„Im kommenden Jahr wollen wir profitabel sein“ – Marvin Amberg von caseable im Interview

Auf der Plattform caseable (www.caseable.de) können Nutzer ihre Laptop-Taschen selbst kreieren. Bei deutsche-startups.de spricht Mitgründer Marvin Amberg über die neuesten Produkte, welche Märkte das Team demnächst angehen will und warum es nicht gerade […]

Auf der Plattform caseable (www.caseable.de) können Nutzer ihre Laptop-Taschen selbst kreieren. Bei deutsche-startups.de spricht Mitgründer Marvin Amberg über die neuesten Produkte, welche Märkte das Team demnächst angehen will und warum es nicht gerade unkompliziert ist, als deutsches Start-up in den USA zu gründen.

Wie ist der Stand nach dem ersten Geschäftsjahr von caseable: Springen die Nutzer auf den Dienst an oder ist das Aussehen von Laptop-Hüllen vielen doch nicht so wichtig?
caseable hat sich im ersten Jahr gut entwickelt. Wir bekommen sehr gutes Feedback und wir passen unsere Webseite und Produkte laufend an Kundenwünsche an. So haben wir schon im Sommer – also kaum ein halbes Jahr nach unserem Start – caseable mit einem neuen Look versehen. Auch bieten wir seitdem nicht nur selbst-gestaltbare und bedruckbare Laptoptaschen sondern auch Buchhüllen für iPad und Kindle an. Diese neuen Produkte machen bereits etwa die Hälfte unseres Umsatzes aus. Und insgesamt haben wir vor allem nach diesem Relaunch eine sehr positive Entwicklung in unseren Verkaufszahlen wahrgenommen.

Gibt es schon Näheres zu den Umsatzzahlen? Und für wann ist die Profitabilität angepeilt?
Wir verkaufen über unsere Seite momentan tãglich Taschen im unteren bis mittleren zweistelligen Bereich. Über Verkäufe durch Partner kann ich momentan noch keine Aussage machen. Da sollte aber demnächst einiges geschehen. Profitabel sind wir leider noch nicht. Das ist für das kommende Jahr geplant.

Wie finanziert ihr euch bisher?
Anfangs vornehmlich aus eigenem Kapital. Seitdem dieses gänzlich aufgebraucht ist, finanzieren wir uns über Kredite und ein kleines aber wirklich starkes Team von Business Angeln.

Wie kamt ihr auf die Idee, gerade Laptop-Taschen für die Selbstgestaltung freizugeben?
Die ursprüngliche Idee kam von Klaus Wegener, mit dem ich caseable gegründet habe. Klaus wollte ein Firmenlogo auf seine Laptoptasche drucken und fand keinen Anbieter. Der Rest lag auf der Hand. Wenn man sich erfolgreiche Produkte zur Selbstgestaltung ansieht, wie zum Beispiel Müsli von mymuesli oder auch Schokolade von chocri, wird einem der Trend zur Mass Customization bewusst. Auf der anderen Seite birgt der Markt für Laptoptaschen und nun zunehmend auch e-Reader und Tablets ein gewaltiges und stetig wachsendes Potential. So sind wir eben selbstbewusst in genau in diese Nische gestoßen.

Selbst-gestaltbare Laptop-Taschen sind ein Produkt, das man leicht nachahmen kann – wie will sich caseable am Markt positionieren?
Der Weg in den Markt ist tatsächlich sehr viel schwerer als wir anfangs dachten. So haben wir statt geplanten sechs knapp zwölf Monate bis zum Start gebraucht. Und in der Tat ist das Konzept kopierbar. Das ist eines der wesentlichen Argumente für unseren simultanen Launch in Nordamerika und der EU gewesen. Schnell in den Markt kommen, eine Marke aufbauen und gut platzierte Partnerschaften aufbauen – das ist für uns essentiell. Vor allem der Bereich Partnerschaften wird noch einige Überraschungen in den kommenden Monaten bringen.

Gab es noch mehr Gründe, die für den Firmenstandort USA sprachen?
Ja, es gab eine Reihe von Gründen. Letztlich ist der US-Markt für uns sehr relevant aufgrund der Größe und den möglichen Partnern. So wird uns beispielsweise der Gigant im Bereich Mass Customization, die Firma Zazzle, in ihrem Produktportfolio aufnehmen, was für uns ein sehr spannendes Projekt darstellt. Der Standort New York bietet des Weiteren die Möglichkeit vieler weiterer Kooperationen im Bereich eCommerce und von hier aus können wir auch relativ schnell nach Deutschland schicken, denn wir sind ja in beiden Ländern von Anfang an vertreten. Seit April haben wir nun auch ein Büro mitten in Berlin.

Wie kompliziert ist es, sein Start-up in den USA hochzuziehen?
Unkompliziert ist es jedenfalls nicht. Wir sind über sieben oder acht Monate hinweg als Touristen ein- und ausgereist und hätten dabei eigentlich gar nicht arbeiten dürfen. Auf der anderen Seite muss man, um ein Visum als Gründer zu beantragen, bereits das Geschäft teilweise aufgebaut haben. Das ist eine Grauzone und birgt erhebliches Risiko. Verbesserungen auf der Seite der US-Behörden sind hier mehr als angebracht. Zum Glück lief es einigermaßen reibungsfrei, aber den Aufwand dafür darf man nicht unterschätzen. Letztlich sind wir sehr froh, diesen ungewöhnlichen Schritt gleich am Anfang gemacht zu haben, denn sonst wären wir wahrscheinlich bei Weiten nicht da, wo wir heute mit caseable stehen.

In den USA und in Deutschland seid ihr schon präsent – welche Märkte wollt ihr zukünftig noch bedienen?
Wir beliefern seit nun einem Jahr nicht nur ganz Nordamerika und Deutschland sondern auch einen Großteil der EU. Aufgrund vieler Anfragen wollen wir demnächst auch in die Schweiz und vor allem Australien liefern. Da wir versuchen, unsere Lieferzeiten möglichst zu minimieren, werden wir im Frühjahr voraussichtlich auch eine Produktion in Deutschland aufbauen.

Wo produziert ihr eure Laptop-Taschen denn aktuell und aus welchen Materialien?
Unser Lager haben wir in Brooklyn, zehn Minuten außerhalb von Manhattan, aufgebaut. Die Laptoptaschen bestehen aus dickem, recyceltem Neopren, also jenem Material, das auch bei Tauchanzügen benutzt wird. Allgemein achten wir sehr stark auf Materialien, denn wir glauben, dass wir vor allem auch durch Qualität überzeugen müssen. Wir haben des Weiteren mit Rundungen an den Seiten der Tasche unsere ganz individuelle Form entwickelt. Das erlaubt dem Kunden zum Beispiel selbst die Farbe der Nähte auszusuchen. Für unsere Buchhüllen für iPad und Kindle benutzen wir auch Neopren und in der Innenseite findet man ein weiches und wirklich angenehmes Kunstleder, das unsere Kunden auch in verschiedenen Farben wählen können.

Wenn ihr auf die letzten Jahre zurückschaut: Gibt es Dinge, die ihr im Nachhinein anders machen würdet?
Es gab da schon einige Fehler, die wir anfangs gemacht haben. So haben wir zum Beispiel gelernt, wirklich alle Absprachen schriftlich festzuhalten. Da haben wir mit einem unserer ersten Angestellten etwa sehr schlechte und schmerzhafte Erfahrungen gemacht. Zum Glück lernen wir aber ja dazu.

Zur Person
Marvin Amberg gründete caseable gemeinsam mit Klaus Wegener. Bei caseable können Nutzer ihre Laptop Sleeves selbst gestalten. Verschiedenste Farbkombinationen, Schriftarten und die Möglichkeit, Fotos und Grafiken hochzuladen, sorgen für individuelle Einzelstücke. Wer lieber stöbert statt entwirft: In der Galerie finden sich zahlreiche fertig designte Laptop-Taschen zum Sofortkauf.

Seit Mai 2009 schreibt Yvonne für deutsche-startups.de Gründerportraits, Start-up-Geschichten und mehr – ihre besondere Begeisterung gilt Geschäftsideen mit gesellschaftlich-sozialer Relevanz. Sie tummelt sich auch im Ausland – immer auf der Suche nach spannenden Gründerpersönlichkeiten und Geschäftsideen.

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