Bei LeihDeinerStadtGeld helfen Menschen ihrer Kommune mit Bürgerkrediten aus

Kommunen haben es oft nicht leicht, für ihre Projekte an günstige Kredite zu kommen. Nun gibt es eine Art Crowdsourcing für genau diese Zielgruppe: Das Mainzer Start-up LeihDeinerStadtGeld (www.leihdeinerstadtgeld.de) rekrutiert Bürger, die ihrer […]
Bei LeihDeinerStadtGeld helfen Menschen ihrer Kommune mit Bürgerkrediten aus

Kommunen haben es oft nicht leicht, für ihre Projekte an günstige Kredite zu kommen. Nun gibt es eine Art Crowdsourcing für genau diese Zielgruppe: Das Mainzer Start-up LeihDeinerStadtGeld (www.leihdeinerstadtgeld.de) rekrutiert Bürger, die ihrer Stadt mit zinsgünstigen Krediten aushelfen und dabei selbst profitieren. Auf den ersten Blick wirkt das Unterfangen riskant: Sieht man sein Geld jemals wieder, wenn man es in eine hochverschuldete Stadt wie Berlin investiert? Ein näherer Blick zeigt aber, dass Bürgerkredite faktisch vergleichsweise sicher sind. Das große Geld wird man als Bürger damit eher nicht machen, dafür kann man die Projekte der eigenen Stadt gezielt unterstützen und sein Bürger-Engagement zeigen.

Normalerweise müssen Kommunen auf die Kommunalkredite konventioneller Banken zurückgreifen, wenn sie größere Projekte planen. Bei LeihDeinerStadtGeld erhalten Städte und Gemeinden dank Bürgerkrediten sehr viel bessere Konditionen und beziehen ihre Bürger gleichzeitig in die geplanten Projekte der Stadt mit ein. Populär wurde das Thema „Bürgerkredit“ 2009, als die kleine Stadt Quickborn auf diese Weise innerhalb von wenigen Tagen rund vier Millionen Euro einsammelte und damit zwei Bauprojekte erfolgreich finanzierte. Mit LeihDeinerStadtGeld soll diese Finanzierungsform nun sämtlichen Städten und Kommunen angeboten werden.

Mindestbetrag für einen Bürgerkredit: 100 Euro

„Die Idee des Bürgerkredits hat uns von Beginn an überzeugt. In enger Abstimmung mit den Aufsichtsbehörden ist es uns gelungen, gemeinsam mit unserer Kooperationsbank die behördlichen Auflagen zu erfüllen“, erklärt Johannes Laub, der neben Steffen Boller und Jamal El Mallouki die Geschäftsführung von LeihDeinerStadtGeld bildet. Der Mindestbetrag für einen Bürgerkredit beträgt 100 Euro. Wer ein ganz besonders großes Herz für seine Stadt hat, kann die Zinsen, die jede Kommune selbst festlegt, auch an das Projekt spenden. LeihDeinerStadtGeld kümmert sich dabei um die gesamte Abwicklung und Verwaltung sowie ums nötige Marketing: „Wir bieten unseren Kunden individualisierte Marketingleistungen, beginnend bei der Gestaltung von Flyern bis hin zur Erstellung redaktioneller Beiträge zur Veröffentlichung in Medien. So unterstützen wir die Kommunen und kommunale Unternehmen auf Wunsch umfassend bei der optimalen Ansprache des Bürgers“, erklärt Mallouki.

Was viele auf den ersten Blick nicht vermuten ist die Tatsache, dass Bürgerkredite vergleichsweise sicher sind. Laut dem deutschen Insolvenzrecht ist die Insolvenz einer Kommune ausgeschlossen. Ist eine Kommune dennoch zahlungsunfähig, sichert ein vertikaler Finanzausgleich die Liquidität, indem Bund und Länder einspringen. Natürlich bleibt wie bei jedem Kredit ein gewisses Restrisiko, aber es ist relativ gering. Nun muss es darum gehen, genau diese Tatsache den Bürgern zu vermitteln. Denn spontan werden wohl die meisten Menschen sagen: „Meiner Stadt Geld leihen? Da kann ich es auch gleich spenden.“

Seit Mai 2009 schreibt Yvonne für deutsche-startups.de Gründerportraits, Start-up-Geschichten und mehr – ihre besondere Begeisterung gilt Geschäftsideen mit gesellschaftlich-sozialer Relevanz. Sie tummelt sich auch im Ausland – immer auf der Suche nach spannenden Gründerpersönlichkeiten und Geschäftsideen.



  1. Sascha

    Das Ausfallrisiko von Städten ist wohl wirklich gering. Wie schaut es denn im Insolvenzfall von LeihDeinerStadtGeld aus.



  2. wigger

    hihi, so ein Detail sagt mir eigentlich schon alles über mögliches geschäftgebahren aus. Da gibt es auch keine zweite Chance.
    Wenn man keine referenzen hat, keine anzeigen lassen. davon abgesehen, wer ein Auge dafür hat sieht ohnehin meist ganz gut was echt ist und was nicht.



  3. DB Vorstand

    Das ist doch nichts anderes als die Emission einer Anleihe (Bond) auf Seiten der Kommune. Gibt es schon länger. Nennt sich auch municipial bond bzw. Gemeindeanleihe. Emittent ist dann eine Bank im Auftrag der Gemeinde. Haftende ist in dieser Konstruktion die Bank. Daher auch das niedrige Zinsniveau (weil geringes Risiko). Da die gesamte Konstruktion schon institutionalisiert ist, frage ich mich gerade, wo der Allokations- bzw Kostenvorteil dieses Startups liegen soll. Eine Bank ist ja immer noch (zwangsläufig) zwischengeschaltet.



  4. Jochen Eiermann

    Mann-o-mann.
    Nicht nur dass die Testimonials von iStockphoto-Statisten stammen. Darüber hinaus ist es wenig glaubwürdig, wenn es bereits fünf Testimonials, aber unter “aktuelle Projekte” noch kein realisiertes Projekt gibt. (Sondern nur das Projekt “Musterstadt” zu sehen ist.)

    Ich finde die Idee gut. Die Umsetzung lässt jedoch zu wünschen übrig, nicht nur wegen des Vertrauensmissbrauchs (bei dem heiklen Thema “Geld ausleihen”!!), sondern auch weil diese dummen Lügen nun wirklich jedem aufmerksamen Webseiten-Besucher auffallen müssen.

    Es scheint echt Leute zu geben, die sich für einen Wettlauf freiwillig eine Bleiweste, Fußfesslen und Augenbinde anlegen.

    Bin mal gespannt, ob hier jemand vom Unternehmen antwortet!

  5. Vielen Dank deutsche startups für diesen Artikel und Danke auch für Eure Beiträge und Anmerkungen.

    @Sascha: Die schuldrechtliche Beziehung bei einem Bürgerkredit besteht immer direkt und ausschließlich zwischen Bürger und Kommune, damit eine hohe Sicherheit gewährleistet ist. In einem Insolvenzfall von LeihDeinerStadtGeld bestünde Deine Forderungen gegenüber der Kommune also auch weiterhin.

    @DB Vorstand: Die Emission einer Kommunalanleihe rentiert sich aufgrund des erheblichen Aufwands der Bank (da Wertpapieremission) und dem Fokus auf institutionellen Kunden erst ab einem Volumen von 50 – 100 Mio. € und kann daher hier in Deutschland von kaum einer Gebietskörperschaft genutzt werden. Der Bürgerkredit eignet sich auch für die Finanzierung von geringeren Volumina und steht zusätzlich besonders privaten Anlegern zur Verfügung. Haftende bzw. Schuldner ist übrigens in beiden Fällen die Kommune.

    Eine ganz gewöhnliche Nutzung von Models für die Visualisierung von Aussagen über die Eigenschaften von Produkten in Werbespots, Broschüren oder auf Webseiten zu nutzen, erachte ich im Übrigen für ebenso legitim, wie als Unternehmen hierzu vorhandenes Bildmaterial zu erwerben. Sofern jemand hierin wirklich einen Vertrauensmissbrauch sieht, tut mir das leid, wir werden allerdings an unserer Kommunikation festhalten.

    Für fachliche Fragen stehe ich Euch gerne zur Verfügung.

    Grüße JEM



  6. Martin

    Ich denke auch, dass die Referenzen hier fehl am Platz sind, bzw. abgeändert werden sollen, um eindeutig deren Test-Charakter darzustellen, wie bspw. “Max & Erika M., Muster-Rentner”. Damit würde man eindeutig den Test-Charakter erkennen und nicht in die Glaubwürdigkeitsfalle tappen. Da muss ich den anderen Kommentatoren recht geben – bei Geld-Angelegenheiten kann das schnell zu einem echten Problem werden.

    Ansonsten finde ich die Idee sehr gut und bin mal auf die ersten echten Projekte gespannt.



  7. Sophisticated Investor

    Sind die Mittel, welche die Kommunen über ein solches Projekt einnehmen dann konkret zweckgebunden?
    Wie sollen die Kommunen denn die Anleihe am Ende der Laufzeit zurückzahlen, wenn sie so pleite sind, dass sie sich nicht mehr über Banken finanzieren können? Und in Deutschland sind sehr viele Kommunen schon völlig überschuldet.
    .
    Oder wird hier ein Ponzi Scheme in Gang gesetzt, wo immer mit den neuen avisierten Projekten die alten Anleihen ausbezahlt werden?



  8. DB Vorstand

    Mir ist immer noch nicht klar, wo die Marge für euch bleibt. Ihr arbeitet mit einer Bank zusammen (wahrscheinlich gezwungenermaßen) und argumentiert dann, dass sich konventionelle Gemeindeanleihen erst ab einem Emissionsvolumen von 50M lohnen. Wo findet hier also die Kostenreduktion statt, wenn vor allem auch die Konditionen für den Darlehensgeber schlechter sind als für eine Bank, deren Tagesgeschäft die Abwicklung solcher Transaktionen darstellt. Denn von Prozesskostenseite her ist es ein Unterschied, ob ich einen Darlehensgeber über 500T habe oder 500 Darlehensgeber über jeweils 1T.

  9. @Sophisticated Investor: Die Kommunen müssen im Rahmen Ihrer Haushaltsplanung der jeweiligen Aufsichtsbehörde auch den Fremdfinanzierungsbedarf aufzeigen und wofür dieser verwendet wird. Im Falle des Bürgerkredits werden Investitionsvorhaben durch Fremdfinanzierungsmittel vorfinanziert, die dann durch spätere Einnahmen gedeckt sein müssen. Baut die Kommune das Vorhaben nicht, darf sie hierzu auch keinen Kredit aufnehmen. Ich glaube damit konnte ich auf beide Deiner Fragen antworten.

    @DB Vorstand: Banken refinanzieren ihr Kommunalkreditgeschäft in der Regel zu DGZF- oder Swap-Zinssätze. Diese liegen bereits über den Zinssätzen, die die Banken ihren Kunden auf Einlagen (Sparbriefe, Festgelder) gewähren. Diese Differenz wird durch die Bankenmarge, die auf die DGZF- bzw. Swap-Zinssätze draufgerechnet wird, noch vergrößert. Der Refinanzierungssatz für den Bürgerkredit beläuft sich aber max. auf das, was die Banken den Kunden auf Einlagen gewähren, und min. auf die aktuellen Renditen der dem Bürgerkredit risikoäquivalente Geldanlagen (Bundeswertpapiere). Hier ein Rechenbsp., um das Prinzip zu verdeutlichen: Für einen Kommunalkredit mit 5-jähriger Laufzeit zahlt eine Kommune 2,3% p.a. Zinsen. Bürger erhalten im Bundesdurchschnitt 1,7% auf Festgelder/Sparbriefe und 0,9% auf Bundeswertpapiere. D.h. die Kommune kann sich min. 0,6% und max. 1,4% günstiger refinanzieren. Wir erheben eine Servicegebühr auf die vermittelte Summe, die den Effektivzins für die Kommune von vornherein berechenbar macht. Dies kann die Kommune bei der Festlegung der Konditionen für den Bürgerkredit also berücksichtigen und ihr Sparpotential selbst bestimmen. Da unsere Kooperationsbank nicht Gläubigerin ist, sondern nur die Transaktionen durchführt, besteht auch nicht die Kostenstruktur einer konventionellen Bank.

  10. Prinzip ist ja ganz nett – mal erstmal einige Monate abwarten, was daraus wird. Derzeit gibt’s ja ohnehin keine Gemeinden/Städte in meiner Nähe, die Geld haben wollen! ;)

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