Virtuelle Fotokabine: Bei ePortrait fotografiert man sich selbst

Die Idee klingt genial: Wer neue Passbilder braucht, setzt sich einfach zu Hause vor die Webcam, lässt sich ablichten und bekommt die Fotos ein paar Tage später per Post zugeschickt. Genau diesen simplen […]
Virtuelle Fotokabine: Bei ePortrait fotografiert man sich selbst

Die Idee klingt genial: Wer neue Passbilder braucht, setzt sich einfach zu Hause vor die Webcam, lässt sich ablichten und bekommt die Fotos ein paar Tage später per Post zugeschickt. Genau diesen simplen Dienst bietet das kleine Berliner Start-up ePortrait (www.eportrait.de) an – und punktet mit seinem Service vor allem in den Bereichen Bequemlichkeit und Preis: Das 12-Bilder-Set kostet gerade mal 6,50 Euro. Das Projekt stammt aus dem Umfeld von Günter Faltin, dem Berliner Professor für Entrepreneurship. Dieser hatte mit ClickYourPic schon einmal einen vergleichbaren Dienst unterstützt, der seine Pforten jedoch wieder schließen musste – aus Krankheitsgründen, wie Faltin gegenüber deutsche-startups.de nun verrät.

Die virtuelle Fotokabine von ePortrait stellt eine Maske bereit, mit der Nutzer ihre Kopfposition überprüfen können, um schließlich auf den Auslöser zu drücken. Am Ende sollen – je nach Wunsch – biometrische Fotos herauskommen, die derzeit überall gewünscht werden. Ganz aktuell melden die Krankenkassen Bedarf an Passbildern von ihren Versicherten an. Aber auch für Perso, Reisepass, Führerschein oder Studentenausweis werden die kleinen Bildchen ständig gebraucht. Da beim (Billig-)Fotografen meist nichts wirklich Hübsches rauskommt, ist das Posieren vor der eigenen Webcam eine echte Alternative. Die Kamera schießt auch nach Stunden noch geduldig Fotos und lässt bereitwillig zu, dass man sich zwischendurch umzieht oder die Frisur wechselt. Unschlagbar ist wie geschrieben auch der Preis, Versandkosten fallen keine an.

Problematisch: Hintergrund und Helligkeit

Einige Probleme gibt es aber auch noch, mit ihnen hatte bereits Vorgänger ClickYourPic zu kämpen. Trotz der beachtlichen Vorzüge war es für Nutzer am Ende schwierig, ein vernünftiges Foto hinzubekommen: Allein die Suche nach dem passenden Hintergrund erwies sich als problematisch. Mit dem Laptop vor die weiße Wand stellen war sicherlich die beste Möglichkeit; mit dem Festrechner sah es da schon problematischer aus. Auch die Frage, ob Gesicht bzw. Hintergrund zu hell oder zu dunkel sind, war am Bildschirm nicht immer leicht zu beantworten. Möglicherweise hätte das Start-up von Konstantin Kutzer diese Probleme in den Griff bekommen. Leider musste das Projekt aus Krankheitsgründen dann aber abgebrochen werden. “Darüber waren wir sehr traurig und suchten nach einer Möglichkeit, das tolle Konzept weiterleben zu lassen”, erklärt Faltin.

Diese Möglichkeit ist mit Sven Mätzschker, dem Geschäftsführer von ePorträt, nun gegeben. Dabei kann der Gründer auf die Erfahrungen seines Vorgängers, den er auch persönlich kennt, aufbauen. Schon jetzt sind interessante Ansätze zu erkennen, um genannte Schwierigkeiten in den Griff zu bekommen. Manche der geplanten technischen Rafinessen sind bei der aktuellen Version zwar noch nicht vorhanden, kommen aber noch. Die automatisierte Rückmeldung, ob Teile des Fotos zu hell oder zu dunkel sind, gibt es bereits. Auch für die Hintergrund-Problematik soll es in Zukunft eine Lösung geben, die z.B. Bildbearbeitungsmöglichkeiten mit einbezieht.

Eroberung des B2B-Marktes geplant

Entscheidend für den Erfolg dürfte aber sein, dass sich ePorträt nicht nur an Endkunden richtet sondern in das B2B-Geschäft einsteigen will. Das Start-up steht bereits in Verhandlungen mit Krankenkassen, Bürgerämtern und anderen öffentlichen Stellen. Der Mehrwert wäre für alle Beteiligten groß: Fotos könnten dann direkt nach der Webcam-Session elektronisch an die entsprechenden Ämter verschickt werden. Für ePortrait dürfte dieses Modell noch lukrativer sein als der Endkundenbereich.

Ein wichtiger Faktor wird beim Webcam-Fotoservice allerdings noch zu bedenken sein: Die unterschiedlichen Krankenkassen haben zum Teil unterschiedliche Anforderungen an die Fotos und auch bei Bildern für ein Visum gilt es länderspezifische Vorgaben einzuhalten. Damit der Dienst kein Nischenprodukt bleibt, müsste er für jede Art von Passfoto nutzbar sein und entsprechende Infos bzw. Masken bereitstellen – aber auch an diesem Problem sei man dran, erklärt Mätzschker.

Zum Thema
* ClickYourPic sagt ”Bitte lächeln!”

Seit Mai 2009 schreibt Yvonne für deutsche-startups.de Gründerportraits, Start-up-Geschichten und mehr – ihre besondere Begeisterung gilt Geschäftsideen mit gesellschaftlich-sozialer Relevanz. Sie tummelt sich auch im Ausland – immer auf der Suche nach spannenden Gründerpersönlichkeiten und Geschäftsideen.