Fünfzehn Fragen an Carsten Frien von madvertise

Was bedeutet es Ihnen, Ihr eigener Chef zu sein? Die Freiheit, das Geschäftsmodell des Unternehmens mit aufzubauen und direkt entscheiden zu können. Und die Freiheit, eine Unternehmenskultur der “madness” zu implementieren, hinter der […]

Was bedeutet es Ihnen, Ihr eigener Chef zu sein?
Die Freiheit, das Geschäftsmodell des Unternehmens mit aufzubauen und direkt entscheiden zu können. Und die Freiheit, eine Unternehmenskultur der “madness” zu implementieren, hinter der das gesamte Team steht. Bei madvertise erhielt ich außerdem die Chance, ein dynamisches Team an Technologie- , Vertriebs- und mobile Advertising-Experten aufzubauen. Zusammen mit meinen drei Mitgründern Pan Katsukis, Thomas Hille und Martin Karlsch haben wir diese Chance und diese Freiheiten genutzt und ein Spitzen-Team im Bereich Mobile aufgestellt.

Bei welcher Gelegenheit kam Ihnen die Idee zu Ihrem Start-up?
Die Idee zu madvertise kam von Team Europe Ventures. Team Europe Ventures stellte auf Basis der Idee das Gründerteam zusammen, das sich der Idee annahm und daraus ein für den Markt passendes Produkt entwickelte.

Woher stammte das Kapital für Ihr Unternehmen?
madvertise wird von Team Europe Ventures, Earlybird und renommierten Business Angels aus Agenturen, Medien- und Internetunternehmen unterstützt.

Was waren bei der Gründung Ihres Start-ups die größten Stolpersteine?
madvertise wurde mitten in der Finanzkrise gegründet, so dass die Finanzierung sich etwas schwierig gestaltete. Im Nachhinein war es aber genau der richtige Zeitpunkt, um in den Smartphone-Markt zu investieren und sich darin zu engagieren. Dennoch war es anfangs ein noch sehr intransparenter Markt, der es uns erschwerte, die richtigen Produktentscheidungen zu treffen – besonders in Hinblick auf Apples App Store.

Was würden Sie rückblickend in der Gründungsphase anders machen?
Transparenz ist für uns ein entscheidender Wachstumsfaktor und damit ein wichtiger Teil unserer Unternehmensphilosophie – sei es gegenüber Kooperationspartnern, unseren Mitarbeitern oder den Investoren. Auch lassen wir uns inzwischen von den Investoren weniger ablenken als noch in der Gründungsphase.

Jedes Start-up muss bekannt werden. Welche Marketingspielart ist für Sie besonders wichtig?
Besonders effizient und wichtig ist für uns die Präsenz auf Fachmessen. Hier versammeln sich genau die Unternehmen und Einzelpersonen, die das Potential von Mobile Advertising erkannt haben und eben hier investieren wollen. Natürlich sind wir darüber hinaus auch in der klassischen PR Arbeit und im Bereich Social Media aktiv.

Welche Person hat Sie bei der Gründung besonders unterstützt?
Ohne die Idee, die Unterstützung und die Zusammenführung des Gründerteams durch Team Europe Ventures gäbe es madvertise heute nicht. Team Europe Ventures hat uns bei der Gründung und allen damit verbundenen organisatorischen Belangen unterstützt. Zusätzlich konnten wir durch das Netzwerk unserer Investoren erst das Team aufbauen, aus dem madvertise heute besteht.

Welchen Tipp geben Sie anderen Gründern mit auf den Weg?
Think Big! Hören Sie weniger auf Ihre Investoren! Und hören Sie weniger auf die Meinung anderer, die glauben, für Sie interessante (Nischen-)Märkte seien noch nicht ausgereift genug, um sich dort zu investieren. Gerade die noch jungen, innovativen Bereiche sind es, in denen Gründer den Mut haben sollten, Neues zu erschaffen und neue Wege zu gehen. Innovationen können nur dadurch entstehen, dass man auch mal gegen den Strom schwimmt.

Sie treffen den Bundeswirtschaftsminister – was würden Sie sich für den Gründungsstandort Deutschland von ihm wünschen?
Die Fördermittel in Deutschland sind gerade im Technologiebereich bereits großartig aufgestellt und suchen im Ländervergleich ihresgleichen. Deutschland ist damit für Start-ups besonders attraktiv. Leider aber sind die Wege hin zu den Mitteln noch immer sehr bürokratisch. Dies wird von vielen Gründern als große Hürde angesehen. Wünschenswert wäre deshalb eine noch besser ausgebaute Beratungsstrategie für Gründungswillige, die sich um die zahlreichen Fördergelder bemühen wollen, um ihre Idee auch finanziell abzusichern.

Was würden Sie beruflich machen, wenn Sie kein Start-up gegründet hätten?
Ein anderes Start-up gründen. Die Geschwindigkeit, mit der man als Start-up Ideen umsetzen kann, ist für mich eine faszinierende berufliche Herausforderung, der ich mich immer wieder stellen möchte. Die Leidenschaft und der Enthusiasmus eines Startup-Teams tragen zusätzlich zu dieser Faszination bei.

Bei welchem deutschen Start-up würden Sie gerne mal Mäuschen spielen?
Viele Start-ups sind mir durch unser Netzwerk bereits bekannt. Interessieren würde mich deshalb weitaus mehr, wie Unternehmen wie Amazon oder Apple den Wachstumsschritt von einem kleinen Start-up hin zu einem Großunternehmen geschafft haben, ohne dabei den Geist des Start-ups zu verlieren.

Sie dürften eine Zeitreise unternehmen: In welche Epoche reisen Sie?
Silicon Valley in den 1970er Jahren. Wir wiederholen heute das, was die Jungs in ihren Garagen damals begonnen haben – mit dem gleichen Enthusiasmus, dem selben Glauben an unsere Produkte und ähnlichen Visionen für die Zukunft.

Sie haben eine Million Euro zur persönlichen Verfügung: Was machen Sie mit dem ganzen Geld?
In Ideen im Bereich Mobile investieren. Nichts besitzt für mich mehr Zukunfts- und Wirtschaftskraft als dieses Thema und dieser Markt.

Wie verbringen Sie einen schönen Sonntag?
Ricardo Villalobos und Ritchie Hawtin legen im Club der Visionäre auf und meine Freundin sowie alle meine Freunde aus Berlin, Frankfurt/Main, Hamburg, der Schweiz und Singapur sind mit dabei.

Mit wem würden Sie sich gerne einmal auf einen Kaffee oder ein Bier verabreden?
Eric Schmidt – wegen seines trockenen Humors und seiner dadurch unverwechselbaren Art.

Zur Person
Carsten Frien studierte Betriebswirtschaftslehre an der Universität Hamburg und an der Aarhus Business School (DK). Während dieser Zeit gründete er bereits seine ersten beiden Internet Start-ups. Anschließend arbeitete er in unterschiedlichen Positionen für Digital Rum und AOL Time Warner. Zuletzt war er als Geschäftsführer für Tipp24 tätig. Aktuell ist Frien Mitgründer von madvertise (www.madvertise.de), dem Marktplatz für mobile Werbung. Hier verantwortet er die Bereiche Strategieentwicklung, Business Development, Personal, Recht, Investoren, Produkt und Technologie.

Seit Mai 2009 schreibt Yvonne für deutsche-startups.de Gründerportraits, Start-up-Geschichten und mehr – ihre besondere Begeisterung gilt Geschäftsideen mit gesellschaftlich-sozialer Relevanz. Sie tummelt sich auch im Ausland – immer auf der Suche nach spannenden Gründerpersönlichkeiten und Geschäftsideen.

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