Fünfzehn Fragen an Stephan Roppel von gutefrage.net

Was bedeutet es Ihnen, Ihr eigener Chef zu sein? Realistischerweise hat man in fast allen Fällen auch als Geschäftsführer oder Unternehmer gegenüber anderen Gesellschaftern, Kunden oder Mitarbeitern Verpflichtungen. Trotzdem ist ein hohes Maß […]

Was bedeutet es Ihnen, Ihr eigener Chef zu sein?
Realistischerweise hat man in fast allen Fällen auch als Geschäftsführer oder Unternehmer gegenüber anderen Gesellschaftern, Kunden oder Mitarbeitern Verpflichtungen. Trotzdem ist ein hohes Maß an Autonomie ein sehr wichtiger Faktor für die Motivation und Zufriedenheit.

Bei welcher Gelegenheit kam Ihnen die Idee zu Ihrem Start-up?
In einem Münchner Café beim Brainstoming mit Leuten, die den Zusammenhang zwischen Community, Ratgeberinhalten, Suche und zielgenauer Werbung erkannt hatten.

Woher stammte das Kapital für Ihr Unternehmen?
Von Holtzbrinck eLab, dem damaligen Inkubator der Verlagsgruppe von Holtzbrinck.

Was waren bei der Gründung Ihres Start-ups die größten Stolpersteine?
Die gab es im Grunde nicht: Wir hatten eine Idee, ein kleines, schlagkräftiges Team, eine ausreichende Finanzierung und ein Umfeld, das die Konzentration auf die Sache zuließ.

Was würden Sie rückblickend in der Gründungsphase anders machen?
Wenn man von Anfang an gewusst hätte, dass gutefrage.net ein solcher Erfolg wird, hätte man natürlich früher noch mehr investieren können, aber das wäre zu dem Zeitpunkt unvernünftig gewesen.

Jedes Start-up muss bekannt werden. Welche Marketingspielart ist für Sie besonders wichtig?
Zuerst einmal stützen wir uns sehr stark auf die Stärken unseres Produkts. Das heißt zum einen, eine gute Plattform für Fragende und Antwortende anzubieten, zum anderen die Fähigkeit, für viele Suchanfragen die einzige oder hilfreichste Information zu bieten.
Im Marketingmix spielen Aktionen wie zum Beispiel die “gutefrage.net-Auszeichnung”, bei der unsere riesige und themenorientierte Community Dienstleister und Hersteller bewertet, eine wichtige Rolle. Hohe Budgets für Branding oder SEM geben wir nicht aus, aber in Zukunft werden wir noch mehr für unsere Bekanntheit als führende Medienmarke im Ratgeberbereich tun.

Welche Person hat Sie bei der Gründung besonders unterstützt?
Mein damaliger Kollege Michael Munz.

Welchen Tipp geben Sie anderen Gründern mit auf den Weg?
Erst mal ein stabiles Gesellschafter- und Finanzierungsumfeld schaffen, das möglichst wenig Ablenkung von der eigentlichen Arbeit bedeutet. Starten sollte man mit einer klaren Kernidee, im damit gesetzten Rahmen maximal flexibel den richtigen Weg entdecken, und danach konsequent und ohne zu viele Seitenblicke an der Umsetzung arbeiten.

Sie treffen den Bundeswirtschaftsminister – was würden Sie sich für den Gründungsstandort Deutschland von ihm wünschen?
Sonderregelungen für junge / kleine Unternehmen in Hinsicht auf bürokratische Erfordernisse. Die Schaffung eines risiko- und unternehmerfreundlichen Gesamtklimas in Deutschland ist als Aufgabe nicht durch den jeweiligen Wirtschaftsminister allein zu schaffen.

Was würden Sie beruflich machen, wenn Sie kein Start-up gegründet hätten?
Die Frage stelle ich mir aktuell nicht.

Bei welchem deutschen Start-up würden Sie gerne mal Mäuschen spielen?
In einer ganz anderen Branche, die Forschung und Entwicklung betreibt, zum Beispiel Energie oder BioTec.

Sie dürften eine Zeitreise unternehmen: In welche Epoche reisen Sie?
In die Antike.

Sie haben eine Million Euro zur persönlichen Verfügung: Was machen Sie mit dem ganzen Geld?
Konservativ anlegen und im Verborgenen ein bisschen Gutes tun.

Wie verbringen Sie einen schönen Sonntag?
Raus in die Berge und dann abends gemütlich ausklingen lassen.

Mit wem würden Sie sich gerne einmal auf einen Kaffee oder ein Bier verabreden?
Mit Freunden von früher, die ich zu selten sehe.

Zur Person
Nach seiner Dissertation arbeitete Stephan Roppel zunächst als Projektleiter für Internet-Produkte für den Münchner Online-Dienst CompuServe. Es folgten Stationen als Leiter des Competence Centre Multimedia der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck sowie als Internet-Manager bei der Wissenschaftszeitung “Nature” bei Macmillan Publishers in London. Anschließend verantwortete Roppel als Mitglied der Geschäftsleitung bei Amazon.de mehrere Jahre das Mediengeschäft. Ab Dezember 2004 leitete er die Unternehmensentwicklung der Verlagsgruppe von Holtzbrinck und gründete im Januar 2006 als Geschäftsführer die Holtzbrinck eLAB GmbH. Seit Anfang 2010 ist er Geschäftsführer von gutefrage.net (www.gutefrage.net).

Seit Mai 2009 schreibt Yvonne für deutsche-startups.de Gründerportraits, Start-up-Geschichten und mehr – ihre besondere Begeisterung gilt Geschäftsideen mit gesellschaftlich-sozialer Relevanz. Sie tummelt sich auch im Ausland – immer auf der Suche nach spannenden Gründerpersönlichkeiten und Geschäftsideen.

  1. Zunächst erst einmal herzlichen Dank für das hochinteressante und informative Interview. Ich denke mal, es ist wirklich ein guter Weg für kleinere und mittlere, nicht soviel für Brandings, d. h. Markenbekanntmachung und deren Pflege, auszugeben. Aus meiner Sicht führen gut geführte und gepflegte Communitys mit weniger Geld oft zu dem gleichen Erfolg.

  2. Mich hätte mal interessiert, ob Herr Stephan Roppel auch ohne seine Geschäftsbeziehungen, während er bei Holtzbrinck gearbeitet hat, und die Finanzierung durch Holtzbrinck eLab das Startup gutefrage.net soweit gebracht hätte.

  3. Mich hätte mal interessiert, ob Herr Stephan Roppel auch ohne seine Geschäftsbeziehungen zu Holtzbrinck, wo er gearbeitet hat und die Finanzierungshilfe von Holtzbrinck eLab das Startup gutefrage.net zum Erfolg gebracht hätte.

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