein Riesenerfolg! Unter dem Namen Aladoo ging das Unternehmen 2011 in Deutschland an den Start.

Kunath: “Vertrauen ist in unserem Geschäft sehr wichtig”

Mit einem gigantischen Werbebudget in Höhe von 32 Millionen Euro wollen Außenwerber Ströer und Seriengründer Kunath, der immer wieder in der Kritik steht, ihr Konzept bis Ende 2013 in den Markt drücken. Die Werbebotschaften kann momentan jeder auf unzähligen Plakatwänden im Lande bestaunen. In seinem Blog kündigte topdeals.de-Macher Kunath Anfang März die massive Werbeaktion im großen Stil an und er nannte auch das Ziel der Kampagne: “Das soll neben der Gewinnung von Neukunden vor allem dem Vertrauensaufbau bei unseren Nutzern dienen. Denn Vertrauen ist in unserem Geschäft sehr wichtig”. Stimmt, aber diese Vertrauen ist erst einmal dahin! Selbst Firmen wie der Pralinenanbieter Chocotique, der Gutscheine über topdeals.de vertrieben haben, distanzieren sich inzwischen von der Auktionsplattform. “Obwohl aktuell noch unklar ist, ob die Vorwürfe an topdeals der Wahrheit entsprechen, möchten wir bereits jetzt bewusst Abstand von topdeals und den dem Unternehmen vorgeworfenen Praktiken nehmen. Ferner versprechen wir unser Bestmöglichstes zu tun, um alle vermeintlich Betroffenen, welche das Pralinenpaket erworben haben zu entschädigen”, heißt es seit Montag im Unternehmensblog von Chocotique. Man darf gespannt sein, ob und wie topdeals.de sich durch diese unrühmliche Geschichte winden will.

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Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.