Zieht euch warm an: Die strickenden Omas kommen!

Vor wenigen Wochen berichtete deutsche-startups.de über das skurrile Start-up MyOma (www.myoma.de). Nun ist es endlich soweit: Der Dienst ist online! Auf einer nostalgisch gestalteten Webseite kann sich jeder seine persönliche Lieblingsoma aussuchen und […]
Zieht euch warm an: Die strickenden Omas kommen!

Vor wenigen Wochen berichtete deutsche-startups.de über das skurrile Start-up MyOma (www.myoma.de). Nun ist es endlich soweit: Der Dienst ist online! Auf einer nostalgisch gestalteten Webseite kann sich jeder seine persönliche Lieblingsoma aussuchen und sich von ihr Schals, Mützen oder Stulpen stricken lassen. Während mancher Zeitgenosse noch traumatisiert von Tantes Kinder-Strickpullis durch die Welt läuft, ist Selbstgemachtes heute wieder in. Die Kombination aus liebevoller Handarbeit, guter Qualität und „echten“ Omis mit Profilbild und persönlichen Angaben ist der Renner. Einen Mitbewerber gibt es auch schon.

Und was soll’s sein? Socken von Oma Mona, deren größtes Missgeschick eine „Armbrecher-Jacke“ ist, weil das arme Baby seine Arme darin nicht mehr abbiegen konnte? Oder ein Schal von Oma Irene, die am liebsten Cevapcici isst? Der mediale Erfolg von MyOma liegt nicht nur an der Tatsache, dass „Handarbeit“ wieder vielerorts zu einem Qualitätsmerkmal wird. Er ist vor allem darin begründet, dass das Angebot mehr ist als ein Onlineshop. Es geht um Social Business, fast schon um eine Art Soziales Netzwerk, in dem man liebevolle Großmütter findet – auch wenn es letztlich um ein Produkt geht. Aber bei MyOma strickt eben nicht irgendeine Oma sondern die eine, die man sich selbst ausgesucht hat – weil sie so nett lächelt, weil man selbst Cevapcici liebt oder weil sie an die eigene Omi erinnert.

myoma

Hauptsache billig? Nein, darum geht es bei „Mode made by Oma“ nicht. Für MyOma-Mitgründerin Verena Röthlingshöfer war der soziale Aspekt bei der Gründung sehr wichtig. Ihr gefiel die Vorstellung, „den Senioren eine wertvolle Aufgabe zu geben, die Spaß macht und gleichzeitig die Rente aufbessert“. Auch bei Oma-strick.de (www.oma-strick.de), einer ähnlichen Plattform die es sogar schon seit Anfang 2011 gibt, ist die angemessene Bezahlung der fleißigen Damen Teil des Ansatzes: „Unsere Omas erhalten bei uns für jedes angefertigte Unikat, neben der Freude an der Handarbeit, eine angemessene Bezahlung. Mit anderen Worten, je mehr wir Sie für unsere Ideen begeistern können, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass Waltraud ihren Urlaub unter Palmen verbringen kann“, schreiben die Gründer Alexander und Daniela Klevesath auf ihrer Webseite. Und so kosten die Stulpen „Malfriede“ eben 49,90 Euro und der Schal „Lene“ 99,90 Euro.

oma-strick

Während bei MyOma bisher vor allem Standard-Strickprodukte erhältlich sind, könnten Mütter bei Oma-strick.de sogar Geschenke für ihre pubertären Töchter finden – zum Beispiel die Flügelweste oder einen Kragenschal, derzeit äußerst angesagt. Auch echte Norweger-Pullover und Kuriositäten wie eine Spiegel-Abdeckung werden auf Wunsch gestrickt. Allerdings suchen sich Nutzer auf der Plattform nicht wie bei MyOma „ihre“ Omi aus; welche Dame hinter den Produkten steht wird nur im Artikelnamen deutlich. Schade! Denn irgendwie macht gerade diese persönliche Note das Besondere aus. Auch bei Oma-strickt-es-dir (www.oma-strickt-es-dir.de) und Omas Socken (www.omas-socken.de) gibt es handgefertigte Strickware, jedoch ohne den Fokus auf die einzelnen Strick-Damen.

Inspiration dürften sich einige der genannten Start-ups bei Golden Hook (www.goldenhook.fr) geholt haben, einem französischen Vorreiter in Sachen strickende Omis. Golden Hook ist schon länger am Markt, der Gründer ist in diesem Fall ein strickender Mann. Ursprünglich fertigte sich Jérémy Emsellem einfach selbst eine stylische Mütze an. Als er die Anfragen seiner Freunde nicht mehr bearbeiten konnte, gründete er die Plattform und trommelte Frankreichs Großmütter zusammen.

goldenhook

Auch im deutschsprachigen Raum existiert das Konzept schon länger. So vermittelt das Schweizer Modelabel Tarzan unter NetGranny (www.netgranny.ch) schon seit 2006 strickende Omis und wirbt mit dem Satz „Lass dir deine Traumsocken von deiner Wunschgranny stricken!“ Leider wird das Projekt aus „personellen Gründen“ derzeit nicht fortgeführt, seit Längerem suchen die Gründer „Personen, Vereine oder Firmen, die die Site und den Sockenshop betreuen.“ Wenn das Thema weiter so boomt, dürfte dies nicht schwierig werden.

So schön die unterschiedlichen deutschen Strickseiten auch sind: Das Besondere bietet in diesem Fall MyOma. Es macht einfach Spaß, sich durch die netten Gesichter und Beschreibungen zu klicken um dann zu entscheiden: Diese Oma soll es sein! Woher kommt das Verlangen, seine persönliche Strick-Granny zu kennen? Vermutlich geht der Wunsch in dieselbe Richtung wie das wachsende Bedürfnis, die Eier vom bekannten Biohof abzuholen. Zu wissen, wer und was hinter den alltäglichen Dingen steht, vermittelt Vertrautheit und eine engere Bindung zu den Dingen. Eines sollte man jedenfalls nicht vergessen, wie Golden Hook-Gründer Emsellem betont: „Unsere Großmütter haben Internet. Vergesst nicht, ihnen eine Dankes-Mail zu schicken!“

Foto: knipser5 / pixelio.de

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* Skurril: Bei MyOma stricken Omas Mützen, Handschuhe und Socken

Seit Mai 2009 schreibt Yvonne für deutsche-startups.de Gründerportraits, Start-up-Geschichten und mehr – ihre besondere Begeisterung gilt Geschäftsideen mit gesellschaftlich-sozialer Relevanz. Sie tummelt sich auch im Ausland – immer auf der Suche nach spannenden Gründerpersönlichkeiten und Geschäftsideen.



  1. deno

    Die Idee ist wirklich interessant! Da meine Oma auch gerne strickt, kenne ich den Aufwand der dahinter steckt. Ob allerdings jemand wirklich bereit ist für Mützen und Schals, welche sich kaum von Fabrikware unterscheiden lassen, diesen hohen, wenn auch angemessenen Preis zu bezahlen, bleibt abzuwarten…

  2. klingt nach einem sehr spannenden Startup, man kann ihnen nur viel Erfolg wünschen. Ich finde es jedenfalls eine gute Idee.



  3. Thorsten

    Sorry für mich sieht das nach einer reinen “Verarschungsnummer” aus. Mal ehrlich wer glaubt denn wirklich, dass diese Omas echt sind und den Schal oder was weiß ich wirklich gestrickt haben?

    Das verkauft sich halt gut. Die spielen mit der Vorstellung einer netten kleinen Oma, die für mich persönlich etwas strickt. Der Gedanke ist super, wahr daran ist wahrscheinlich nichts. Denn das würde sich aus betriebswirtschaftlicher Sicht nicht lohnen.

  4. @Thorsten: Wenn Du es nicht glaubst kannst Du ja mal gerne zu einem unserer Omi-Strick-Treffen in Fürth kommen! Da lernste die Omis direkt kennen (und lernst vielleicht noch stricken :) ).

    Oder schau auf unserer Facebook-Page, da sind gerade frisch die neusten Bilder vom letzten Omi Treff:
    http://www.facebook.com/pages/MyOma/282837201729221

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