Fünfzehn Fragen an Boris Polenske von pkw.de

Was bedeutet es Ihnen, Ihr eigener Chef zu sein? Entscheidungen fällen, Verantwortung tragen, Freiheiten nutzen… Ich bin es im Großen und Ganzen nicht anders gewohnt, denn bereits seit meiner Schulzeit, bin ich selbständig […]

Was bedeutet es Ihnen, Ihr eigener Chef zu sein?
Entscheidungen fällen, Verantwortung tragen, Freiheiten nutzen… Ich bin es im Großen und Ganzen nicht anders gewohnt, denn bereits seit meiner Schulzeit, bin ich selbständig in der Wirtschaft “unterwegs”. Man kann sagen ich startete mein Unternehmertum mit der Firma klicksoft, ich expandierte mit klickTel und nun perfektioniere ich es mit pkw.de.

Bei welcher Gelegenheit kam Ihnen die Idee zu Ihrem Start-up?
Die Ideen für Start-ups entwickeln sich bei mir immer aus dem (Arbeits-)Alltag. Die Basis für die Online-Fahrzeugbörse pkw.de war im Ansatz ja bereits vorhanden, als ich im Sommer 2008 in die Caroo GmbH, die Betreibergesellschaft von pkw.de, einstieg. Ich hatte vorab vielversprechende Gespräche mit den Betreibern geführt und sah nach einer strategischen Neuausrichtung enormes Potenzial für pkw.de. Und nicht zuletzt stellt diese Online-Autobörse das perfekte Unternehmen für mich dar, um mein Know-how aus dem digitalen Bereich einzubringen. Und was gibt es Spannenderes, als den hart umkämpften, deutschen Fahrzeughandel – das gilt vor allem fürs Internet.

Woher stammte das Kapital für Ihr Unternehmen?
Es gibt zwei Säulen des Unternehmens: Die Caroo GmbH mit Sitz in Köln ist ein Portfoliounternehmen der Media Ventures GmbH. Diese gehört in Deutschland zu den führenden, unabhängigen Corporate Venture Capital Gesellschaften und investiert erfolgreich in junge Medien- und Technologieunternehmen, wie jollydays, sevenload und weg.de. Zudem bin ich im Juli 2008 nicht nur als Geschäftsführer, sondern auch als Gesellschafter ins Unternehmen eingestiegen und habe Erlöse aus dem Verkauf meiner klickTel-Anteile als Investition eingebracht.

Was waren bei der Gründung Ihres Start-ups die größten Stolpersteine?
Eine kritische Größe zu erreichen, sei es in Hinblick auf die Nutzerzahlen, die eingestellten Fahrzeuge oder die angeschlossenen Händler. Denn wie kaum ein anderer Markt, wurde die deutsche Autobörsen-Landschaft auf der einen Seite von zwei Big-Playern beherrscht, auf der anderen Seite von vielen kleinen Anbietern umkämpft, die es dem User eher schwierig machten, sich zu orientieren. Da muss das Konzept stimmen, wenn Sie mit einer neuen Börse einen Platz unter den Top-3 anstreben – und das haben wir in nur eineinhalb mit pkw.de Jahren geschafft. Und nun sind wir mit riesen Schritten auf dem Weg zur Deutschlands führender Online-Autobörse für den privaten Endverbraucher.

Was würden Sie rückblickend in der Gründungsphase anders machen?
Wenn überhaupt mal Zeit im schnellen Online-Geschäft bleibt, schaue ich lieber vor als zurück. Aber in der Tat gibt es immer ein paar Entscheidungen, die man im Nachhinein anders fällen würde. Wie zum Beispiel die noch schnellere Einführung von bezahlten Serviceprodukten für den kommerziellen Handel.

Jedes Start-up muss bekannt werden. Welche Marketingspielart ist für Sie besonders wichtig?
Es ist bundesweit auch in diesem Jahr kaum zu übersehen: für pkw.de ist die Außenwerbung extrem wichtig. Natürlich im Zusammenspiel mit einem ausgereiften Mix an On- und Offline-Maßnahmen. Durch unsere enge Verbindung zur Ströer Außenwerbung, dem mit über 280.000 Werbeflächen führenden Unternehmen Deutschlands, ist und bleibt die direkte Ansprache des Kunden auf der Straße ein zentrales Standbein für uns. Und der Erfolg gibt uns Recht.

Welche Person hat Sie bei der Gründung besonders unterstützt?
Dirk Ströer ist sicherlich ein zentraler Faktor für meinen Einstieg bei der Caroo GmbH und das Engagement auch als Gesellschafter. Als Medienunternehmer, Vermarktungsexperte und Mit-Geschäftsführer der Media Ventures GmbH ist Dirk Ströer von Beginn an ein wichtiger Gesprächspartner gewesen. Er steuert als Teilhaber der Ströer Out-of-Home Media sein bundesweites Außenwerbepotenzial bei und hat so maßgeblichen Anteil am Erfolg von pkw.de. Und die Chemie zwischen uns stimmt – auch das ist wichtig.

Welchen Tipp geben Sie anderen Gründern mit auf den Weg?
Einen grundlegenden: Geschäftsmodelle mit einem tragfähigen Erlöskonzept zu suchen. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es an gut gemeinten Ratschlägen aus dem Umfeld eines Gründers nie mangelt. Nur, die konkreten Erfahrungen, die muss jeder im Tagesgeschäft selber sammeln, da gibt es keine Alternative.

Sie treffen den Bundeswirtschaftsminister – was würden Sie sich für den Gründungsstandort Deutschland von ihm wünschen?
Das sich unsere Gemeinsamkeiten – Herr zu Guttenberg ist ebenfalls Jahrgang 1971, verheiratet und hat zwei Kinder – auch in identischen Ansichten niederschlagen: einen freien, unreglementierten Wirtschaftsstandort Deutschland, in dem Gründungsunternehmen besonders gefördert und nicht belastet werden. Aber fragen Sie mich nach der Bundestagswahl noch mal …

Was würden Sie beruflich machen, wenn Sie kein Start-up gegründet hätten?
Ich würde wahrscheinlich an einer digitalen Herausforderung “basteln”, um dann doch irgendwann das passende Start-up dafür zu gründen.

Bei welchem deutschen Start-up würden Sie gerne mal Mäuschen spielen?
Wenn es ein deutsches Start-up sein sollte, dann bei XING zum Beispiel, da gäbe es sicherlich interessante Ansätze, vielleicht was die Kundenbindung oder die Entwicklung von neuen Produkten und Features betrifft. Aber noch lieber würde ich mich beim einem internationalen Start-Up umsehen: bei Facebook.

Sie dürften eine Zeitreise unternehmen: In welche Epoche reisen Sie?
Jede Epoche hat Ihren Reiz, aber wenn ich es jetzt spontan entscheiden sollte, dann würde ich in die 1930er Jahre reisen: erst nach Italien, um einem gewissen Herrn Enzo Ferrari bei der Gründung seines Rennstalls unauffällig über die Schulter zu schauen und Pioniergeist aufzusaugen. Und dann mache ich gleich noch einen Abstecher nach Stuttgart, um bei der gerade eröffneten “Dr. Ing. h.c. F. Porsche GmbH” hinter die Kulissen zu schauen.

Sie haben eine Million Euro zur persönlichen Verfügung: Was machen Sie mit dem ganzen Geld?Ich investiere es in mein – oder in ein – junges Unternehmen, in kreative Marketingaktionen, in die Entwicklung neuer Dienstleistungen. Da fällt mir eine Menge ein.

Wie verbringen Sie einen schönen Sonntag?
Mit der Familie im Freien, derzeit gerne am Rhein, denn wir sind ja erst vor Kurzem aus dem ländlichen Münsterland in die rheinische Metropole Köln gezogen und genießen die einmalige Atmosphäre dieser Region.

Mit wem würden Sie sich gerne einmal auf einen Kaffee oder ein Bier verabreden?
Mit Chip Perry, dem Präsidenten und CEO von autotrader.com, aber eines sicher: Ich würde dabei mit ihm ein gutes Glas Wein im Napa Valley bevorzugen.

Zur Person
Boris Polenske, Jahrgang 1971, leitet seit Juli 2008 die Caroo GmbH, die Betreibergesellschaft von pkw.de (www.pkw.de). Gemeinsam mit der Media Ventures GmbH ist er auch Teilhaber der Online-Autobörse. Bevor Boris Polenske zu pkw.de wechselte, war er Vorstandsvorsitzender der heutigen klickTel AG. Bereits während seiner Schulzeit gründete er die Firma klicksoft und veröffentlichte 1993 zur Umstellung der Postleitzahlen eine digitale Auskunft auf CD. 1995 brachte er die erste Telefonbuch-CD “D-Info” auf den Markt, die er selbst entwickelte. Vier Jahre später gründet er schließlich mit der klickTel GmbH die Vorgängerin der heutigen klickTel AG.

Geboren 1978, studierte Soziologie, Politik und Psychologie an der Freien Universität in Berlin. Erste journalistische Erfahrungen sammelte sie im Jahr 2000 im Onlineressort des Medienfachdiensts “kressreport”. Ein Jahr später zog es sie ins Ruhrgebiet zu “Unicum”. Seit 2008 gehört Veronika Hüsing zum Redaktionsteam von deutsche-startups.de.



  1. Julian Nöll

    Gefällt mir gut das Interview, wirklich gelungen

  2. Hab ihn vor einiger Zeit als wenig zuverlässig kennengelernt.

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