Fünfzehn Fragen an Markus Wölflick von gutefrage.net

 Was bedeutet es Ihnen, Ihr eigener Chef zu sein?    Nicht allzu viel, wobei es schon angenehm ist, viele anstehende Entscheidungen selber ohne weitere Rücksprachen treffen zu können. Wichtiger als die alleinige Entscheidungsbefugnis […]

 Was bedeutet es Ihnen, Ihr eigener Chef zu sein?   
Nicht allzu viel, wobei es schon angenehm ist, viele anstehende Entscheidungen selber ohne weitere Rücksprachen treffen zu können. Wichtiger als die alleinige Entscheidungsbefugnis ist mir aber, dass mit den Gesellschaftern und dem eigenen Team Einigkeit über die Unternehmensziele besteht. Und da haben wir mit Holtzbrinck Digital nun schon seit über fünf Jahren eine wirklich angenehme und professionelle Art der Zusammenarbeit gefunden.

Bei welcher Gelegenheit kam Ihnen die Idee zu Ihrem Start-up? 
Es gab bei mir nicht den „einen“ Moment. Vielmehr ist gutefrage.net eher das Ergebnis einer systematischen Potential-Analyse des deutschen Online-Ratgeber-Marktes. Danach hat sich die Plattform eher evolutionär weiterentwickelt. Bei helpster.de, unserem zweiten Start-up Projekt (Beginn 2010), haben wir uns zusätzlich stark an amerikanischen Vorbildern orientiert.

Woher stammte das Kapital für Ihr Unternehmen?  
Unser einziger professioneller Investor ist von Beginn an Holtzbrinck Digital (damals noch Holtzbrinck eLab) gewesen. Einen kleinen Betrag durfte ich selbst beisteuern.

Was waren bei der Gründung Ihres Start-ups die größten Stolpersteine? 
Am Anfang hilft sicherlich die Grundeinstellung, dass Stolpersteine dazu da sind, um aus dem Weg geräumt zu werden. Besonders in Erinnerung sind mit zwei Herausforderungen geblieben: Zum einen die Team-Zusammenstellung mit kompetenten Onlinern in der allerersten Phase, als unser Projekt noch keine Eigendynamik und Erfolge vorweisen konnte. Bei der Gelegenheit ein großes „Danke“ an die Gründungsmitglieder Katja Frederking und Uli Nitsche! Zum anderen die Gewinnung der ersten Community-Mitglieder, um das Frage/Antwort Spiel überhaupt erst mal in Gang zu bringen.

Was würden Sie rückblickend in der Gründungsphase anders machen? 
Nachdem sowohl gutefrage.net als auch helpster.de wirklich gut laufen, gibt es keinen Grund, rückblickend etwas anders zu tun.

Jedes Start-up muss bekannt werden. Welche Marketingspielart ist für Sie besonders wichtig? 
Zu Beginn haben wir Nutzeraufbau viel und recht erfolgreich über Mailingkampagnen betrieben. Nun sind die Mund-zu-Mund-Propaganda zufriedener gutefrage.net-Nutzer und SEO unsere wichtigsten Marketinginstrumente, um jeden Tag weitere Nutzer zu gewinnen.

Welche Person hat Sie bei der Gründung besonders unterstützt?
Mein jetziger Kollege in der Geschäftsführung von gutefrage.net, Dr. Stephan Roppel. Er war in der Gründungsphase Geschäftsführer von Holtzbrinck eLab und ein wirklich guter Sparringspartner.

Welchen Tipp geben Sie anderen Gründern mit auf den Weg? 
Im Online Bereich gilt für mich weiterhin in der Gründungsphase: Nicht zu lange den Markt analysieren, sondern möglichst schnell live gehen und ab dann Nutzerfeedback, speziell Clickverhalten, sehr ernst nehmen.

Sie treffen den Bundeswirtschaftsminister – was würden Sie sich für den Gründungsstandort Deutschland von ihm wünschen? 
Wir leiden aktuell unter einem akuten Fachkräftemangel, speziell im IT-Bereich. Das bremst unser Wachstumspotential. Wenn die Politik hier unterstützen könnte, wäre vielen Online-Startups und uns schon viel geholfen.

Was würden Sie beruflich machen, wenn Sie kein Start-up gegründet hätten?   
Auf alle Fälle etwas im Online Bereich, vermutlich im E-Commerce-Umfeld. Mich fasziniert die Schnelligkeit der technischen Entwicklung des Internets und die Messbarkeit praktisch aller Aktivitäten im Onlinebereich kommt mir persönlich auch sehr entgegen.

Bei welchem deutschen Start-up würden Sie gerne mal Mäuschen spielen?  
Da unsere Mutter Holtzbrinck ja selber an vielen Start-ups beteiligt ist, habe ich über diesen Weg schon genug Einblick in andere Geschäftsmodelle erhalten. Ansonsten wäre ich gerne mal Mäuschen bei einem Start-up der Samwers, um live mitzuerleben, wie dort die Gründungsphase abläuft.

Sie dürften eine Zeitreise unternehmen: In welche Epoche reisen Sie?  
Ende des 19. Jahrhunderts nach New York City. Habe gerade einen fesselnden Roman gelesen, der in dieser Zeit spielt.

Sie haben eine Million Euro zur persönlichen Verfügung: Was machen Sie mit dem ganzen Geld? 
An Konsumausgaben reizt mich eigentlich nur eine einjährige Weltreise mit der Familie. Da das mit unseren schulpflichtigen Kindern erst mal nicht möglich ist, würde ich das Geld sicher anlegen. Wobei das mit der derzeitigen Schuldenkrise wohl gar nicht so einfach wäre.

Wie verbringen Sie einen schönen Sonntag? 
Mit der Familie in den bayrischen Bergen beim Wandern, Mountainbiken oder Skifahren.

Mit wem würden Sie sich gerne einmal auf einen Kaffee oder ein Bier verabreden? 
Mit einem normalen griechischen Arbeiter in einer griechischen Taverne, um aus erster Hand zu erfahren, wie dort die aktuelle Krise wahrgenommen wird. 

Zur Person 
Markus Wölflick gründete Ende 2006 unter dem Dach der eLab die Ratgeber-Plattform gutefrage.net (www.gutefrage.net). In der gutefrage.net GmbH betreibt das Team zusätzlich die redaktionelle Website www.helpster.de, die Bewertungsplattform www.pointoo.de und die Wissenscommunity www.cosmiq.de. Vor gutefrage.net war Wölflick u.a. bei Amazon und Thalia.at tätig. Privat zieht es den diplomierten Betriebswirt mit seiner Familie (2 Kinder) in die Natur oder auf Reisen.

Seit Mai 2009 schreibt Yvonne für deutsche-startups.de Gründerportraits, Start-up-Geschichten und mehr – ihre besondere Begeisterung gilt Geschäftsideen mit gesellschaftlich-sozialer Relevanz. Sie tummelt sich auch im Ausland – immer auf der Suche nach spannenden Gründerpersönlichkeiten und Geschäftsideen.

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