txtr sammelt Kapital ein: 3M sicherte sich 32 % am E-Book-Vertreiber – textunes plant Comicoffensive

Ungewöhnlich, ungewöhnlich: Der amerikanische Technologiekonzern 3M (www.3m.de), der vor allem für die Marken Post-It und Scotch bekannt ist, investiert in den deutschen E-Book-Vertreiber txtr (www.txtr.com). Welchen Betrag das Unternehmen, das weltweit etwa 80.000 […]

Ungewöhnlich, ungewöhnlich: Der amerikanische Technologiekonzern 3M (www.3m.de), der vor allem für die Marken Post-It und Scotch bekannt ist, investiert in den deutschen E-Book-Vertreiber txtr (www.txtr.com). Welchen Betrag das Unternehmen, das weltweit etwa 80.000 Menschen beschäfigt, Niederlassungen in 65 Ländern unterhält und einen Umsatz von 27 Miliarden US-Dollar erwirtschaftet, bei txtr investiert, ist unbekannt. Da sich 3M, steht übrigens für Minnesota Mining and Manufacturing, aber stattliche 32 % an textr sicherte darf man aber wohl von einem ordentlichem Investment ausgehen. Vielleicht erklärt die nun verkündete Finanzierungsrunde auch das 3M-Paket mit dutzenden Produktproben, das kürzlich in die Redaktion von deutsche-startups.de flatterte. Offenbar will der Technologiekonzern, der sich selbst als eines der “innovativsten Unternehmen weltweit” bezeichnet, auch in der deutschsprachigen Gründerszene einen Namen machen.

Das Berliner Start-up txtr erblickte 2008 das Licht der Welt: Das Unternehmen startete als “zentrale Anlaufstelle für alle lesenswerten Dokumente im Netz”. “Langfristig steht dahinter die Idee, mobile Geräte und Ebook-Reader wie den Amazon Kindle oder den Sony Reader von einer Anwendung aus mit interessanten Texten zu bespielen”, teile das Team um Christophe Maire und Andreas Steinhauser damals mit. Registrierte Nutzer konnten bei txtr zum Start ihre eigenen Texte hochladen und entweder in einen privaten oder einen öffentlichen Ordner schieben. Daneben setzte txtr auf ein Clippingtool, mit dem jeder Nutzer ganze Webseiten oder Ausschnitte einzelner Artikel – inklusive Styles und Bildern – abspeichern konnte. Auch ein eigener eBook-Reader war mal im Gespräch. Inzwischen fokussiert sich texr auf das Thema digitalen Lesen und somit den “Verkauf, die Suche, das Lesen sowie die Verteilung von digitalen Büchern auf unterschiedlichste Endgeräte”. Das 60-köpfige Team um die ehemaligen gate5-Macher hat sich zum Ziel gesetzt, “eines der weltweit größten Netzwerke für digitale Inhalte aufzubauen”. Nicht überball, wo txtr drin ist, steht aber txtr drauf. So setzt der E-Book-Vertreiber auch auf White Label-Lösungen.

textunes plant Comicoffensive

“Das beachtliche finanzielle Engagement zeigt, wie wichtig der Markt für 3M geworden ist“, sagt Geschäftsführer Maire.”Denn das Geschäft mit eReading und eBooks wird sich viel stärker entwickeln als bisher erwartet. Allgemein angenommen wird, dass bis 2014 etwa 5 % vom insgesamt 90 Millionen US Dollar schweren Verlags-Markt digital sein werden. Wir bei txtr gehen von bis zu 30 % aus. Mit unseren White Label-Lösungen können unsere Partner davon direkt profitieren.” Für Stefan Gabriel, President 3M New Ventures, waren auch eigene Interesse bei der Beteiligung wichtig: “Wir können die eReading Cloud Services von txtr nutzen, um kommerziell attraktive Lösungen für unsere Kunden anzubieten.“ Zu den Wettbewerbern von txtr gehört unter anderem textunes (www.textunes.de). Das Berliner Start-up ist auf die Veröffentlichung von Verlagsinhalten auf mobilen Endgeräten spezialisiert. Verlage wie Cornelsen, Suhrkamp und rowohlt bringen ihre Werke mit textunes aufs iPhone und iPad.

Die Bandbreite reicht von “Die Chemie des Todes” (Simon Beckett) über “Ich hab dich im Gefühl” (Cecelia Ahern) bis zu “Yoga-Fitness” (Anna Trökes). Momentan plant das Start-up offenbar eine Offensive im Bereich Comics und spricht hierfür mit mehreren Comic-Verlagen. In den USA ist comiXology (www.comixology.com) in diesem spannenden Segment äußerst umtriebig. Das Angebot von comiXology lässt fast keine Wünsche offen. Doch zurück nach Deutschland: Als technischer Dienstleister und Lizenzpartner dürften txtr und textunes einige große Zukunft haben – als große umfassende Verkaufsplattform wird in Sachen Vertrieb aber sicherlich amazon das Rennen machen! txtr versucht in diesem Segment dank Partnerschaften mit Acer und Asus aber zumindest einmal mitzuspielen.

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Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.

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