Fünfzehn Fragen an Johannes Reck von GetYourGuide

Was bedeutet es Ihnen, Ihr eigener Chef zu sein? Vor allem bedeutet es ein großes Maß an Unabhängigkeit, aber gleichzeitig auch an Verantwortung, insbesondere für die eigenen Mitarbeiter. Man hat die tolle Möglichkeit, […]

Was bedeutet es Ihnen, Ihr eigener Chef zu sein?
Vor allem bedeutet es ein großes Maß an Unabhängigkeit, aber gleichzeitig auch an Verantwortung, insbesondere für die eigenen Mitarbeiter. Man hat die tolle Möglichkeit, seine Visionen zu verwirklichen. Die Herausforderung liegt dabei jedoch darin, nachhaltige Entscheidungen zu treffen, vor allem in einem Umfeld, das stetig im Wandel begriffen ist.

Bei welcher Gelegenheit kam Ihnen die Idee zu Ihrem Start-up?
Die Idee entstand in Zusammenarbeit mit drei anderen Studenten während des Masters an der ETHZ. Uns verbindet eine große Leidenschaft fürs Reisen und in diesem Zusammenhang mussten wir immer wieder feststellen, dass Reise- und Ausflugsbuchungen über Tourismusportale in der Regel nicht sehr gut funktionierten. Daher kam der Anreiz, neben dem Studium eine Plattform zu entwickeln, die den Bedürfnissen der Reisenden wirklich gerecht wird. Nach mehreren Anläufen konnten wir unser Vorhaben schließlich realisieren, was auch unseren technischen Kompetenzen zu verdanken ist.

Woher stammte das Kapital für Ihr Unternehmen?
Zu Beginn war unser wichtigster Geldgeber die Zürcher Kantonalbank, die uns nach wie vor unterstützt. Glücklicherweise konnten wir aufgrund unserer bereits zu Beginn sehr guten Medienpräsenz Investoren auf uns aufmerksam machen und diese auch akquirieren.

Was waren bei der Gründung Ihres Start-ups die größten Stolpersteine?
Bei der Durchlaufphase des Prototyps erwarteten wir zunächst fast ausschließlich Anfragen von Studenten und lokalen Guides. Jedoch meldeten sich hauptsächlich professionelle Anbieter, sodass wir unseren Businessplan aufgrund dieser falschen Annahme umarbeiten und anpassen mussten.

Was würden Sie rückblickend in der Gründungsphase anders machen?
Das lässt sich oft schwer beurteilen, da es sich zumeist als wichtig erweist, auch negative Erfahrungen zu sammeln um ein differenziertes Bild zu erhalten. Ich würde allerdings Feinheiten verbessern und zum Beispiel die Anfangsprozesse der Marktrecherche und der Erstellung des Businessplans beschleunigen.

Jedes Start-up muss bekannt werden. Welche Marketingspielart ist für Sie besonders wichtig?
Wir haben vor allem viel Geld in Werbemaßnahmen bei Google gesteckt. Auch Kooprationen mit anderen Reiseportalen wie Travel.ch oder TripAdvisor sind sehr erfolgsversprechend, insbesondere wenn wir auf ihren Websites verlinkt werden.

Welche Person hat Sie bei der Gründung besonders unterstützt?
Wir wurden von einigen Größen der schweizer Tourismus-Branche gefördert, z.B. von Roland Zeller, dem CEO des Reisebüros Travel.ch, das auf dem Schweizer Markt führend ist.

Welchen Tipp geben Sie anderen Gründern mit auf den Weg?
Das Wichtigste ist die Zusammenstellung eines motivierten und fachkundigen Teams: Menschen, mit denen man sich auch eine langfristig ausgelegte Zusammenarbeit vorstellen kann und will. Außerdem ist es hilfreich, ein großes Netzwerk an Kontakten zu knüpfen. Das kann vom Freundeskreis bis zu reinen Geschäftskontakten reichen. Die Hauptsache ist, dass man ein Netz aus Partnern aufbaut, denen man vertrauen und bei denen man sich bei Bedarf Hilfe holen kann, zum Beispiel bei juristischen Problemen. Gerade bei der Vertragserstellung des Unternehmens ist eine juristische Beratung unerlässlich, wenn man vor etwaigen bösen Überraschungen gefeit sein will. Auch Kontakte zu anderen Unternehmen sind oft sehr hilfreich und man sollte sich nicht davor scheuen, nach wertvollen Tipps zu fragen.

Sie treffen den Bundeswirtschaftsminister – was würden Sie sich für den Gründungsstandort Deutschland von ihm wünschen?
Ich würde mir wünschen, dass gerade in Bezug auf steuerrechtliche Bestimmungen weniger bürokratisch vorgegangen und dass das Einkommen im geringen und mittleren Segment nicht so stark besteuert wird. Dies würde helfen, der Schattenwirtschaft vorzubeugen und es kleinen und mittelständischen Unternehmen leichter machen, bessere und faire Löhne zu zahlen. Arbeitsrechtlich sollten flexiblere Möglichkeiten für Kleinunternehmer geschaffen werden, die internen Personalentscheidungen freier zu treffen. Das gängige Recht ist hochkomplex, bringt kaum jemandem etwas und resultiert zumeist nur darin, dass rechtswidrige Arbeitsverträge geschlossen werden. Außerdem könnte der Bundeswirtschaftsminister mehr Investitionen in Hochtechnologien fördern, vor allem am Standort Berlin.

Was würden Sie beruflich machen, wenn Sie kein Start-up gegründet hätten?
Ich wäre wahrscheinlich unglücklich in einer Unternehmensberatung gelandet oder in der Forschung geblieben.

Bei welchem deutschen Start-up würden Sie gerne mal Mäuschen spielen?
Die deutschen Internet Start-ups sind häufig zu wenig innovativ. Die internationalen Start-ups sind wesentlich interessanter wie z.B. Booking.com oder Google. Von den in Deutschland ansässigen Start-ups finde ich SoundCloud.com, ResearchGate.net oder DailyDeal.de vielversprechend, und natürlich GetYourGuide.com.

Sie dürften eine Zeitreise unternehmen: In welche Epoche reisen Sie?
Ich reise in die Zukunft um zu sehen, wie sich das Internet und die Möglichkeiten des mobilen Webs weiter entwickelt haben und welche Auswirkungen das auf unsere Gesellschaft genommen hat.

Sie haben eine Million Euro zur persönlichen Verfügung: Was machen Sie mit dem ganzen Geld?
Ich investiere in GetYourGuide.

Wie verbringen Sie einen schönen Sonntag?
Mit meinem Laptop und Zeitschriften auf der Couch oder bei einem ausgedehnten Sonntags-Brunch im Kreise meiner Lieben.

Mit wem würden Sie sich gerne einmal auf einen Kaffee oder ein Bier verabreden?
Mit Jeff Bezos, dem Gründer von amazon, zusammen mit Tony Hsieh, dem CEO von Zappos, um dabei zu sein, wenn beide ein Gespräch über Customer Service führen.

Zur Person
Johannes Reck studierte Biochemie an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETHZ), wo er seinen Master erwarb, sowie an der Universität Heidelberg und an der Harvard University (USA). Während seiner Zeit an der ETHZ entwickelt Reck gemeinsam mit drei anderen Studenten die Plattform GetYourGuide (www.getyourguide.com). Seit 2009, nach einem kurzen Zwischenstopp als Visiting Associate bei der internationalen Managementberatung Boston Consulting Group, ist er dort als Geschäftsführer tätig.

Seit Mai 2009 schreibt Yvonne für deutsche-startups.de Gründerportraits, Start-up-Geschichten und mehr – ihre besondere Begeisterung gilt Geschäftsideen mit gesellschaftlich-sozialer Relevanz. Sie tummelt sich auch im Ausland – immer auf der Suche nach spannenden Gründerpersönlichkeiten und Geschäftsideen.